Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

P. Ulrich Faust OSB (Hg.): Die Benediktsregel

Die unter dem Namen des hl. Benedikt von Nursia überlieferte Regel gehört zu den prägenden Texten des christlichen Abendlandes. Nicht nur in kirchlichen Kreisen, sondern auch als Orientierungsmaßstab für Manager und Führungskräfte findet sie bis heute Anklang. Dass der Reclam-Verlag in seinem bewährten Kleinformat eine zweisprachige Ausgabe vorlegt, ist zu begrüßen. Die konsequent parallele Anordnung von lateinischem Originaltext und deutscher Übersetzung erleichtert das Studium, die Lectio und Meditatio der Regel.

Ein Nachwort aus der Feder des renommierten Benediktinerhistorikers Ulrich Faust führt in die Geschichte der Regel ein. Faust hält an einem historischen Kern der Dialoge Gregors des Großen als einzigem Zeugnis für das Leben Benedikts fest. Die Regula Benedicti sieht er in der Tradition der Regula Magistri, aus der Benedikt ganze Passagen übernimmt. Doch es ist nicht die einzige Quelle: „Die Regel Benedikts setzt den Schatz der monastischen Tradition voraus, wie sie in Klöstern Italiens lebendig war.“ (188) Benedikts Klosterleitung ist „weder eine absolute Monarchie noch eine Oligarchie oder Demokratie“ (190), sondern eine Mischung aus verschiedenen Regierungsformen. Der Tagesablauf kennt etwa acht Stunden Ruhe, vier Stunden Studium und zwischen sechs und acht Stunden körperlicher Arbeit. Ulrich Faust legt besonderen Wert auf die „discretio“, die ein nicht zu übermäßiges Maß in allem kennt – in Gebet und Arbeit, im Essen und Fasten. Die zentrale Quelle, aus der Benedikt am häufigsten zitiert, ist die Heilige Schrift.

Die Regel Benedikts wurde zunächst im Frankenreich rezipiert, wohin auch die Gebeine des Stifts selbst nach der Zerstörung Monte Cassinos gebracht wurden. Als Normregel wurde sie vom zweiten Benedikt (von Aniane) 816 für die fränkischen Klöster eingeführt. Erhellend ist der knappe Überblick, den Ulrich Faust über die seit dem 9. Jahrhundert vorliegenden Kommentare zur Regel bietet. Bis in die Gegenwart hinein werden durch sie immer neue Zugänge zum Text erschlossen.

Eine gute Ergänzung findet die Textausgabe durch den vor kurzem von Michaela Puzicha und Theodor Hausmann im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz herausgegebenen Jahreskommentar zur Regel: „Benedikt für jeden Tag“ (St. Ottilien 2019).

Lateinisch / Deutsch
Übersetzt von Gernot Krappinger
Stuttgart: Reclam Verlag. 2018
211 Seiten
6,80 €
ISBN 978-3-15-019280-1

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