Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Thomas Feibel: Jetzt pack doch mal das Handy weg!

Die digitalen Geräte, v.a. das Smartphone, haben unsere Gesellschaft sehr verändert und sind vielerorts zu einem der Hauptstreitpunkte in der Erziehung geworden.Thomas Feibel, Journalist, Medienexperte und vierfacher Vater, schreibt sein Buch als Erziehungsratgeber für Eltern, die ihre Kinder auf die Smartphone-Nutzung vorbereiten bzw. diese regulieren wollen. Er führt Argumente ausgewiesener Experten und Studien ins Feld, schildert Fallbeispiele, berichtet von eigenen Erfahrungen und beleuchtet das Thema umfassend.

Gleich im ersten Kapitel „Vorbild sein" appelliert der Autor ausführlich und eindringlich an die Eltern bzw. Erwachsenen, sich ihrer eigenen Gewohnheiten bewusst zu werden und mit gutem Beispiel voranzugehen. Und auch in den weiteren Kapiteln nimmt er Eltern immer wieder in die Pflicht, sich mit der Thematik zu beschäftigen und ihrer Erziehungsverantwortung gerecht zu werden.

Das Kapitel „Prävention" beschäftigt sich mit den Grundsatzfragen bei der Einführung in die digitalen Geräte, „Orientierung" beleuchtet die erste Nutzung, stellt die Netzwelt mit ihren vielfältigen Apps vor und benennt die notwendigen Schutz-Einstellungen. „Regeln" konkretisiert die gebotenen Verhaltensweisen für Kinder und Jugendliche bezüglich der Nutzungsdauer und der Inhalte, die rechtliche, wirtschaftliche und soziale Sicherheit bieten. „Sucht" erläutert die Problematik im übermäßigen Umgang mit Smartphones und „Technikverständnis" klärt über soziale Netzwerke und deren Gefahren auf.

„Empowerment" widmet sich den Chancen bezüglich der Kreativität, die sich mit den neuen Medien bieten, und hier findet auch das Thema Schule seinen Ort. Feibel sieht Anhaltspunkte für einen inkonsequenten Umgang der Schulen bei der Nutzung von Smartphones. In diesem Zusammenhang schildert er den Ansatz eines Schulleiters eines sachsen-anhaltinischen Gymnasiums, angeleitete Nutzung in den Schulstunden zu erlauben und in den Pausen zu verbieten. Den Kritikern einer solchen Praxis hält er entgegen, dass das Handy als zeitgemäßes Werkzeug zu betrachten sei und dessen Nutzung nicht mit großen Erwartungen wie Lernförderung oder Motivationssteigerung aufgeladen werden sollte. Im letzten Kapitel schlägt der Autor vor, regelmäßig ein „Digital Detox" zur Entspannung für die ganze Familie einzulegen.

Angenehm fällt auf, dass der Autor einen Weg zwischen der nicht realisierbaren Ablehnung und der kritiklosen Glorifizierung von Medienkonsum im Kindes- und Jugendalter einschlägt. Er positioniert sich im Sinne des „positiven (Erziehungs)Stils“ als „kindzentrierter, aktiver Elterntypus“ (159), der Kinder beobachtet, sich informiert, fördert, warnt, aber nicht blockiert, insofern pragmatisch und nicht ideologisch mit der Thematik umgeht und realistische Ratschläge gibt. Ausführlich wird dabei eine sinnvolle Einführung in das Gerät für jüngere Kinder gegeben. Eltern, denen die Smartphone-Nutzung ihrer medientechnisch bereits sozialisierten älteren Kinder und Jugendlichen missfällt, würden sich – auch wenn der Autor Reglementierungen bei Pubertierenden für nahezu nicht mehr möglich hält – zuweilen noch etwas mehr Informationen zu dieser Zielgruppe wünschen. Insofern spiegelt der Titel, der das Kapitel über Sucht anführt, und erst recht der verkaufsfördernde Untertitel den gesamten Inhalt des Buchs nicht korrekt wider.

Optisch gut gegliedert mit kleinen Tests und Listen, leider aber ohne Stichwortverzeichnis, lädt das Buch zum wiederholten Nachschlagen ein. Obwohl es v.a. an Eltern gerichtet ist, können sich sehr wohl auch Schulen anregen lassen.

Wie wir unsere Kinder von der digitalen Sucht befreien
Berlin: Ullstein Verlag. 2017
271 Seiten
9,99 €
ISBN 978-3-548-37719-3

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