Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Erich Garhammer: Und er bewegt sie doch

Wie Papst Franziskus Kirche und Welt verändert

Erich Garhammer legt keine Biografie des amtierenden Papstes vor, sondern versucht, die Veränderung von Kirche und Welt durch Franziskus an Beispielen aufzuzeigen. Er mutmaßt, warum Benedikt XVI. zurückgetreten ist, und schildert dann den Auftritt des neuen Papstes. Länger wird zitiert, wie der neue Papst sich in kurzen Antworten auf kurze Fragen charakterisiert. Auf einige Motive aus dem Interview geht Garhammer näher ein: Die Großmutter Jorge Bergoglios, die Liedform der Milonga, die Rede im Vorkonklave, in der es um die Deutung des II. Vatikanischen Konzils geht, und die Erinnerung an Papst Johannes XXIII. Mehr in die Tiefe gehen Erörterungen über das Verhältnis Jorge Bergoglios zum Jesuitenorden, zur ignatianischen Spiritualität, zum...

Michael Kühnlein: Wer hat Angst vor Gott?

Über Religion und Politik im postfaktischen Zeitalter

Michael Kühnlein, Dozent am Institut für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt a.M., sieht im Blick auf das Projekt der Moderne zwei vielen Einzelaussagen vorausgehenden Hintergrundüberzeugungen am Werk: auf der einen Seite eine emanzipatorische Weltsicht ohne Gott mit Bildern von Immanenz, Befreiung und Selbstermächtigung, auf der anderen Seite eine tradierte religiöse Weltsicht mit Bildern von Transzendenz, demütigem Glaubensgehorsam und Selbstbegrenzung. Unheilvoll ist dieser Konkurrenzkampf für die Moderne dadurch, dass jede Partei für sich eine Existenzberechtigung nur darin zu sehen vermag, die andere triumphalistisch niederzuringen, anstatt komplementäre Lernprozesse einzugehen – ein selbstzerstörerisches Desiderat,...

Annette Schleinzer: Madeleine Delbrêl

Prophetin einer Kirche im Aufbruch
Impulse für Realisten

Aus unterschiedlichen Perspektiven beschreibt Annette Schleinzer zunächst die aktuelle „Realsituation“ von Kirche und Glaube, um darauf mit Madeleine Delbrêls (1904-1964) „Realismus“– unter dem Motto: Optimismus trifft Pessimismus – zu antworten. Zu Recht verweist die Verfasserin auf die Bedeutung des Blickwinkels und der Einstellung, wenn sie der „Großwetterlage“ von Kirche und Glaube die erfrischende, elanvolle Sicht der „Nachkonzilsprophetin“ entgegensetzt. Das „Gefühl der Niederlage, das uns in unzufriedene und ernüchterte Pessimisten mit düsterem Gesicht verwandelt“ (Papst Franziskus), löst sich auf, wenn man mit Madeleine Delbrêl, der immer bekannter werdenden französischen Mystikerin, Sozialarbeiterin und Schriftstellerin,...

Clemens Sedmak: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Zur Anwendung der Katholischen Soziallehre

Als Ziel des Buches nennt der österreichische Theologe Clemens Sedmak, der sowohl für Philosophie als auch für Fundamentaltheologie habilitiert wurde und inzwischen am King’s College in London lehrt, die Sondierung von Anwendungs- und Umsetzungsproblemen der Katholischen Soziallehre. Er beginnt seine Ausführungen ganz grundlegend mit dem Prinzip der Menschenwürde und macht dabei die These stark, dass weniger stichhaltige Argumente als vielmehr eine exemplarische „tiefe Praxis“ der Menschenwürde entscheidend sei, weil sie unter erschwerten, besonders herausfordernden Bedingungen den persönlichen Einsatz deutlich mache, der Menschen motiviere und dadurch andere beeindrucken könne. Daran anschließend weist er der Soziallehre einen „therapeutischen...

Gerd Häfner: Anstößige Texte im Neuen Testament

Historisch-kritische Bibelexegese und gläubige Bibellektüre – geht das zusammen? Sowohl von Gläubigen als auch von Bibelkritikern wird dies immer wieder bestritten. Gerd Häfner beweist mit seinem Buch aber das Gegenteil. Eine historisch-kritische Betrachtung der Bibel verhindert keineswegs die gläubige Lektüre, sondern erweitert vielmehr die Perspektive und schärft den Blick. Häfners Aufhänger sind gerade die Texte, die vor allem von den „neuen Atheisten“ gerne als Argument gegen die Bibel und den biblischen Gott vorgebracht werden – die fragwürdigen, anstößigen und manchmal regelrecht skandalösen Texte des Neuen Testamentes.

Der Autor unterscheidet dabei vier typische Verständnisschwierigkeiten, die im Zusammenhang mit biblischen Texten auftreten können: 1. Verständnisschwierigkeiten auf...

Patrick Roth: Die Christus-Trilogie

Kommentierte Ausgabe

Als in den 1990er Jahren drei erzählende Bücher über Christus erschienen, geschrieben von einem deutschen Autor in Los Angeles, da wusste die Literaturkritik nichts Rechtes damit anzufangen. Von „Bibelkrimis" war die Rede und von „Überwältigungsprosa“, gar von „inbrünstigen Heilsgeschichtenerzählungen“. Seit der „religiös musikalischen“ Wende um 2001 ist das anders. Patrick Roths Christus-Trilogie, bestehend aus den Bänden „Riverside" (1991), „Johnny Shines oder Die Wiedererweckung der Toten" (1993) und „Corpus Christi" (1996), ist ein Masterplan für den „Botschaftsverkehr zwischen Oben und Unten" (Sibylle Lewitscharoff), der sich intensiver als zuvor in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur abspielt. Nun ist die Trilogie erstmals in einem Band gebündelt, versehen...

Christoph Wrembek: Erlösung

Befreiende Blicke auf Tod, Sühne und Auferstehung

Der Autor, Jesuit und Priesterseelsorger, bietet in seinem schmalen Bändchen die wesentlichen Perspektiven zu einem in Theologie, Predigt und Religionsunterricht zentralen thematischen Zusammenhang. In verständlicher, einprägsamer Sprache folgen bibeltheologischen Überlegungen systematische Reflexionen, die im Blick auf die Erlösung, eines der großen Wörter des christlichen Glaubens, sehr aufschlussreich sind.

Wrembecks Darstellung unterscheidet überzeugend zwischen einem falschen und einem angemessenen, lebensbezogenen Opferverständnis. Letzteres ist für das Erlösungsverständnis relevant, wird von einem treffenden Zitat aus Ratzingers „Einführung in das Christentum“ untermauert und gegen kirchliche Fehldeutungen abgesetzt. Das Verdienst...

Dietmar Mieth: Meister Eckhart

Impulse für eine praktische Theologie der Spätmoderne

Kaum einer ist konfessions- und religionsübergreifend so gefragt wie Meister Eckhart: als Lehr- und Lebemeister, als spiritueller Denker und Übersetzer, als Mystagoge und Weggefährte. Die einen lesen den entschieden christlichen Professor und Prediger buddhistisch, andere finden esoterische Weisheiten bei ihm, wieder andere rufen ihn als Zeugen eines nachkirchlichen Christentums an. Diese erstaunliche Resonanzfähigkeit einer großen Gestalt des frühen 14. Jahrhunderts ist keineswegs nur modischer Ausdruck spiritueller Bedürfnislagen und Projektionen heute, hat sie doch mit der inneren Vieldimensionalität von Eckharts prozessualem Denken zu tun. So werden vom Lesenden „Perspektivismus, Mut zur unterschiedlichen Betrachter- und...