Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

James Bridle: New Dark Age

James Bridle, Jahrgang 1980, hat sich als Experte für Künstliche Intelligenz und vor allem als Künstler einen Namen gemacht. Bekannt ist zum Beispiel die Arbeit „The Drone Shadow Catcher“, in der Bridle an prominenten Orten die Umrisse eines ferngelenkten bewaffneten Aufklärungsflugzeuges (MQ-9 Reaper) auf den Boden zeichnet, um auf die überall mögliche Überwachung hinzuweisen. Sein Buch „New Dark Age“ ist illustriert mit Fotos des Autors und anderer, die architektonische Manifestationen von Geheimhaltung und demonstrativer Transparenz, von Vernetzung und Abschottung vorführen.

Die Diagnose des Verfassers lässt sich in seinen eigenen Worten so zusammenfassen: Unser Unvermögen, eine komplexe Welt zu begreifen, führt zur Forderung nach immer mehr Informationen, was unser Verständnis nur...

Ursula Silber / Bettina Eltrop / Bettina Wallmann: Was für ein Gott!

Seit geraumer Zeit versucht das Katholische Bibelwerk Stuttgart, der lectio divina als eigener Art und Weise, die Texte der Hl. Schrift in einem spirituellen Sinn zu lesen, mehr Stimme zu geben. Die einzelnen Schritte der lectio divina, der göttlichen Lesung, nämlich lesen – bedenken – beten – still vor Gott da sein – anders leben, die mehrfach wiederholt und immer wieder eingeübt werden, haben das eine Ziel, mit Hilfe der Hl. Schrift die persönliche Beziehung zu Gott (wieder neu) zu entdecken, zu entwickeln und zu leben. Daher veröffentlicht das Katholische Bibelwerk regelmäßig Lese- und Arbeitshilfen, die speziell der lectio divina dienen; so die hier vorgestellte Publikation „Was für ein Gott! Das Buch Jona lesen“.

Dieses Heft ist in seiner Praktikabilität sowohl für Leiterinnen und...

Stephan Loos / Michael Reitemeyer / Georg Trettin (Hg.): Mit dem Segen der Kirche?

Kontroversen um die katholische Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften beschränken sich längst nicht mehr auf theologische Debatten, sondern bestimmen heute zunehmend die pastorale sowie liturgische Praxis. In besonderer Weise kreisen sie dabei um die Frage nach der Segnung homosexueller Paare, der innerhalb des kirchlichen Kontexts zwar nach wie vor vielfach mit Abwehr und Widerstand begegnet wird, seit geraumer Zeit aber auch auf zarte Zugeständnisse trifft. Demnach werden vor allem jene Stimmen lauter, die die Notwendigkeit einer angemessenen Begleitung betonen, den Dialog mit homosexuellen Menschen bewusst suchen und ihren Wunsch nach Zuspruch ernst nehmen wollen. Davon zeugt der von Stephan Loos, Michael Reitemeyer und Georg Trettin herausgegebene Sammelband, welcher das...

Neil MacGregor: Leben mit den Göttern

Neil MacGregor war von 2003 bis 2015 Direktor des britischen Museums und ist seit 2015 Gründungsintendant des Humboldt-Forums in Berlin. Im vorliegenden Buch erzählt er die Religions- und Kulturgeschichte der Menschheit, indem er ausgewählte Exponate „seines“ Museums beschreibt und einordnet. Die Gliederung legt drei Spuren in einem Durchgang: Von den Anfängen Richtung heute, vom Einvernehmlichen zum Strittigen, von der Registrierung der Vielfältigkeit hin zu einer klaren Pointe. Als Hintergrundthema bleibt im ganzen Buch die Frage virulent, wie sich Kultur und Religion zur Macht verhalten.

Das Buch dokumentiert im ersten Teil Objekte, durch die der Mensch seinen Platz unter den Geschöpfen reflektiert, den Löwenmann aus dem Lonetal (den das britische Museum nicht besitzt), den Vestakult...

Sigmund Bonk (Hg.): Zwischen Rationalität und Religion

Sowohl im Bereich der katholischen Theologie im Allgemeinen als auch unter Religionslehrern im Besonderen ist seit Jahrzehnten für viele der Name Josef Ratzinger / Benedikt XVI. mit der Aura des Inquisitorischen versehen. Nur wenige nehmen eine Überzeugung zur Kenntnis, die für seine Theologie schon seit langer Zeit leitend geworden ist: dass christlicher Glaube und Vernunft, Offenbarung und Aufklärung keine Feinde sind, sondern füreinander eine wechselseitige Herausforderung darstellen, von der beide Seiten nur profitieren können.

Dieser Überzeugung weiß sich auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer verpflichtet, der im Jahr 2014 in seinem Bistum das „Forum Albertus Magnus“ eröffnet hat, dessen Vorträge aus den darauf folgenden Jahren im vorliegenden Sammelband veröffentlicht...

Monika und Udo Tworuschka: Der Islam: Feind oder Freund?

„Dieses Buch ist kein islamkritisches Buch, sondern ein kritisches Islambuch. Das ist nicht dasselbe. […] Wir wollen in unserem Buch nicht die Fratze des Islam zeigen, sondern das Gesicht einer bedeutenden Religions- und Kulturtradition – selbstverständlich ohne Burka.“ Mit diesen programmatischen Worten erklärt das Autoren-Ehepaar Monika und Udo Tworuschka, beide ausgewiesene Religionswissenschaftler mit ausgezeichneten Publikationen im Bereich interreligiöser Dialog, die Zielrichtung des vorgelegten Sachbuches zum Thema Islam. Einer durch Populisten aufgeheizten Stimmungsmache stellen die Autoren 38 ausführliche Thesen entgegen, die Zerrbilder – zwischen Ängsten, Islamophobie und Rassismus – korrigieren und zu einer differenzierten Wahrnehmung und Diskussion anregen. Hierzu wählen die...

Bernward Schmidt: Kleine Geschichte des Ersten Vatikanischen Konzils

Die gegenwärtigen Diskussionen um Macht und Machtentflechtung in der Kirche sind ohne die Geschichte des 19. Jahrhunderts und besonders des Ersten Vatikanischen Konzils nicht zu verstehen. Es ist eine Geschichte der beständigen Erweiterung der dogmatischen und rechtlichen Position von Papst und Kurie, gipfelnd in den Dogmen von der päpstlichen Unfehlbarkeit und dem Jurisdiktionsprimat des Bischofs von Rom.

Bernward Schmidt, seit kurzem Lehrstuhlinhaber für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt, stellt das Konzil in den Kontext der theologischen Fragen des 19. Jahrhunderts im Streit zwischen verschiedenen „Schulen“. Die ultramontane Richtung setzte sich ab der Jahrhundertmitte durch. Dem durch die italienische Einigung bedrängten Kirchenstaat wurde...

Michael Braun: Probebohrungen im Himmel

Hannah Arendt entwarf in ihrem Umgang mit der abendländischen Ideengeschichte das von ihrem Freund Walter Benjamin inspirierte Bild des Perlentauchens. Arendt beschreibt damit einen Modus, sich die Perlen bisherigen fortschrittlichen Denkens für den eigenen Blick auf die Welt nutzbar zu machen und damit Denkmöglichkeiten und Sprachbilder zu entfalten, die ein neues Licht auf unsere heutigen Erfahrungen werfen können. Geleitet war Arendt dabei von dem Gedanken, nicht durch einen brachialen Bruch mit der Ideengeschichte, sehr wohl aber durch einen kritischen Umgang mit der überkommenen Autorität der Überlieferung im Tauchen nach Perlen gegenwärtige Entwicklungen aufmerksam wahrzunehmen, kundig einzuordnen und letztlich den Versuch zu wagen, diese zu verstehen.

Mit seinem umfangreichen Band...