Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Volker Gerhardt: Glauben und Wissen

Ein notwendiger Zusammenhang

Volker Gerhardt ist ein 1942 geborener Philosoph, der zz. an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrt und forscht. Neben seiner universitären Tätigkeit ist er in zahlreichen akademischen und gesellschaftspolitischen Betätigungsfeldern aktiv, z.B. im Ethikrat der BRD, in der Grundwertekommission der SPD und im Hochschulbeirat der EKD. Auf diesem Hintergrund verwundert es nicht, wenn er sich dem komplexen Schnittpunkt von Naturwissenschaften und Religion, einem zentralen Feld menschlicher Lebenswelt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zuwendet. Außerdem ist er, wie er selbst in der „Vorbemerkung“ des Textes betont, der Kantischen Architektur von Vernunft verpflichtet, welche gerade diesen Aspekt von Glauben und Wissen prominent beleuchtet. Schließlich ist...

Ernst Peter Fischer: Gott und der Urknall

Religion und Wissenschaft im Wechselspiel der Geschichte    

In acht Kapiteln, gerahmt von einem Ein- und Ausblick, führt der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer seine Leser durch die – überwiegend – abendländische Geschichte der Naturwissenschaften von Thales über Keppler und Darwin bis Wolf Singer und Stephen Hawking. Physik samt Astronomie und Mathematik werden ebenso behandelt wie Biologie oder Chemie und deren jeweilige historische Vorläufer. Das Augenmerk liegt hierbei insbesondere auf der Frage, wie die Religion die Wissenschaft hervorbringt und die Wissenschaft auf die Religion (bei Fischer jeweils im Singular!) zurückwirkt.

Mit der wissenschaftshistorischen Darstellung zentraler Erkenntnisse, Theorien und Einsichten ist dem Autor hierbei zunächst ein Sachbuch gelungen,...

Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating (Hg.): Systemänderung oder Kollaps unseres Planeten

Erklärung der Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating der Goethe-Universität Frankfurt – Arbeitskreis Wissenschaft 
Federführung: Johannes Hoffmann 

20 Jahre ist es her, dass die Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating den sogenannten Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden (FHL) veröffentlichte und damit einen einflussreichen, praxisnahen Diskursbeitrag zur Bewertung von Nachhaltigkeitsstrategien in wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Prozessen leistete. Zeit, sich an eine kritische relecture zu wagen, wie die Forschungsgruppe nun befand. Herausgekommen ist dabei die oben genannte Erklärung, die auf wenigen Seiten neue Facetten des Diskurses um Formen, Möglichkeiten und Nutzen ökologischer Ratings umreißt und diese in die eigens entworfene Kriteriologie einzubetten sucht. 

In...

Gudula Frieling: Christliche Ethik oder Ethik für Christen?

Die Universalität christlicher Ethik auf dem Prüfstand

Gudula Frieling hat ein seltsames Buch geschrieben. Ausgangspunkt ist ihre Empörung über die zähen und wenig Fortschritte verheißenden internationalen Klimakonferenzen. Sie entrüstet sich nicht nur über die Unfähigkeit der Staatengemeinschaft, eine adäquate Strategie gegen die Klimaerwärmung zu verabreden. Es ist vor allem das Machtungleichgewicht zwischen den Industrie-, den Schwellen- und Entwicklungsländern, in dem sie – zu Recht – den wesentlichen Hemmschuh der Klimakonferenzen erblickt. Ihre moralische Kritik richtet sich auf die Weigerung der Industriestaaten, eine radikale Abkehr vom ressourcenverbrauchenden westlichen Lebensstil vorzunehmen, womit diese die Entwicklungsländer – und vor allem deren arme Bevölkerungsschichten –...

Bernhard Welte: Die Würde des Menschen und die Religion

Anfrage an die Kirche in unserer Gesellschaft 
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Holger Zaborowski

Der Freiburger Religionsphilosoph Bernhard Welte (1906-1983) veröffentlichte diese skizzenhafte Schrift 1976. Darin denkt er über die Aufgabe der Kirche in der Moderne nach, die, zusammen mit anderen Religionen und Menschen guten Willens, zur Förderung einer menschenwürdigen Gesellschaft beitragen solle. Das Mammutprojekt des modernen Menschen heißt für ihn: der technischen bzw. instrumentellen Vernunft das Singen beizubringen.

Was auf den ersten Blick seltsam anmutet, ergibt sich nach Welte aus folgender Überlegung: Jahrtausende lebte der Mensch in einer integrierten Ganzheit, d.h. alle Dimensionen seines Lebens waren eingebettet in einen übergeordneten Sinn. Erst mit dem...

Werner Zager (Hg.): Der neue Atheismus

Das Buch macht richtig etwas her. Edler Preis, knalliger Umschlag, interessantes Thema, große Ankündigung: „Ein neuer Atheismus übt Kritik an jeglichem Gottglauben und beansprucht die Position der Vernunft und Humanität für sich allein. Aber ist dieser Anspruch selbst vernünftig begründbar? Und treffen die Kritikpunkte der neuen Atheisten das aufgeklärte Christentum der Gegenwart überhaupt? Fundierte Antworten gibt der vorliegende Band.“ Dazu die Evangelische Sonntags-Zeitung: „Für Theologinnen und Theologen lohnt sich die Lektüre des Sammelbandes. ... Für alle, die theologisches Interesse und Vorkenntnisse mitbringen, werden einzelne Aufsätze zum Genuss.“

In einem einleitenden Aufsatz stellt Werner Zager die Weichen: Unter Theologie versteht er liberale protestantische Theologie als...

Michael Hochschild: Moralischer Anti-Terrorismus

Der Titel verblüfft in seiner Haupt- wie Unterzeile: Was mag mit dem moralischen Anti-Terrorismus gemeint sein? Doch nicht die x-te Auseinandersetzung mit der Plage des islamistischen und sonstigen Terrorismus? Und die „Postmoderne“ aus der Unterzeile: War das nicht jener „Es gibt keinen Logos, nur Perspektiven“-Hype aus den 1980-er Jahren, der heute eher abgestanden wirkt? Aber dann, im vierten der sieben kurzen Kapitel, erfährt der überraschte Leser, dass es Immanuel Kant war, der den Begriff des „moralischen Terrorismus“ ins Spiel brachte. Der Denker aus Königsberg bezeichnete damit in seiner Schrift „Streit der Fakultäten“ eine Haltung, die unsere Welt im kontinuierlichen Niedergang wähnt; ein Szenario, das zu den ältesten Stereotypen der Menschheitsgeschichte gehören dürfte. Nun also...

Otto Zsok: Anerkennung

Die unterschätzte Kraft für eine positive Lebensbewältigung 

In seinem neuesten Buch erschließt der Philosoph und Psychotherapeut Otto Zsok „die hohe Bedeutung der Anerkennung“ (27) – und zwar für alle von uns, seien wir nun arm oder reich, krank oder gesund, unauffällig oder berühmt, erfolglos oder erfolgreich, privat in uns verschlossen oder sozial und politisch engagiert. 

Ausgehend von der Beobachtung, dass es sich bei der Anerkennung um „die unterschätzte Kraft für eine positive Lebensbewältigung“ handelt, zeigt der langjährige Leiter des Süddeutschen Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse in 9 Kapiteln auf, wie das ganz Große in jedem Leben gelingen kann. Denn das Anerkennungsgeschehen ist eminent sinnstiftend und heilsam, sowohl für den, der die Anerkennung empfängt, als...