Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Georg M. Oswald: Unsere Grundrechte

Georg M. Oswald stellt die Grundrechte des Grundgesetzes dar. Dabei geht es ihm nicht darum, einen juristischen Kommentar zu schreiben. Vielmehr wirft er einen Blick auf die aktuelle gesellschaftliche und politische Situation und beschäftigt sich mit der Frage, wie die Grundrechte Antworten geben können. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass die Grundrechte das „Fundament einer menschenwürdigen Gesellschaft bilden, um die immer wieder von Neuem gekämpft werden muss.“ Der Autor erreicht das von ihm verfolgte Ziel, die Grundrechte mit seinem Buch allen Bürgern näherzubringen – auch denen, die juristisch nicht vorgebildet sind. Er entfaltet die Bedeutung der Grundrechte anhand aktueller Ereignisse. Die Qualität des Buches liegt aus meiner Sicht darin, dass es sich nicht um ein Werk handelt,...

Bruno Kern: „Es rettet uns kein höh’res Wesen“

Karl Marx wurde vor 200 Jahren in Trier geboren. Wie kaum ein zweiter prägte er die Entwicklungen in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Auch Leninismus, Stalinismus, Maoismus und andere totalitäre Systeme haben sich auf ihn berufen, obwohl sie seine Denkansätze ideologisch überhöht, insgesamt sogar verraten haben. Selbst Katholische Soziallehre und Befreiungstheologie hätten sich ohne die Impulse von Marx nicht so entwickelt. In diesem Sinne gilt, was Oswald von Nell-Breuning einmal sagte: „Wir stehen alle auf den Schultern von Karl Marx.“ Umso bedauernswerter ist es, dass sich Christen und Theologen heute immer weniger mit Marx beschäftigen und die Kenntnis seiner Gedanken enorm zurückgegangen ist.

Einer unbefangenen und produktiven Rezeption von Marx in katholischer Kirche und...

Wilhelm Schwendemann / Katrin Hagen / Detlev G. Theobald: Sterbehilfe und medizinisch-assistierter Suizid

Die vorliegende Arbeitshilfe ist die vierte Veröffentlichung in der Calwer-Reihe „Ethik für das Leben“. Sie befasst sich ausschließlich mit dem Thema Sterbehilfe und legt bei der Auswahl der Materialien einen Schwerpunkt auf die rechtliche Neuregelung im November 2015. Damals hatte der Deutsche Bundestag nach emotionaler Debatte und Aufhebung des Fraktionszwangs den neuen Paragrafen 217 des Strafgesetzbuches verabschiedet. Dieser stellt geschäftsmäßige Assistenz beim Suizid unter Strafe, nimmt davon aber ausdrücklich Angehörige und nahestehende Personen aus. Die hierzu präsentierten Materialien spiegeln die parlamentarische Auseinandersetzung vor der Abstimmung sowie die anschließende verfassungsrechtliche Überprüfung des neuen Gesetzes wider und sind somit ausgesprochen aktuell.

Zielgrup...

Hans Joas: Die Macht des Heiligen

 

Nicht nur die Mehrheit der Sozialwissenschaftler, sondern auch große Teile der Öffentlichkeit gingen bis vor kurzem noch davon aus, dass der Prozess der Säkularisierung unaufhaltbar sei, dass Religion und Kirchen im Zuge von Modernisierungsprozessen an Bedeutung verlören und sich irgendwann einmal vollständig auflösten. Die Geschichte der Moderne wurde als eine Geschichte der Entzauberung und der Emanzipation von kirchlicher Vormundschaft gedacht, wobei man sich immer gerne auf einen der Gründungsväter der modernen Soziologie, Max Weber, und dessen Narrativ von der Entzauberung der Welt als Teil des okzidentalen Rationalisierungsprozesses berief. In letzter Zeit mehren sich die Stimmen, die dieses Narrativ in Frage stellen. Zu den prominentesten und wohl einflussreichsten Kritikern der...

Thomas Bauer: Die Vereindeutigung der Welt

 

Beim Versuch, die jeweilige Zeit in Gedanken und Begriffe zu fassen, gab es immer schon soziologische Favoriten und Moden; in jüngster Zeit etwa die Termini „Erlebnisgesellschaft“, „Risikogesellschaft“ oder „postmaterielles Zeitalter“. Zur Zeit hat die „Ambiguität“ bzw. die „Ambiguitätstoleranz“ Konjunktur –gerade für Thomas Bauer (geb. 1961), dem Münsteraner Professor für Islamwissenschaft und Arabistik, hochdekoriert 2012 mit dem „Leibniz-Preis“, der sich in seinem Reclam-Bändchen nicht nur zu Themen seines Spezialgebietes äußert, sondern auf gedrängtem Raum eine generelle Zeitanalyse im globalen Maßstab der westlichen und islamischen Welt versucht.

Zunächst präsentiert Bauer eine pessimistische Perspektive von Verfall und Dekadenz: Die moderne Welt entwickelt sich – materiell und...

Horst Dreier: Staat ohne Gott

Der Titel „Staat ohne Gott“ klingt nach einer atheistischen Streitschrift für eine Welt oder eine Gesellschaft ohne Gott. Bereits zu Beginn der Einführung stellt der Jura-Professor Horst Dreier, einer der renommiertesten Verfassungsrechtler Deutschlands, allerdings klar, dass dem keineswegs so ist. Denn die titelgebende Wendung zielt vielmehr auf den Umstand ab, dass sich der Staat in der modernen Grundrechtsdemokratie religiös-weltanschaulich neutral zu verhalten hat. Diese Neutralität des Staates und ihre Kehrseite – die Religionsfreiheit der Bürger – sind die beiden Säulen der Säkularität des freiheitlichen Verfassungsstaates.

Das erste Kapitel widmet Horst Dreier dem für das Buch grundlegenden Begriff der „Säkularisierung“, dessen Vieldeutigkeit die interdisziplinäre Diskussion...

Mirjam Schambeck / Sabine Pemsel-Maier (Hg.): Welche Werte braucht die Welt?

Die Herausgeberinnen reagieren auf das gewachsene Bewusstsein, dass sich die Gesellschaft und Kultur, angeregt durch Migrationsbewegungen und Integrationsanforderungen, zunehmend wandelt. Wie sind Werte auch unter Maßgabe des Christlichen neu auszuhandeln, welche dürfen, welche müssen sich transformieren? Es kommt nicht von ungefähr, dass Wertebildung „ein zentrales Thema innerhalb der Religionspädagogik und -didaktik der letzten Jahre“ (7) ist.

Der Sammelband beinhaltet 12 Beiträge in drei Kapiteln zu „Wertefragen in religionspluraler Gesellschaft – religionssoziologische und religionspädagogische Erkundungen“, „Christliche Wertebildung angesichts religiöser Pluralität – religionspädagogische Zuspitzungen“ und „Islamische Wertebildung angesichts religiöser Pluralität – muslimische...

Hans Goller: Das Rätsel Seele

Hans Goller beginnt, eine Stärke seines Buches, mit einem Kapitel über die Seele in unserer Alltagssprache, das in der Feststellung kulminiert: Über die Seele sprechen wir in Metaphern. Wäre diese Einsicht doch nur mehr berücksichtigt worden!

Der Verfasser fährt in seinen beiden folgenden Kapiteln fort mit Referaten aus der Geschichte der Psychologie – namentlich Freud, Skinner, Pawlow und Rogers – und der Neurowissenschaften: Er referiert ältere und neuere Untersuchungen an Menschen mit geteiltem Hirn, was durch Zerschneiden der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften oder zwischen Stirnhirn und Stammhirn zustande kam. Die Untersuchungen werden nicht kritisiert oder auf ihre Aussagefähigkeit in der Frage nach der Seele kritisch überprüft.

Wenn Goller in den Folgekapiteln die...