Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Martin W. Ramb / Holger Zaborowski (Hg.): Heimat Europa?

Der diesjährige Begleitband zum Kultursommer Rheinland-Pfalz widmet sich der Frage, „inwiefern Europa als Heimat gedacht werden kann und soll“. Über deren Aktualität muss kein Wort verloren werden. Die 35 Autoren des Sammelbandes suchen mit den unterschiedlichsten Zugängen und Stilmitteln nach Antworten darauf. Ihre Perspektiven sind so vielfältig wie ihr persönlicher Hintergrund. Philosophen und Theologen, Sozialwissenschaftler, Schriftsteller, eine Gewerkschafterin, ein Benediktinermönch, ein Erzbischof, ein Kardinal, ein Fernsehkoch und selbst ein Prinz aus der äthiopischen Kaiserfamilie haben aus ihrer jeweiligen Sicht zu diesem Gemeinschaftswerk beigetragen, eine interessante und vielversprechende Zusammenstellung also. Da den Autoren keine bestimmte Definition von Heimat vorgegeben...

Petra Bahr: Wie viel Religion verträgt unsere Gesellschaft?

Mit der zum Titel gewordenen Frage bezieht sich die Regionalbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover auf eine Wahrnehmung von Religion, die deren öffentliche Präsenz mit der des Islams gleichsetzt. Und dann ist es zu der Assoziation von Gewalt und Terror nicht weit. Ohne die Gefahr eines religiös motivierten Terrors zu verharmlosen, macht sie mit Recht darauf aufmerksam, dass Fanatismus und Gewalt auch dort lauern, wo unter Berufung auf eine angeblich neutrale Vernunft religiöse Wahrheitsansprüche nicht minder fundamentalistisch zurückgewiesen werden. Hier erkennt sie eine dem Laizismus inhärente Gefahr, die sich historisch im jakobinischen Terror gezeigt habe und im Atheismus eines Richard Dawkins oder Michael Schmidt-Salomon regelmäßig verdrängt werde. Den gleichen...

Stephen Hawking: Kurze Antworten auf große Fragen

Albert Einstein war der erste Popstar der Wissenschaftsge­schichte. Er genoss seine Berühmtheit, spielte aber auch mit ihr und war ein regelrechter filou oder sogar ein Clown. Albrecht Fölsing hat in seiner grossartigen Einsteinbiographie diese seine lustige Seite herausgearbeitet. Sie hatte zur Folge, dass Einstein sich über alles und jedes äusserte, aber immer mit einem Au­genzwinkern. Es gibt einige Physiker, die sich auch zu allem äußern, aber ohne die ironische Doppelbödigkeit Einsteins.

Im Wiener Kreis vor 100 Jahren war die „Unified science“ Mode. Weil alles aus Atomen besteht, dachte man, es ließen sich alle Wissenschaften auf die Physik reduzieren. Wer Physik studiert hat, wisse alles. Das glaubt heute niemand mehr. Schon allein die Biologie ließ sich nicht auf die Physik...

Martin W. Ramb / Holger Zaborowski (Hg.): Arbeit 5.0 oder Warum ohne Muße alles nichts ist

Der Titel „Arbeit 5.0“ bezieht sich auf diejenige Gestalt der Arbeit, die nach dem kommen wird, was im politischen Jargon „Arbeit 4.0“ heißt und uns gegenwärtig umgibt: der vierten – nämlich digitalen – Revolution unserer Arbeitsverhältnisse. Der Untertitel „Warum ohne Muße alles nichts ist“ erweckt dabei den Eindruck, die Möglichkeit der Muße sei bedroht. Inwieweit sie das ist, machen auf unterschiedliche Weise die 26 Beiträge deutlich, die im Einzelnen angemessen zu würdigen hier nicht möglich ist.

So zeigt ein Teil der hier versammelten Beiträge, dass die Digitalisierung der Arbeit einen enormen Zuwachs an Freizeit bedeuten kann. Und dieser zeitliche Zugewinn kann so weit reichen, dass Menschen ohne entsprechende Qualifikation immer weniger die Chance haben, überhaupt eine Arbeit zu...

Barbara Stühlmeyer / Karl Braun: Das Turiner Grabtuch

Konfrontation erfordert Mut. Das Grabtuch kann keine Fälschung sein. Und was nicht sein kann, das darf auch nicht sein, so könnte man hier von der Hildegard-Spezialistin Barbara Stühlmeyer und dem emeritierten Erzbischof von Bamberg Karl Braun eingeforderten „Mut“ übersetzen. Grabtuch- und Schleierliteratur gibt es inzwischen zuhauf, und wenn diese nicht im Verschwörungsmilieu anzusiedeln sind, dann gehen sie im Wesentlichen von der gleichen frommen Prämisse aus, die auch die beiden Autoren gesetzt haben: Das Turiner Grabtuch ist das authentische Grabtuch Jesu Christi. So werden die nicht neuen Anfragen an die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen schlicht und einfach neu aneinandergereiht und in der Art von Michael Hesemann oder Paul Badde gewertet: Was im einen Moment noch eine...

Christoph Türcke: Umsonst leiden

Ein Klassiker biblischer Erzählungen unter philosophischer Perspektive? Der emeritierte Philosophieprofessor Christoph Türcke, der auch evangelische Theologie studierte und sich in mehreren Werken ideologiekritisch mit religiösen Inhalten auseinandergesetzt hat, wagt einen solchen Blick in seinem 120seitigen Büchlein „Umsonst leiden. Der Schlüssel zu Hiob“. Gerade die gewisse Außenperspektive auf einen genuin religiösen Text, der zudem als Weltliteratur vielfältige Umsetzungen erfahren hat, bietet neue Zugänge zum Hiobbuch und zeigt zugleich seine Aktualität auf.

Türckes Überlegungen setzen bei einer prägnanten Analyse der Struktur des Hiobbuches an: Er geht von der üblichen literarkritischen Aufteilung in eine kurze „Rahmenerzählung“ (Ijob 1,1-2,10 und 42,10-17) und eine längere,...

Johannes Herzgsell: Gott über uns – Gott unter uns – Gott in uns

Johannes Herzgsell, geb. 1955, Jesuit und Professor für Religionsphilosophie, Religionswissenschaft und Grundlegung der Theologie an der Hochschule für Philosophie München, hat mit diesem Buch, gegliedert in 18 Kapitel über jeweils 25 bis 40 Seiten, eine umfangreiche Beschreibung ausgewählter philosophischer und theologischer Gotteskonzepte vorgelegt – offensichtlich die Frucht einer langjährigen Lehrtätigkeit.

In den ersten Kapiteln wird die biblische und antike Christologie sowie die biblische, antike und mittelalterliche Trinitätstheologie in Anknüpfung an und in Absetzung von platonischer, aristotelischer und neuplatonischer Metaphysik vorgestellt. Im umfangreichsten Abschnitt des Buches (Kapitel 1-8) werden insbesondere die „Politeia“ und das „Symposion“ sowie Plotins Philosophie des...

Raimon Panikkar / Hans-Peter Dürr: Liebe – Urquelle des Kosmos

Bereits im Jahr 2008 erschien im Herder-Verlag „Liebe – Urquelle des Kosmos“, das nun in leicht erweiterter Form 2017 bei topos premium eine Neuauflage erfuhr. Mittlerweile sind die beiden Autoren und Gesprächspartner des Bandes Raimon Panikkar (1918-2010) und Hans-Peter Dürr (1929-2014) verstorben. Entsprechend wurde das Buch vor allem um zwei Würdigungen des Religionsphilosophen bzw. Theologen Pannikar und des Physikers Dürr ergänzt.

Der tops-Band enthält nach einer Einleitung des Herausgebers Roland R. Ropers die Vita von Raimon Panikkar, die mit dessen letztem Brief an seine Freunde („Der Tod ist eine Tür!“) endet. Es schließen sich ein Text Panikkars („Der Mensch ist der Künstler der Schöpfung“) und ein zweisprachiges Lob auf diesen, verfasst von Ropers („Der allgegenwärtige Klang“),...