Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Erhard Holze / Stefanie Pfister: 100 Rechtsfragen zu Religionsunterricht und Schule

Der Religionsunterricht ist durch Art. 7 GG abgesichert. Als einziges Schulfach ist er somit auf höchster verfassungsrechtlicher Ebene angesiedelt. Neben dieser rechtlichen Verankerung im Grundgesetz ist der Religionsunterricht auch in den Landesverfassungen und Schulgesetzen der einzelnen Bundesländer rechtlich ausgestaltet. All dies führt dazu, dass sich zum Religionsunterricht viele rechtliche Fragestellungen ergeben. Es ist sinnvoll und hilfreich, dass das Autorenteam diesen Fragestellungen nachgegangen ist und sowohl aus rechtlicher als auch aus religionspädagogischer Sicht Antworten gegeben hat. Das Autorenteam beleuchtet vor allem die Rechtslage in Nordrhein-Westfalen, wo es beheimatet ist; das ist nachvollziehbar.

Dieses Buch ist allen zu empfehlen, die sich mit dem...

Julia Knop / Stefanie Schardien: Heute christlich glauben. Der Leitfaden für die Ökumene im Alltag

Auf dem Klappentext des vorliegenden Bandes heißt es im ersten Satz: „Die Ökumene ist weit vorangeschritten.“ Damit wird der Stand der Ökumene richtig beschrieben, allerdings bräuchte es die Vergewisserung über den Stand der Ökumene und erst recht einen Leitfaden für die Ökumene im Alltag nicht, wenn dies schon die ganze Wahrheit wäre. Das Buch reagiert nämlich nicht alleine auf das Bedürfnis, sich über die einenden und trennenden Positionen zwischen evangelischen und katholischen Traditionen zu verständigen. Es reagiert stärker noch auf die gravierenden Veränderungen der kirchlichen Landschaft insgesamt. Insofern könnte der erste Satz des Klappentextes variierend gesagt werden: Die Säkularisierung ist weit vorangeschritten. Es scheint nämlich, als sei dies die Hintergrundfolie des...

Ulrike Gerdiken: Kirchenräume (neu) entdecken

Kirchenräume dienen der liturgischen Versammlung christlicher Gemeinden, ebenso auch dem individuellen Beten. Darüber hinaus aber sind Kirchenräume herausgehobene Lernorte. Diese Einsicht hat sich in der Religionspädagogik der vergangenen Jahre zunehmend durchgesetzt. Gerade weil viele Menschen sich nicht mehr regelmäßig in einer Kirche aufhalten und weil christliche Riten und Symbole immer weniger bekannt sind, laden Kirchenräume zur Begegnung mit der vertrauten und zugleich fremd gewordenen Glaubenstradition ein. Ein weiterer Faktor kommt hinzu: Neben der Kirche werden heute auch die Moschee und die Synagoge als Gotteshäuser bewusster wahrgenommen. Dies alles führt zu einem wachsenden Interesse an Kirchenerkundungen, besonders im nicht-gottesdienstlichen Rahmen.

Die Kirchenraumpädagogik...

Michel Remery: Twittern mit Gott

Dieser Jugendkatechismus ist 2018 aus der niederländischen Kirche und der dortigen Johannes-Paul-II.-Bewegung auf den deutschen Markt übernommen worden. Der Autor arbeitet derzeit als nationaler Jugendkaplan in Luxemburg „für Evangelisierung“. Die Verbreitung seines Projektes „Twittern mit Gott“ bildet darin offenkundig eine Kernaufgabe. Das Buch liegt in 20 Sprachen vor und wird verknüpft mit einer Webseite und einer Smartphone-App, die beide als Sprungbrett ins Buch dienen. Titel und Farbschema sind von der Social Media-Plattform Twitter übernommen, die konzeptionell als Trittbrettfahrt zur Jugendlichkeit verwendet wird. Twitter ist bekannt für eine nicht hierarchische Netzwerkarbeit, durch rasche, interaktive Kommunikation und Diskussion – und auch für problematische Ausbreitung von...

Jürgen Kaube: Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?

„Nachdenken first.“ Diese Maxime findet sich in Jürgen Kaubes Streitschrift über das Elend und den Glanz der Schule auf Seite 207. Unauffällig und ohne ein Ausrufezeichen. Dabei könnte die schöne Variation eines Wahlslogans als Basso continuo der Betrachtungen des für das Feuilleton zuständigen Herausgebers der FAZ gelten. Denn, so Kaube, mit der Schule können viele Ideale und Programme verknüpft werden. Wenn sich die Schule aber nicht um ihr Kerngeschäft kümmert – um das Denken, das wiederum auf Wissen und Üben basiert – verfehlt sie ihr Thema. Wie begründet der Autor diese nur scheinbar triviale These?

Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis des Buches gibt eine erste Auskunft. Von den vierzehn Kapiteln des Buches sind sechs geläufigen Erwartungen gewidmet, die Kaube als nicht...

Anselm Grün / Leonardo Boff: neu denken – eins werden

Mit dem vorliegenden Buch widmen sich der Benediktinermönch Anselm Grün und der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff der Frage, wo und wie Gott zu finden und zu erfahren ist. Sie nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und mit anderen Schwerpunkten, gelangen in der gegenseitigen Lektüre aber zu ähnlichen Ergebnissen und Ansichten.

Im ersten Teil betrachtet zunächst Anselm Grün das Göttliche in uns: „Wir können Gott nicht spüren, wenn wir uns nicht selber spüren. Wir können zu Gott keine Beziehung aufbauen, wenn wir zu uns selbst keine Beziehung haben.“ Anhand verschiedener Autoren (z.B. Platon, Augustinus, verschiedene Kirchenväter, Mystiker, C.G. Jung, Alfred Delp, Teilhard de Chardin etc.) stellt Grün unterschiedliche Zugänge vor, um dem Göttlichen in mir...

Gregor Weigand: Interreligiöses Lernen im Katholischen Religionsunterricht der gymnasialen Oberstufe

Einen Kurs im Fach Katholische Religion zum Abitur führen, in dem fast ein Fünftel muslimische Schülerinnen und Schüler sitzen? Eine besondere Herausforderung für den Lehrer, aber auch für die Lernenden. Wie das im Rahmen der vorgeschriebenen Themen des Lehrplans mit sich ergebenden interreligiösen Bezügen funktionieren kann, beschreibt Gregor Weigand in seinem Praxisbericht. Darin wird deutlich, dass es ihm vor allem um die Wahrnehmungen der Gemeinsamkeiten der Religionen geht. In den von ihm immer wieder religionssensibel initiierten interreligiösen Lernprozessen sieht er ein Modell, eine Vision für eine multireligiöse Zukunft in Deutschland.

Eine kleine Schwierigkeit für die eigene Arbeit mit dem Praxisbuch ist, dass es auf Grundlage des Lehrplans Katholische Religion des Hessischen...

Anselm Grün / Ahmad Milad Karimi: Im Herzen der Spiritualität

„In der Begegnung haben wir erfahren, dass im Gespräch zwischen den Religionen, über alle theologischen Differenzen hinweg, die Spiritualität das eigentlich Verbindende ist.“ Dieser Klappentext lässt aufhorchen, weil er Optimismus bezüglich eines ehrlichen christlich-islamischen Dialoges verbreitet, der in den letzten Jahren beträchtlich geschwunden ist, und weil das Wort „Mystik“ fehlt, das sonst ebenso gerne wie ungenau als wohlfeile Brücke zwischen den Religionen gehandelt wird. Man horcht auf, weil hier zwei namhafte Gelehrte beider Religionen sich offenbar life (das zeigen die Bilder auf dem Buchdeckel), vor allem aber in einer ernsthaften textlichen wechselseitigen Bezugnahme tatsächlich soweit begegnet sind, wie man sich in der unüberwindlichen Differenz zweier monotheistischer...