Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Angela Knaupp (Hg.)unter Mitarbeit von Andrea Spans: Raumkonzepte in der Theologie

AGENDA, das Forum katholischer Theologinnen e.V., hat im Jahre 2015 eine Tagung zum Thema „Raumkonzepte in der Theologie“ durchgeführt. Die dort gehaltenen Vorträge werden in der vorliegenden Veröffentlichung dokumentiert. Dabei greifen die Autorinnen auf eine in den Geistes- und Sozialwissenschaften entwickelte Raumtheorie zurück, in der der Raum nicht mehr als eine statische und festumrissene Größe, sondern als ein dynamisches und für viele Einflüsse offenes Beziehungsarrangement verstanden wird. Ob ein solches Paradigma („spatial turn“) auch für die Theologie als hermeneutisches Prinzip erkenntnisfördernd ist, untersuchen die in diesem Band versammelten Beiträge. Denn zweifellos spielen Räume auch in der von Judentum und Christentum geprägten religiösen Tradition und ihren Theologien...

Nils Köbel: Identität – Werte – Weltdeutung

Nils Köbel, Professor für Pädagogik an der KH Mainz und durch dem Podcast „Soziopod“ bundesweit bekannt, fragt in seiner Habilitationsschrift „Wie entstehen Wertüberzeugungen und ethische Lebensorientierungen in der Biographie einer Person? Welche Sozialisations- und Bildungsprozesse führen zu identitätsprägenden Weltdeutungen?“ (7) und erhellt damit einen für jede ethische (und religiöse) Bildung bedeutsamen Zusammenhang. Ausgehend von der Beobachtung, dass Werte in ihrer Entstehung nicht auf rationale oder kontrollierbare Entstehungsgeschichten beruhen, sondern vielmehr emotional-affektiv aufgeladen und individuell-biografisch gebunden sind, wählt er einen hermeneutischen und einen empirischen Forschungsweg.

Im ersten Teil (12-117) legt der Verfasser die theoretischen Grundlagen, indem...

Hermann-Josef Venetz: Die Bergpredigt

Das Thema „Bergpredigt“ ist kein neues – und dennoch immer wieder eine Herausforderung. Auch das Taschenbuch von H.-J. Venetz erhebt keinen Anspruch auf die Darbietung von Novitäten, stellt es doch die Überarbeitung eines vergriffenen Bändchens von 1987 dar. In der bezüglich des Forschungsstandes und der gesellschaftlichen Entwicklung leicht aktualisierten Neufassung gewährleistet es nichtsdestotrotz einen fundierten und immer noch frischen Einstieg in diesen Zentraltext christlichen Glaubens und Lebens.

Ein hinführender Teil skizziert zum einen im Vergleich von matthäischer Bergpredigt und lukanischer Feldrede die Entstehungsgeschichte über die Logienquelle bis hin zu Jesus. Zum anderen werden gängige Deutungsmodelle präsentiert; ihnen gemeinsam ist die Tendenz zur Entschärfung,...

Matthias Lindenau / Marcel Meier Kressig (Hg.: Religion und Vernunft – ein Widerstreit?

Der Titel trügt, denn allenfalls in einem der vier Beiträge geht es explizit um das Verhältnis von Religion und Vernunft. Wohl gibt der Untertitel „Glauben in der säkularen Gesellschaft“ den thematischen Konvergenzpunkt der vorliegenden Texte wieder.

In seinem Beitrag über „Figuren der Religionskritik und ihre Aktualität“ begreift Konrad Paul Liessmann Aufklärung primär als Religionskritik. Dabei stellt er zunächst die klassischen Positionen von Marx, Freud und Nietzsche dar. Sehr bewusst rückt der Autor aus wirkungsgeschichtlichen Gründen Nietzsche an das Ende seiner Darstellung. Denn er betont, dass dessen „toller Mensch“ seine Botschaft vom Tod Gottes nicht an Gläubige richtet, sondern an Atheisten. Diese klärt er nämlich darüber auf, was sie angerichtet haben, als sie Gott als...

Perry Schmidt-Leukel: Buddhismus verstehen

Das 2017 erschienene Werk „ Buddhismus verstehen. Geschichte und Ideenwelt einer ungewöhnlichen Religion" ist die lang erwartete deutsche Übersetzung des sehr positiv aufgenommenen Werks „Understanding Buddhism" des renommierten Religionswissenschaftlers und Religionstheologen Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel (Universität Münster). Die deutsche Übersetzung von Hans-Georg Türstig wurde vom Autor aktualisiert, erweitert und autorisiert.

Der Titel des Buches kündigt an, dass der Buddhismus eine ungewöhnliche Religion ist, und verspricht, dass sie dennoch verstanden werden kann. Und dieses Versprechen wird vom Autor eingelöst. Das Werk ist sachkundig exzellent verfasst. Es führt auf wissenschaftlich hohem Niveau und zugleich literarisch spannend in die Geschichte und Grundgedanken des...

Michael Klein: Bankier der Barmherzigkeit: Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Im März dieses Jahres jährte sich der Geburtstag des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen zum 200. Mal. Das schmale Buch von Michael Klein malt das Bild eines völlig selbstlosen Wohltäters, der immer wieder mit allen möglichen Widerständen zu kämpfen hatte. Getrieben war er dabei von seinem Glauben; bei einer Versammlung des Wohltätigkeitsvereins sprach er von Gott als „unserem obersten Direktor“. Das Buch gibt Einblicke in Raiffeisens Beweggründe für sein Engagement, es zeigt die Wurzeln seiner Aktivitäten – auch während seiner Bürgermeisterämter –, bringt seinen unerschütterlichen Glauben, seine praktizierte Nächstenliebe auf den Punkt und ordnet diese richtigerweise in seine familiären Wurzeln ein. Es ist interessant, hierzu immer wieder Originalschriftstücke im Text zu finden.

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Anselm Schubert: Gott essen

„Gott essen“ lautet der merkwürdig anmutende Titel des vorliegenden Buches. Der Untertitel aber macht klar, dass es um eine „kulinarische Geschichte des Abendmahles“ gehen soll. Anselm Schubert, Professor für Neuere Kirchengeschichte, möchte „zwei denkbar weit entfernte Themengebiete“ (15) verbinden: die Geschichte des Abendmahls und die Kulinarik. Er will also einerseits die Hauptetappen der Eucharistielehre und -frömmigkeit (vor allem des lateinischen Christentums) darstellen, andererseits das Abendmahl von der „Food History“ her erschließen. Er versteht darunter nicht nur „die Geschichte der Alltagsspeisen und der Ernährung in der Antike, im europäischen Mittelalter und in der globalisierten Moderne, sondern auch die Mühen, die Menschen (sc. in einsamen Gegenden) auf sich genommen...

Helen Schüngel-Straumann / Klaus Berger: Geist Gottes

Der Heilige Geist gehört allen Rufen zum Trotz immer noch zu den vernachlässigten Themen in der Theologie. Daher ist es sehr erfreulich, dass sich der neue Band in der Reihe „Die Neue Echter Bibel Themen“ dem Geist Gottes widmet. Wie alle Bände dieser Reihe ist auch dieses Buch zweigeteilt. Der erste Teil behandelt die Frage nach dem Geist im Alten Testament und ist von der feministischen Exegetin Helen Schüngel-Straumann verfasst worden. Der neutestamentliche Teil wurde von Klaus Berger geschrieben. Ein kurzes Schlusskapitel versucht beide Teile des Buches miteinander ins Gespräch zu bringen. In diesem Schlusskapitel kommt die Exegetin zu folgendem Ergebnis: „Die beiden Beiträge […] sind sehr unterschiedlich ausgefallen.“ (133) Dies gilt in Bezug auf die Methodik und die Qualität der...