Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Erich Garhammer: Und er bewegt sie doch

Wie Papst Franziskus Kirche und Welt verändert

Erich Garhammer legt keine Biografie des amtierenden Papstes vor, sondern versucht, die Veränderung von Kirche und Welt durch Franziskus an Beispielen aufzuzeigen. Er mutmaßt, warum Benedikt XVI. zurückgetreten ist, und schildert dann den Auftritt des neuen Papstes. Länger wird zitiert, wie der neue Papst sich in kurzen Antworten auf kurze Fragen charakterisiert. Auf einige Motive aus dem Interview geht Garhammer näher ein: Die Großmutter Jorge Bergoglios, die Liedform der Milonga, die Rede im Vorkonklave, in der es um die Deutung des II. Vatikanischen Konzils geht, und die Erinnerung an Papst Johannes XXIII. Mehr in die Tiefe gehen Erörterungen über das Verhältnis Jorge Bergoglios zum Jesuitenorden, zur ignatianischen Spiritualität, zum...

Annette Schleinzer: Madeleine Delbrêl

Prophetin einer Kirche im Aufbruch
Impulse für Realisten

Aus unterschiedlichen Perspektiven beschreibt Annette Schleinzer zunächst die aktuelle „Realsituation“ von Kirche und Glaube, um darauf mit Madeleine Delbrêls (1904-1964) „Realismus“– unter dem Motto: Optimismus trifft Pessimismus – zu antworten. Zu Recht verweist die Verfasserin auf die Bedeutung des Blickwinkels und der Einstellung, wenn sie der „Großwetterlage“ von Kirche und Glaube die erfrischende, elanvolle Sicht der „Nachkonzilsprophetin“ entgegensetzt. Das „Gefühl der Niederlage, das uns in unzufriedene und ernüchterte Pessimisten mit düsterem Gesicht verwandelt“ (Papst Franziskus), löst sich auf, wenn man mit Madeleine Delbrêl, der immer bekannter werdenden französischen Mystikerin, Sozialarbeiterin und Schriftstellerin,...

Clemens Sedmak: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Zur Anwendung der Katholischen Soziallehre

Als Ziel des Buches nennt der österreichische Theologe Clemens Sedmak, der sowohl für Philosophie als auch für Fundamentaltheologie habilitiert wurde und inzwischen am King’s College in London lehrt, die Sondierung von Anwendungs- und Umsetzungsproblemen der Katholischen Soziallehre. Er beginnt seine Ausführungen ganz grundlegend mit dem Prinzip der Menschenwürde und macht dabei die These stark, dass weniger stichhaltige Argumente als vielmehr eine exemplarische „tiefe Praxis“ der Menschenwürde entscheidend sei, weil sie unter erschwerten, besonders herausfordernden Bedingungen den persönlichen Einsatz deutlich mache, der Menschen motiviere und dadurch andere beeindrucken könne. Daran anschließend weist er der Soziallehre einen „therapeutischen...

Christoph Wrembek: Erlösung

Befreiende Blicke auf Tod, Sühne und Auferstehung

Der Autor, Jesuit und Priesterseelsorger, bietet in seinem schmalen Bändchen die wesentlichen Perspektiven zu einem in Theologie, Predigt und Religionsunterricht zentralen thematischen Zusammenhang. In verständlicher, einprägsamer Sprache folgen bibeltheologischen Überlegungen systematische Reflexionen, die im Blick auf die Erlösung, eines der großen Wörter des christlichen Glaubens, sehr aufschlussreich sind.

Wrembecks Darstellung unterscheidet überzeugend zwischen einem falschen und einem angemessenen, lebensbezogenen Opferverständnis. Letzteres ist für das Erlösungsverständnis relevant, wird von einem treffenden Zitat aus Ratzingers „Einführung in das Christentum“ untermauert und gegen kirchliche Fehldeutungen abgesetzt. Das Verdienst...

Dietmar Mieth: Meister Eckhart

Impulse für eine praktische Theologie der Spätmoderne

Kaum einer ist konfessions- und religionsübergreifend so gefragt wie Meister Eckhart: als Lehr- und Lebemeister, als spiritueller Denker und Übersetzer, als Mystagoge und Weggefährte. Die einen lesen den entschieden christlichen Professor und Prediger buddhistisch, andere finden esoterische Weisheiten bei ihm, wieder andere rufen ihn als Zeugen eines nachkirchlichen Christentums an. Diese erstaunliche Resonanzfähigkeit einer großen Gestalt des frühen 14. Jahrhunderts ist keineswegs nur modischer Ausdruck spiritueller Bedürfnislagen und Projektionen heute, hat sie doch mit der inneren Vieldimensionalität von Eckharts prozessualem Denken zu tun. So werden vom Lesenden „Perspektivismus, Mut zur unterschiedlichen Betrachter- und...

Hartmut Sommer: Unsterbliche Seele?

Antworten der Philosophie

Hans Goller beginnt, eine Stärke seines Buches, mit einem Kapitel über die Seele in unserer Alltagssprache, das in der Feststellung kulminiert: Über die Seele sprechen wir in Metaphern. Wäre diese Einsicht doch nur mehr berücksichtigt worden!

Der Verfasser fährt in seinen beiden folgenden Kapiteln fort mit Referaten aus der Geschichte der Psychologie – namentlich Freud, Skinner, Pawlow und Rogers – und der Neurowissenschaften: Er referiert ältere und neuere Untersuchungen an Menschen mit geteiltem Hirn, was durch Zerschneiden der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften oder zwischen Stirnhirn und Stammhirn zustande kam. Die Untersuchungen werden nicht kritisiert oder auf ihre Aussagefähigkeit in der Frage nach der Seele kritisch überprüft.

Wenn Goller in den...

Hans Goller: Das Rätsel Seele

Was sagt uns die Wissenschaft?

Hans Goller beginnt, eine Stärke seines Buches, mit einem Kapitel über die Seele in unserer Alltagssprache, das in der Feststellung kulminiert: Über die Seele sprechen wir in Metaphern. Wäre diese Einsicht doch nur mehr berücksichtigt worden!

Der Verfasser fährt in seinen beiden folgenden Kapiteln fort mit Referaten aus der Geschichte der Psychologie – namentlich Freud, Skinner, Pawlow und Rogers – und der Neurowissenschaften: Er referiert ältere und neuere Untersuchungen an Menschen mit geteiltem Hirn, was durch Zerschneiden der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften oder zwischen Stirnhirn und Stammhirn zustande kam. Die Untersuchungen werden nicht kritisiert oder auf ihre Aussagefähigkeit in der Frage nach der Seele kritisch überprüft.

Wenn Goller...

Wolfgang Thielmann (Hg.): Alternative für Christen?

Die AFD und ihr gespaltenes Verhältnis zur Religion

Beide Sammelbände diskutieren das wechselseitige Verhältnis von christlicher Religion und Populismus. Beide greifen damit eine aktuell hochpolitische und brisante Kontroverse in Europa und insbesondere in Deutschland auf. Während Wolfgang Thielmann, evangelischer Pastor und freier Publizist, unter der Überschrift „Alternative für Christen? Die AFD und ihr gespaltenes Verhältnis zur Religion“ primär Autorinnen und Autoren aus protestantischen Hintergründen versammelt, konnte Walter Lesch, Professor an der katholischen Universität Löwen/Belgien, unter dem Titel „Christentum und Populismus“ primär katholische Sozialethikerinnen und Sozialethiker gewinnen. Insgesamt werden 25 Sichten auf das Krisenphänomen des rechten Populismus vorgelegt...