Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Michael Seewald: Dogma im Wandel

Der historische Wandel stellt für das Selbstverständnis der katholischen Kirche und ihre Dogmatik eine existenzielle Herausforderung dar. Seit dem 19. Jahrhundert versucht das römische Lehramt, die Institution Kirche und ihre Glaubensüberlieferung aus dem Werdegang der Geschichte herauszunehmen und als überzeitliche Gebilde zu promulgieren. Theologen, die in systematischer Form oder mit Blick auf Einzelfragen Wahrheit, Glaube, Evangelium und Dogma geschichtlich interpretieren, geraten unter „Modernismus“- oder „Relativismus“-Verdacht.

Der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald hat nun eine äußerst lesenswerte und zugleich lesbare Studie zum Thema Dogmenentwicklung und Dogmenverständnis vorgelegt. Er geht darin nicht nur dem Prozess des Verkeilens von Kirche und Moderne nach, sondern...

Nancy L. Eiesland: Der behinderte Gott

Der von Werner Schüßler übersetzte facettenreiche Titel „Der behinderte Gott“ fasst die zentrale Aussage der mittlerweile leider verstorbenen körperbehinderten Theologin und Bürgerrechtlerin für behinderte Menschen Nancy Eiesland zusammen: Das Symbol des „behinderten Gottes“ soll Menschen mit Behinderung ermöglichen, sich mit diesem Gott zu identifizieren und sich mit der Kirche zu versöhnen.

Jesus Christus fordert die Apostel auf, in den Wundmalen seiner Beeinträchtigung ihre eigene Verbundenheit mit Gott zu erkennen. Seine Wundmale offenbaren Jesus Christus als behinderten Gott. Der gebrochene Körper wird zum Sakrament und Ausgangspunkt ihrer Befreiungstheologie. „Ich erkannte den inkarnierten Christus im Bild jener, die als ‚nicht tragfähig’, als ‚arbeitsunfähig’, als ‚mit fragwürdiger...

Thomas Söding (Hg.): Führe uns nicht in Versuchung.

In dem von Thomas Söding herausgegebenen Band der „Reihe Theologie kontrovers“ geht es darum, wie die sechste Bitte des Vaterunsers „Führe uns nicht in Versuchung“ im Ganzen des Herrengebetes zu verstehen ist. 11 Beiträge namhafter Theologen gehen dieser Frage aus exegetischer, theologischer und pastoraltheologischer Sicht nach, um die Versuchungsbitte dem Menschen von heute in der aktuellen und kontrovers geführten Debatte neu zu erschließen.

Im ersten Beitrag „Um Himmels Willen“ befasst sich der Herausgeber mit der griechischen Textüberlieferung und kommt nach eingehender Prüfung des Begriffs der Versuchung (peirasmos) zu dem Ergebnis, dass es sich dabei nicht um irgendwelche marginalen Versuchungen, sondern um eine Anfechtung handelt, „in der die Liebe zu Gott auf dem Spiel steht und...

Volker Leppin: Franziskus von Assisi

Nach seiner weithin beachteten Monographie zu Martin Luther (12006, 32017) widmet sich Volker Leppin mit Franziskus von Assisi nun einer zweiten großen Gestalt der Kirchengeschichte. Konsequent verfolgt der Tübinger evangelische Kirchenhistoriker dabei den Blick auf die Person Franziskus, deren Lebensweg und ihre Ideale. Nur knapp wird der weitere Weg der franziskanischen Gemeinschaft nach dem Tod des Gründers tangiert. Leppin macht es sich zur Aufgabe, Franziskus in seinen vielen Facetten darzustellen, auch wenn aufgrund der schwierigen Quellenlage manche Leerstelle in dessen Biographie offenbleiben muss.

Den Lebensweg des berühmtesten Sohnes Assisis beschreibt Leppin in fünf klar gegliederten Kapiteln mit den Etappen Bruch, Aufbruch, Sendung, Ordnung und Rückzug. Am Beginn stehen die...

Mouhanad Khorchide: Gottes Offenbarung in Menschenwort

Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 wurde der erste Band der auf 17 Bände angelegten Kommentarreihe durch den Autor Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Westf. Wilhelms-Universität Münster, vorgestellt. Die Anwesenheit von Manuel Herder und dessen programmatische Vorrede bei der Buchvorstellung signalisierten die Wichtigkeit dieses Projektes für den Verlag: Es wäre „ein großer Durchbruch, wenn die erstmalige Verbindung von klassischer islamischer Koranauslegung und historisch-kritischer Methode gelingt.“ Die Latte der Erwartungen liegt also hoch. Überspringen soll sie ein Team um den Münsteraner islamischen Theologen Mouhanad Khorchide. Zum ersten Band tragen daher auch Dirk Hartwig, Dina El Omari und Stefan Zorn bei.

Geplant ist das Erscheinen von 1-2...

Larissa Berger / Elke Elisabeth Schmidt (Hg.): Kleines Kant-Lexikon

Der Philosoph Immanuel Kant ist noch heute ein Thema für Katholiken, die sich um eine vernünftige Glaubensvermittlung bemühen. Um zur Beschäftigung mit diesem großen Autor Kant einzuladen, sei das neue Kant-Lexikon vorgestellt. Es nennt sich zwar „klein“ – so stellt es sich neben dem „großen“ wissenschaftlichen Kantlexikon zu Recht dar. Aber als „Einstiegs- und Nachschlagewerk für das Philosophiestudium“, wie es im (übrigens sehr informativen) Klappentext heißt, ist es ein neues, außerordentlich hilfreiches Format zum Kennenlernen eines wichtigen und einflussreichen Denkers – und ich möchte ergänzen: nicht nur für das Philosophiestudium, sondern auch für Theologinnen und Theologen, für Religionslehrerinnen und Religionslehrer, die sich auf das Wagnis wissenschaftlicher Selbstvergewisserung...

Bernard McGinn: Die Mystik im Abendland

Schon der 6. Band in dem Standardwerk des nordamerikanischen Ex-Dominikaners – und der in drei Teilbänden. Der erste, schon erschienen, widmet sich der evangelischen Reformation; der dritte, schon angekündigt, wird sich den myst(agog)ischen Aufbrüchen katholischer Prägung damals in Frankreich, Deutschland und Italien widmen. In diesem unter dem Titel „Verzweigung“ – steht das goldene Jahrhunderts Spaniens im Mittelpunkt: die Jahre ab 1500 mit dem Aufbruch durch die Entdeckung Lateinamerikas bis 1650. Wie bisher schon: immer gelehrt und kenntnisreich, Horizonte öffnend und glänzend erzählt – eine Schatztruhe und Fundgrube wie die bisherigen Bände.

Bezeichnend insgesamt und neu ist in dieser Zeit das Interesse am Subjektwerden. Erasmus spielt die Rolle eines Initiators. Reflexive...

Rudolf Englert: Was wird aus Religion?

Was bleibt eigentlich von einer Religion, deren Glaubensüberzeugungen nicht nur fraglich geworden sind, sondern zudem auch noch permanent Plausibilisierungsnöte erzeugen? Was ist zu tun, wenn diese Religion epistemische und subjektbezogene Wahrheitsansprüche nicht mehr einlösen kann? Und schließlich: Lässt sich der Bedeutungsverlust des Dogmatischen religionspädagogisch auffangen?

In seinem neuen Buch „Was wird aus Religion?“ geht der bekannte Essener Religionspädagoge Rudolf Englert diesen im Kern mit der Aufklärung gestellten Fragen systematisch nach. Hintergrund seiner Überlegungen sind in erster Linie die inhaltlichen und kommunikativen Nöte der Religionslehrerinnen und Religionslehrer, die es zunehmend schwerer haben, das christliche Anliegen einer agnostisch-rationalistisch...