Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Helmut Fischer: Eine kurze Geschichte religiöser Weltdeutungen

Helmut Fischer kündigt im Titel eine Geschichte der Weltdeutungen an, im Buch geht es aber ausführlicher um Religionen und Gottesideen. Alles beginnt mit der Herausentwicklung des Menschen aus den Homininen, als deren Hauptmerkmale der Autor den aufrechten Gang, den Gebrauch der Hand und die Entwicklung einer Symbolsprache beschreibt. Die Geburt der Religion sieht er im subjektivischen Paradigma, also in der Frage: Wer hat das bewirkt? Die konkreten Ausformungen der Religion und die Gottesvorstellungen sind für Kulturen vor der Erfindung der Schrift schwer zu definieren, weil wir nur Bilder und Symbole ohne Kommentare haben.

Die Sesshaftigkeit bedeutet den Übergang zu regional eigenständigen Kulturen, von denen Fischer diejenigen näher beschreiben will, die für unsere europäische...

Hubert Frankemölle: Gott glauben – jüdisch, christlich, muslimisch

Titel und Untertitel von Hubert Frankemölles lehrreichem, umfangreichem Buch weisen darauf hin, dass es um das Vertrauen zu Gott, die Glaubenshaltung der Gläubigen, in den drei monotheistischen Religionen geht. Der Autor betrachtet das Gottvertrauen erfahrungsbezogen in historisch-genetischer Perspektive: Auf den Glaubensinhalt bezogen beleuchtet Frankemölle die Entstehung und den Wandel des jeweiligen Gottesbildes in unterschiedlichen sozialen und politischen Kontexten. Deshalb wählt er eine autobiografische Einleitung: „Heute von Gott sprechen“ (Kapitel I). Frankemölle kennzeichnet informativ und anschaulich, basierend auf eigenen Erfahrungen vom Theologiestudium in den 60er Jahren bis heute, beispielhaft unterschiedliche Auffassungen zur Gottesbeziehung, die Entwicklungsstufen in der...

Martin Thurner (Hg.): Eugen Biser. Die Hauptwerke im Diskurs

Dass Eugen Biser (1918-2014) neben Karl Rahner und Hans Urs von Balthasar zu den bahnbrechenden katholischen Glaubensdenkern im Übergang zum 21. Jahrhundert gehört, steht außer Zweifel. Dem Münchner Guardini-Professor (1974-1988) gelang es, mehr als hundert einschlägige Werke zu publizieren sowie landauf, landab durch Vorträge zu Fragen von Religionsphilosophie und Atheismus, Fundamentaltheologie, Medientheorie, Musik, Literatur und Bildender Kunst im Diskurs präsent zu sein. Ist seine Stimme auch in Zukunft vernehmbar? Und wie lässt sich ein Zugang zu seinem enzyklopädischen Werk gewinnen? Um den biserschen Wissenskosmos zu erkunden, startet Martin Thurner mit dem hier vorzustellenden Band eine Sonde, die den Denkraum des Gelehrten vermisst und seine Hauptwerke für Leserinnen und Leser...

Burkhard Liebsch / Bernhard H. F. Taureck: Trostlose Vernunft?

Der Band besteht aus vier Essays, in denen sich die beiden Autoren mit dem 2019 erschienenen Werk von Jürgen Habermas „Auch eine Geschichte der Philosophie“ auseinandersetzen. Unter dem Titel „Geschichtliche Perspektiven ‚heil‘-loser Vernunft“ diskutiert Burkhard Liebsch im ersten Kapitel „Jürgen Habermas‘ implizite Geschichtsphilosophie – und was sie vermissen lässt“ (15-71). Seine Kritik zielt nicht so sehr auf vermeintliche Widersprüche, sondern auf vernachlässigte Aspekte. Die von Habermas ausgeblendete „responsive Ansprechbarkeit des Anderen als eines radikal Anderen“ (56) müsse als Zentrum der ethischen Verpflichtung betrachtet werden. Zurückzuweisen ist der Vorwurf von Liebsch, das Verhältnis von Glauben und Wissen werde von Habermas als „Aneignung des Anderen“ (68) verstanden. Der...

Andreas Batlogg: Jesus begegnen

Andreas Batlogg hat ausgehend von der Jesus-Meditation der ignatianischen Exerzitien ein sehr persönliches Buch geschrieben über die Möglichkeit, Jesus in diesem Leben zu begegnen. Worum es geht?

Der Buchtitel suggeriert drei Hauptteile. Aber der Autor macht etwas anderes: In 33 Kapiteln kommen unterschiedliche Erfahrungsfelder zur Sprache, mal geht’s um Suchbewegungen, mal um Finderglück und mal um Bekennermut. Andreas Batlogg, geboren 1962, ist seit 1985 Jesuit, und das Erbe des Ignatius von Loyola (1491-1556), der Jesuitenorden mit seiner besonderen Betonung der „Gesellschaft Jesubilden den Raum, in dem er sich bewegt. Batlogg versteht das Ordenssymbol IHS – Iesus Habemus Socium – nicht exklusiv, sondern über die Konfessionsgrenzen hinaus als Einladung an alle, die sich auf Jesus...

Joel F. Harrington: Meister Eckhart

 

Anzuzeigen ist eine neuere Biographie über Meister Eckhart, geschrieben von einem amerikanischen Historiker für europäische Geschichte speziell des 16. Jahrhunderts, gut beworben und mit großen Absichten; dargestellt werden soll „Der Mönch, der die Kirche herausforderte und seinen eigenen Weg zu Gott fand“.

Fragen wir zunächst, was wir vom Meister Eckhart kennen. Texte, mehr nicht, nicht einmal eine ungebrochene Tradition seiner Werke. Texte können etwas bedeuten. Was können wir über einen solchen Text sagen? Etwa wie er entstanden ist: Ein Spitzentheologe und Verwaltungsspezialist hält um 1300 eine Predigt im Deutsch seiner Zeit. Eine Zuhörerin schreibt mit, so genau, dass selbst sprachliche Feinheiten wie Dialoge, völlige Neuschöpfungen, philosophische Spitzensätze, selbst „Wendungen...

Volker Leppin: Ruhen in Gott. Geschichte der christlichen Mystik

Um es vorwegzusagen: Wer sich bündig und qualifiziert über christliche Mystik in ihrer Geschichte informieren will, ist hier bestens bedient; flüssig geschrieben, kenntnisreich und trotz konventioneller Gliederung nicht ohne Originalität, schlicht ein Lesegewinn und zudem ein Reader zum Nachschauen. Hier liegt in der Kürze der Zeitraffung von ganzen 2000 Jahren die Würze eines lichten Durchblicks durch viele Räume und nicht wenige Fenster. (Für eine ausführliche Gesamtdarstellung bleibt freilich Bernhard McGinns mehrbändiges Werk „Die Mystik im Abendland“ einschlägig.) Nun mehr im Detail.

Alles hängt natürlich vom leitenden Vorverständnis von „Mystik“ ab – einem Abstraktum, das erst im 17. Jahrhundert in Umlauf kam und heutzutage mit dem bestimmten Artikel als freischwebende,...

Michaela Kopp-Marx, Martin W. Ramb und Holger Zaborowski (Hg.): Die Christus-Trilogie zwischen Bibel, Traum und religiöser Erfahrung

Ein Geheimtipp! So wurde 1991 der erste Band der Christustrilogie von Patrick Roth, die Novelle „Riverside“, unter christlichen Lesern und Leserinnen weitergegeben. Mittlerweile, 30 Jahre später, gibt es eine breite Roth-Rezeption im deutschen Sprachraum und speziell in der Theologinnenwelt – nicht zuletzt dank der vielfältigen Initiativen von Martin Ramb, Holger Zaborowski und dem Eulenfisch. Die Anziehungskraft Roths liegt aber auch darin begründet, dass der gebürtige Karlsruher, der lange Jahre in Los Angeles gelebt hat und nun wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, ein ungemein sympathischer Mensch ist, der sich mit Offenheit und Neugier auf Tagungen und Lesungen dem Gespräch aussetzt, wie man aufgrund des lebendigen Fotos auf dem Cover des vorliegenden Buches ahnen kann. Wenn man...