Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Bernhard Maier: Die Ordnung des Himmels

 

Es ist leicht, ein Buch zu kritisieren, das sich erkühnt, auf nur 481 Seiten (ohne Anhang) die Geschichte der Religionen von der Steinzeit bis zur Gegenwart darzustellen. Immer wird sich etwas finden lassen, das fehlt oder nur im Lexikonstil abgehandelt worden ist. Aber: Dieser defizitorientieren Kritik kann schnell der Blick dafür verloren gehen, was in einem solchen Buch auf nur 481 Seiten alles vorhanden ist. Bernhard Maier, Professor für Allgemeine Religionswissenschaft und Europäische Religionsgeschichte an der Universität Tübingen, ist sich der Problematik seines Unternehmens bewusst, gerade in Zeiten einer ausufernden und sich zugleich spezialisierenden Forschung. Am Ende seines Buches begründet er, warum er sich trotz allem an eine Gesamtdarstellung herangewagt habe. Er begreift...

Moshe Navon / Thomas Söding: Gemeinsam zu Gott beten

 

Dieses Buch präsentiert eine interreligiöse Zusammenarbeit zwischen einem Rabbiner und einem Neutestamentler, nämlich von Moshe Navon, Landesrabbiner der liberalen Juden in Hamburg und Mitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, und Thomas Söding, Professor für Neues Testament an der Ruhr-Universität Bochum und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Nordrhein-Westfalen. Es ist der Versuch einer Auslegung der jüdischen wie christlichen Lesart des Vaterunsers. Beide Autoren sind darum bemüht, auch für Juden einen Zugang zum Vaterunser zu schaffen, und stellen die Frage, ob Juden gemeinsam mit Christen dieses Gebet sprechen können.

Diese Fragestellung ist berechtigt, denn das Vaterunser wurde von dem Juden Jesu gesprochen, der es an seine jüdischen Mitstreiter weitergab. Manche gehen...

Mouhanad Khorchide / Klaus von Stosch: Der andere Prophet

In den letzten 15 Jahren sind einige Bücher und Beiträge erschienen, welche mithilfe einer Zusammenschau koranischer Texte und unter Berücksichtigung ihrer klassischen islamischen Auslegung die besondere Bedeutung Jesu im Koran betonen. Das vorliegende Buch ist allerdings der erste Text, der gemeinsam von einem muslimischen und einem katholischen Theologen verantwortetet wird. Er ist Ergebnis eines jahrelangen gemeinsamen Denk- und Suchprozesses zweier Systematiker. Während Klaus von Stosch sich mithilfe der komparativen Theologie dem Wahrheitsanspruch der Religion des anderen zu öffnen versucht, ist für Mouhanad Kkorchide die Barmherzigkeit Gottes im Koran der Garant für die Freiheit seiner Geschöpfe, denen er eine dialogische empathische Beziehung anbietet, so wie sie diese auch...

Thomas Bauer: Die Vereindeutigung der Welt

 

Beim Versuch, die jeweilige Zeit in Gedanken und Begriffe zu fassen, gab es immer schon soziologische Favoriten und Moden; in jüngster Zeit etwa die Termini „Erlebnisgesellschaft“, „Risikogesellschaft“ oder „postmaterielles Zeitalter“. Zur Zeit hat die „Ambiguität“ bzw. die „Ambiguitätstoleranz“ Konjunktur –gerade für Thomas Bauer (geb. 1961), dem Münsteraner Professor für Islamwissenschaft und Arabistik, hochdekoriert 2012 mit dem „Leibniz-Preis“, der sich in seinem Reclam-Bändchen nicht nur zu Themen seines Spezialgebietes äußert, sondern auf gedrängtem Raum eine generelle Zeitanalyse im globalen Maßstab der westlichen und islamischen Welt versucht.

Zunächst präsentiert Bauer eine pessimistische Perspektive von Verfall und Dekadenz: Die moderne Welt entwickelt sich – materiell und...

Horst Dreier: Staat ohne Gott

Der Titel „Staat ohne Gott“ klingt nach einer atheistischen Streitschrift für eine Welt oder eine Gesellschaft ohne Gott. Bereits zu Beginn der Einführung stellt der Jura-Professor Horst Dreier, einer der renommiertesten Verfassungsrechtler Deutschlands, allerdings klar, dass dem keineswegs so ist. Denn die titelgebende Wendung zielt vielmehr auf den Umstand ab, dass sich der Staat in der modernen Grundrechtsdemokratie religiös-weltanschaulich neutral zu verhalten hat. Diese Neutralität des Staates und ihre Kehrseite – die Religionsfreiheit der Bürger – sind die beiden Säulen der Säkularität des freiheitlichen Verfassungsstaates.

Das erste Kapitel widmet Horst Dreier dem für das Buch grundlegenden Begriff der „Säkularisierung“, dessen Vieldeutigkeit die interdisziplinäre Diskussion...

Moppi und Peter: Die wahre Geschichte zweier Hunde in der Nazi-Zeit

Wie erklärt man Kindern den Holocaust? Wie führt man sie an dieses Geschehen heran? In ihrem kindlichen Weltbild fehlt dafür jegliche Vorstellungskraft. Sie sind kognitiv und emotional damit überfordert. Die Vermittlung dieser düsteren Zeit ist somit eine große Herausforderung.

„Moppi und Peter“ wurde nach einer Erzählung von Raymond Wolff aufgezeichnet, der die Begebenheiten aus den Briefen seiner Großeltern zusammenstellte. Die Geschichte beginnt in Nackenheim in Rheinhessen, in der Nähe von Mainz. Hier lebten Raymonds Großeltern, die Familie Wolff mit ihren beiden Söhnen und mit Moppi. Der kleine Spitz war so in die Familie integriert, dass er auf keinem Familienfoto fehlte. Herr Wolff war Weinhändler, ein geachteter Mann, bis 1933, als die Nazis an die Macht kamen. Bedingt durch viele...

Holger Zaborowski: Tragik und Transzendenz

Nicolaus Cusanus (1401-1464) schreibt: „Außerhalb des Denkbaren wird nichts gedacht. Alles Denkbare im Denken ist das Denken selber. Es wird also verbleiben nichts als das reine Denken selbst, das nicht denken kann, daß etwas außerhalb des Denkbaren existiert.“ Dieses Denken könnte man auf den ersten Blick neuzeitlich nennen, es könnte von Fichte oder Hegel stammen. Doch gibt es hier einen grundlegenden Unterschied, der das mittelalterliche vom neuzeitlichen Denken scheidet. Es ist die selbstverständliche Anerkennung der heilsgeschichtlichen Bedeutung des Offenbarungsgehaltes der Bibel.

Holger Zaborowski setzt in seiner Spurensuche nach dem metaphysisch Transzendenten bzw. nach seiner auf es verweisenden Leerstelle in der Gegenwartsliteratur mit der Frage nach „Mythos, Religion und...

Hans Goller: Das Rätsel Seele

Hans Goller beginnt, eine Stärke seines Buches, mit einem Kapitel über die Seele in unserer Alltagssprache, das in der Feststellung kulminiert: Über die Seele sprechen wir in Metaphern. Wäre diese Einsicht doch nur mehr berücksichtigt worden!

Der Verfasser fährt in seinen beiden folgenden Kapiteln fort mit Referaten aus der Geschichte der Psychologie – namentlich Freud, Skinner, Pawlow und Rogers – und der Neurowissenschaften: Er referiert ältere und neuere Untersuchungen an Menschen mit geteiltem Hirn, was durch Zerschneiden der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften oder zwischen Stirnhirn und Stammhirn zustande kam. Die Untersuchungen werden nicht kritisiert oder auf ihre Aussagefähigkeit in der Frage nach der Seele kritisch überprüft.

Wenn Goller in den Folgekapiteln die...