Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Dietmar Mieth: Meister Eckhart

Impulse für eine praktische Theologie der Spätmoderne

Kaum einer ist konfessions- und religionsübergreifend so gefragt wie Meister Eckhart: als Lehr- und Lebemeister, als spiritueller Denker und Übersetzer, als Mystagoge und Weggefährte. Die einen lesen den entschieden christlichen Professor und Prediger buddhistisch, andere finden esoterische Weisheiten bei ihm, wieder andere rufen ihn als Zeugen eines nachkirchlichen Christentums an. Diese erstaunliche Resonanzfähigkeit einer großen Gestalt des frühen 14. Jahrhunderts ist keineswegs nur modischer Ausdruck spiritueller Bedürfnislagen und Projektionen heute, hat sie doch mit der inneren Vieldimensionalität von Eckharts prozessualem Denken zu tun. So werden vom Lesenden „Perspektivismus, Mut zur unterschiedlichen Betrachter- und...

Hartmut Sommer: Unsterbliche Seele?

Antworten der Philosophie

Hans Goller beginnt, eine Stärke seines Buches, mit einem Kapitel über die Seele in unserer Alltagssprache, das in der Feststellung kulminiert: Über die Seele sprechen wir in Metaphern. Wäre diese Einsicht doch nur mehr berücksichtigt worden!

Der Verfasser fährt in seinen beiden folgenden Kapiteln fort mit Referaten aus der Geschichte der Psychologie – namentlich Freud, Skinner, Pawlow und Rogers – und der Neurowissenschaften: Er referiert ältere und neuere Untersuchungen an Menschen mit geteiltem Hirn, was durch Zerschneiden der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften oder zwischen Stirnhirn und Stammhirn zustande kam. Die Untersuchungen werden nicht kritisiert oder auf ihre Aussagefähigkeit in der Frage nach der Seele kritisch überprüft.

Wenn Goller in den...

Hans Goller: Das Rätsel Seele

Was sagt uns die Wissenschaft?

Hans Goller beginnt, eine Stärke seines Buches, mit einem Kapitel über die Seele in unserer Alltagssprache, das in der Feststellung kulminiert: Über die Seele sprechen wir in Metaphern. Wäre diese Einsicht doch nur mehr berücksichtigt worden!

Der Verfasser fährt in seinen beiden folgenden Kapiteln fort mit Referaten aus der Geschichte der Psychologie – namentlich Freud, Skinner, Pawlow und Rogers – und der Neurowissenschaften: Er referiert ältere und neuere Untersuchungen an Menschen mit geteiltem Hirn, was durch Zerschneiden der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften oder zwischen Stirnhirn und Stammhirn zustande kam. Die Untersuchungen werden nicht kritisiert oder auf ihre Aussagefähigkeit in der Frage nach der Seele kritisch überprüft.

Wenn Goller...

Wolfgang Thielmann (Hg.): Alternative für Christen?

Die AFD und ihr gespaltenes Verhältnis zur Religion

Beide Sammelbände diskutieren das wechselseitige Verhältnis von christlicher Religion und Populismus. Beide greifen damit eine aktuell hochpolitische und brisante Kontroverse in Europa und insbesondere in Deutschland auf. Während Wolfgang Thielmann, evangelischer Pastor und freier Publizist, unter der Überschrift „Alternative für Christen? Die AFD und ihr gespaltenes Verhältnis zur Religion“ primär Autorinnen und Autoren aus protestantischen Hintergründen versammelt, konnte Walter Lesch, Professor an der katholischen Universität Löwen/Belgien, unter dem Titel „Christentum und Populismus“ primär katholische Sozialethikerinnen und Sozialethiker gewinnen. Insgesamt werden 25 Sichten auf das Krisenphänomen des rechten Populismus vorgelegt...

Walter Lesch (Hg.): Christentum und Populismus

Klare Fronten?

Beide Sammelbände diskutieren das wechselseitige Verhältnis von christlicher Religion und Populismus. Beide greifen damit eine aktuell hochpolitische und brisante Kontroverse in Europa und insbesondere in Deutschland auf. Während Wolfgang Thielmann, evangelischer Pastor und freier Publizist, unter der Überschrift „Alternative für Christen? Die AFD und ihr gespaltenes Verhältnis zur Religion“ primär Autorinnen und Autoren aus protestantischen Hintergründen versammelt, konnte Walter Lesch, Professor an der katholischen Universität Löwen/Belgien, unter dem Titel „Christentum und Populismus“ primär katholische Sozialethikerinnen und Sozialethiker gewinnen. Insgesamt werden 25 Sichten auf das Krisenphänomen des rechten Populismus vorgelegt und gleichzeitig die „unheiligen...

Clara Vasseur OSB / Johannes Bündgens: Spiritualität der Wahrnehmung

Einführung und Einübung

Gerade weil „Spiritualität“ so modisch geworden ist, braucht es solide, nicht zuletzt philosophische Grundlegungen. Dafür die Phänomenlogie auf der Linie von Husserl bis Levinas und Henry zu wählen, legt sich nahe, ganz auf der Spur übrigens von Edith Stein und Klaus Hemmerle. „Zu den Sachen selbst“ heißt es da, mit dem sich allen Vor-Stellungen enthaltenden Bewusstsein und seiner dann reinen Empfänglichkeit. „Die phänomenologische Methode geht von der sinnlichen Wahrnehmung aus, um in Akten der Anschauung, die jederzeit abrufbar sind, das Wesen der Dinge zu erfassen“ (94) bzw. diese(s) erscheinen zu lassen. Im Zentrum steht also die förmlich kontemplative Haltung der Aufmerksamkeit, und naheliegend sind die Bezüge zu patristischen und monastischen Überlieferungen,...

Christoph Wrembek: Judas, der Freund

Du, der du Judas trägst nach Hause, trage auch mich

Vorstellungen über die „letzten Dinge“, über Sünde – Gericht – Erlösung – Hölle, haben die Theologie schon immer in Atem gehalten. Im Blick auf diesen schwierigen, die Alltagserfahrung transzendierenden Themenkreis will uns der Autor eine „Schatzkiste des Glaubens, der Spiritualität und der Lebensgestaltung öffnen“ (74).

Ausgangspunkt für den Jesuitenpater, Priesterseelsorger und Missionar Wrembek sind wohl zum einen Erfahrungen seiner seelsorgerlich-therapeutischen Tätigkeiten, die ihn nur zu oft die krankmachenden Folgen „religiösen Psychoterrors“ (150) gegen unzählige Gläubige erleben ließen, weil die verdammende kirchliche Tradition jenen einreden wollte, Jesu Todesgeschick sei ein Opfer ihrer Schuld. Der andere Ausgangspunkt ist...

Constanze Kleis: Gebrauchsanweisung für Weihnachten

Eine Gebrauchsanweisung hat zum Ziel, einem Nutzer zu erklären, wie ein Produkt oder ein Gegenstand im weitesten Sinne zweckmäßig zu gebrauchen ist. Man fragt sich deshalb etwas verdutzt, wie die Journalistin aus Frankfurt ihren Buchtitel genau verstanden haben möchte. Denn Constanze Kleis schreibt de facto keine Gebrauchsanweisung im Sinne eines Ratgebers. Vielmehr will sie hinter den Bühnenvorhang Weihnachten blicken, um das zu entlüften, was ihr als ausgesprochener Weihnachtsfan daran wichtig erscheint. Ihr Buch ist daher ein klares Plädoyer für Weihnachten! Ein Weihnachten, das zwar aus einem schier endlosen, auch zu kritisierenden. Vielerlei besteht, dessen humaner Kern – eine theologische Reflexion über Weihnachten fehlt – bewahrenswert ist und bleibt.

Im Wesentlichen ist...