Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Sabine Pemsel-Maier: Gott und Jesus Christus

Orientierungswissen Christologie

Sabine Pemsel-Maier, Professorin für Katholische Theologie / Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Dogmatik und ihre Didaktik, hat Pionierarbeit geleistet und eine für den Kontext Schule bestimmte Christologie vorgelegt. Für diesen Zweck hat sie – geleitet vom didaktischen Prinzip der Elementarisierung – den komplexen theologischen Fachdiskurs auf elementare Argumentationsfiguren reduziert. Die vorliegende „elementare Christologie“ möchte Lehrkräfte von der Primar- bis zur Oberstufe befähigen, „eine adäquate Theologie bzw. Christologie für Kinder und Jugendliche bereit zu stellen“ (13). Hinter diesem begrüßenswerten Ziel steht die Beobachtung, dass im Religionsunterricht (RU) beider christlicher Konfessionen der Glaube nicht selten nur als Ethik und Jesus...

Martin Ramb / Holger Zaborowski: Jenseits der Ironie

Dialoge der Barmherzigkeit

Wer das Buch in die Hand nimmt und die Beiträge liest, bedauert sicherlich, dass das Jahr der Barmherzigkeit schon zu Ende ist. Denn ausgerüstet mit dem Wissen, das die Beiträge auszeichnet, hätte man ganz anders das Jahr der Barmherzigkeit begehen können. Der Titel ist sicherlich erklärungsbedürftig. Einer der Herausgeber (Holger Zaborowski) beendet die „Dialoge“ mit einem Beitrag, der dem ganzen Buch den Titel gegeben hat. Angesichts der Flüchtlingskrise und anderen Herausforderungen sind distanzierende ironische Selbstverliebtheiten und Bespiegelungen fehl am Platz. Was so nach Ansicht des Autors als kennzeichnend für die Postmoderne angenommen werden kann, wirkt zynisch angesichts der menschlichen Nöte. Barmherzigkeit wäre die richtige Antwort auf die Nöte...

Christian Lehnert: Der Gott in der Nuß

Fliegende Blätter von Kult und Gebet
 
Vor mir liegt ein Buch mit einem enigmatischen Titel, das unter theologischen Büchern eher selten anzutreffen ist. Seine Lektüre verlangt vom Leser eine gewisse Gestimmtheit und Bereitschaft, sich vom Autor in seine Gedankenwelt mitnehmen zu lassen. Ist man dazu bereit, wird man in diese Welt magisch hineingezogen und reichlich belohnt. Den Autor Christian Lehnert bezeichnet der Klappentext als „Dichter und Theologe“, er ist aber mehr: ein moderner Mystiker.
 
Er wurde 1969 in Dresden als Sohn eines Arztehepaars geboren. Er wird zwar getauft, wächst aber ohne Kirchenbindung auf. Erst durch die Begegnung mit der Jungen Gemeinde, der Jugendgruppe der evangelischen Kirche in der DDR, wird sein religiöses Interesse geweckt. Er studiert...

Leonardo Boff / Mark Hathaway: Befreite Schöpfung

Kosmologie – Ökologie – Spiritualität
Ein zukunftsweisendes Weltbild
Mit einem Vorwort von Fritjof Capra
Aus dem Englischen von Bruno Kern



Trotz der Themenvielfalt dieses umfangreichen Werkes ist die These recht einfach: Im Westen herrscht eine Ideologie des Wachstums und quantitativen Fortschritts, ein System, von dem immer weniger Menschen profitieren, das sich gegen die Evolution richtet und unausweichlich zum Ökozid, also zur Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, treibt. Wissenschaftliche Grundlage des Systems ist eine Kosmologie der Herrschaft, eine Pseudokosmologie, die ein sinnloses unbegrenztes Universum beschreibt. Weil diese mechanistisch-patriarchalische Weltsicht den Menschen keinen Sinn bietet, füllen sie die Leere durch sinnlosen Konsum, der wiederum das...

Hansjürgen Verweyen: Mensch sein neu buchstabieren

Vom Nutzen der philosophischen und historischen Kritik für den Glauben

Hansjürgen Verweyen gilt nicht umsonst als einer der wichtigsten Fundamentaltheologen der Gegenwart. Klaus Müller hat anlässlich einer Laudatio auf Thomas Pröpper zum 60. Geburtstag berichtet, ein wenig freundlicher Zunftkollege habe ihn und Pröpper zusammen mit Verweyen als einen „der schlimmsten Häretiker nach Karl Rahner“ bezeichnet. Diese Ehrung durch die Hintertür verdanken alle drei ihrem „anthropologischen Ansatz“. 

Diese anthropologische Situierung theologischer Rede zeigt bereits der Titel der hier anzuzeigenden kleinen Schrift: „Mensch sein neu buchstabieren“. Sie ist dazu gedacht, die Inhalte des umfänglichen wie inhaltlich schwergewichtigen Hauptwerks „Gottes letztes Wort“ (2000; inzwischen liegt die 4....

Wolfgang Erk (Hg.): Tod Trauer Trost

Literarische Texte zu Leben und Sterben

Wolfgang Erk, der Leiter des Radius Verlags, hat seine literarischen Lieblingstexte zu Leben und Sterben in einem kleinen, aber feinen gebundenen Büchlein zusammengestellt. Die zirka 60 Texte – Aphorismen, Briefauszüge, Kurzprosa und viele Gedichte – ordnet der Herausgeber unter die Rubriken „Tod“, „Trauer“ und „Trost“, wobei die Zuordnung nicht immer plausibel ist.

Der älteste Text ist eine Betrachtung von Marc Aurel, der jüngste ein Gedicht von Peter Härtling. Es kommen weniger bekannte Verfasser/innen zu Wort – und bekannte Dichterinnen wie etwa Ingeborg Bachmann, Hilde Domin, Marie Luise Kaschnitz, Mascha Kaléko und Dichter wie etwa Bertold Brecht, Matthias Claudius, Dietrich Bonhoeffer, Erich Fried. Die genannten Namen deuten schon an, dass...

Matthias Arnold / Philipp Thull (Hg.): Theologie und Spiritualität des Betens

Handbuch Gebet

Auf einer Konferenz von Novizen der Kartäuser, des strengsten Ordens überhaupt, in dem hauptsächlich geschwiegen und gebetet wird, sagten mehrere der versammelten Brüder: „Ich weiß nicht, was Gebet ist.“ Zugleich fanden sie berührende Antworten, beispielsweise: „Ich habe nur eine Sache zu sagen, zu IHM zu sagen: Du. Gebet ist Du.“ Das zeigt etwas für das Gebet sehr Wesentliches, nämlich dass man es nie im Letzten begreifen kann und sich diesem Begreifen doch immer wieder stammelnd annähert. Das gilt für das Gebet selbst, aber auch für unser Verstehen der eigenen Gebetserfahrung. 

Als eine solche Annäherung an das Wesen des Gebetes möchte ich das vorliegende Handbuch zur Theologie und Spiritualität des Betens verstehen. Es ist erfreulich, dass ein solches Buch in unserer...

Jürgen Werbick: Gott – menschlich

Um „heute von der Glaubensbedeutung Jesu Christi zu sprechen“ (23), hat der emeritierte Münsteraner Fundamentaltheologe Jürgen Werbick eine elementare Christologie vorgelegt. Auf der Grundlage des biblischen Zeugnisses will der Verfasser verstehen, was dort über Jesus Christus gesagt wird und was es heute lebenden Menschen sagt. Die elementare Christologie versucht daher, das „im Christus-Zeugnis des Neuen Testaments überlieferte Gottes-Zeugnis Jesu von Nazaret als das Selbst-Zeugnis eines Gottes verstehbar [zu] mach[en], der den Menschen zu ihrem Heil nahekommen und sie für seinen guten Willen gewinnen will“ (33). Dementsprechend müsse trotz all der damit zusammenhängenden Probleme das biblische Zeugnis für heutige Menschen übersetzt werden. Die von Werbick sogenannte „hohe Christologie“,...