Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Christoph Böttigheimer: Die Reich-Gottes-Botschaft Jesu

Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes, um dessen Kommen die Christen im Vater unser beten, hat zentrale Bedeutung. Sie steht aber in der kirchlichen Verkündigung und im christlichen Glaubensleben am Rand als die „verlorene Mitte“. Der Untertitel des Buches überrascht, fordert heraus und motiviert zur Lektüre. Christoph Böttigheimers gut verständliche, eingängige Darstellung besteht aus vier übersichtlichen, klar strukturierten, plausibel miteinander verknüpften Teilen.

Abschnitt A, Botschaft Jesu (17-89) bildet das bibeltheologische Fundament: In seiner Predigt verkündigt und in seinem Handeln vergegenwärtigt Jesus, woraus er selbst lebt, die Nähe Gottes als Beziehungswirklichkeit menschlichen Miteinanders. Weil es sich dabei nicht um Herrschen, sondern um eine von Gottes Gegenwart...

Arthur Thömmes: 33 Ideen Digitale Medien Religion

Die Didaktik kann nach der Corona-Krise nicht mehr genauso ablaufen wie vor der Corona-Pandemie und die Diözesen brauchen dringend neue digitale Unterstützungssysteme für den Religionsunterricht“, so Martin Ramb, Chefredakteur des Eulenfisch-Magazins in einem Interview mit der Plattform katholisch.de. Der Diagnose von Ramb ist zuzustimmen. Ebenso: Was für die Diözesen gilt, ist auch für die Lehrerkräfte relevant. Arthur Thömmes, selbst Religionslehrer und Herausgeber zahlreicher (methodisch-didaktischer) Bücher zum RU, verspricht 33 digitale Medien, die – so der Untertitel – jeder kann.

Vorab: Der Autor hält durchaus, was er verspricht. Dies liegt vor allem darin begründet, dass er – im Gegensatz zu anderen aktuellen Digitalisierungswerken, die den Markt fluten – wichtigen Prämissen...

Hubert Wolf: Der Unfehlbare

Wenn ein historisch-theologisches Sachbuch nach wenigen Monaten bereits in der zweiten Auflage vorliegt, sind mehrere Gründe dafür möglich. Es mag die mediale Präsenz des Papsttums auch in einer postmodernen Gesellschaft sein. Der provozierende Titel „Der Unfehlbare“ mag ebenso ein Kaufanreiz sein wie die Person des Autors, der für einen packenden Schreibstil und skandalumwitterte Enthüllungen aus den kirchlichen Archiven bekannt ist. Wer den neuen „Wolf“ zur Hand nimmt, wird in diesen Hinsichten nicht enttäuscht.

Hubert Wolf will darlegen, dass es seit dem Ende des 18. Jahrhunderts – konkret seit der Französischen Revolution und ihren Folgen – nicht nur zu einer Neuordnung der Kirchenorganisation kam, sondern sich auch die Begründung des Katholizismus veränderte. Unter kreativer...

Nikil Mukerji / Adriano Mannino: Covid-19: Was in der Krise zählt

Dass Epidemiologen und Virologen gebraucht werden, um einer Pandemie zu begegnen, leuchtet ein, aber Philosophen? – Die beiden Autoren Mukerji und Mannino plädieren nachdrücklich dafür, denn man benötigt Entscheidungstheorie und Risikoethik, um zum Beispiel die Frage anzugehen, welche Fachdisziplinen relevant sind und was man tun soll, wenn sich die Experten nicht einigen. In der akuten Krise kann die Philosophie nicht warten, bis die empirischen Daten komplett sind und die Fachdiskussion abgeschlossen ist, sondern man benötigt Heuristiken, um mit Unsicherheit und Dissens umzugehen. Gefragt ist „philosophy with a deadline“ (Nick Bostrom),Echtzeitphilosophie, und dies vor, während und nach der Krise. Dabei ist die Covid-19-Epidemie in Deutschland ein Anlass, über diese Fragen nachzudenken,...

Ina ter Avest, Cok Bakker, Julia Ipgrave, Silke Leonhard, Peter Schreiner (Hg.): Facing the Unknown Future

Als Band 41 der Reihe „Religious Diversity and Education in Europe“ (Religiöse Vielfalt und Erziehung in Europa)ist 2020 die Studie „Facing the Unknown Future“ (Sich der unbekannten Zukunft stellen) erschienen. Die Schriftenreihe wird von der Forschergruppe ENRECA – dem „European Network for Religious Education in Europe through Contextual Approaches“ – herausgegeben, einem seit 1999 bestehenden europäischen Netzwerk von Forschern auf dem Gebiet der religiösen Erziehung. Damit in Zusammenhang steht ein Forschungsprojekt der Europäischen Union mit der Aufgabenstellung, religiöse Erziehung als Dialogbeitrag und Konfliktfaktor für Europäische Gesellschaften im Übergang zu untersuchen. Der Auftrag wurde 2006 erteilt, und 2014 erschien ein Abschlussbericht, der auf der Seite der Europäischen...

Michael Stausberg: Die Heilsbringer

Im Zusammenhang der Weltausstellung 1893 in Chicago fand das erste Weltparlament der Religionen statt. Es dauerte 16 Tage, insgesamt wurden 216 Vorträge gehalten. Der Religionswissenschaftler Michel Strausberg nimmt dieses Ereignis, dem er eine globale Bedeutung beimisst, zum Anlass und zeitlichen Ausgang seiner Globalgeschichte der Religionen im 20. Jahrhundert. Sein 20. Jahrhundert endet mit den Terroranschlägen in New York am 11. September 2001. Was beim Weltparlament der Religionen in Chicago zum ersten Mal in die Weltöffentlichkeit trat, war, Strausberg zufolge, Religion als Kategorie neben anderen Kategorien der Wirtschaft, Politik, Geschichte, Wissenschaft usw. Erstmals traten (nur sehr wenige) Vertreterinnen und (sehr viele) Vertreter unterschiedlichster Religionen zusammen und...

Ingo Reuter: Weltuntergänge

Dass die „Apokalypse des Johannes“ kein Weltuntergangsbuch, sondern ein Hoffnungs- und Trostbuch für die unterdrückten Gemeinden innerhalb des Römischen Reiches darstellte, betont der in Paderborn lehrende Ingo Reuter in seinem neuen Büchlein. Darin nimmt der kulturhermeneutisch arbeitende Theologe multiperspektivisch das Phänomen von Weltuntergangserzählungen (WUE) auf – seien sie nun schriftlich oder in der filmischen Popkultur umgesetzt – um zu fragen, welchen Sinn solche Erzählungen transportieren. So gibt es Fluterzählungen, wie die biblische Sinfluterzählung, die letztlich kathartisch wirken sollen. Daneben existieren WUE, die den Untergang durch Gefahren von außen (Angriff durch Aliens oder Zombies) beschreiben oder Untergänge in Form technischer Hybris. Reuter greift auch das Motiv...

Brigitte Maria Mayer: Wohnort Gottes

„Wohnort Gottes“ ist ein ungewöhnliches Buch. Zum einen aufgrund seiner Vorgeschichte. Denn es geht auf ein höchst ungewöhnliches Projekt zurück. Die Filmemacherin Brigitte Maria Mayer wollte in Äthiopien einen Film über Jesus drehen. Dieses Projekt scheiterte, weil der Film, wie Mayer schreibt, aufgrund von Gerüchten und Unterstellungen – über den Judaskuss, den man als eine sexuelle Handlung deutete – in ein antichristliches Licht gestellt wurde. Später hat sie diesen Film unter dem Titel „Jesus Cries“ in Berlin verwirklicht. Der Film ist großartig geworden. Freilich fragt man sich, wenn man die Bilder ihrer äthiopischen Reise betrachtet, die in „Wohnort Gottes“ veröffentlicht sind, welch ein Film entstanden wäre, wenn Mayer ihn in Äthiopien mit äthiopischen Schauspielern gedreht hätte....