Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Raimon Panikkar / Hans-Peter Dürr: Liebe – Urquelle des Kosmos

Bereits im Jahr 2008 erschien im Herder-Verlag „Liebe – Urquelle des Kosmos“, das nun in leicht erweiterter Form 2017 bei topos premium eine Neuauflage erfuhr. Mittlerweile sind die beiden Autoren und Gesprächspartner des Bandes Raimon Panikkar (1918-2010) und Hans-Peter Dürr (1929-2014) verstorben. Entsprechend wurde das Buch vor allem um zwei Würdigungen des Religionsphilosophen bzw. Theologen Pannikar und des Physikers Dürr ergänzt.

Der tops-Band enthält nach einer Einleitung des Herausgebers Roland R. Ropers die Vita von Raimon Panikkar, die mit dessen letztem Brief an seine Freunde („Der Tod ist eine Tür!“) endet. Es schließen sich ein Text Panikkars („Der Mensch ist der Künstler der Schöpfung“) und ein zweisprachiges Lob auf diesen, verfasst von Ropers („Der allgegenwärtige Klang“),...

Christian Müller / Claudia Schäble / Thomas van Vugt: Kompetenzorientierte Bibeldidaktik

Die Kompetenzorientierung ist zwar fester Bestandteil der Lehrpläne und Kerncurricula, dennoch ist der Begriff für manche Pädagogen nicht wirklich greifbar. Es fehlt an konkreten Beispielen der unterrichtlichen Umsetzung. Ein gelungener Versuch, eine kompetenzorientierte Bibeldidaktik näherzubringen, stellt der vorliegende Band dar, der sich am bayerischen „LehrplanPLUS – Mittelschule“ orientiert und im Wesentlichen schulart- und länderübergreifend konzipiert ist.

Im Anfangsteil erfolgt eine Begriffssensibilisierung im Hinblick auf die fachbezogene Kompetenzorientierung in Form eines Strukturmodells. Auf der horizontalen Ebene sind die prozessbezogenen Kompetenzen (teilhaben, kommunizieren, gestalten, urteilen, verstehen und wahrnehmen) angelegt, die sich auf vertikal platzierte...

Sibylle Lewitscharoff / Najem Wali: Abraham trifft Ibrahim

Das Buch „Abraham trifft Ibrahim“ ist ein gemeinschaftliches Werk zweier literarischer Schwergewichte, der Schriftstellerin Sybille Lewitscharoff und des Autors Najem Wali. Beide haben in je eigener Weise mit ihren Werken Akzente gesetzt: Sybille Lewitscharoff mit ihren Sprachbildern und -neuschöpfungen, Najem Wali mit seiner Gesellschafts- und Religionskritik. Der Ausgangspunkt war Walis religionsverbindende Idee, ein Buch zu schreiben über Personen, die sowohl in der Bibel als auch im Koran vorkommen und die die Identität von Judentum, Christentum und Islam geprägt haben. Diese Gemeinsamkeiten möchte er als Brücke und als friedensgenerierende Kraft zwischen den Religionen und Gesellschaften fruchtbar machen. Weiterhin hat er das Interesse, die Menschen zu informieren, was wirklich im...

Joachim Kunstmann: Subjektorientierte Religionspädagogik

Im letzten Kapitel seines Plädoyers für eine zeitgemäße religiöse Bildung stellt Joachim Kunstmann, Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, anhand eines Stundeneinstiegs exemplarisch dar, wie der subjektorientierte Religionsunterricht in der Praxis aussehen könnte. In den Wochen vor Weihnachten zündet der Lehrer zu Beginn die Kerze eines Adventskranzes an und setzt sich schweigend hinter das Pult. Nach einigen Minuten reagieren die Schüler auf diesen Impuls. Ein Mädchen sagt: „Die Kerze ist so schön“, einem ihrer Mitschüler erscheint das Licht warm und angenehm. Eine weitere Schülerin meint, dieses Licht könne sogar trösten. Andere Schüler haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

Dieses Beispiel ist geeignet, um sowohl die Grundzüge als auch die Probleme...

Ingolf U. Dalferth: Wirkendes Wort

Ein für die evangelische Theologie dringend notwendiges Buch hat Ingolf U. Dalferth, emeritierter systematischer Theologe der Universität Zürich, geschrieben, das den Blick auf einen sehr sensiblen Punkt des evangelischen Glaubens lenkt. Mit sola scriptura (Allein die Schrift!) ist der Reformation ein Profil erwachsen, das heute kaum noch verstanden wird. Für die einen ist nach der historisch-kritischen Durchsicht der Bibel nur noch ein historisches, kulturell sicher sehr bedeutendes Dokument geblieben; ihnen kommt es sowieso im Glauben mehr auf die eigene persönliche religiöse Erfahrung als auf irgendwelche Bibelverse an. Andere wollen die Bibel erst gar nicht einer scheinbar zerstörerischen Wissenschaft ausliefern und klammern sich an Inspirationstheorien. Der Rückgang der Buchkultur und...

Armin Nassehi / Peter Felixberger (Hg.): Kursbuch 196: Religion, zum Teufel!

Der Titel „Religion, zum Teufel!“ legt eine falsche Spur, insinuiert er doch eine scharfe Abrechnung mit (dem Erscheinungsbild der) Religion. Den Teufel bekommt der Leser dennoch präsentiert – und zwar von dem Comic-Zeichner Ralph Niese, der in der Mitte des vorliegenden Kursbuches mit seinen frechen, grellen Illustrationen die Karriere Luzifers vom Paradies bis in unsere diabolischen Tage nachzeichnet (93-112).

Allgemein formuliert geht es in den verschiedenen Beiträgen um eine Revision überholter Urteile über und einen neuen Blick auf aktuelle Probleme von Religion, wobei in aller Regel das Christentum und der Islam gemeint sind. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass den kritischsten Beitrag der Theologe Gregor Maria Hoff beigesteuert hat, der unter dem kryptischen Titel „Kirche zu,...

Hans-Joachim Höhn: Ich. Essays über Identität und Heimat

Das Ich steht in der (Spät-)Moderne an jener Stelle, „wo es die Grammatik immer schon hingestellt hat: auf Rang eins.“ Die Versuche des Ichs, sich in sich oder aus sich heraus zu (er-)finden, führt in tiefe Aporien, aus denen der christliche Glaube die Kraft hätte herauszuführen. Diese „Zeitdiagnose“ – unvermeidlich mit dem verpönten „doppelten Maß“: das Evangelium im Licht dieser Zeit, diese Zeit im Licht des Evangeliums verstehen – führt Höhn in vier Themenkreisen durch.

Der erste Themenkreis (Kap. 2) widmet sich der Freiheitsliebe. Worum es dem Menschen heute im Leben geht, ist, dieses als ein „eigenes“ zu leben. Das verlangt, möglichst viele Optionen zu haben. Aber das Offenhalten der Optionen ist von einer selbstaufhebenden Tendenz bestimmt. Erstens muss man sich Optionen leisten...

Christoph Böttigheimer: Sinn(losigkeit) des Bittgebets

Wie lässt sich das Bittgebet vor der Vernunft verantworten? Diese fundamentaltheologische Frage umkreist der renommierte Theologe, Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, in seinem gut strukturierten, sprachlich klaren und aspektreichen Buch.

Vorwort (9-14) und Hinführung (15-36) verorten die Bedeutung des Gebets im Zentrum des Glaubens. Die Überlegungen zum Bittgebet stehen nämlich im Kontext der Frage nach dem Weltbezug Gottes und seinem Handeln; von Anfang an wird so die enge Relation zur Gottesfrage thematisiert.

Der Zusammenhang zwischen Reflexionen über Gott und verschiedenen Aspekten des Bittgebets prägt den Aufbau der folgenden Darstellung. Die vier übersichtlichen, anspruchsvollen, aber flüssig lesbaren Kapitel sind jeweils in Anfragen und Antwortversuche...