Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Emmeram Kränkl: Glaube & Vernunft

Wer die neutestamentlichen Schriften im Hinblick auf „Glaube und Vernunft“ liest, stößt auf Verwirrendes. So preist Jesus den Vater, weil er das Wesentliche „den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart“ habe (Mt. 11,25). Ähnlich kann Paulus nur davor warnen, sich auf die Weisheit der „Welt“ zu verlassen, denn im Kreuzesgeschehen habe Gott diese Weisheit „als Torheit entlarvt“ (vgl. 1. Kor. 1,18-31). Zugleich kann der Völkermissionar durchaus auf Gedanken der – vorzüglich stoischen – Philosophie zurückgreifen, so, wenn er in den ersten beiden Kapiteln des Römerbriefes auf die alle Menschen verbindende Kraft der (Gottes-) Erkenntnis und des Gewissens verweist. Und Johannes eröffnet sein Evangelium mit einer Meditation über das philosophische Grundwort Logos, um sogleich...

Wilhelm Schmidt-Biggemann: Gott, versuchsweise

Seit geraumer Zeit tauchen aus der Philosophie wieder Publikationen mit „Gott“ oder mit dem „Göttlichen“ im Titel auf dem Buchmarkt auf: Volker Gerhard (Der Sinn des Sinns. Ein Versuch über das Göttliche, 2014) oder Holm Tetens (Gott denken. Ein Versuch über rationale Theologie, 2015), um nur die beiden prominentesten im deutschsprachigen Raum zu nennen (beide in Eulenfisch Literatur besprochen). Nun liegt seit Anfang 2018 mit Wilhelm Schmidt-Biggemann „Gott, versuchsweise. Eine philosophische Theo-Logie“ ein weiterer Titel vor – erneut von einem Berliner Philosophen.

Im Vergleich zu Gerhards Werk tritt dieses Büchlein – wie das von Tetens – deutlich bescheidener auf, nicht nur im Umfang, sondern auch im Anspruch. Es fällt auf, dass alle drei – man möchte sagen: wie es sich...

Sonja Angelika Strube (Hg.): Das Fremde akzeptieren

Auch wenn sich seit einigen Jahren vermehrt kirchlich-institutioneller Widerspruch gegen die Vereinnahmung durch rechtspopulistische Strömungen wie Pegida und die AfD regt, so konstatiert Sonja Angelika Strube zu Recht, dass „bestimmte exklusivistische, autoritäre und rigide Formen christlichen Selbstverständnisses mit autoritären und gruppenbezogenen-menschenfeindlichen politischen Einstellungen harmonieren“ (16). Von daher ist es das Anliegen des Sammelbandes, danach zu fragen, welche Formen des christlichen Selbst- und Frömmigkeitsverständnisses solche Einstellungen fördern und welche theologischen und kirchlichen Umdenkprozesse notwendig sind, um diesen entgegenzuwirken.

Der Band versucht diesen ersten Fragestellungen gerecht zu werden, indem er zunächst sich in einem ersten Kapitel...

Matthias Lindenau / Marcel Meier Kressig (Hg.: Religion und Vernunft – ein Widerstreit?

Der Titel trügt, denn allenfalls in einem der vier Beiträge geht es explizit um das Verhältnis von Religion und Vernunft. Wohl gibt der Untertitel „Glauben in der säkularen Gesellschaft“ den thematischen Konvergenzpunkt der vorliegenden Texte wieder.

In seinem Beitrag über „Figuren der Religionskritik und ihre Aktualität“ begreift Konrad Paul Liessmann Aufklärung primär als Religionskritik. Dabei stellt er zunächst die klassischen Positionen von Marx, Freud und Nietzsche dar. Sehr bewusst rückt der Autor aus wirkungsgeschichtlichen Gründen Nietzsche an das Ende seiner Darstellung. Denn er betont, dass dessen „toller Mensch“ seine Botschaft vom Tod Gottes nicht an Gläubige richtet, sondern an Atheisten. Diese klärt er nämlich darüber auf, was sie angerichtet haben, als sie Gott als...

Perry Schmidt-Leukel: Buddhismus verstehen

Das 2017 erschienene Werk „ Buddhismus verstehen. Geschichte und Ideenwelt einer ungewöhnlichen Religion" ist die lang erwartete deutsche Übersetzung des sehr positiv aufgenommenen Werks „Understanding Buddhism" des renommierten Religionswissenschaftlers und Religionstheologen Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel (Universität Münster). Die deutsche Übersetzung von Hans-Georg Türstig wurde vom Autor aktualisiert, erweitert und autorisiert.

Der Titel des Buches kündigt an, dass der Buddhismus eine ungewöhnliche Religion ist, und verspricht, dass sie dennoch verstanden werden kann. Und dieses Versprechen wird vom Autor eingelöst. Das Werk ist sachkundig exzellent verfasst. Es führt auf wissenschaftlich hohem Niveau und zugleich literarisch spannend in die Geschichte und Grundgedanken des...

Michael Klein: Bankier der Barmherzigkeit: Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Im März dieses Jahres jährte sich der Geburtstag des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen zum 200. Mal. Das schmale Buch von Michael Klein malt das Bild eines völlig selbstlosen Wohltäters, der immer wieder mit allen möglichen Widerständen zu kämpfen hatte. Getrieben war er dabei von seinem Glauben; bei einer Versammlung des Wohltätigkeitsvereins sprach er von Gott als „unserem obersten Direktor“. Das Buch gibt Einblicke in Raiffeisens Beweggründe für sein Engagement, es zeigt die Wurzeln seiner Aktivitäten – auch während seiner Bürgermeisterämter –, bringt seinen unerschütterlichen Glauben, seine praktizierte Nächstenliebe auf den Punkt und ordnet diese richtigerweise in seine familiären Wurzeln ein. Es ist interessant, hierzu immer wieder Originalschriftstücke im Text zu finden.

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Wolfgang Detel: Warum wir nichts über Gott wissen können

In der Palette religionskritischer Literatur der Gegenwart zeichnet sich die hier vertretene Position dadurch aus, dass sie weder dem Theismus noch dem Atheismus zugeordnet sein will, sondern sich als agnostisch versteht. Diesen von ihm vertretenen Agnostizismus will der Autor als „Religion ohne Gott“ verstanden wissen. Sie wird ganz dem Gefühl zugeordnet, das sich etwa einstellt, wenn wir mit Kant über „den gestirnten Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ staunen, lässt aber positive Aussagen über Transzendenz nur als Ausdruck poetischer Ergriffenheit zu. Begründet wird dieser Agnostizismus erstens durch die u.a. am Werk Jan Assmanns abgelesene Behauptung, dass der Theismus notwendig in Intoleranz und Gewalt münde, und zweitens durch den versuchten Nachweis, dass die Gott...

Georg M. Oswald: Unsere Grundrechte

Georg M. Oswald stellt die Grundrechte des Grundgesetzes dar. Dabei geht es ihm nicht darum, einen juristischen Kommentar zu schreiben. Vielmehr wirft er einen Blick auf die aktuelle gesellschaftliche und politische Situation und beschäftigt sich mit der Frage, wie die Grundrechte Antworten geben können. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass die Grundrechte das „Fundament einer menschenwürdigen Gesellschaft bilden, um die immer wieder von Neuem gekämpft werden muss.“ Der Autor erreicht das von ihm verfolgte Ziel, die Grundrechte mit seinem Buch allen Bürgern näherzubringen – auch denen, die juristisch nicht vorgebildet sind. Er entfaltet die Bedeutung der Grundrechte anhand aktueller Ereignisse. Die Qualität des Buches liegt aus meiner Sicht darin, dass es sich nicht um ein Werk handelt,...