Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Antonia Leugers: Literatur – Gender – Konfession

Auf den im Eulenfisch Literatur 2_2019 bereits besprochenen ersten Band zu „Literatur – Gender – Konfession“, der sich Forschungsperspektiven zum Thema „Katholische Schriftstellerinnen“ widmete, folgt nun Band 2 mit Analysen und Ergebnissen. Die monografische Studie von Antonia Leugers zu deutschsprachigen Romanen, Novellen und Erzählungen „Katholischer“ Schriftstellerinnen bestätigt betont vorsichtig die Annahme aus Band 1, dass einerseits traditionelle Weiblichkeitsentwürfe und -zuschreibungen fortgeschrieben würden, andererseits aber auch ein Spiel mit variablen Weiblichkeitskonzepten im historischen Wandel zu beobachten sei. Vorrangige Analysemethode ist die genderorientierte Erzähltextanalyse mit dem geschichtswissenschaftlichen Fokus auf historische Wandlungsprozesse.

Neben einer...

Claudia Gärtner / Stefan Gärtner: Was die Stunde schlägt

 

Die Zeit spielt im christlichen Glauben eine zentrale Rolle. Sie strukturiert die christliche Deutung der Geschichte als Heilsgeschichte und ist ein existenzielles Thema, denn das Leben ist begrenzt durch die Zeitspanne von der Geburt bis zum Tod.

Vor diesem nicht thematisierten, aber implizit mitgedachten Hintergrund setzen sich die Pastoraltheologen Claudia und Stefan Gärtner mit dem Thema „Zeit“ auseinander. Sie tun dies, indem sie Kunstwerke aus der Vergangenheit, aber vor allem aus der zeitgenössischen Kunstproduktion auf ihre Auseinandersetzung mit der Zeit hin untersuchen. Sie wollen Einsichten aus den Zeiterfahrungen der Künstlerinnen und Künstler schöpfen, um das Zeitgefühl der Gegenwart aufzuspüren und um zu erkennen, „was die Stunde schlägt“.

In einem einleitenden Kapitel...

Ulrich Ruh: Edward Schillebeeckx

Es ist eine alte, zugleich bedrückende Erfahrung, dass nach dem Tod eines Gelehrten, mag er zu Lebzeiten noch so einflussreich und gar berühmt gewesen sein, eine Zeit der Stille eintritt. Es ist, als ob die Nachwelt durchatmen müsste, Zeit bräuchte für neue Ansätze. Das gilt ohne Zweifel auch für den flämisch-niederländischen Systematiker Edward Schillebeeckx (1914-2009). Wann hat man zum letzten Mal seine Spur wahrnehmen können? Dabei war der Dominikaner, der auch die internationale theologische Zeitschrift „Concilium“ mitbegründete (sie erscheint seit 1965), seinerzeit ein „Name“. Diejenigen, die in den 1970er und 1980er Jahren studierten, kamen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit seinem Opus magnum „Jesus. Die Geschichte von einem Lebenden“ (1974) in Kontakt, auch wenn das Werk in...

Matthias Dobrinski / Thomas Urban: Johannes Paul II.

Eine Biographie zum 100. Geburtstag gehört schon fast zu den Selbstverständlichkeiten des Marketings. Doch die Lebensbeschreibung des Jahrhundertpapstes Johannes Paul II. setzt neue Akzente. Matthias Drobinski, Kirchenjournalist bei der „Süddeutschen Zeitung“, und sein Kollege Thomas Urban, der 34 Jahre für diese Zeitung aus Osteuropa berichtete, zeigen die Schwerpunkte im Untertitel an: „Der Papst, der aus dem Osten kam“. Die Autoren stützen sich dabei nicht nur auf die Auswertung der Literatur über den polnischen Papst, sondern nehmen auch die osteuropäischen Veröffentlichungen und die staatliche Überlieferung, etwa aus Geheimdienstquellen, auf.

15 Kapitel gehen den Lebensstationen Karol Wojtyłas entlang. Sie zeigen seinen Sinn für lebenslange Freundschaften wie zu jüdischen Mitschülern...

Thorsten Dietz: Gott in Game of Thrones

Die äußerst wirkmächtige und hochgelobte Fernsehserie „Game of Thrones“ beruht auf der fast abgeschlossenen Romanreihe „A Song of Ice and Fire“ (Das Lied von Eis und Feuer) von George Raymond Richard Martin (*1948). Die räumliche Grundkonstellation, innerhalb der die Romanfiguren agieren, ist eine Region namens „Westeros“, in der die zeitliche Erstreckung der Sommerzeiten unsicher ist und immer ein unübersehbar langer Winter droht. Deshalb lautet der Leitspruch der den Norden von „Westeros“ verwaltenden Lords: „Der Winter naht“. Die Handlung spielt wesentlich im Bereich dieses Kontinents „Westeros“, auf demdie „Sieben Königslande“ um Vorherrschaft und Macht im Schatten des sie verbindenden „Eisernen Thrones“ mit wechselnder Intensität konkurrieren bzw. kämpfen. Im Vorwort erläutert...

Perry Schmidt-Leukel: Wahrheit in Vielfalt

Perry Schmidt-Leukel ist Professor für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie an der Universität Münster. 2015 hielt er an der Universität Glasgow als erster Deutscher seit fünfundzwanzig Jahren die international renommierten Gifford Lectures. Es sei erwähnt, dass William James in Edinburgh 1901/02 seine Gifford Lectures hielt, die anschließend als Buch unter dem Titel „The Varieties of Religious Experience" veröffentlicht wurden und das bis heute als eines der einflussreichsten Werke in der Religionsforschung gilt.

Das vorgelegte Werk „Wahrheit in Vielfalt. Vom religiösen Pluralismus zur interreligiösen Theologie" geht sowohl auf seine Gifford Lectures (2015) als auch auf seine Vorlesungsreihe an der Zhejiang University in Hangzhou (China) (2014) zurück. Wie dem Buchumschlag...

Andreas-Peter Weber (Hg.): Koran erklärt 2

Seit März 2015 läuft jeden Freitag im Deutschlandfunk die Sendereihe „Koran erklärt“. Führende Fachleute, renommierte Islamwissenschaftler/innen und islamische Theologen/innen aus aller Welt erläutern hier einzelne Koranverse in leicht verständlicher Sprache. 2017 erschien eine erste Auswahl dieser Sendereihe im gleichnamigen Band „Koran erklärt. Ein Beitrag zur Aufklärung“ (vgl. Eulenfisch. Literatur 18, 2/2017).

Der nun vorliegende Folgeband versammelt 127 neue Texte, die wieder von führenden nationalen und internationalen Experten stammen, die in äußerster Präzision ihre Gedanken zu theologischen Grundfragen auf den Punkt bringen. Der Aufbau der Sendung sowie des gedruckten Wortes ist immer gleich: Ein Koranauszug wird zitiert und dann von einem Fachwissenschaftler nach den Prinzipien...

Arthur Schopenhauer: Das metaphysische Bedürfnis des Menschen

Zur Frage nach der Bedeutung von Religion für den Menschen ruft dieses Bändchen den Philosophen Arthur Schopenhauer als Experten auf. Zwei aus seinem Werk ausgewählte Texte sollen klären, „was dies alles bedeutet“. Den größten Raum nimmt ein Dialog aus den „Parerga und Paralipomena“ ein, in dem ein Demopheles (Mann des Volkes) und ein Philalethes (Freund der Wahrheit) gegeneinander auftreten. Man kann sich ausmalen, wie sich Schopenhauer genüsslich das Gespräch ausgedacht hat, in dem der Religionsgegner Philalethes durch den Mund seines Schöpfers spricht. Religion ist „Lug und Trug“, argumentiert Philalethes, sie beziehe ihre Kraft daraus, dass sie den Kindern früh durch die „Pfaffen“ eingeimpft wird. Sie gedeihe nur auf dem Boden der Unwissenheit. Demopheles unternimmt nur schwache...