Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Andreas Batlogg: Jesus begegnen

Andreas Batlogg hat ausgehend von der Jesus-Meditation der ignatianischen Exerzitien ein sehr persönliches Buch geschrieben über die Möglichkeit, Jesus in diesem Leben zu begegnen. Worum es geht?

Der Buchtitel suggeriert drei Hauptteile. Aber der Autor macht etwas anderes: In 33 Kapiteln kommen unterschiedliche Erfahrungsfelder zur Sprache, mal geht’s um Suchbewegungen, mal um Finderglück und mal um Bekennermut. Andreas Batlogg, geboren 1962, ist seit 1985 Jesuit, und das Erbe des Ignatius von Loyola (1491-1556), der Jesuitenorden mit seiner besonderen Betonung der „Gesellschaft Jesubilden den Raum, in dem er sich bewegt. Batlogg versteht das Ordenssymbol IHS – Iesus Habemus Socium – nicht exklusiv, sondern über die Konfessionsgrenzen hinaus als Einladung an alle, die sich auf Jesus...

Joel F. Harrington: Meister Eckhart

 

Anzuzeigen ist eine neuere Biographie über Meister Eckhart, geschrieben von einem amerikanischen Historiker für europäische Geschichte speziell des 16. Jahrhunderts, gut beworben und mit großen Absichten; dargestellt werden soll „Der Mönch, der die Kirche herausforderte und seinen eigenen Weg zu Gott fand“.

Fragen wir zunächst, was wir vom Meister Eckhart kennen. Texte, mehr nicht, nicht einmal eine ungebrochene Tradition seiner Werke. Texte können etwas bedeuten. Was können wir über einen solchen Text sagen? Etwa wie er entstanden ist: Ein Spitzentheologe und Verwaltungsspezialist hält um 1300 eine Predigt im Deutsch seiner Zeit. Eine Zuhörerin schreibt mit, so genau, dass selbst sprachliche Feinheiten wie Dialoge, völlige Neuschöpfungen, philosophische Spitzensätze, selbst „Wendungen...

Volker Leppin: Ruhen in Gott. Geschichte der christlichen Mystik

Um es vorwegzusagen: Wer sich bündig und qualifiziert über christliche Mystik in ihrer Geschichte informieren will, ist hier bestens bedient; flüssig geschrieben, kenntnisreich und trotz konventioneller Gliederung nicht ohne Originalität, schlicht ein Lesegewinn und zudem ein Reader zum Nachschauen. Hier liegt in der Kürze der Zeitraffung von ganzen 2000 Jahren die Würze eines lichten Durchblicks durch viele Räume und nicht wenige Fenster. (Für eine ausführliche Gesamtdarstellung bleibt freilich Bernhard McGinns mehrbändiges Werk „Die Mystik im Abendland“ einschlägig.) Nun mehr im Detail.

Alles hängt natürlich vom leitenden Vorverständnis von „Mystik“ ab – einem Abstraktum, das erst im 17. Jahrhundert in Umlauf kam und heutzutage mit dem bestimmten Artikel als freischwebende,...

Michaela Kopp-Marx, Martin W. Ramb und Holger Zaborowski (Hg.): Die Christus-Trilogie zwischen Bibel, Traum und religiöser Erfahrung

Ein Geheimtipp! So wurde 1991 der erste Band der Christustrilogie von Patrick Roth, die Novelle „Riverside“, unter christlichen Lesern und Leserinnen weitergegeben. Mittlerweile, 30 Jahre später, gibt es eine breite Roth-Rezeption im deutschen Sprachraum und speziell in der Theologinnenwelt – nicht zuletzt dank der vielfältigen Initiativen von Martin Ramb, Holger Zaborowski und dem Eulenfisch. Die Anziehungskraft Roths liegt aber auch darin begründet, dass der gebürtige Karlsruher, der lange Jahre in Los Angeles gelebt hat und nun wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, ein ungemein sympathischer Mensch ist, der sich mit Offenheit und Neugier auf Tagungen und Lesungen dem Gespräch aussetzt, wie man aufgrund des lebendigen Fotos auf dem Cover des vorliegenden Buches ahnen kann. Wenn man...

Gemeinde Oberammergau (Hg.): Passionsspiele. Oberammergau 2022

Pünktlich zur Premiere der 42. Passionsspiele am 14. Mai 2022 hat die Gemeinde Oberammergau dieses gut gestaltete und exzellent bebilderte Buch veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen die eindrücklichen Aufnahmen von Birgit Gudjonsdottir, die mitten hinein in das dramatische Geschehen zoomt, das der Theaterbesucher ja nur aus der Distanz verfolgen kann. Die Kamerafrau und Fotografin dokumentiert jede der zwölf „Vorstellungen“ und die zwölf „Lebenden Bilder“, die typologische Szenen aus dem Alten Testament nachstellen; ihren Farbaufnahmen sind die entsprechenden biblischen Texte vorangestellt. Dabei wird der aufmerksame Betrachter rasch bemerken, dass nicht nur die Rolle des Jesus zweifach besetzt ist. Ergänzt wird der opulente Bildteil (10-141) durch eine informative Chronik der...

Bernd Kollmann: Martin Luthers Bibel

Um es gleich vorwegzusagen: Dieses Buch ist absolut lesenswert und sehr ansprechend gestaltet, ein schönes Geschenk für alle, die sich für das Thema Bibel interessieren. Leider passen Titel und Inhalt nicht ganz zueinander. Für denjenigen, der vor dem Kauf keinen Blick in das Inhaltsverzeichnis werfen konnte, könnte es dann beim Lesen eine gewisse Enttäuschung geben. Die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers ist zwar das Hauptthema, aber nach einem kurzen Einstiegskapitel wird zunächst sachkundig und sehr ausführlich die Vorgeschichte geschildert (Kap. 2-6). Dabei geht es z.B. um die Entstehung der Bibel allgemein, Septuaginta und Vulgata, den Humanismus und die Erfindung des Buchdrucks. Das alles gehört zum Thema „Bibel“, kommt aber in dieser Breite unter dem Titel „Martin Luthers...

Klaus Bäumlin: Die Urgeschichte (Genesis 1-11)

„Noch nie war die Zukunft so ungewiss wie heute. Sie ist tödlich bedroht. Die Menschheit steht am Abgrund ihrer bisherigen Geschichte.“ – Mit diesem Zitat beginnt Klaus Bäumlin seine Interpretation der Urgeschichte Gen 1-11; es stammt von A.M. Klaus Müller aus dessen Buch „Die präparierte Zeit“. Bei der Lektüre dieser eröffnenden Worte ist mir angesichts der brennenden Aktualität dieser Worte aufgrund der Ereignisse in der Ukraine ein eiskalter Schauer über den Rücken gelaufen. Selten haben mich Worte in einem theologischen Buch so angesprochen und zugleich auf die Lektüre des Buches neugierig gemacht, das ich mit Begeisterung „verschlungen“ habe. Klaus Bäumlin, ein schweizerischer evangelisch-reformierter Theologe und Pfarrer, hat die Gabe, biblische (Ur-!)Texte wissenschaftlich fundiert...

Christian Lehnert: Ins Innere hinaus. Von den Engeln und Mächten

Christian Lehnert ist mit seinen bei Suhrkamp veröffentlichten Gedichtbänden bekannt geworden. Der evangelische Pfarrer, Librettist und Liturgiewissenschaftler hat, ebenfalls bei Suhrkamp, nach Essays über Paulus (2013) sowie über Kult und Gebet (2017) mit „Ins Innere hinaus“ (2020) einen weiteren Prosaband vorgelegt. Die dreiundsechzig Texte – manche nur eine Seite, andere über 10 Seiten lang – schauen auf die Natur und die eigene Biografie, befassen sich mit Musik, (Ausdrucks-)Tanz und bildender Kunst, beziehen sich auf Religionswissenschaft, Liturgie, Theologie und Philosophie oder legen Bibeltexte aus. Die Prosastücke sind nur locker über Leitworte miteinander verknüpft. Diese Form hängt mit dem Inhalt zusammen, den der Untertitel „Von den Engeln und Mächten“ (später kommen die...