Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Norbert Feinendegen: Apostel der Skeptiker

Das vorliegende Buch ist die „Kurzfassung“ einer umfangreicheren Dissertation bei Karl Heinz Menke in Bonn. Dem Autor ist es dennoch gelungen, in einem immer noch umfänglichen Werk in das weitläufige Lebenswerk von C. S. Lewis einzuführen, das sich sprachlich außerordentlich vielseitig zwischen reflektierendem Begreifen und spannendem Erzählen bewegt: Als Literaturwissenschaftler „denkt“ Lewis Gott, als Schriftsteller „erzählt“ er ihn. In seinem Gesamtwerk bilden Mythos und Logos eine Einheit – so wie in der Menschheitsgeschichte sich Göttliches zunächst erzählend im Mythos meldet, im Christentum einmalig und wahrhaftig Geschichte wird und sich im Logos „denkbar“ zeigt, wie es Feinendegen in der Auseinandersetzung Lewis‘ mit seinen Meinungsgegnern und seinen Gesprächspartnern darlegt.

Für...

Volker Demuth: Fleisch

„Kein Krimi mehr ohne Pathologie, kein Mordopfer ohne Close-up auf die Schuss-, Stich oder Schlagwunde. Das tägliche TV-Massaker führt uns massenweise offenes Menschenfleisch vor. Niemand, ob Kind oder Erwachsener, verfügt über den kulturellen Abstand, sich seiner Allgegenwart zu entziehen.“ (14) Volker Demuths enorm kenntnisreiche Kulturgeschichte des Fleisches sollte jeder, der Theologie treibt, gelesen haben, steht doch die Inkarnation, die Fleischwerdung des göttlichen Logos in Jesus Christus, im Zentrum christlicher Theologie. Und die „Theologie des Fleischs“ steht demnach auch am Anfang von Demuths Überlegungen. So eröffnet er in seiner assoziativen „Fleischbeschau“ geradezu ein Panoptikum, das sich von der „Ästhetik der Wunde“ über „Fleischlose Träume und Kannibalismus“ bis hin zur...

Michael Kühnlein: Wer hat Angst vor Gott?

Über Religion und Politik im postfaktischen Zeitalter

Michael Kühnlein, Dozent am Institut für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt a.M., sieht im Blick auf das Projekt der Moderne zwei vielen Einzelaussagen vorausgehenden Hintergrundüberzeugungen am Werk: auf der einen Seite eine emanzipatorische Weltsicht ohne Gott mit Bildern von Immanenz, Befreiung und Selbstermächtigung, auf der anderen Seite eine tradierte religiöse Weltsicht mit Bildern von Transzendenz, demütigem Glaubensgehorsam und Selbstbegrenzung. Unheilvoll ist dieser Konkurrenzkampf für die Moderne dadurch, dass jede Partei für sich eine Existenzberechtigung nur darin zu sehen vermag, die andere triumphalistisch niederzuringen, anstatt komplementäre Lernprozesse einzugehen – ein selbstzerstörerisches Desiderat,...

Hartmut Sommer: Unsterbliche Seele?

Antworten der Philosophie

Hans Goller beginnt, eine Stärke seines Buches, mit einem Kapitel über die Seele in unserer Alltagssprache, das in der Feststellung kulminiert: Über die Seele sprechen wir in Metaphern. Wäre diese Einsicht doch nur mehr berücksichtigt worden!

Der Verfasser fährt in seinen beiden folgenden Kapiteln fort mit Referaten aus der Geschichte der Psychologie – namentlich Freud, Skinner, Pawlow und Rogers – und der Neurowissenschaften: Er referiert ältere und neuere Untersuchungen an Menschen mit geteiltem Hirn, was durch Zerschneiden der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften oder zwischen Stirnhirn und Stammhirn zustande kam. Die Untersuchungen werden nicht kritisiert oder auf ihre Aussagefähigkeit in der Frage nach der Seele kritisch überprüft.

Wenn Goller in den...

Hans Goller: Das Rätsel Seele

Was sagt uns die Wissenschaft?

Hans Goller beginnt, eine Stärke seines Buches, mit einem Kapitel über die Seele in unserer Alltagssprache, das in der Feststellung kulminiert: Über die Seele sprechen wir in Metaphern. Wäre diese Einsicht doch nur mehr berücksichtigt worden!

Der Verfasser fährt in seinen beiden folgenden Kapiteln fort mit Referaten aus der Geschichte der Psychologie – namentlich Freud, Skinner, Pawlow und Rogers – und der Neurowissenschaften: Er referiert ältere und neuere Untersuchungen an Menschen mit geteiltem Hirn, was durch Zerschneiden der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften oder zwischen Stirnhirn und Stammhirn zustande kam. Die Untersuchungen werden nicht kritisiert oder auf ihre Aussagefähigkeit in der Frage nach der Seele kritisch überprüft.

Wenn Goller...

Jacques de Saint Victor: Blasphemie

Geschichte eines „imaginären“ Verbrechens

In nahezu allen normativen Leitkulturen bekannter Weltreligionen gilt die Blasphemie als strafbewehrtes schweres Delikt. Das alte Judentum etwa forderte dafür die Höchststrafe, den Tod durch Steinigung (Lev 24), geriet doch die Gotteslästerung ins Kreuzfeuer gleich mehrerer Gebote des Dekalogs: Es war zunächst ein Verstoß gegen das monotheistisch-exklusive erste Gebot, das die unantastbare Heiligkeit Gottes herausstellt; dann ein Verstoß gegen das Bilderverbot, das jede endlich-menschliche Vorstellung – auch und gerade eine lästerliche – vom Göttlichen tabuisiert und schließlich ein Verstoß gegen das Verbot des Namensmissbrauchs.

Konträrer könnte die Position der aufklärerischen-laizistischen Rechtsphilosophie – die der Autor nie explizit, aber...

Stephan Goertz / Caroline Witting (Hg.): Amoris laetitia – Wendepunkt für die Moraltheologie?

Die Zahl der Stimmen, die in den letzten drei Jahren zum Nachsynodalen Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus „Amoris laetitia“ (AL) zu hören waren, sind ungezählt. Selten hat in jüngerer Vergangenheit ein päpstliches Dokument für so viel Aufmerksamkeit gesorgt wie das Schreiben des Papstes „Über die Liebe in der Familie“. Dies liegt zweifelsohne nicht nur an der Brisanz des Themas: Ehe, Familie, Sexualität, Fragen des Umgangs mit wiederverheiratet Geschiedenen und Suche nach konkreten pastoralen Hilfestellungen angesichts zunehmend pluriformer Lebensbeziehungen. Außerdem lässt der neue Ton des Apostolischen Schreibens aufhorchen, der weniger direkt oder normativ als vielmehr eine subjekt- und situationsorientierte Perspektive in die ethische Bewertung einführt.

Aus den vielen...

Norbert Hoerster: Der gütige Gott und das Übel

Ein philosophisches Problem

Norbert Hoerster, der als Professor Rechts- und Sozialphilosophie an der Universität Mainz unterrichtete, ist ein scharfsinniger Religionskritiker, genauer noch Kritiker des christlichen Verständnisses von Gott. Mit der Problematik der Theodizee befasst er sich seit Langem: Ihm widmete er in seinem 2005 erschienenen Werk „Die Frage nach Gott“ ein Kapitel, in seinem 2017 erschienenen Werk „Der gütige Gott und die Übel“ ein ganzes Buch.

Seine Problemstellung ist folgende: Nehmen wir einmal hypothetisch an, dass erstens ein Schöpfergott existiert und ihm zweitens die Prädikate „Allmacht“ und „Allwissenheit“ zukommen; wie ist dann seine „Allgüte“ mit Blick auf die vielen natürlichen und moralischen Übel in der Welt zu beurteilen? Anknüpfungspunkte seiner...