Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Andreas Mauz / Ulrich Weber (Hg.): „Wunderliche Theologie“

Das Dialogfeld von Theologie und Literatur(-wissenschaft) erweist sich schon seit drei Jahrzehnten als überaus produktive interdisziplinäre Denkwerkstatt (vgl. www.theologie-und-literatur.de). Die jeweils aktuellen geisteswissenschaftlichen Entwicklungen und Strömungen schlagen sich in immer neuen Zugängen, Schwerpunktsetzungen und Bündelungen nieder. Der vorliegende Band fokussiert seine Ausführungen auf „die neuere Literatur der deutschsprachigen Schweiz“ (15), unter anderem deshalb, weil diese bislang theologisch-literarisch eher wenig beachtet wurde, so der Mitherausgeber Andreas Mauz im Vorwort.

Zurückgehend auf ein hochrangig besetztes Symposion im Centre Dürrenmatt in Neuchâtel versammelt der Band glänzend erarbeitete Zugänge aus vielerlei Perspektiven. Nicht alle können hier...

Georges Bernanos: Tagebuch eines Landpfarrers

Der vorliegende Roman, 1936 erstmals erschienen, gehört zu den erfolgreichsten Werken des französischen Romanciers und Essayisten Georges Bernanos und fand nach dem Weltkrieg auch im deutschen Sprachraum eine zahlreiche Leserschaft. Der Autor zählt zu den prominenten Vertretern des Renouveau catholique, einer religiös-literarischen Bewegung in Frankreich, die in der Rückwendung zu einem nach den Vorstellungen der Zeit authentischen Katholizismus die Erneuerung von Literatur und Gesellschaft anstrebte. Die unterschiedlichen Strömungen dieser Bewegung vereinte die Abkehr von einer positivistischen, naturwissenschaftlich-technisch geprägten Kultur, von laizistischen republikanischen Traditionen wie auch von einem erstarrten Dogmatismus innerhalb der Kirche. Diesem Zeitgeist setzten die...

Navid Kermani: Ungläubiges Staunen

Seitdem er am 18. Oktober 2015 in der Frankfurter Paulskirche den Friedenpreis des Deutschen Buchhandels und damit nach Hannah Arendt-, Kleist- und Joseph-Breitbach-Preis endgültig den Ritterschlag als führender deutscher Intellektueller erhielt, erübrigt sich eigentlich jede weitere Bemerkung zu dem deutsch-iranischen Orientalisten Navid Kermani. Wie in seiner viel beachteten und anrührenden Friedenspreisrede ist er seit mehr als einem Jahrzehnt an der Grenze zwischen orientalischer und europäischer Kultur unterwegs als unermüdlicher Seismograph, Übersetzer und Mahner.

Neben „Zwischen Koran und Kafka. West-östliche Erkundungen“ erschienen mit „Ungläubiges Staunen“ allein im vergangenen Jahr gleich zwei bahnbrechende Arbeiten Kermanis, die dies in origineller, ja unnachahmlicher Weise...

Aloys Butzkamm: Faszination Ikonen

Das Anliegen Aloys Butzkamms ist es, eine Einführung in die Welt der Ikonen vorzulegen, die alle dafür wesentlichen Aspekte miteinander in Beziehung setzt: Wie Ikonen hergestellt werden; was ihre Weihe bedeutet; in welcher Beziehung sie zur Architektur der Kirche stehen; der Aufbau einer Ikonostase in russischer und griechischer Tradition; wie die Geschichte des byzantinischen Reiches und der Ostkirchen sich auf die kunsthistorische Entwicklung der Ikonen niedergeschlagen hat; welchen Stellenwert in ostkirchlicher Theologie Ikonen haben und wie sie von den Gläubigen verehrt wurden und werden; warum man erbittert darüber gestritten hat, ob Bilder von Jesus Christus und den Heiligen überhaupt gemacht werden dürfen; der platonische und neuplatonische philosophische Hintergrund der...

Thierry Boissel: Poesie aus Licht, Glas und Farbe

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat das Dreigestirn Georg Meistermann, Ludwig Schaffrath und Johannes Schreiter den internationalen Ruf deutscher Glasmalerei begründet. Bei aller Unterschiedlichkeit verbindet die großen Drei der „German School“ miteinander, dass sie auch gezeichnet und gemalt haben und sich daher der unterschiedlichen Wirkung des Lichts, das durch die Fenster in öffentlichen Gebäuden dringt oder auf ein Gemälde fällt, sehr bewusst sind. Sie sehen in der Glasmalerei keine autonome, sondern eine der Architektur dienende Kunst und halten am grafischen Gerüst der Bleirute fest. Außerdem waren die drei Glasmaler akademische Lehrer mit einer Vielzahl von Schüler/innen, die nun ihrerseits ambitionierte Glaskunst schaffen – wie etwa Thierry Boissel.

Schauen wir zunächst auf zwei...

Norbert Wolf: Buchmalerei verstehen

Im Schatten der großen Namen der Kunstgeschichte und der Blockbuster-Ausstellungen des Museumsbetriebs fristet die Buchmalerei ein eher bescheidenes Dasein als eine Kunstgattung für Spezialisten und Liebhaber. Zu Unrecht, wie man nach der Lektüre des vorliegenden Buches sagen muss. Denn auch die Buchmalerei (und in ihrer Nachfolge die Künstlerbücher der Moderne) bietet Kunstwerke ersten Ranges, mit denen sich zu beschäftigen intellektuellen Genuss und ästhetisches Vergnügen bereitet.

Obwohl die Buchmalerei auf eine lange Tradition bei den Ägyptern, Römern, Byzantinern wie auch in der islamischen Kultur zurückblicken kann, beschränkt sich Norbert Wolf in seiner Darstellung auf die Entwicklung der abendländischen Buchmalerei von ihren Anfängen zur Zeit der Völkerwanderung bis zum Beginn der...

Holger Brülls / Gunther Sehring: Johannes Schreiter

Anzuzeigen ist ein besonders schönes Buch – zu berichten ist über eine Ausnahmeerscheinung unter den zeitgenössischen Künstlern.

Es handelt sich um den dritten Band des Werkverzeichnisses von Johannes Schreiter, in dem Glasfenster, Glasbilder, Collagen und Zeichnungen des Künstlers aus den Jahren 1995 bis 2012 dokumentiert sind. Der von den Kunsthistorikern Holger Brülls und Gunther Sehring betreute und kommentierte Katalog enthält neben 307 weithin farbigen Abbildungen Einführungen in das Gesamtwerk und in die einzelnen Werkgruppen des Künstlers, außerdem Selbstzeugnisse und Anhänge mit biografischen Daten, Ausstellungsverzeichnissen, einer Bibliografie und einer Auflistung von Standorten, an denen Werke Schreiters zu besichtigen sind. Druck und Wiedergabe der Bilder auf Kunstdruckpapier...

Elsbeth Wiemann: Der Herrenberger Altar von Jerg Ratgeb

Mit mittelalterlichen Altären tun wir uns schwer. Obwohl theologisch hoch aufgeladen, sind sie Forschungsgegenstand der Kunstgeschichte, selten der Theologie. Auch dem gebildeten Laien fällt der Zugang nicht leicht. Schon räumlich, weil vorkonziliare Altäre fernab vom Kirchenbesucher im Chorraum stehen, ihr Reichtum an Bildern und Symbolen geduldiges Sehen erfordert und die Kenntnis der biblischen Geschichten auch unter Christen rar geworden ist. Deshalb greift man gerne zu der vorliegenden Veröffentlichung der Staatsgalerie Stuttgart, die anlässlich der Neupräsentation des Altars von der Leiterin der Abteilungen für Altdeutsche und Niederländische Malerei Elsbeth Wiemann verantwortet wird.

Der Altar gilt als ein Meisterwerk schwäbischer Malerei aus der Zeit der Reformation und der...