Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung
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BeRuf zur Nachfolge

Die Kirchen haben das Thema Berufung wieder neu für sich entdeckt. Auch die Jugendsynode im Vatikan steht ganz unter dem Leitwort „Berufungsunterscheidung“. Allein für Jugendliche bleibt „Berufung“ sperrig.

Berufung und Nachfolge in der Oberstufe?

Pädagogisch haben wir es mit Wilhelm von Humboldt immer schon geahnt: „Der wahre Zweck des Menschen ist die höchste und proportionierlichste Bildung sei-ner Kräfte zu einem Ganzen.“ Und dabei spielt es eine erhebliche Rolle für den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen, dass es in Unterricht und Schule immer auch darum geht, diese „Kräfte“, das heißt Potenziale, Fähigkeiten, Neigung und Stärken an jungen Menschen zu „entdecken“ und zu fördern.

In unserem pädagogischen Urteil ist es schließlich ein Glücksfall, aber nicht unbedingt ein seltener, wenn sich Schülerinnen und Schüler so entwickeln, dass man sagen kann, er oder sie haben ihre Berufung gefunden. Wir meinen dann damit, dass sich da etwas „zu einem Ganzen“ fügt. Schön für den pädagogischen Eros, wenn der eigene Unterricht daran einen kleinen Anteil hatte. Dass man einen Zusammenhang zwischen Beruf, Berufung und Lebenszufriedenheit auch messen und vielleicht sogar herstellen kann, zeigt die Studie „Investigating the Relation Between Calling and Life Satisfaction“, die prägnanterweise im „Journal of Career Assessment“ erschienen ist. Auf Beruf und Berufung kommt es im Leben also an.

Der Religionsunterricht aber ist weder „Career Assessment“
noch Berufsberatung. Obwohl. Gerade das
Hessische Kerncurriculum für die Oberstufe schreibt
es den Lehrerinnen und Lehrern ja ins Stammbuch,
junge Erwachsene so zu auszurüsten, dass sie „selbstbewusste,
ihre Neigungen und Stärken berücksichtigende
Entscheidungen über ihre individuellen Bildungs-
und Berufswege treffen können.“

Die beiden Themen Berufung und Beruf miteinander
zu verbinden, liegt religionspädagogisch nahe.
Berufungsgeschichten, wie sie im Themenfeld der
Jahrgangsstufe E 2.4 vorgesehen sind, eignen sich in
besonderer Weise dazu, die biblische Tradition mit der
Lebenswelt zu verknüpfen. Sie regen dazu an, reflexiv
auch die „eigene Biografiearbeit“ in den Fragehorizont
zu stellen, und tragen damit auch zur Identitätsbildung
bei. Gleichermaßen sind Berufungserzählungen
eine gute inhaltliche Basis, darüber zu philosophieren
und theologisieren, was im Leben wichtig ist oder
was es für das eigene Leben bedeuten kann, im Vertrauen
auf den Gott des Exodus zu leben.

Unter dem Begriff „Nachfolge“ ist in der Jahrgangsstufe
Q2 ein Themenfeld eröffnet, das mehr verlangt
als ein bloßes Lippenbekenntnis zum Doppelgebot der
Liebe. Unter dem Gesichtspunkt der Berufung kann
hier dem Thema eine Tiefendimension eingezogen
werden, die davor bewahrt, allzu schnell über etwas
hinwegzuhuschen, was man vermeintlich ja sowieso
weiß. Und gerade mit Papst Franziskus’ Rede von der
„Berufung zur Liebe“ ergeben sich auch Lernchancen
für die Oberstufe, die nicht vergeben werden sollten.

Die nachfolgenden Überlegungen beziehen sich daher
vorwiegend auf die Verbindung der inhaltlichen
Zusammenhänge von Berufung und Nachfolge in der
Jahrgangsstufe Q2.

Berufung ist nicht gleich Berufung

Berufungen gibt es viele. Unser täglicher Sprachgebrauch
legt es nahe, den Begriff synonym mit Begriffen
wie Leidenschaft/leidenschaftlich oder Passion/
passioniert zu gebrauchen. Gemeint ist damit, dass
man etwas aus tiefster Überzeugung tut oder aus seinem
innersten Wesenskern, seinem Herzen heraus.
Der Unterschied zwischen einem profanen und einem
religiösen Berufungsverständnis mag wohl in erster
Linie darin begründet sein, dass erstere Gefahr läuft,
über Selbstverwirklichung und Selbstbezüglichkeit
nicht hinauszukommen; eine Berufung im christlichen
Verständnis aber verdeutlicht die Dreiecksbeziehung
von Gott, dem Menschen selbst und dem jeweils
anderen Menschen. Berufung in diesem Sinne ist nie
persönlicher Selbstzweck, sie ist vielmehr eingebunden
in einen heilsgeschichtlichen Zusammenhang. Berufung
in diesem Sinne meint das Hineingenommensein
in eine Form der Proexistenz, schließt aber den
Gedanken der Selbstverwirklichung gerade nicht aus.

So wie es Jesus in ganzer Macht um die Durchsetzung
der Botschaft „Dein Gott ist König“ (Jes 52,7) geht, stehen
auch die Berufungen der Jüngerinnen und Jünger in
diesem Kontext. Dazu „habe ich, der Herr, dich berufen“
ist der Ruf in den Eintritt in eine Lebensgemeinschaft
mit einem Menschen, der für das Programm der Königsherrschaft
Gottes bis zur letzten Konsequenz steht.

Berufung und Nachfolge hängen damit eng zusammen
und stehen in einem theologisch-anthropologischen
Zusammenhang, insofern Berufung die anthropologisch-
theologische Voraussetzung für die Nachfolge
darstellt. Gleichwohl gibt es hier, wie aus dem Neuen
Testament deutlich wird, keinen Automatismus.

Da sind zum einen jene Berufung-zur-Nachfolge-
Erzählungen, die das „klassische“ alttestamentliche
Berufungsschema aufzubrechen bzw. zu überbieten
scheinen: Wenn Jesus am See Genezareth
entlangwandert und die Jünger beruft, dann gibt es
auf Seiten der Jünger kein Zögern und Zaudern, keine
mosaische recusatio, in dem Sinne dass man sich der
Aufgabe gar nicht gewachsen fühle. Jesus beruft und
die Angesprochenen folgen. Und zwar „euthus“ (Mk
1,18), wie es im Griechischen heißt – „sofort“. Markus
setzt dieses veränderte Berufungsverhalten unter ein
Vorzeichen: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist
nahe.“ (Mk 1,15) Das Wort Gottes hat in Jesus
Christus konkrete Gestalt angenommen,
es wird zu einem interpersonalen Ereignis
von neuer Qualität.

Zum anderen rechnet die neutestamentliche
Wissenschaft aber auch jene Erzählungen
zu den Berufungen, die nicht in der
Weise „glattlaufen“. Da sind die Menschen,
die von sich aus ihr Nachfolgeanliegen vorbringen
oder direkt gerufen werden, dann
aber gegenüber der Unbedingtheit des Rufes
noch etwas Relevantes für ihren Alltag
zu erledigen haben: Sich von der Familie
verabschieden oder auch den eigenen Vater
beerdigen (LK 9,57). Von Jesus werden sie
schroff zurechtgewiesen. Ein „reicher Jüngling“
schließlich (Mk 10,17-30), der bereits
ein Leben nach den Geboten führt, wird von
Jesus aufgefordert um des Reiches Gottes
willen obendrein seinen gesamten Besitz zu
veräußern. Verbunden mit der Rede über die
Schwierigkeiten, die es für Reiche eben gibt
(z.B. „Nadelöhre“), in das Reich Gottes einzugehen,
wird im Markusevangelium die Rede
Jesu von den Jüngern mit Entsetzen quittiert
(Mk 10,24).

Interessanterweise erfahren wir nicht,
wie diese Erzählungen für die Nachfolgewilligen
letztlich ausgehen. Schließlich bleibt
auch in der Erzählung vom „reichen Jüngling“
offen, ob er nicht doch zu einem späteren
Zeitpunkt seinen Weg in die Nachfolge
gefunden hat. Ohne dieses offene Ende überstrapazieren
zu wollen, zeigt sich doch, dass
gerade in dem scheinbaren Scheitern dieser
Berufungen kein Knock-Out-Kriterium zu
sehen ist, sondern gerade im pädagogischen
Bereich ein wirklicher Türöffner. Der Text
antizipiert, dass man sich an Berufungsgeschichten
auch reiben kann, wahrscheinlich
auch reiben oder – wie die Jünger – entsetzen
soll. In ihrer Radikalität stehen sie in
einer Reihe mit den Forderungen der Bergpredigt
und werfen so die Frage nach der
Gültigkeit und dem Anspruch auf.

Die Jugendsynode und die Berufung

Der Berufungsbegriff hat derzeit Hochkonjunktur – sowohl
in der evangelischen als auch in der katholischen
Kirche. Unter dem sperrigen Begriff „Berufungsfabrik“
wurde zum ersten Mal auf der Weltausstellung
„Reformation“ in Wittenberg eine Ausstellung gezeigt,
die entschieden an das reformatorische Konzept von
Berufung und Beruf anknüpft und damit die Arbeit
als Feld der Berufung wiederentdeckt. Für Luther war
Arbeit „der Ort, wo Menschen mitten im Alltag Gott
und den Menschen dienen können.“3 Entsprechend
eröffnet die nun in Dortmund zu sehende Ausstellung
sehr bewusst ein Spannungsfeld, um zum Nachdenken
über das Verhältnis von Beruf und Berufung in
unserer gegenwärtigen Arbeitswelt und Gesellschaft
anzuregen.

Auch die im Oktober 2018 in Rom stattfindende
Bischofssynode hat sich das Thema „Die Jugend, der
Glaube und die Berufungsunterscheidung“ gesetzt.
Das Vorbereitungsdokument dieser Synode rückt dabei
bereits einen weiten Berufungsbegriff ins Zentrum,
der von einer allgemeinen „Berufung zur Liebe“
ausgeht. Im Dokument heißt es: „Im täglichen Leben
nimmt die Berufung zur Liebe für jeden eine konkrete
Gestalt an. Dies geschieht durch eine Reihe von Entscheidungen,
welche den Lebensstand (Ehe, Weiheamt,
Ordensleben usw.), den Beruf, die Art und Weise
des sozialen und politischen Einsatzes, den Lebensstil,
den Umgang mit Zeit und Geld usw. betreffen.
Ob selbst getroffen oder erlitten, bewusst oder unbewusst
vorgenommen, handelt es sich immer um Entscheidungen,
denen sich keiner entziehen kann. Das
Ziel der Unterscheidung im Hinblick auf die Berufung
besteht darin, herauszufinden, wie sie im Licht
des Glaubens in Schritte auf die Fülle der Freude hin
umgewandelt werden können, zu der wir alle berufen
sind.“

Das Vorbereitungsdokument fokussiert darauf, die
eigenen Lebensentscheidungen im Lichte des Glaubens
bzw. des Evangeliums zu treffen und zwar vor
eben diesem Hintergrund einer allgemeinen „Berufung
zur Liebe“. Berufung verlangt in diesem Sinne
nach einer Antwort, dem Wort Gottes zu vertrauen
und es selbst in „der Konkretheit des Alltags zu inkarnieren“
(13). Der Berufungsbegriff erfährt dabei aber
auch dergestalt eine Weitung, dass er gerade nicht allein
auf ein bestimmtes geistliches Weiheamt geführt
wird, sondern ausdrücklich auch die anderen Lebensstände
mitbedenkt. Auf diese Weise knüpft das Dokument
nicht nur an das Apostolat der Laien an, sondern
spitzt gerade deren Verantwortung noch einmal
zu – und Laie ist man nicht erst ab vierzig. Berufung
verlangt Nachfolge.

In dieser theologischen Linie ist auch das Apostolische
Schreiben „Gaudete et Exsultate“ aus dem
März 2018 interpretierbar. Papst Franziskus prägt darin
in Anlehnung an den französischen Schriftsteller
Joseph Malègue das eingängige Wort von der „Heiligung
des Mittelstandes“. Es meint jene „Heiligkeiten
von nebenan“, in denen sich das Wirken des Heiligen
Geistes manifestiert, und stellt sie in den Kontext des
Alltags: „Es gefällt mir, die Heiligkeit im geduldigen
Volk Gottes zu sehen: in den Eltern, die ihre Kinder
mit so viel Liebe erziehen, in den Männern und Frauen,
die arbeiten, um das tägliche Brot nach Hause zu
bringen, in den Kranken, in den älteren Ordensfrauen,
die weiter lächeln. Lassen wir uns anregen von den
Zeichen der Heiligkeit, die uns der Herr durch die
einfachsten Glieder dieses Volkes schenkt, das auch
teilnimmt an dem prophetischen Amt Christi, in der
Verbreitung seines lebendigen Zeugnisses vor allem
durch das Leben in Glauben und Liebe.“

Über Berufung ist zu reden

So persönlich, ja im wahrsten Wortsinn „intim“
(zuinnerst) Berufungen auch sein mögen, eine Berufung
im Sinne der Entscheidung für die Nachfolge hat
immer auch eine öffentliche Seite. Über diese wird sie
identifizierbar und konkret menschlich erfahrbar.

Für die Religionspädagogik sind Biografien unter
dem Vorzeichen der Entscheidung für Christus ein
Glücksfall. Entsprechend dem didaktischen Prinzip
des biografischen Lernens, bei dem eine fremde
Biografie zum Modell wird, geht es nicht um Nachahmung
sondern um den Prozess der Auseinandersetzung.
Wenn es angesichts der Pluralität und Vielzahl
von Optionen für das Leben so schwierig ist, die richtigen
Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen,
können sich an der fremden Biografie sowohl Identifikations-
als auch Reibepunkte ergeben, die zu Klärun-
PRAXIS
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gen eigener Haltungen und Positionen führen
und so zur Identitätsbildung beitragen.

Vor dem Hintergrund von Hans Mendls
erfolgreichem Ansatz der „local heroes“ ist
dabei zu berücksichtigen, dass es gerade
keine zeitlich oder geografisch entfernten
heiligmäßigen Biografien sein müssen, sondern
„Personen des Nahbereichs“, die geeignet
sind „Impulse für die verantwortliche
Gestaltung des eigenen Lebens zu geben“6.
Mendels Ansatz folgt dabei der Logik des
Erreichbaren und bewahrt vor der Überforderung.
So gesehen liegen „local heroes“
damit auch auf Papst Franziskus’ Linie einer
allgemeinen Berufung zur Liebe und der
„Heiligkeit des Mittelstandes“. Die Tatsache,
dass Mendls Projekt fast schon 20 Jahre erfolgreich
voranschreitet, provoziert geradezu
die Adaption der Untersuchung für den
eigenen Nahbereich.

Darüber hinaus sollen an dieser Stelle
zwei weitere Optionen aufgezeigt werden:
Entsprechend dem Gedanken, Berufung und
Nachfolge im (Berufs-)Alltag zu leben, ist
es ein ertragreiches Projekt, Biografien und
Personen zu untersuchen, bei denen vordergründig
nichts von ihrer Berufung zur Nachfolge
durchscheinen mag. Wer denkt schon
beim Kauf seiner Schuhe daran, dass beispielsweise
die Firma Deichmann „ein Unternehmensleitbild
formuliert hat, das auf
religiösen Werten fußt“, und dass „christliche
Unternehmerverbände seit Jahren starken
Zulauf“7 haben. Christliche Unternehmer
als die neue ethische Avantgarde? Wenn
dem Bund katholischer Unternehmer (BKU)
bundesweit 1250 Unternehmer angehören
sind davon sicherlich einige auch regional
auskunftsfähig und gesprächsbereit; hier
ist aber auch eine Internetrecherche ertragreich
(z.B. „christliche Unternehmer“).

In den Blick zu nehmen sind aber auch
jene Berufsfelder, in denen der Ruf zur
Nachfolge auch dezidiert in einen Beruf innerhalb
der Kirche führt.

Das Bistum Limburg eröffnet seit diesem Schuljahr
eine weitere interessante Möglichkeit: Entsprechend
dem methodischen Ansatz „Gäste“ bzw. „Experten“ im
Unterricht stehen Mitarbeiter der Fachstelle für Berufungspastoral
gerne zur Verfügung, den Religionsunterricht
zu besuchen und durch ihr eigenes Zeugnis
lebensnah zu bereichern. Da die Methode schon im
allgemeinen aus dem Prinzip der Authentizität lebt,
gilt dies umso mehr beim Themenfeld Berufung und
Nachfolge.

Anregungen für den Lernprozess

Was die Zugänglichkeit des Themas betrifft, so ist zu
sehen, dass „Berufung“ für Schülerinnen und Schüler
ein sperriges Wort ist. Sie wissen mit dem Begriff im
profanen Kontext umzugehen, verstehen ihn aber im
religiösen Kontext exklusiv auf den geistlichen Stand
bezogen. Die offizielle Reaktion der jugendlichen Vertreter
auf das Vorbereitungsdokument zur Synode,
die wiederum in das Abschlussdokument des Vorbereitungstreffens
der Bischofssynode eingeflossen ist,
bemerkt u.a. folgendes: „Es braucht ein einfaches und
klares Verständnis von Berufung, um den Sinn eines
Rufs, einer Mission, Sehnsucht und Hoffnung hervorzuheben,
sodass junge Menschen in ihrer Lebensphase
damit leichter etwas anfangen können. „Berufung“
ist mitunter als etwas Abstraktes dargestellt worden,
das außerhalb des Verständnisses vieler liegt“.

Es sind die Jugendlichen selbst, die eine Klarheit
in Bezug darauf vermissen lassen, was mit dem Wort
Berufung in ihren Kontexten gemeint ist. Sie formulieren
damit zugleich ein Defizit, das in eine bildungstheoretische
Dimension hineinreicht und damit auch
den Religionsunterricht betrifft. Dabei ist gerade der
Zusammenhang von Berufung und Nachfolge Kern
des christlichen Selbstverständnisses, wie wir es
im Sakrament der Taufe bekennen. So mag auch die
Herausforderung für den Religionsunterricht darin
bestehen, mit Schülerinnen und Schülern ein Berufungsverständnis
zu erarbeiten, das hinreichend klar
ist, um sich im Zuspruch und Anspruch Gottes gerade
nicht als defizitär, sondern sich als im menschlichen
Alltag auf das Wort Gottes hin positiv herausgefordert
zu erfahren.

Die folgenden Überlegungen und Materialien verstehen
sich als Bausteine, die in eine kompetenzorientierte
Lernaufgabe münden und zur Bearbeitung
von Anforderungssituationen beitragen können. Das
erarbeitete Material lässt aber auch eine gebundene
Unterrichtsreihe zu.

Arbeits- und Lernschritte

Einstieg – Dimensionen entdecken und problematisieren:
Ein zunächst eher niederschwelliger Einstieg in
den Themenkomplex ist der Einstieg mit dem Buchcover
(M1) von Tobias Faix’ Buch: „Logbuch Berufung.
Navigationshilfen für ein gelingendes Leben“. Durch
die Verbindung der beiden Aspekte „Berufung“ und
„gelingendes Leben“ wird bereits ein Zusammenhang
gesetzt, der sich dazu eignet unselbstverständlich gemacht
zu werden, beispielsweise mit der Placemate-
Methode. Über das anschließende Finden von Situationen,
in denen man das Wort verwendet, kann die
Vielschichtigkeit des Begriffs herausgearbeitet werden
und eine erste Problematisierung erfolgen.

Erarbeitung 1 – Berufung und Nachfolge biblisch
(M2): Die anschließende Erarbeitung des neutestamentlichen
Berufungsverständnisses wird sich
danach richten, welche Kompetenzen in der Jahrgangsstufe
E in diesem Themenfeld erreicht wurden.
Im Kern wird man sich zunächst auf die Jüngerberufungen
konzentrieren und diese ins Verhältnis zu
atl. Berufungserzählungen setzen wollen, um hier die
menschliche Ungeheuerlichkeit der ersten Jüngerberufungen
deutlich werden zu lassen. (Textvergleich;
Deutung des Handelns Jesu und der Jünger vor dem
bereits erarbeiteten Reich-Gottes-Begriff, Formulierung
von Fragen an den Text bzw. die handelnden Personen)

Wenn die Schülerfragen an den Text und die handelnden
Personen eine anfanghafte Problematisierung
des Anspruchs bereits erkennen lassen, kann die
Erzählung vom „Reichen Jüngling“ diese Linie fortsetzen
und aufgrund der gegebenen Reibungspunkte
zu einer Diskussion des Anspruchs führen. Als Methoden
zur Erarbeitung eignen sich hier besonders das
Bauen von Standbildern und der innere Monolog. (Abschließende
Deutung / Diskussion des Knock-Out-Kriteriums)

Erarbeitung 2 – Berufung und Nachfolge aktuell:
Die Bischofssynode 2018 bietet einen guten Anlass
für die Kontextualisierung und Aktualisierung des
Themas. Prinzipiell wird sich hier gut mit einer Pressemeldung
zum Einstieg arbeiten lassen, etwa im Sinne
von „Papst eröffnet Jugendsynode und erinnert die
Jugendlichen an ihre Berufung“ – oder ähnlich. Man
wird sehen, ob sich unter Umständen auch provokante
Schlagzeilen oder Kommentierungen anbieten. Auf
dem vorbereiteten Arbeitsblatt (M3) sind die Textpassagen
aus dem Vorbereitungsdokument so gewählt
und zusammengestellt, dass sich aus ihnen einerseits
das geweitete Berufungsverständnis erarbeiten lässt,
sie aber zugleich offenlassen, welche Orte innerhalb
der Gesellschaft zu identifizieren sind, „an denen
die Kultur zutiefst vom Individualismus durchdrungen
ist“, um auf diese Weise die Konkretisierung der
Nachfolge Schülerinnen und Schülern zu überlassen.

Vertiefung – Sensibilität für Berufung und Nachfolge?
Das Dokument bietet Ansatzpunkte, um in eine
freiere Projektarbeit der Berufungs- und Nachfolge-
Identifizierung (Orte, Handlung, Personen, Podiumsgespräch
mit einem christlichen Wirtschaftsvertreter
„Reicher Jüngling – wie gelingt die Nachfolge?“)
im Nahbereich überzugehen. Zugleich ist der Text im
Sinne einer Problematisierung anschlussfähig, den
Berufungsgedanken selbst noch einmal zu vertiefen
und mit einem Mitarbeiter der Fachstelle für Berufungspastoral
die Bedeutung des „Projektes Gottes“
für das eigene Leben auch in Berufsfeldern der Kirche
zu vertiefen. Als provokativer Einstieg oder Vorbereitung
eines solchen Gespräches kann eine Karikatur
von Thomas Plassmann (M4) dienen. Plassman
überzeichnet darin die Reaktion eines Elternpaares,
das in das Zimmer ihres Sohnes hineinblickt und den
Sohn offenkundig beim Lesen in der Bibel ertappt: „Er
spürt eine Berufung!“ „Ja, Herrmann, so tu doch was!“

Zusatzinformation

Didaktische Anregungen und ausgearbeitetes Unterrichtsmaterial
zum Thema stehen unter praxis.eulenfisch.de,
www.berufung.org und https://bit.ly/2yuDMRd abrufbereit.
Sie beinhalten u. a. die Möglichkeit zu einem abschließenden
Unterrichtsgespräch mit externen „Gästen“ (aus
verschiedenen Berufsgruppen kirchlicher Dienste): Auf
Vermittlung und Koordinierung der Diözesanstelle „Berufe
der Kirche“ hin können die Jugendlichen in einen Dialog
eintreten mit Menschen („local heroes“), die ihre Berufung
zum Beruf gemacht haben, und beides ins Gespräch
einbringen – im größeren Kontext des Spannungsbogens
„Christ im Beruf / Christ als Beruf“ bzw. „BeRuf zur Nachfolge“.

Kontakt: Ulrike Mudrich, u.mudrich@web.de,
06434/908840