Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung
Olaf Holland – Adobe Stock, Zielnadel eingefügt von Melanie Falk

»Theocache«

Eine digitale Schnitzeljagd mit dem Titel »Schaut hin! Frankfurt ist bunt« lädt Kinder, Jugendliche und Familien auf spielerische Weise ein, verschiedene Orte der Frankfurter Innenstadt zu entdecken

Anlässlich des 3. Ökumenischen Kirchentags
in Frankfurt vom 13. bis 16.05.2021 haben
die Fachstelle Familienpastoral des Bistums
Limburg, der Fachbereich Kinder und Jugend und
das Stadtjugendpfarramt Frankfurt und Offenbach
(EKHN) eine digitale Schnitzeljagd unter dem Titel
»Schaut hin! Frankfurt ist bunt« entwickelt. Angelehnt
an das Wort »Geocache« und aufgrund der religiösen
Thematik heißt die browsergestützte Rallye
»Theocache«. Da im Gegensatz zu einem Cache (= Versteck)
keine versteckten Gegenstände gefunden werden
müssen, ist auch die Bezeichnung Bound (von
englisch »to bound« = springen) für diese Art der
Schnitzeljagd gebräuchlich, weshalb die Begriffe im
Folgenden synonym verwendet werden. Der Bound
führt 10- bis 14-jährige Schülerinnen und Schüler einzeln
oder in Klassen, Erstkommunionkinder, Konfigruppen
oder Kinder in Begleitung der Eltern auf Spurensuche
durch die Frankfurter Innenstadt. Dazu ist
nur ein internetfähiges Smartphone notwendig, denn
die Inhalte werden über den Browser des Gerätes an
den zu findenden Stationen über ausgehängte QRCodes
oder Kurzlinks aufgerufen. Eine Gruppe kann
entscheiden, ob mit einem oder mehreren Geräten
gleichzeitig teilgenommen werden soll. Das ist besonders
dann wichtig, wenn nicht alle Kinder einer Gruppe
über ein Smartphone verfügen.

Gamification mit Özcan, Kim und Tabea

Der Bound dient dem Casual Learning und sensibilisiert
auf spielerische, unterhaltsame und öffentlich wirksame
Weise für Themen rund um Frankfurt und den ÖKT.
Die Spielerinnen und Spieler begleiten die drei fiktiven
Kids Özcan, Kim und Tabea über eingespielte oder alternativ
lesbare Audiodialoge auf dem Weg zu prägnanten
Orten in der Innenstadt. Özcan, Kim und Tabea haben in
der Rahmenhandlung den Auftrag, für ihren erkrankten
Freund Frank Fotos zu machen, um einen Artikel zum
ÖKT in Frankfurt zu schreiben. Die fiktiven Figuren dienen
zur Identifikation und sollen neugierig auf die Orte
und Themen wie Gastfreundschaft, Zusammenleben,
Diskriminierung, Reich und Arm, Beten, Interreligiosität
und Stadtgeschichte machen. Auch dunkle Seiten wie
moderner Antisemitismus und Holocaust werden nicht
ausgeklammert. Bei der Planung sind einige wesentliche
Punkte zu beachten: die Vorauswahl der Strecke und
der einzelnen Orte, eine gute Mischung von Themen und
Aufgaben, prägnante und altersgerechte Texte und ggf.
die Produktion von Audiofiles sowie ggf. einer Internetseite
wie in diesem Fall.

Durch das Hochladen von eigenen Fotos, Gesprächsimpulsen
und einer interaktiven Station
spricht die Rallye gleich mehrere Sinne an, steigert
die Aufmerksamkeit und erhöht die Motivation, sich
mit den Themen auseinanderzusetzen. Fragen, Beobachtungs-
und Suchaufgaben beeinflussen als spielbasierte
Elemente den Lernprozess positiv (Gamification)
und bilden eine kreative Alternative oder
Ergänzung zu herkömmlichen Lernmethoden.

Am Ende des Bounds können bis zu fünf Fotos
hochgeladen werden. Diese werden automatisch in
den Artikel von Frank Furter integriert und als PDF an
die gewünschte Emailadresse gesandt. Dieses Produkt
belohnt die Teilnahme zusätzlich, dient als individuelle
Erinnerung, kann im Nachgang besprochen und als
Inspiration für eigene Artikel der Kinder dienen.

Los geht es am Neuen Börneplatz, an einer Moschee
vorbei zur Konstabler Wache, von dort zum Hof
der Liebfrauenkirche und die Tour endet am Römerberg
– insgesamt rund 1,4 km Fußweg. Das ist in einer
Schul-Doppelstunde zu schaffen, wenn man die Themen
nicht vor Ort vertiefen will oder kann. Zur intensiveren
Bearbeitung der Themen gibt es parallel die
Internetseite www.schauthin.bistumlimburg.de mit
zahlreichen Links und weiterführenden Materialien
wie Unterrichtsentwürfen. So kann man dem Interesse
der Kinder und Jugendlichen folgend einzelne Themen
der Rallye herausgreifen und im Rahmen einer
Gruppen- oder Schulstunde vertiefen.

Theocaching mit Bildungsanspruch

Mit dem Theocache »Schaut hin! Frankfurt ist bunt«
möchten wir Kindern, Jugendlichen und Familien gesellschaftlich
und kirchlich interessante Themen des
ÖKTs erlebbar machen. Gleichzeitig geben wir Religionslehrkräften
und Gemeindepädagoginnen und
-pädagogen ein Angebot für die eigene Bildungsarbeit
und möchten dazu inspirieren, ähnliche Bounds mit
Kindern und Jugendlichen auf anderen Routen durch
verschiedene Viertel in Frankfurt zu entwerfen. Das
Format bietet eine coronakonforme Möglichkeit, einzeln
oder in Kleingruppen teilzunehmen, denn man ist
die ganze Zeit im Freien unterwegs. Als Beitrag zum
digitalen Lernen ist der Cache zudem insofern interessant,
weil er Kinder im Homeschooling zu einer
abwechslungsreichen Tour »auf eigene Faust« an der
frischen Luft motivieren kann.

Der Cache wurde zusammen mit der Firma Theocaching
(www.theocaching.net) realisiert, die die Elemente
für uns programmiert und die von Kolleginnen
aus der Jugendkirche KANA eingesprochenen Audios
produziert hat. So ist das Spielen ohne eine weitere
App möglich, denn einen Browser sowie eine Karten-
App hat mittlerweile jedes Smartphone. Von den
Funktionen her ähnlich sind Bounds über bekannte –
und für Spielende kostenlose – Apps, die man bequem am PC gestalten kann. Hierzu müssen allerdings (im
Bildungsbereich vergünstigte) Lizenzen erworben
werden, deren Preis sich immer nach der Anzahl der
Spielenden richtet. Die App muss dann vorab installiert
werden.

Was ist beim Erstellen zu beachten?

Ein wichtiges Spielelement besteht darin, die nächste
Station der Rallye finden zu lassen. Die Hinweise dazu
kann man beispielsweise als Fotohinweis einblenden,
über Quizfragen freischalten lassen oder man kann
das Handy wie ein Kompass nutzen, sodass die Spielerinnen
und Spieler den Weg tatsächlich Schritt für
Schritt suchen müssen. Reine Wissensabfragen wirken
schnell ermüdend und sorgen für wenig Interaktion
in der Gruppe. Deshalb ist es sinnvoll, Impulsfragen
und Beobachtungsaufgaben einzubauen, die ein
Gespräch oder eine Aktion anregen. Wenn die Anzahl
der Mitspielenden absehbar klein ist, könnte man z. B.
einen Kioskbesitzer fragen, ob er bereit wäre, Kindern
eine Frage zu beantworten. Hier sind der Phantasie
kaum Grenzen gesetzt. Es ist zudem problemlos möglich,
Bilder, Videos oder Audios einzubauen oder den
Upload von Texten oder Fotos zu ermöglichen. Orte,
an denen eine Aktion möglich ist, sind besonders reizvoll.
Beim Bound »Schaut hin! Frankfurt ist bunt« ist
es der Innenhof von Liebfrauen: Hier kann man bekanntlich
eine Kerze anzünden.

Aufgrund der positiven Resonanz ist dieser Cache
noch online und spielbar bis zu den Herbstferien. In
der Nähe des Mahnmals am Neuen Börneplatz gilt es,
den Starthinweis an einem Laternenpfahl zu finden …