Patrick Roth - Die Christus Trilogie | Werkbuch | EULENFISCH - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Patrick Roth

Die Christus Trilogie

Patrick Roth

Die Christus Trilogie

Herausgegeben und kommentiert von Michaela Kopp-Marx

Erstmals erscheinen die drei Christusromane von Patrick Roth – Riverside, Johnny Shines, Corpus Christi – in einem Band, vorzüglich kommentiert von Michaela Kopp-Marx.

Seit ihrem Erscheinen 1998 steht »Die Christus Trilogie« im Ruf eines erratischen Blocks in der Landschaft der Gegenwartsliteratur. Quer zum postmodernen Zeitgeist hatte es Patrick Roth unternommen, eine Brücke zurück zu den Stoffen der Bibel zu schlagen und ihren erstarrten Bildern in ungeheuer authentischen Geschichten (»Riverside«, »Johnny Shines« und »Corpus Christi«) neue Sicht und Fassung zu geben. Die suggestiv-filmische Erzählweise, der symbolische Zugriff und die unorthodoxe Durchmischung mit popkulturellen und mythologischen Elementen lösen die christlichen Mythologeme aus ihren traditionellen theologischen Zusammenhängen – Taufe, Heilung, Wiedererweckung, Kreuzigung und Auferstehung – werden in ihrer numinosen Dimension neu erfahrbar. Gefasst in eine rhythmisierte, bildgewaltige Sprache, aufgeladen mit Suspense, Mystik und Bedeutsamkeit entfalten Roths poetische Konstellationen des christlichen Mythos überwältigende Präsenz und Provokation in unserer transzendenzfernen Zeit.

Der von Michaela Kopp-Marx erarbeitete Kommentar führt in die Struktur und Interpretation der Texte ein und gibt dem Leser einen umfangreichen Stellenkommentar an die Hand, der die zentralen Quellen, Kontexte und Subtexte der jeweiligen Werke benennt und Ansätze zur Deutung freilegt.

Bestellen bei Buch7

Patrick Roth

Patrick Roth, geb. 1953 in Freiburg/Brsg., lebt als freier Autor in Los Angeles und Mannheim. Auf filmische und dramatische Arbeiten der achtziger Jahre folgte 1991 das Prosadebüt »Riverside«, dem sich »Johnny Shines« und »Corpus Christi« anschlossen. Die autobiographische Erzählung »Meine Reise zu Chaplin« bildete den Auftakt zu den deutsch-amerikanischen Erzählzyklen im Filmmilieu »Die Nacht der Zeitlosen« und »Starlite Terrace« und »Die amerikanische Fahrt«.

Er erhielt u. a. den Rauriser Literaturpreis, den Preis der Stiftung Bibel und Kultur, den Hugo-Ball-Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Sein 2012 erschienener Roman »SUNRISE« wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Weiterhin wurde er mit Poetikdozenturen an den Universitäten in Frankfurt, Heidelberg und Hildesheim ausgezeichnet.

Wikipedia Artikel
Image

Thomas Menges, Martin W. Ramb (Hg.)

Patrick Roth
Die Christus Trilogie

Unterrichtsideen für die Sekundarstufe II
Religion und Deutsch

Seit ihrem Erscheinen in den 1990er Jahren irritieren die Romane der Christus Trilogie Patrick Roths. Von manchen gefeiert, lassen sie andere Interpreten ratlos zurück. Quer zum Zeitgeist versucht Roth, eine Brücke zu den Erzählungen der Bibel zu schlagen. In neuer Sprache verlebendigt er die alte, aber bleibend aktuelle Botschaft von Heil, Erlösung und Auferstehung und erkundet Erfahrungsräume, die hinter den Oberflächen des Alltäglichen liegen.

Hierin liegt die religionsdidaktische Chance der Texte für den Unterricht: sie stellen die Frage, wie auch hete authentisches Leben und Glauben möglich ist, gleichzeitig sind sie "Passagenbereiter zur Erfahrung hinter dem Buch." (Patrick Roth)

Bestellen bei Buch7

Inhalt

1

Georg Langenhorst
Schnittstellen zwischen dem Numinosen und dem Bewusstsein

Arbeiten mit Patrick Roths "Die Christus Trilogie" im Religonsunterricht

2

Das Numinose ist eine erfahrbare Wirklichkeit

Der Schriftsteller Patrick Roth im Gespräch über seine "Die Christus Trilogie"

3

Beatrix Mählmann
Patrick Roth: Riverside. Christusnovelle (1991)

Eine Unterrichtssequenz

4

Johanna Dransmann
Patrick Roth: Johnny Shines oder Die Wiedererweckung der Toten (1993)

Zwei Unterrichtssequenzen

5

Ute Lonny-Platzbecker
Patrick Roth: Corpus Christi (1996)

Eine Unterrichtssequenz

6

Marie-Luise Reis & Thomas Menges
Freudenmahl um himmlischen Jerusalem

Der Schriftsteller Patrick Roth inspiriert die Malerin Marie-Luise Reis zu einem neuen Bildmotiv - Eine Bildbetrachtung von Thomas Menges

Auferstehung erfahren

Patrick Roths Die Christus Trilogie im Gespräch

6. und 7. Juli 2018
an der Philosophisch-theologischen Hochschule der Pallotiner in Vallendar

Vorträge als Podcast


aufgenommen von Timo Michael Kessler
"Die Christus Trilogie" und das religiöse Problem der Moderne.
Vexierbilder. Eine bibelwissenschaftliche Spurensuche in Patrick Roths "Die Christus Trilogie"
Meine Reisen in Patrick Roths Welt. Notizen einer Exegetin
Wovon man nicht sprechen kann, davon muss man erzählen. Patrick Roths literarische Verführungen – zum Glauben?
Vom Unsagbaren schreiben oder: Vom unsagbaren Schreiben. Philosophische Anmerkungen zur Poetik Patrick Roths
„I'm here for a funeral”: Film und die „Endlichkeit” des Erzählens in Patrick Roths "Die Christus Trilogie"
Transzendenzerfahrung in Alltagssprache und Literatur. Eine Auseinandersetzung mit Patrick Roths Riverside
Vorstellung der Unterrichtsideen zur "Die Christus Trilogie"

„Phase einer neuen Begegnung mit Gott“


Interview mit Patrick Roth auf der Tagung

Patrick Roth gehört gegenwärtig zu den Literaten, die sich in ihrem Œuvre von der Bibel anregen lassen. Was bedeutet das konkret für das Schreiben, und welchen Zusammenhang gibt es zwischen Literatur und Religion mit all ihren Facetten? Darüber sprachen wir mit dem Schriftsteller.
Die Fragen stellte Stefan Orth.

Herr Roth, Sie sind vor allem mit Ihrer Christus-Trilogie einem breiteren Publikum bekannt geworden. Worin liegt für Sie als Schriftsteller der Reiz, sich mit biblischen Stoffen auseinanderzusetzen beziehungs- weise sich von diesen Traditionen anregen zu lassen? Was beschäftigt Sie da besonders?

Es gibt für mich eigentlich keine anderen Texte. Was mich an der Bibel fasziniert, sind ihre Bilder, die letztlich aus dem Unbewussten kommen und die sich heute in unseren Träumen, natürlich in Variation, wiederereignen. Zumindest gilt das, wenn wir aufmerksam sind, hinschauen und sie genau ver- folgen. Es ist doch von enormer Bedeutung, dass Bilder, manche bereits vor 2700 Jahren fixiert, von der Psyche aus gesehen heute noch ebenso aktuell, also „wirksam-wirklich“ sind.

Also ganz im Sinne einer anthropologischen Konstante?

Ja. Mich interessiert eigentlich nur die Beziehung des Menschen zu einem – sagen wir es ganz neutral – Unendlichen, einem Höchsten. Dieser höchste Wert, dieses Unendliche transzendiert den Menschen dann im Sinne eines Übersteigens und bezieht ihn dadurch auf ein Anderes, dem er dient. Literatur, die die Dimension eines solchen Bezogenseins nicht berührt, nicht dramatisiert, sie nicht in irgendeiner Form – über Charaktere, den Plot oder den Erzähl-Sinn – thematisiert und damit: weiter-lebt, sie spähend-forschend erweitert, lässt mich kalt. Es reicht mir letztlich nicht, momentan fasziniert zu sein – von einem wunderbaren Ereignis oder einer bestimmten Technik –, wenn diese Technik die Sicht auf den Sinn unberücksichtigt lässt.

Können Sie dafür ein Beispiel geben?

Nehmen Sie das Filmwerk von Alfred Hitchcock. Dieser Regisseur hat alles, jene Dimension eines unendlichen Aspekts des Unbewussten visuell zu vermitteln. Und doch hat er letztlich keine Ahnung von dem, was Träume wirklich sind. Er kennt sie, ist fasziniert, aber über ihren Sinn weiß er nichts. Er benutzt sie. Für ihn sind sie Th rill, sie dienen dem emotionalen Plot, letztlich: dem Entertainment. Hitchcock wollte nie über dieses Maß hinaus, seine Inszenierungen sind ihm in dieser Hinsicht gelungen – deshalb auch mit Recht zu genießen. Aber irgendwann merkt man, möglicherweise auch erst ab einem bestimmten Alter, dass uns etwas an Hitchcocks „slices of cake“ leer und unbefriedigt zurücklässt. Nach dem wunderbaren Auff ahren seiner Technik, seiner uns perfekt beherrschenden kinematischen Mittel, bleibt etwas leer – weil der Plot sich nicht auf ein Höheres beziehen kann als den erzählerischen Gimmick, den der Meister eingebaut hat. Eine Ausnahme, großartige Sekunden lang, ist die Szene in „Der falsche Mann“, als sich uns aus dem Gebet Henry Fondas das Bild seines Doppelgängers nähert.

Im Unterschied dazu also die Bibel. Was hat Sie an der Person Jesus von Nazareth gereizt, dass Sie sich ihr gleich mit drei Romanen literarisch angenähert haben?

Es war ein Traum – ich nenne ihn den „Quelltraum“ –, der Ende der Siebzigerjahre so gewaltig einschlug, dass er alles, was ich bis dahin realiter erlebt hatte, in den Schatten stellte. Über ihn selbst darf ich nicht reden. Aber letztlich war er der Erfahrungsgrund, auf dem die Christus-Trilogie später entstand.

Offensichtlich gibt es bei Ihnen eine Resonanz auf religiöse Fragestellungen und die spezifi sche Art der Th ematisierung von Wirklichkeit. Hilft eine religiöse Disposition beim Schreiben?

Es handelt sich – das wäre meine Defi nition einer „religiösen Disposition“ – um eine Einstellung, die auf die Bilder des Unbewussten genau achtet und in ihnen den Sinn sucht. Das Ringen mit dem Engel am Jabbok ist das archetypische Bild dafür, letztlich: das Ringen um den Sinn. Denn das ist der „Name“, der gewonnen wird. Der richtungsweisende Sinn eines Bilds, das wir nicht gemacht haben, das uns aber anvertraut wurde – im Traum oder einer Vision oder einem Einfall. Entscheidend ist nun der Sinn religiöser Disposition selbst. Und der fragt: Wie handelst du nun? Wie führst du mein Bild aus dem Kopf in den Alltag gelebten Lebens? Diesen entscheidenden Schritt lassen wir oft aus, bleiben fasziniert in der Vision hängen, gar an ihrer Ästhetik! Aber Jakob realisiert ihn, am Morgen schon – mit aufgehendem Bewusstsein.

Was heißt dieser Zugang für Ihre Art zu schreiben? Wie muss man sich den Schreibprozess vorstellen?

Was das Arbeiten betrifft , geht es oft um Mikrosekunden, in denen man entscheiden muss, in welche Richtung man weitergeht, welche Bilder man weiter verfolgt. Eine religiöse Disposition schärft das Achten auf die innere Stimme, die durchaus widersprechen, in eine ganz andere Richtung gehen kann. In meinem Buch „Die amerikanische Fahrt“ gibt es einen Text dazu: „Der Stimmenbrunnen“. Wie oft möchte man über diese kleine störende Stimme im Hintergrund einfach hinweggehen – und begeht ichmächtig den Fehler, sie unerhört zu lassen. Man sollte sich aber mit ihr auseinandersetzen. Sie ist, recht betrachtet, ein Geheimnis: die „soror mystica“ des Opus: Du arbeitest nicht allein. Etwas allgemeiner betrachtet, gehe ich also davon aus, dass der Aufgabe, die mir von innen – manchmal auch von außen – gegeben wird, ein Sinn zugrunde liegt. Manchmal scheint mir: Er lag schon immer da, ungesehen nur und unerhört. Oft aber auch: dass er durch die Suche gewachsen, durch sie überhaupt erst entstanden ist. Mein Suchen und das jener Stimme-des-Unbewussten, unsere gemeinsame Suche nach Sinn wäre dann geheimnisvoll identisch mit dessen Zeugung, einer sich in der Psyche des Individuums ereignenden mikrokosmischen Schöpfung.

erschienen in der Herder Korrespondenz 10/2018

Impressionen


© Matthias Cameran

Auferstehung erfahren

Patrick Roth liest aus der Christus Trilogie

6. Juli 2018
an der Philosophisch-theologischen Hochschule der Pallotiner in Vallendar

Mehr über Patrick Roth im Eulenfisch

Eulenfisch 01_2018 Arbeit und Kapital
Jochen Ring: Der fremde Reiter
Eulenfisch 01_2018: "Arbeit und Kapital"

Die Kultivierung des Erinnerns spielt in Erzählgemeinschaften wie dem Christentum eine besondere Rolle. Patrick Roths Geschichtsphilosophie zeigt, wie aktive Aneignung und Transformation von Geschichte Neues bewirkt.

zum Beitrag
Eulenfisch 01_2018 Arbeit und Kapital
Thomas Menges: Freudenmahl im himmlischen Jerusalem
Eulenfisch 01_2018: "Arbeit und Kapital"

Die Malerin Marie-Luise Reis lässt sich durch den Schriftsteller Patrick Roth zu einem neuen Bildmotiv anregen

zum Beitrag
Eulenfisch 01_2018 Arbeit und Kapital
Helmut Müller: Auferstehung erfahren
Eulenfisch 01_2018: "Arbeit und Kapital"

2017 erschienen die drei Christuserzählungen Patrick Roths erstmals kommentiert in einem Band. Damit kam zusammen, was zusammengehört: Eine sprach- und bildgewaltige Brücke in die ungeheuerlichste Geschichte der Menschheit.

zum Beitrag
Eulenfisch 01_2018 Literaturmagazin
Rezension: Patrick Roth - "Die Christus Trilogie"
Eulenfisch Literaturmagazin 01_2018

von Michael Braun

zum Beitrag
Eulenfisch 01_2012 Klöster Kolonien des Himmels
Eckhard Nordhofen: Vor der Schrift kamen die Träume
Eulenfisch 01_2012: "Klöster: Kolonien des Himmels"

Ein spannender Plot nach allen Regeln orientalischer Erzählkunst. Patrick Roths neuer Roman "Sunrise" fügt der Bibel neue Geschichten hinzu.

zum Beitrag
Eulenfisch Impulse Band 6
Limburger Impulse zur Religionspädagogik
Band 6

Literatur, Religion und einige letzte Fragen
Patrick Roth - Sunrise. Das Buch Joseph.

zur Bestellung
Sunrise Höhrbuch Patrick Roth
Patrick Roth liest "Sunrise. Das Buch Jospeh"
Höhrbuch. Ungekürzte Fassung
in Kooperatin mit SWR2

MP3-CD / zwei CDs / 930 Minuten

zur Bestellung