Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Andreas Merkt: Rund um den Tod. Wie der Tod christlich wurde

Wie die griechisch-römische Welt christlich wurde, ist das zentrale Thema in „Rund um den Tod“ von Andreas Merkt. Dieser kirchengeschichtliche Beitrag untersucht drei Themenbereiche aus der Zeit der Spätantike: Zunächst wendet sich Merkt der Bestattungskultur, den Gräbern, ihren Inschriften, Friedhöfen und Friedhofsbesuchen zu. Er informiert über Katakomben, Totenfeiern und die jahrtausendealte Tradition der Mähler, Picknick am Grab. Mitunter wurde ausschweifend „viel gegessen, getrunken und gesungen, manchmal tanzten sogar Frauen auf den Gräbern – zum Leidwesen der Bischöfe“ (37), die dieses Treiben als gefährlich und heidnisch betrachtet haben sollen. Da die Gläubigen an Riten und den Friedhöfen als Ort praktizierten Glaubens festhielten, wurden zunehmend in der Nähe oder über Märtyrergräbern Basiliken und Kirchen errichtet: „Der Gott der Christen […] vereinte […] die Lebenden und die Toten.“ (41)

Das nächste Kapitel behandelt Jenseitsgeschichten, Totenorte und Erzählräume. Nachfolgend untersucht Merkt die Nekropolitik, das Verhältnis von Toten und Lebenden in ritueller, pastoraler und politischer Hinsicht. Dies half bei der Bewältigung des Verlusts durch Tod und gab der Trauer eine Form. Inwiefern wurde die Nekropolitik durch die zunehmende Verbreitung des Christentums verändert?

Den Rahmen dieses umfangreichen, hochwertig gebundenen Buches bilden exemplarisch die Beschreibungen der Erlebnisse und Gedanken Augustinus um das Jahr 380, in dem Kaiser Theodosius das Christentum zur Staatsreligion erklärte und damit die Grundlage für unsere europäische Kultur legte. Im Prolog wird von Augustinus und dessen sterbendem Freund berichtet. Zunächst hatte Augustinus Trost und Halt in der Astrologie, bei Philosophen und Stoikern gesucht, bis er sich schließlich taufen ließ. Im Epilog kann der Leser dann erfahren, ob Augustinus die Todesfälle weiterer Freunde und seiner Mutter als Christ anders erfahren hat: Viva Vita. Zwischen diesen beiden Polen spannt sich ein weiter Bogen, der in vielseitigen Facetten der Frage nachgeht, inwiefern sich der Umgang mit Sterben, Tod, Trauer verändert hat.

Unabhängig von den Reihenfolgen der Abschnitte und Kapitel kann sich der Leser über heidnische und christliche Grabinschriften informieren, über Vorstellungen vom Jenseits, dem heidnischen, jüdischen und christlichen Paradies, dem Elysium oder mitunter auch, bezugnehmend auf das Alte Testament „Abrahams Schoß“ genannt, dem Ort liebevoller Geborgenheit. Wie waren die Vorstellungen darüber, was mit dem Körper und der Seele nach dem Tod geschieht, und wie die Hoffnung auf einen von Engeln begleiteten Weg in den Himmel und auf die Auferstehung? Welche Vorstellung vom Hades, dem Reich der Unterwelt prägte die Menschen, die sich vor Hölle und Fegefeuer fürchteten? Und wie vollzog sich schließlich der Wandel vom Polytheismus mit seinen vielfältigen Heiligtümern zum monotheistischen Christentum mit seinen Kirchen, geschildert etwa auf einem virtuellen Gang mit fiktiven Apostel-Go-Spielern durch das alte Rom?

Aufgrund der Fülle an Informationen und der detailreichen Vielfalt an Themen ist „Rund um den Tod“ nicht nur ein Fachbuch, sondern zudem ein Lexikon. Ein umfangreiches, fast 40-seitiges Literaturverzeichnis samt Register vervollkommnet dieses sprachlich ausgezeichnete Werk.

„Rund um den Tod“ kann als Ergänzung vorhandenen Wissens verstanden werden, aber auch als Einstieg in die Thanatologie und Sepulkralkultur. An dieser Stelle sei dem Interessenten das Museum für Sepulkralkultur in Kassel mit regelmäßigen Veranstaltungen und zahlreichen Veröffentlichungen ans Herz gelegt nebst weiterführenden Schriften etwa von Norbert Fischer, Barbara Happe oder Reiner Sörries.

Regensburg: Schnell & Steiner Verlag. 2025
408 Seiten m. s-w Abb.
49,95 €
ISBN 978-37954-3811-1

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