Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Hans-Joachim Höhn: Können – Sollen – Dürfen. Religionsphilosophie nach Kant

Mit hoher Einfachheit vermochte Romano Guardini, der sich zeitlebens auf der Scheidelinie von Religionsphilosophie und Theologie bewegte, von 1923 bis 1939 als Gastdozent an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin katholische Weltanschauung zu lehren, bis das NS-Regime seine Lehre für unvereinbar mit der völkischen Ideologie erklärte. Im Gedenken an Guardini besteht seit einigen Jahren eine Stiftungsprofessur an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität.

Hans-Joachim Höhn hielt im Rahmen dieser ehrenvollen Professur Vorlesungen über die Religionsphilosophie nach Kant, über Vernunft und Glaube in der Gegenwart, in einem Zeitalter der „radikalen Säkularität“. Anders als Guardini setzt die Lektüre seines anspruchsvollen Bandes mehr als nur ein philosophisches Interesse voraus....

Thomas Nagel: Moralische Gefühle, moralische Wirklichkeit, moralischer Fortschritt

Fast vierzig Jahre ist es her, dass Thomas Nagels „Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie“ unter der Frage „Was bedeutet das alles?“ für Furore sorgte, sein deutscher Übersetzer die Direktheit und Leichtigkeit dieses philosophischen Propädeutikums lobte. Dieses Büchlein trat seinen Siegeszug auch an den Schulen im deutschsprachigen Raum an. Das trifft ebenfalls auf seinen Aufsatz „What is it like to be a Bat“ („Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?“) aus dem Jahre 1974 zu. 2025 schaffte er sogar den Sprung auf die Bühne des Hamburger Schauspielhauses und wurde in „Vampire´s Mountain“ rezitiert. Nagels Philosophie wurde populär.

Nun ist Nagel mittlerweile 88 Jahre alt, sein neuestes in deutscher Übersetzung erschienenes Buch ist schmal und enthält unter seinem etwas ungelenken Titel...

Byung-Chul Han: Sprechen über Gott. Ein Dialog mit Simone Weil

Man nimmt teil am Zwiegespräch zwischen Freunden: Der Berliner Philosoph Byung-Chul Han (geb. 1959) spricht in Verehrung und Liebe mit seiner Gesprächspartnerin Simone Weil (1909-43). Dieses spürbare Höchstmaß an Empathie und Einverständnis sagt viel über die Gemeinsamkeit beider und fördert eine Fülle jener bergkristallklaren Aphorismen ans Licht, die sich in der faszinierenden Denklandschaft Weils finden. Han erweist sich als gelehriger Schüler mit reich gefülltem Zettelkasten von Weil-Zitaten, die er systematisierend einordnet und kultur- wie kapitalismuskritisch zuspitzt. Zentralbegriffe Weils werden zu Magnetfeldern, um ihr in der Tat extrem inspirierendes Denken zur Geltung zu bringen. (Sekundärliteratur zu Weil wird kaum berücksichtigt, die Lektüre der französischen Denkerin bezieht...

Simone Weil: Die Illias, oder das Gedicht von der Gewalt

Wie gut, dass dieser große Text zu Krieg und Frieden, präzise übersetzt und hervorragend kommentiert, ins Gegenwartsgespräch eingebracht wird – stehen doch seit dem Beginn des Putin-Krieges und dem Ende der politischen Nachkriegsarchitektur brennend jene Fragen im Raum, die vor hundert Jahren mit dem beginnenden Siegeszug des Nationalsozialismus und des Stalinismus aufbrachen. Wer wollte nicht unbedingt den Frieden, aber wie mit Aggression und Krieg, ja mit Angriff und Vernichtungswillen einer Seite umgehen? Gilt doch die realistische Diagnose des Thukydides, immerhin vor bald 2500 Jahren formuliert: „Durch eine Notwendigkeit der Natur übt jedes, ganz gleich welches Wesen, soweit es kann, all die Macht aus, über die es verfügt.“

Simone Weil, die linke Aktivistin und messerscharfe...

Andreas Merkt: Rund um den Tod. Wie der Tod christlich wurde

Wie die griechisch-römische Welt christlich wurde, ist das zentrale Thema in „Rund um den Tod“ von Andreas Merkt. Dieser kirchengeschichtliche Beitrag untersucht drei Themenbereiche aus der Zeit der Spätantike: Zunächst wendet sich Merkt der Bestattungskultur, den Gräbern, ihren Inschriften, Friedhöfen und Friedhofsbesuchen zu. Er informiert über Katakomben, Totenfeiern und die jahrtausendealte Tradition der Mähler, Picknick am Grab. Mitunter wurde ausschweifend „viel gegessen, getrunken und gesungen, manchmal tanzten sogar Frauen auf den Gräbern – zum Leidwesen der Bischöfe“ (37), die dieses Treiben als gefährlich und heidnisch betrachtet haben sollen. Da die Gläubigen an Riten und den Friedhöfen als Ort praktizierten Glaubens festhielten, wurden zunehmend in der Nähe oder über...

Topoi und Netzwerke der religiösen Rechten. Verbindende Feindbilder zwischen extremer Rechter und Christentum

Der vorliegende Sammelband stellt sich der Frage, inwieweit religiös konnotierte Feindbilder als Kitt internationaler Netzwerke dienen, indem sie die Kohäsionskräfte zwischen den unterschiedlichen extrem rechten Bewegungen in Russland, den USA und in Deutschland verstärken.

Blickpunkt Russland: Regina Elsner analysiert in ihrem lesenswerten Beitrag zur „Russisch-Orthodoxen Kirche im Netzwerk globaler rechts-konservativer Kräfte“ (27-44), wie die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) den Angriffskrieg gegen die Ukraine zum ‚cultural war‘ erklärt. Sie zitiert dazu den Moskauer Patriarchen Kyrill in einem 2024 publizierten Nakaz (Instruktion): „Aus spiritueller und moralischer Sicht ist die spezielle Militäroperation ein heiliger Krieg, in dem Rußland und sein Volk den einheitlichen spirituellen...

Dirk Sager: Das Amosbuch heute lesen

Die Reihe „bibel heute lesen“ des Theologischen Verlags Zürich bietet einem breiteren Adressatenkreis fundierte theologische Zugänge zu einem biblischen Buch mit besonderer Berücksichtigung von Zeugnissen der Auslegungs- und Rezeptionsgeschichte und der Zielperspektive einer heutigen Fruchtbarmachung der jeweiligen biblischen Botschaft. Für das Buch Amos hat Dirk Sager, Professor für Altes Testament an der Theologischen Hochschule Elstal, eine ebenso übersichtliche wie vielseitige Einführung in dieser Reihe vorgelegt.

Sukzessive erschließt er die Großabschnitte der Amosschrift im Sinne eines literarisch inszenierten Gerichtsprozesses (vgl. 35 und die Kapitelüberschriften: Am 1,3-2,16: Anklage; Am 3-6: Disputation; Am 7-9: Urteil). Eine solche dramatische Darbietung erinnere als eine Art...

Christian Danz: Einführung in die Theologie Martin Luthers

Einführungen sind beliebt, aber sie zu schreiben, birgt ein gewisses Risiko in sich. Sie stehen in der Gefahr, dem Leser das Gefühl zu geben, er wüsste nun schon alles Wesentliche, obwohl er allenfalls einen ersten Überblick erhalten hat. Aber der Leser könnte auch im Gegenteil den frustrierenden Eindruck bekommen, er müsse noch Dutzende weitere Bücher lesen, um überhaupt im Thema ‚drin‘ zu sein.

Bei dem Thema Luther beide Gefahren zu umschiffen, ist dem Autor Christian Danz gut gelungen. Wer seine Einführung liest, bekommt einen kundigen Über- und Einblick in die wesentlichen Entscheidungen der Theologie Luthers. Ebenso werden die Quellen und weitere Literatur zum Lutherstudium genannt und angehenden Lutherforschern wichtige Informationen zusammengestellt, die ihnen den Einstieg in ihre...