Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Heribert Körlings: Auf Abwegen. Theopoetische Texte

Wer auf Abwegen unterwegs ist, hat die Orientierung verloren, sich ganz und gar verschätzt und braucht jemanden, der ihn auf den rechten Weg zurück lotst. Ist Heribert Körlings, pensionierter Gymnasiallehrer für Deutsch und Religion in Aachen und Autor mehrerer Bücher über das Werk Eugen Drewermanns, ein solcher Lotse durch den ‚Irrgarten Welt‘? Sein erster Gedichtband verheißt zumindest im Titel, dass er seine Leser auf Abwege führen wird. Aber bringt er sie auch wieder auf den rechten Weg zurück?

Der Untertitel des Buches weist darauf hin, dass die Gedichte allerdings einen anderen, demütigeren Anspruch haben. In vier Abschnitten, die von einem Prolog- und Epilog-Gedicht gerahmt werden, versammelt Körlings „Theopoetische Texte“; das sind Texte, deren Anliegen – der Definition...

Jon Fosse. Vaim. Roman

„Alles war wundersam", diese Feststellung am Ende des Romans, geäußert von einer der drei Hauptfiguren, veranlasst nochmal, das Erzählte von vorne zu lesen und neu zu bedenken. Das, was beim ersten Lesen über die Beziehung der drei Protagonisten so absurd anmutet, erweist sich als doch nicht zufällig, sondern als geheimnisvoll, von einer verborgenen Instanz gefügt. Jon Fosse lässt seine Figuren im inneren Monolog nach einem geheimen Lebensfaden fragen.

Apropos „Faden": Der Roman beginnt mit der Schilderung des ersten Erzählers, genannt Jatgeir, der schwarze Garnrolle und Nadel kaufen will, um einen losen Anzugknopf anzunähen. Jatgeir, der im Dorf Vaim lebt, fährt in seinem kleinen Schiff an der norwegischen Küste entlang zur nächstgelegenen Stadt, da er annimmt, die gewünschte Kurzware...

Fedora Wesseler (Hg.): Der Wanderer und sein Koffer. Eine Reise durch das Werk von Thomas Hürlimann

Die Bücher von Thomas Hürlimann sind wie Koffer, die man nicht selbst gepackt hat. Man öffnet sie neugierig, um ihren Inhalt zu entdecken und ihre vielfältigen Reiserouten durch Räume und Zeiten lesend nachzuverfolgen. Und manchmal kann man auch darin verschwinden. Der Sammelband „Der Wanderer und sein Koffer“ enthält bekannte und unbekannte Arbeiten von Hürlimann. Sie wurden so arrangiert, dass sie den einzelnen biografischen Stationen seiner Lebensreise folgen: Kindheit, Elternhaus, Klosterschule, Bruderliebe, usw.

Teilweise sind es Auszüge aus Hürlimanns bekannteren Werken, wie z.B. „Fräulein Stark“, „Der große Kater“, „Vierzig Rosen“, „Das Gartenhaus“, „Der rote Diamant“, „Heimkehr“, aber auch non-fiktionale Texte wie Reden, Zeitungsartikel, Essays oder Nachrufe Hürlimanns auf Mutter,...

Stefan Moster: Vom Glück, im Chor zu singen

Kennen Sie Karl Gottlieb Lappe? 1818 erschien sein Gedicht „Im Abendroth“ in der „Zeitung für die elegante Welt“ (Leipzig). Sieben Jahre später entstand die Vertonung Franz Schuberts für Stimme und Klavier, deren Männerchorversion von Jakob Christ zu Beginn des 20. Jh. viral ging. Es erklingt gedämpftes B-Dur, die Stimmung ist weihevoll. Dies alles geschieht, so Stefan Moster, im Garten des Großvaters. Andächtige Stille und tiefe Rührung ergreift alle Anwesenden, eine Rückkehr ins Diesseits gelingt erst 200 Mettbrötchen und 50 Flaschen Weißwein später. Darum geht es in diesem Buch: Chorsingen ist eine eigene Welt, in der (auch) tiefes Glück zu Hause ist.

Moster beschreibt die Welt aus 53 verschiedenen Blickwinkeln, streift Forschungsergebnisse, Alltags- und Nischenthemen. Chorsingen ist...

Hans Georg Wehrens: Die Kreuzigungsdarstellungen im ersten Jahrtausend mit einer Ikonografie der Kreuzsymbole

Der pensionierte Freiburger Jurist Hans Georg Wehrens begibt sich erneut auf das spannende Feld der christlichen Ikonografie und Kunstgeschichte – diesmal mit einem Buch über Kreuzigungsdarstellungen im ersten Jahrtausend. Als Autodidakt hat er sich bereits intensiv mit der Geschichte seiner alemannischen Heimat und der frühchristlichen Baukunst Italiens, insbesondere Roms, beschäftigt.

Das neue Werk knüpft an diese bisherigen Forschungsfelder an und widmet sich einem zentralen Thema der frühen christlichen Kunst: der Kreuzigung. Wehrens stellt die ausgewählten Objekte in einem streng chronologischen, gattungsübergreifenden Katalog vor. Das Inhaltsverzeichnis teilt das Buch grob in Spätantike und Frühmittelalter. Auffällig ist, dass sich ikonografisch kein harter Bruch zwischen den...

Theo Sundermeier: Hoffnung für Leidende. Die Botschaft des Isenheimer Altars

Ein Forschungsschwerpunkt des emeritierten evangelischen Professors für Theologie der Religionen sind Kulte und Riten zu Heil und Heilung des Menschen. In sieben kleinen Kapiteln stellt er dem Leser, neben dem Maler, Matthias Grünewald, den Auftraggeber des Isenheimer Altars und den Zweck der Altarstiftung vor, nämlich den – durch von Getreide kaum zu unterscheidenden Mutterkorn vergifteten –Sterbenskranken mit ihren pestartig gezeichneten Körpern den menschgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus zu zeigen, der ihre Krankheiten getragen hat und sie in ihren Leiden tragen wird.

Dazu präsentiert Theo Sundermeier in großformatigen Tafeln den jeweils zu besprechenden Teil des Altars und führt den Leser konzentriert durch die Gesamtkomposition, um dann im Text durch kleine...

Gregor Maria Hoff: Widersprüchliche Hinterlassenschaft. Das Zweite Vatikanische Konzil und seine ungelösten Probleme

Ist das Zweite Vatikanische Konzil an allem schuld? Das mag man sich bei der Lektüre des vorliegenden Buches und mit Blick auf die Spannungen im gegenwärtigen Katholizismus bisweilen fragen. Etwas differenzierter, aber doch ähnlich gelagert ist die Ausgangsthese von Gregor Maria Hoff, Professor für Fundamentaltheologie in Salzburg: Bereits im Konzil wurden Meinungsverschiedenheiten zwischen seinen „Parteien“ und Spannungen zwischen seinen Konstitutionen, Dekreten und Erklärungen sichtbar, die sich in den Jahrzehnten danach bemerkbar machten und bis in die Gegenwart auswirken.

Hoff geht dieser These in 17 knappen Kapiteln nach, die jeweils von einem eigenen Problem ausgehen und dabei ein breites Spektrum an Themen und Konzilsdokumenten abschreiten. Unter anderem geht es um die Entwicklung...

Ulrich Dobhan OCD / Elisabeth Peeters OCD: Johannes vom Kreuz – Leben und Mystik

Überaus kenntnisreich führen die beiden Autoren das wechselvolle Leben, das innovative Denken und die mystische Frömmigkeit des Heiligen Johannes vom Kreuz im historischen Kontext vor Augen. Darüber hinaus kennzeichnen sie Johannes‘ Einfluss auf die geistliche und die säkulare Dichtung. Einer Zeittafel als Überblick über das Leben und Wirken des 1542 in der Provinz Avila als jüngster Sohn in eine bitterarme Familie geborenen Juan de Ypes folgt in Abgrenzung zur Hagiografie die detaillierte erzählende Darstellung seiner Biografie.

Der neue Blick auf den Lebensweg von Juan de la Cruz mit seinen Höhen und Tiefen wirkt besonders plastisch: Die Autoren verknüpfen nämlich die markanten Stationen im konfliktreichen Leben des Karmeliters bis zu seinem Tod 1591, darunter die prägende Begegnung mit...