Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Stanka Hrastelj: Batseba. Roman

Literarische Rezeptionen biblischer Stoffe geraten bisweilen ein wenig gewollt und zäh. Dies kann man von Stanka Hrasteljs kühnem Neuentwurf der Geschichte von Batseba und König David wahrlich nicht behaupten. Zwei Angaben gehen dem zweiten Roman der slowenischen Lyrikerin und Übersetzerin (geb. 1975) voraus, beide haben ihre Berechtigung. Die Widmung „Für die Leser von Poesie“ verweist auf die lyrisch verdichtete Art des Erzählens. In 193 durchnummerierten Miniaturkapiteln mit Überschriften, die ihrerseits interpretatorische Akzente setzen, wirft die Autorin sprachgewaltig Schlaglichter auf eine überzeitlich angelegte Frauengestalt zwischen Macht und Ohnmacht. Die zweite vorausgeschickte Angabe ist eine Triggerwarnung bezüglich selbstverletzender Handlungen und sexueller Gewalt. In der...

Jannie Regnerus: Das Lamm. Roman

Es beginnt damit, dass der fünfjährige Joris Blut pinkelt, „das Zinnoberrot der altniederländischen Maler“. Diagnose: Nierenkrebs. Krebs – das „Fünfbuchstabenwort“. Wie aus diesem Befund und aus dem Alltag mit seinen Selbstverständlichkeiten, der plötzlich seine Sicherheiten verliert und fragwürdig wird, Literatur wird, verdeutlicht Janne Regnerus in ihrem Roman „Das Lamm“.

Es schaut den Betrachter bereits auf dem Titelbild mit dem intensiven Blick eines seiner Augen an, ein Strahlenkranz umgibt seinen Kopf. Es ist ein Detail des mystischen Agnus Dei aus dem berühmten Genter Altar des Jan van Eyck und das Zentrum einer paradiesischen Landschaft. Das Blut aus der Seitenwunde fließt in hohem Bogen in einen Messkelch, einzelne Tropfen fallen auf das weiße Altartuch. „Das Bluten scheint dem...

Luke Russell: Das Böse

Der Autor, Philosophie-Professor an der Universität Sydney, publizierte diesen Text unter dem Titel „Being Evil“ in der englischen Originalausgabe anno 2020. In dankenswerter Klarheit exponiert der Verfasser gleich mit dem ersten Satz das Ziel seiner Erörterung: Existiert das Böse? Den halbwegs informierten Zeitgenossen überrascht diese Frage angesichts millionenfacher Grausamkeiten in der Weltgeschichte bis in die letzten Jahrhunderte mit Weltkriegen und Holocaust; aktuell ist das Böse mit dem Blick auf die Ukraine und auf Israel/Gaza doch mit den Händen zu greifen.

Luke Russel möchte im Kontext seiner Leitfrage zugleich klären, was der sprachliche Terminus „böse“ überhaupt bedeuten soll. Obwohl der Autor dies nie explizit benennt, ist er mit diesem Ansatz offensichtlich ein Vertreter...

Cynthia Fleury: Hier liegt Bitterkeit begraben

Angesichts von Krieg, Flucht und Vertreibung (Migration), Klimawandel, steigender sozialer Ungleichheit und vielen anderen bedrängenden Problemen wäre es zweifelsohne gelogen zu behaupten, die Welt von heute bereite keine bitteren Erfahrungen. Unerfreulicherweise fällt es heute diesbezüglich so schwer zu lügen, dass dies kaum jemandem noch öffentlichkeitswirksam gelingt, so dass man sich wenigstens kurz auf der Lüge ausruhen und ein wenig an ihr aufwärmen könnte – die Realität ist zu offensichtlich und erdrückend: So unterschiedlich ihre jeweiligen Beurteilungen, die Einstellungen und Perspektiven zur Realität faktisch auch ausfallen und sogar miteinander ringen, ja sich bekämpfen, es besteht zurzeit dennoch eine Art bitterer Weltkonsens – sogar über die Generationen hinweg. Nur Ignoranten...

Thomas Brose: Zwischenbilanz. Von Aquin bis Zweifel

Der zum 60. Geburtstag von Thomas Brose zusammengestellte Band bringt eine Auswahl von Arbeiten aus dem Werk dieses Philosophen und Theologen. Er versammelt Texte verschiedener Genres, von kurzen feuilletonistischen Artikeln, etwa zum Werbespruch eines Möbelhauses mit Hinleitung zum „metaphysischen Obdach“, über Rezensionen und Würdigungen anlässlich von Jubiläen bis zu längeren Essays. Die in unterschiedlichste Richtungen ausgreifenden Texte lassen aber bald ihr inneres Band und ihren besonderen Wert erkennen, es ist der Blick des „Berliner Diasporakatholiken“, der aus der „Erfahrung in einem militant-atheistischen Umfeld“ auf Religion, Philosophie, Politik und Gesellschaft schaut und seine Schlüsse zieht. Diesen besonderen Blick, den Brose beim Schriftsteller Günter de Bruyn konstatiert,...

Yvonne Sherwood: Blasphemie

Wie ein Relikt vergangener Zeiten ragt es aus der Geschichte in unsere Gegenwart hinein: das Vergehen der Blasphemie. Die Schmähung des Göttlichen, des Heiligen, die Lästerung der Götter, ja, Gottes selbst. Und doch scheint dieser „Frevel“ aktuell wieder an Relevanz zu gewinnen. Allen Prognosen zunehmender Säkularisierung im Allgemeinen und des Niedergangs der Bedeutung des Religiösen im Besonderen zum Trotz. Yvonne Sherwood, Professorin für Biblische Kulturen und Politik an der University of Kent, hat sich dieses Phänomen des Ungleichzeitigen näher angesehen und sich auf eine kulturgeschichtliche Spurensuche begeben. Herausgekommen ist eine erkenntnisreiche, wenngleich etwas mäandrierende Tour d’Horizon durch die Geschichte der Blasphemie. Sie nimmt ihren Ausgang im Buch der Könige des...

Christoph Thoma: Gott im Schatten der Religionspädagogik

Die Organisation des Religionsunterrichts ist in allen westdeutschen Bundesländern in Bewegung begriffen. Der Umstieg vom konfessionellen auf den konfessionell-kooperativen RU ist mittlerweile flächendeckend auf den Weg gebracht worden. Niedersachsen geht mit der Einführung eines von den Kirchen gemeinsam verantworteten christlichen RU noch einen Schritt weiter und Hamburg stellt sogar auf RUFA 2.0 um, da Multireligiosität und Multikulturalität in einer Millionenstadt religionspädagogisch-organisatorisch anders offensichtlich nicht mehr zu bewältigen sind. Die Frage, welche Konsequenzen aus der Wahl der RU-Organisationsform für die Begründung des Faches sowie dessen inhaltliche Ausgestaltung gezogen werden müssten, wird erst in jüngster Zeit systematisch reflektiert. Mit Interesse greift...

Christian Krijnen: Das Absolute. Ein Essay über die Einheit

Das Absolute, so Christian Krijnen in seinem Essay, ist ein fundamentaler Begriff der Philosophie, auch wenn er in der Gegenwartsphilosophie kaum thematisiert wird. Diesen Begriff in seiner Bedeutung für die Philosophie zu entfalten, ist das Vorhaben des Autors. Er bezieht sich hierbei vor allem auf den spekulativen Idealismus Hegels. Dem Absoluten als „das Eine“, so der Ausgangspunkt, kann nicht ein „Anderes“ entgegengesetzt werden, das nicht in dem Absoluten selbst noch einmal vermittelt wäre. Dies führt zur Zurückweisung eines universal formulierten Relativismus. Dieser wird nämlich ohne die Voraussetzung des Absoluten widersprüchlich, da zu dem Begriff des Denkbaren ein diesen relativierender, undenkbarer Begriff gedacht werden müsste.

Der gedankliche Weg, den Krijnen hier geht, nimmt...