Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Stefan Hartmann: Mosaike eines Lebens. Autobiographisches Zeugnis eines Theologen

Eine Selbstbiographie, die es in sich hat. Hier beschreibt ein ehemaliger katholischer Priester sein bisheriges, gut siebzigjähriges Leben: Kindheit, Studium, Beruf und seine späte Heirat. Doch wer eine chronologische Darstellung erwartet, wird enttäuscht. Hartmanns Buch ist, wie der Titel andeutet, eine Komposition aus Fragmenten. Als Theologe, der den Diskurs um sein Priesteramt und seine Vaterschaft hautnah erlebte, setzt er sein Leben nicht neu zusammen. Vielmehr teilt er es offen, aber erzählerisch aus verschiedenen Perspektiven mit. Der geschichtstheologische Ansatz Hans Urs von Balthasars wird deutlich: Das „Ganze im Fragment“ wird in seinen Ab- und Aufbrüchen existenziell aufgegriffen.

Dabei nutzt er die Metapher des Mosaiks, das siebenfach präsentiert wird. „Mosaik 1“ beginnt auf...

Christian Heidrich: Warum ich ein Christ bin

Der Gymnasiallehrer, Theologe und Übersetzer Christian Heidrich, 1960 in Bierawa/Polen geboren, legt eine lebendige kleine Bekenntnisschrift vor, die alles andere ist als ein fundamentalistisches Manifest. Dem Leser flattert schon im Vorwort der Sperling einer Parabel entgegen: Der kleine Vogel fliegt in eine warme beleuchtete Festhalle hinein und kurze Zeit später mit ungewissem Ziel in die unbekannte Dunkelheit wieder hinaus. Diese Metapher der Fragilität und Kürze des menschlichen Lebens wurde König Edwin von Northumbria vor mehr als 1400 Jahren als Entscheidungshilfe während seines Zögerns bei der Konversion zum Christentum erzählt, um deutlich zu machen: Die galiläische Religion würde einem ‚etwas mehr an Gewissheit‘ Raum geben.

In drei Großkapiteln – „Die Gabe“, „Bürger wie...

Wilfried Härle: Ja, aber! Ein Streitgespräch zwischen Glauben und Zweifel

Wie kann der christliche Glaube in der Gegenwart intellektuell verantwortet werden? Wie sind seine zentralen Lehren von ihren biblischen Ursprüngen sowie auch von der lutherischen Tradition her zu verstehen? Diesen elementaren Fragen geht der emeritierte Theologe Wilfried Härle im vorliegenden, auch für Nichtfachleute verständlichen Buch nach.

Zunächst wird fundamentaltheologisch auf Kritikpunkte der Aufklärungsphilosophie am Glauben eingegangen – allerdings streng existenziell gewendet, wie es für protestantisch profilierte Überlegungen erwartbar ist. Anschließend kommt es zu einer eingehenden Beleuchtung systematisch-theologischer Aspekte. Härle lässt dazu zwei Personen auftreten, die er, anders als beispielsweise Platon oder Pascal, als innere Stimmen einführt. „A“ vertritt die...

Jean Zumstein: Das Vaterunser heute lesen

 

Ist nicht längst alles zum Vaterunser gesagt? Kann man von einem kleinen, auf den ersten Blick unscheinbaren Buch neue Einsichten erwarten? Ja!

Jean Zumstein, der emeritierte Neutestamentler und Experte des Matthäusevangeliums aus Zürich, schafft es. Er fesselt mit seiner wissenschaftlich fundierten und zugleich geistlich in die Tiefe gehenden Auslegung des zentralen Gebets des Christentums, den Verstand und das Herz für das Beten der Worte Jesu neu zu öffnen. Auf schlichte und verständliche Weise, klar strukturiert und leitend, nimmt er seine Leserschaft auf die Entdeckungsreise.

Seine Einleitung, die er mit „Eine neu zu entdeckende Botschaft“ überschreibt, ist kein leeres Versprechen. Zumstein skizziert den Aufbau und die Intention seines Buches. Sogleich führt er zu den wesentlichen...

Rainer Oberthür: Die Kinderbibel. Eine Entdeckungsreise

Wer geht nicht gerne auf eine Reise? Auf eine Entdeckungstour in acht Stationen und vier Zwischenhalts wird mitgenommen, wer sich mit Rainer Oberthür durch seine Kinderbibel auf den Weg macht. Der Wegweiser ist dabei die Frage: Gibt es Gott wirklich?

Der Schwerpunkt der Reise liegt bei dieser Bibelausgabe für Kinder im Alten Testament, oder besser gesagt im „Ersten“ Testament, um bei der Sprache des Autors zu bleiben. Vorgestellt werden Bibelstellen, in denen Menschen Gott in den verschiedensten Weisen begegnen: Mose, Hiob und Ruth sind ebenso vertreten wie Adam und Eva. Eingebettet in erklärende Begleittexte werden die Lesenden an die Bibelgeschichten herangeführt. Die farbliche Gestaltung des jeweiligen Abschnittes verdeutlicht, in welchem Text man gerade unterwegs ist. Die Erklärungen...

Heike Bold / Dortje Treiber: Schule inklusionsorientiert gestalten

 

Die beiden Autorinnen Heike Bold (Grundschullehrerin, Mitarbeiterin am Staatlichen Schulamt und dem Zentrum für Schulqualität und Lehrkräftebildung in Baden-Württemberg) und Dortje Treiber (Schulsozialarbeiterin und Inklusionspädagogin) bringen vielfältige, schulische Erfahrungen mit, die in dem vorliegenden Werk Anregungen für eine inklusionsorientiere Schulpraxis bieten.

In einem Grußwort werdenzentrale Intentionen des Werkes als„eine Zusammenstellung … und Grundlegungen für eine inklusive Pädagogik“ (8) benannt, die pädagogisch Tätige dabei unterstützen sollen, sich besser den Herausforderungen im inklusiven Unterricht stellen zu können. Jedes Kapitel schließt mit Antworten auf die Frage: „Was bedeutet dieses Thema für mich in meiner pädagogischen Arbeit?“ ab und fügt hierfür...

Klaus von Stosch: Trinitätstheologie. Grundlegung und interreligiöse Perspektivierung

Johann Baptist Metz spottete einmal über den trinitätstheologischen Entwurf seines Kollegen Jürgen Moltmann, dieser kenne das Innenleben Gottes besser als das seiner Frau. Auf ähnliche Weise konnte sich Karl Rahner über trinitätstheologische Konzepte echauffieren, die ihm zur göttlichen Eingeweideschau gerieten. Gelte es doch, Gott als Geheimnis zu denken.

Nun darf die Beschwörung der Geheimnishaftigkeit Gottes nicht dazu führen, das Denken abzustellen, und das wollte zweifellos keiner der beiden Theologen sagen. Umso mehr stellt sich die Frage, bis zu welchem Punkt das Denken sich durch den Glauben an den dreifaltigen Gott herausfordern lässt. Dieser Frage nachzugehen ist in besonderer Weise Klaus von Stosch qualifiziert. Als Vertreter einer komparativen Theologe weiß er nicht nur um die...

Johann Hinrich Claussen: Gottes Bilder. Eine Geschichte der christlichen Kunst

„Gottes Bilder“ ist keine bildtheologische Monografie, sondern richtet sich in erster Linie an Personen, die an einer Erschließung der ihnen mehr oder weniger vertrauten christlichen Bilderwelt interessiert sind. Mit den ausgewählten 72 Bildwerken setzt Johann Hinrich Claussen, seit 2006 Kulturbeauftragter der EKD, einen ganz eigenen Akzent.

Er inszeniert seine „Geschichte der christlichen Kunst“ als Gang durch zwölf „Säle“, die chronologisch angeordnet sind und sich unabhängig voneinander besuchen lassen. Das ist möglich, weil der Verfasser „keine universale These über den Sinn und den Zweck christlicher Bildwerke“ (16) entwickelt, wohl aber einige Leitgedanken verfolgt. So stellt er heraus, dass die meisten besprochenen Werke zur Zeit ihrer Entstehung nicht als „Kunst“ verstanden...