Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Dirk Sager: Das Amosbuch heute lesen

Die Reihe „bibel heute lesen“ des Theologischen Verlags Zürich bietet einem breiteren Adressatenkreis fundierte theologische Zugänge zu einem biblischen Buch mit besonderer Berücksichtigung von Zeugnissen der Auslegungs- und Rezeptionsgeschichte und der Zielperspektive einer heutigen Fruchtbarmachung der jeweiligen biblischen Botschaft. Für das Buch Amos hat Dirk Sager, Professor für Altes Testament an der Theologischen Hochschule Elstal, eine ebenso übersichtliche wie vielseitige Einführung in dieser Reihe vorgelegt.

Sukzessive erschließt er die Großabschnitte der Amosschrift im Sinne eines literarisch inszenierten Gerichtsprozesses (vgl. 35 und die Kapitelüberschriften: Am 1,3-2,16: Anklage; Am 3-6: Disputation; Am 7-9: Urteil). Eine solche dramatische Darbietung erinnere als eine Art...

Christian Danz: Einführung in die Theologie Martin Luthers

Einführungen sind beliebt, aber sie zu schreiben, birgt ein gewisses Risiko in sich. Sie stehen in der Gefahr, dem Leser das Gefühl zu geben, er wüsste nun schon alles Wesentliche, obwohl er allenfalls einen ersten Überblick erhalten hat. Aber der Leser könnte auch im Gegenteil den frustrierenden Eindruck bekommen, er müsse noch Dutzende weitere Bücher lesen, um überhaupt im Thema ‚drin‘ zu sein.

Bei dem Thema Luther beide Gefahren zu umschiffen, ist dem Autor Christian Danz gut gelungen. Wer seine Einführung liest, bekommt einen kundigen Über- und Einblick in die wesentlichen Entscheidungen der Theologie Luthers. Ebenso werden die Quellen und weitere Literatur zum Lutherstudium genannt und angehenden Lutherforschern wichtige Informationen zusammengestellt, die ihnen den Einstieg in ihre...

Klaus Scholtissek: Das Johannesevangelium

„Die Johannesforschung der letzten drei bis vier Jahrzehnte ist von weitreichenden Um- und Neuaufbrüchen geprägt.“ (8) Das neue Lehrbuch von Klaus Scholtissek scheint sich mit seinem ersten Satz in die zahlreichen Publikationen zur johanneischen Forschungsgeschichte einzureihen. In „Das Johannesevangelium. Ein Arbeitsbuch zu innovativen Forschungsperspektiven“ beschreitet der Jenaer apl. Professor für Neues Testament jedoch ungewohnte Wege, indem er unmittelbar mit der Darstellung und Diskussion innovativer hermeneutischer und methodischer Zugänge zum Johannesevangelium beginnt. Wer einen Forschungsüberblick über einflussreiche Modelle der Johannesentstehung erwartet, wird hier nicht fündig. Der Autor weist der klassischen johanneischen Literarkritik nur noch einen Platz in der...

Jean-Marc Aveline: Christsein als Heilsdialog

Mit dem Essay „Christsein als Heilsdialog. Gottes Mission für die Menschen“ gewährt der Autor, Kardinal Jean-Marc Aveline, Erzbischof von Marseille, einen Einblick in sein Glaubens-, Kirchen- und Amtsverständnis. Aveline ist Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz. Sein deutscher Amtskollege Bischof Georg Bätzing ist Verfasser des Geleitwortes, worin er Avelines Beitrag würdigt, eine dialogische Kirche des dritten Jahrtausends zu denken.

Herausgeber des Bandes ist der Freiburger Fundamentaltheologe Michael Quisinsky. Er bietet den Lesenden zu Beginn einen informativen „Crash-Kurs“ als Grundlage, indem er die Historie der Französischen Kirche im Hinblick auf ihre Missionsgeschichte sowie das theologische Denken Avelines einordnet, bevor dieser selbst zu Wort kommt.

Der Kardinal...

Martin Ebner: Mitreden, mitentscheiden, mitgestalten

Mit dem Büchlein „Mitreden, mitentscheiden, mitgestalten. Wie sich frühchristliche Gemeinden organisierten und was wir daraus lernen können“ führt der emeritierte Bonner Neutestamentler die argumentative Linie fort, die er in „Braucht die Katholische Kirche Priester? Eine Vergewisserung aus dem Neuen Testament“ (2022) begonnen hat: Hier geht es stärker um die Frage von Gemeindeorganisation und Gemeindeleitung, doch das zentrale Thema ist auch dieses Mal die Frage, ob es das Amt braucht und wie sich die Katholische Kirche durch Rekurs auf die Praxis früher Jesusnachfolger, die sich in neutestamentlichen Texten spiegelt, verändern und weiterentwickeln könnte.

In vier Kapiteln geht Ebner unterschiedliche Facetten frühchristlicher Sozialisations- und Organisationsformen ab: „Das Panorama...

Stefan Hartmann: Mosaike eines Lebens. Autobiographisches Zeugnis eines Theologen

Eine Selbstbiographie, die es in sich hat. Hier beschreibt ein ehemaliger katholischer Priester sein bisheriges, gut siebzigjähriges Leben: Kindheit, Studium, Beruf und seine späte Heirat. Doch wer eine chronologische Darstellung erwartet, wird enttäuscht. Hartmanns Buch ist, wie der Titel andeutet, eine Komposition aus Fragmenten. Als Theologe, der den Diskurs um sein Priesteramt und seine Vaterschaft hautnah erlebte, setzt er sein Leben nicht neu zusammen. Vielmehr teilt er es offen, aber erzählerisch aus verschiedenen Perspektiven mit. Der geschichtstheologische Ansatz Hans Urs von Balthasars wird deutlich: Das „Ganze im Fragment“ wird in seinen Ab- und Aufbrüchen existenziell aufgegriffen.

Dabei nutzt er die Metapher des Mosaiks, das siebenfach präsentiert wird. „Mosaik 1“ beginnt auf...

Christian Heidrich: Warum ich ein Christ bin

Der Gymnasiallehrer, Theologe und Übersetzer Christian Heidrich, 1960 in Bierawa/Polen geboren, legt eine lebendige kleine Bekenntnisschrift vor, die alles andere ist als ein fundamentalistisches Manifest. Dem Leser flattert schon im Vorwort der Sperling einer Parabel entgegen: Der kleine Vogel fliegt in eine warme beleuchtete Festhalle hinein und kurze Zeit später mit ungewissem Ziel in die unbekannte Dunkelheit wieder hinaus. Diese Metapher der Fragilität und Kürze des menschlichen Lebens wurde König Edwin von Northumbria vor mehr als 1400 Jahren als Entscheidungshilfe während seines Zögerns bei der Konversion zum Christentum erzählt, um deutlich zu machen: Die galiläische Religion würde einem ‚etwas mehr an Gewissheit‘ Raum geben.

In drei Großkapiteln – „Die Gabe“, „Bürger wie...

Wilfried Härle: Ja, aber! Ein Streitgespräch zwischen Glauben und Zweifel

Wie kann der christliche Glaube in der Gegenwart intellektuell verantwortet werden? Wie sind seine zentralen Lehren von ihren biblischen Ursprüngen sowie auch von der lutherischen Tradition her zu verstehen? Diesen elementaren Fragen geht der emeritierte Theologe Wilfried Härle im vorliegenden, auch für Nichtfachleute verständlichen Buch nach.

Zunächst wird fundamentaltheologisch auf Kritikpunkte der Aufklärungsphilosophie am Glauben eingegangen – allerdings streng existenziell gewendet, wie es für protestantisch profilierte Überlegungen erwartbar ist. Anschließend kommt es zu einer eingehenden Beleuchtung systematisch-theologischer Aspekte. Härle lässt dazu zwei Personen auftreten, die er, anders als beispielsweise Platon oder Pascal, als innere Stimmen einführt. „A“ vertritt die...