Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Maya C. Klinger: Wie ein Foto unser Leben rettete. Die wahre Geschichte der Familie Mandil

Maya Klinger erzählt in ruhiger und sensibler Weise, ohne in unangemessene Sentimentalität zu verfallen, aus der Ich-Perspektive des fünfjährigen Gavra Mandil die Geschichte seiner Familie zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Es handelt sich um die Darstellung der realen Erlebnisse der Familie Mandil, die nach dem Einmarsch der Deutschen in Jugoslawien zur Flucht aufgrund drohender Deportation gezwungen ist. Dabei gelingt es Maya Klinger in kindgerechter, Empathie schaffender Sprache, die Ängste und Sorgen Gavras spürbar werden zu lassen, der nicht versteht, warum Judesein lebensgefährlich geworden ist und er mit seiner Familie die Heimat verlassen muss. Die Schrecken des Krieges werden nicht detailreich geschildert, jedoch ist eindeutig nachzuvollziehen, dass die Angst vor den deutschen...

Jüdisch-christlicher Dialog. Ein Studienhandbuch für Lehre und Praxis

Publikationen zum christlich-jüdischen Dialog sind in den vergangenen Jahren zahlreich erschienen; einige wurden auch im Eulenfisch besprochen. Das von Christian M. Rutishauser, Barbara Schmitz und Jan Woppowa herausgegebene Studienhandbuch „Jüdisch-christlicher Dialog. Ein Studienhandbuch für Lehre und Praxis“ reiht sich in dieses Genre ein. Es will den gegenwärtigen Stand des Gesprächs zwischen Judentum und Christentum systematisch darstellen und Impulse für Lehre und Praxis geben. Die Vielzahl profilierter Autorinnen und Autoren zeigt den wissenschaftlichen Anspruch des Bandes und ermöglicht fachkundige Orientierung. Dem Charakter eines Studienhandbuchs entsprechend erfolgt diese Rezension aus zwei Perspektiven: aus der eines lehrenden Theologen mit pastoraler Erfahrung im...

Mouhanad Khorchide: Ohne Judentum kein Islam. Die verleugnete Quelle

Seit einigen Jahren ist in Deutschland die Diskussion um den so genannten „importierten Antisemitismus“ entbrannt, der in bestimmten politischen Kreisen auch gerne mit „dem Islam“ ursächlich in Verbindung gebracht wird. In diesem Kontext nimmt Mouhanad Khorchide das schwierige Thema „Judentum und Islam“ in seiner historischen wie aktuellen Spannbreite auf. Dabei bemüht sich das Buch durchgängig um eine für Nicht-Fachleute verständliche Sprache, so dass sich sowohl das für die Lektüre notwendige fachliche Vorwissen als auch der kritische Apparat der Anmerkungen in Grenzen halten.

Aus Sicht eines islamischen Theologen beschreibt Khorchide die historischen Beziehungen zum Judentum an Beispielen theologischer Nähe und geübter Toleranz bis hin zu Beispielen religiöser Ablehnung und...

Über Jesus Christus sprechen im Religionsunterricht heute Theologische Grundlagen – Ökumenische Orientierungen – Didaktische Perspektiven

 

„Wer ist Jesus Christus?“ oder „In welchem Verhältnis steht er zu Gott?“ Diese und weitere Fragen nach Jesus (als) Christus und Sohn Gottes sind so alt wie das Christentum selbst und bilden seit jeher den Ausgangspunkt christlicher Reflexions- und Profilierungsbemühungen. Die frühen Christen hatten um diese Fragen nach der Identität des jüdischen Wanderpredigers lange gerungen und teils hitzig gestritten, bis die ersten Ökumenischen Konzilien – allen voran das Konzil von Nizää – durch ihre Lehrentscheidungen erstmals eine ebenso verbindliche wie bis heute überkonfessionell verbindende Klarheit geschaffen haben.

Wenn aber (bzw. falls) Schülerinnen und Schüler heute im Religionsunterricht (RU) nach Jesus Christus fragen, sind ihre Anfragen weniger dogmatischer als vielmehr individueller...

Gute Nachricht. Geschichten von Jesus für Kinder fair erzählt

Jesus war Jude. Darüber besteht Einigkeit. Doch was bedeutet das für Christinnen und Christen? Für das christliche Selbstverständnis – und vor allem für das Verständnis der Geschichten, die über Jesus erzählt werden?

Wer in Schule und Gemeinde mit Kindern und Jugendlichen neutestamentliche Texte liest und bespricht, steht rasch vor der Herausforderung, diese angemessen zu kontextualisieren. Das gilt insbesondere deshalb, weil sich – bis in die jüngste Vergangenheit – in Büchern und Predigten hartnäckig bestimmte Dichotomien halten: Dem vermeintlich zornigen Gott des sogenannten Alten Testaments wird der liebende Gott des Neuen Testaments gegenübergestellt. „Alt“ und „Neu“ fungieren dabei als Kategorien, die eine Ablösung suggerieren. Hinzu kommen Darstellungen des Judentums, die häufig...

Thomas Jürgasch / Ahmand Milad Karimi: Jesus – Gottes Sohn? Ein interreligiöses Gespräch zum Konzil von Nizäa

Wer ist Jesus von Nazareth? Ist er wirklich Gottes Sohn? Oder ist er nur ein besonders begnadeter Mensch? Ein Prophet, eine charismatische Persönlichkeit, ein geisterfüllter Wanderprediger, der die Menschen inspirieren und in einem Maße faszinieren und für sich gewinnen konnte, dass er den Mächtigen gefährlich wurde und beseitigt werden musste?

Das Konzil von Nizäa hat im Jahre 325, also vor genau 1700 Jahren, definitiv Antwort gegeben: „Wir glauben […] an den einen Herrn, Jesus Christus, Sohn Gottes, als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt, d.h. aus dem Wesen des Vaters, Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, wesensgleich dem Vater.“ (DH 125)

Thomas Jürgasch (geb. 1978), seit dem Sommersemester 2020 Juniorprofessor für Alte...

Thomas Brose / Philipp W. Hildmann: Glaubensmacht und Politik Geschichte – Konflikte – Konturen

Am 18. Juni 2021 ist Hans Maier 90 Jahre alt geworden. Die Katholische Akademie Berlin hat darum seinerzeit zu einer Veranstaltung eingeladen, mit der sie das Lebenswerk des langjährigen bayrischen Kultusministers, des genauso langjährigen Vorsitzenden des Zentralkomitees der Katholiken und Inhabers des Münchener Guardini-Lehrstuhls würdigt. Die Vorträge dieser Veranstaltung sind mit weiteren Beiträgen im vorliegenden Sammelband dokumentiert.

Ich gestatte mir an dieser Stelle eine persönliche Bemerkung, die eigentlich den Rahmen einer Rezension sprengt. Zum ersten Mal habe ich den Namen Hans Maier im Religionsunterricht meiner Schulzeit an einem Essener Gymnasium gehört, und das muss um das Jahr 1970 herum gewesen sein. Unsere Klasse war im Gefolge der 68er-Bewegung stark politisiert, und...

Papst Leo XIV: Frieden! Erste wegweisende Botschaften des neuen Papstes

Die bislang während Leos Pontifikat erschienene apostolische Ermahnung (Exhortatio)Über die Liebe zu den Armen“ ist eher das Vermächtnis des verstorbenen Papstes als ein eigenes Werk, das unter dem Titel „Großartige Menschheit (Magnifica Humanitas)“ angekündigte erste eigenständige Lehrschreiben lässt noch auf sich warten. In diese Lücke stößt das zu rezensierende Buch, das eine Auswahl von 28 Ansprachen Leos zusammenfasst, angefangen mit seiner Antrittspredigt unmittelbar nach der Papstwahl am 8. Mai 2025 bis zur Predigt vor neuernannten Metropolitanbischöfen am Fest Peter und Paul.

Wer das Buch durchliest, geht einen Weg mit, auf dem der frischgekürte Papst viele Dinge zum ersten Mal macht: Er nimmt seine neue Rolle im Kreis der Kardinäle ein, begegnet erstmals den Medienvertretern,...