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Arne Moritz / Bianca Schreiber: Philosophieren mit Kindern mit Biografien, Band 2
Florence Nightingale, Mahatma Gandhi, Martin Luther King: Außergewöhnliche Persönlichkeiten, die sich durch Mut und Eigenständigkeit auszeichnen, finden sich seit Jahrzehnten im Lehrmaterial für den Religionsunterricht. Arne Moritz und Bianca Schreiber setzen diese Tradition mit neuer Akzentsetzung fort. Im Ethikunterricht an Grundschulen kann es für sie nicht um eine Einführung in eine abstrakte Prinzipienethik gehen, vielmehr komme es auf eine „Auswahl von Personen an, die konkrete Vorbilder oder auch Gegenbilder für moralisches Handeln sind“. Zehn Personen haben die Verfasser ausgewählt, überwiegend bekannte: die Heilige Lucia, Philosophen wie Ludwig Wittgenstein oder Hannah Arendt oder die 2025 im Alter von 103 Jahren bemerkenswerte und bewunderungswürdige Margot Friedländer, auf deren Autobiografie „Versuche dein Leben zu machen“ bedauerlicherweise nicht hingewiesen wird. Es kommt ihnen dabei nicht auf die Darstellung einer vollständigen Biografie an, sie beschränken sich auf einzelne Ereignisse, müssen daher zwangsläufig auf Ambivalenzen in der Biografie einer Person verzichten, das mag im ungünstigsten Fall auch zu einer einseitigen Betrachtung führen.
Ausführlich fallen – und damit folgen die Verfasser der Struktur ihres ersten Bandes („Philosophieren mit Kindern mit Dingen“) – die Ausführungen zum Philosophieren mit Kindern, zur Strukturierung philosophischer Gespräche aus, erweitert durch eine Zusammenstellung möglicher Gesprächsimpulse und der Erläuterung fachspezifischer Kompetenzen und eine Liste weiterführender Literatur.
Jedes für die Hand der Schülerinnen und Schüler entworfene Arbeitsblatt wird durch einen didaktischen Kommentar ergänzt. Dabei fällt die Uneinheitlichkeit der „untergeordneten Fragen“ auf. Manchmal scheinen sie sich eindeutig an die Schülerinnen und Schüler zu richten, mal stellen sie eher einen Impulsvorschlag für die Lehrerin oder den Lehrer dar. Ein Einsatz der Arbeitsblätter kann nur äußerst bedingt empfohlen werden. Selbstverständlich ist die Anregung einer nicht-diskursiven Darstellung von Vorstellungen und Gefühlen der Kinder didaktisch sinnvoll. Dass dabei mal aufgefordert wird, etwas zu malen, z. B. dass Lucia den versteckten Christen Essen und Trinken bringt, mal etwas zu zeichnen (1. und 2. Schuljahr: Zeichne technische Erfindungen), ohne dabei den Einsatz verschiedener Techniken zu begründen, ist jedoch methodisch bedenklich. Stärker noch muss der Einwand gewichtet werden, dass die Kinder in ihrer Gestaltung in zum Teil äußerst kleine Kästchen gezwängt werden. Dies zeigt sich besonders an dem Arbeitsauftrag zu einem Tagebucheintrag Ludwig Wittgensteins („Man ist nur glücklich, wenn man in der Gegenwart lebt und nicht in der Zeit.“): „Malt oder schreibt ein Beispiel auf die leere Tagebuchseite.“ Abgesehen davon, dass die Verfasser sich hier an Kinder des 1. und 2. Schuljahres richten, in denen Lese- und Schreibtechniken erst erlernt werden, so darf bezweifelt werden, ob das Anforderungsniveau hier altersgerecht passend gewählt ist.
Bei einer Beschäftigung mit Edvard Munchs Gemälde – hier liegt es in sehr kleiner Schwarz-Weiß-Reproduktion vor – rückt die Kenntnis des biografischen Hintergrundes in den Hintergrund. Die Verfasser nehmen bereits in ihrem Begleittext unnötigerweise eine mögliche Deutung des Bildmotivs vorweg („Es sieht aus, als würde man durch einen Tränenschleier schauen.“). Was letztlich erwartet wird, wenn die Kinder ein eigenes Gefühl malen sollen, ob figürlich, abstrakt, unter Einsatz von Farben, bleibt unklar. Da hilft auch der Hinweis auf die Frage, „was habe ich öffentlich (sic!) gezeichnet“, nicht weiter.
Die Medienvorschläge der Verfasser lassen die Berücksichtigung des Kleinen ABC der Didaktik außer Acht: Unterricht muss auf einer fundierten Lerngruppenanalyse unter Berücksichtigung von Fähigkeiten und Fertigkeiten im kognitiven wie im mechanischen Bereich fußen! Lehrkräfte des Faches Ethik an Grundschulen können sich in diesem Band Anregungen zur Unterrichtsgestaltung holen. Für die konkrete Unterrichtsplanung empfiehlt es sich jedoch, sich von den vorgegebenen Beispielen und Arbeitsblättern zu lösen und der eigenen Unterrichtskompetenz zu vertrauen.
Medien für den Ethikunterricht an Grundschulen Band 2
München: Claudius Verlag. 2025
34 Seiten m. s-w Abb.
12,00 €
ISBN 978-532-3-71401-0
