Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Barbara Schreiter: Himmel auf zwei Beinen

Muss sich nicht glücklich schätzen, an den diese Zeilen gerichtet sind: „Deine Liebe wirft ein ‚mehr‘ in mich hinein […] Du bist mir ein Himmel auf 2 Beinen.“ (16) Verfasst hat sie Barbara Schreiter, gerichtet sind sie an ihren Mann, den Maler und Grafiker Johannes Schreiter, der zu den bedeutendsten Schöpfern von Glasfenstern nach dem Zweiten Weltkrieg zählt. Der schmale Band enthält 28 Texte: Gedichte über Liebe, Lebenswege, Weihnachten, Jahreszeiten und eine spirituelle Geschichte. Meist gebrauchtes Substantiv ist das Wort Herz, das durch die Liebe(sworte) eines anderen Menschen oder die plötzlich vernommene Stimme Gottes berührt und verwandelt wird. Durch die Liebe, so der Cantus firmus der Texte, haben wir teil an der göttlichen Liebe.

Eigen ist den Texten ein persönlicher, fast intimer Ton. Beklagt wird der Suizid eines Neffen: „Du starbst an der Lüge, nicht gewollt und nicht geliebt zu sein.“ (32) Gefeiert werden beglückende Augenblicke, wie die „Leichtigkeit“, die sich in einen Tag einschleicht, oder der Sommer, der „mit einem verschmitzten Lächeln“ den Tag überflutet.

Seinen ganz besonderen Charakter erhält das Buch freilich durch die Zeichnungen, mit denen der Bildkünstler Johannes Schreiter auf die Gedichte seiner Frau Barbara antwortet. Wunderbar gelungen ist beispielsweise die Doppelseite, auf der links unten ein kurzes Herbstgedicht – „Ein braunes Blatt / Ein braunes Blatt torkelt - / noch sommertrunken - / zu Boden.“ – abgedruckt ist, das auf der rechten Seite mit einer Zeichnung korrespondiert, die mit einer bewegten, mehrfach unterbrochenen Linie das Torkeln des Blattes anschaulich macht (54 f). In Schreiters Zeichnungen finden sich immer wieder energiegeladene Linien, die schraffierte Flächen durchdringen und auflockern. Zu entdecken sind längliche u-förmige Gebilde, die an sehnsuchtsvolles Sich-Ausstrecken, an Empfangen oder an Anbetung denken lassen. Dass die 15 Bleistiftzeichnungen des Bandes den Titel S.D.G. (für Soli Deo Gloria) tragen, passt zum Duktus des gemeinsamen Buches. So unterschiedlich die Medien Wort und Bild auch sein mögen, das Ehepaar Schreiter führt sie unter dem gemeinsamen Nenner der Poesie zusammen.

 

Lindenberg im Allgäu: Josef Fink Kunstverlag. 2015

70 Seiten mit 15 Zeichnungen

14,80 € (Vorzugsausgabe mit handsigniertem Druck 39,80 €)

ISBN 978-3-89870-949-1

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