Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Birgit Kelle: Ich kauf mir ein Kind

In der Debatte, ob in Deutschland das Verbot der Leihmutterschaft aufgeweicht oder ganz aufgehoben werden sollte, vertritt die Publizistin Birgit Kelle in ihrem Buch eine klar ablehnende Position. Dies verdeutlicht schon der Titel ihres Buches „Ich kauf mir ein Kind. Das unwürdige Geschäft mit der Leihmutterschaft“ sowie das Bild des Covers: ein an einem Babyfuß hängendes Preisschild. Das mit Leidenschaft, ja mit heiligem Zorn geschriebene Werk geht das Thema Leih- bzw. Mietmutterschaft nicht streng systematisch, dafür mit zahlreichen pointierten Formulierungen an, die den Leser emotional packen, aber keineswegs manipulieren.

Die Autorin argumentiert nicht theologisch, ihr Wertefundament lässt sich jedoch nahtlos mit einer katholischen Ethik in Einklang bringen. Inmitten einer in ihren sittlichen Grundfesten erodierenden Gesellschaft versteht sie sich als Anwältin der in ihrer Identität und Menschenwürde betroffenen Kinder, ihrer eventuell vorhandenen Geschwister, insbesondere aber der auf ihre Gebärfunktion reduzierten und instrumentalisierten Leihmütter (im Ausland), die, oft genug arm, ungebildet und weitgehend rechtlos, dem Wirken von Bestellern, Juristen, Ärzten und Vermittlungsagenturen ausgeliefert sind: „Wir konditionieren gerade weltweit Mütter, ihren natürlichen Mutterinstinkt zu ignorieren und sich gegen ihr Kind zu entscheiden, es im Stich zu lassen. […] Mietmutterschaft mag ein paar Erwachsene glücklich machen, der gesamtgesellschaftliche Schaden ist auf einer weit höheren Ebene kaum bezifferbar, die Quittung werden wir mit traumatisierten, entwurzelten, verunsicherten, beziehungsgestörten Kindern bekommen. Und ich rede nicht nur von den verkauften Kindern selbst, sondern auch von jenen, die das oft kommentarlos beobachtet haben in der eigenen Familie, im Bekanntenkreis und in den Medien, wie ihre Geschwister oder andere Kinder von ihren Müttern hergegeben wurden. Die Behauptung, dass es den Mietmüttern nichts ausmache, ein Kind neun Monate unter ihrem Herzen zu tragen, um es dann, ohne mit der Wimper zu zucken, einfach wegzugeben, ist möglicherweise die übelste Form von Frauenverachtung. Unterstellt es doch Müttern, sie seien herzlose, gefühllose Wesen ohne innere Bindung zu sich, zu ihrem Körper und vor allem nicht zu dem Leben, das in ihrem Körper wächst.“

Die euphemistisch als „altruistisch“ bezeichnete Variante der Leihmutterschaft entlarvt die Feministin als „Gender-Pay-Gap von apokalyptischem Ausmaß“: „Dann nämlich darf die anständige Frau für ihre Reproduktionsarbeit also gar kein Honorar wollen, sie soll entsprechend frei nach Marx ihrer eigenen Ausbeutung als Arbeiterin zustimmen, um ihr Handeln nicht moralisch selbst zu diskreditieren. Es ist möglicherweise die perfideste Variante der Ausbeutung, wenn der Besteller moralisch aufgewertet wird, wenn er nicht zahlt, und die Arbeiterin verurteilt wird, wenn sie Lohn fordert, während abseits davon selbstverständlich die Agentur, das Labor, die Klinik und der Reproduktionsarzt weiterhin ihren Lohn erhalten […].“

Birgit Kelle hat ein informatives, mit über 200 Fußnoten versehenes, gut recherchiertes Buch aus feministischer und antikolonialistischer Perspektive geschrieben. Der Rezensent hat es gewinnbringend für eine Religionslehrerfortbildung „Ethik“ verwenden können.

Das unwürdige Geschäft mit der Leihmutterschaft
München: FinanzBuch Verlag. 2024
251 Seiten
18,00
ISBN 978-3-95972-770-9

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