Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Burkard Porzelt: Glauben korrelativ kommunizieren

Korrelation (oft als „Wechselbeziehung“ zwischen Glaubensüberlieferung und Lebenswelt übersetzt) ist vermutlich einer der schillerndsten Begriffe in der Religionspädagogik. So groß das Einvernehmen darüber, dass Korrelation eine zentrale Kategorie für den modernen Religionsunterricht darstellt, so groß ist die Unsicherheit, was genau eigentlich mit dem Begriff bezeichnet wird – und was nicht. Ist es Korrelation, wenn am Anfang einer Unterrichtsstunde ein kurzes (mehr oder weniger konstruiertes) Alltagsbeispiel als „Aufhänger“ benutzt wird, um dann in die Erarbeitung einer kirchlichen Lehre einzusteigen? Oder wenn eine Bibelgeschichte ausführlich präsentiert wurde und dann am Ende noch schnell die Frage nachgeschoben wird: Gibt es so etwas auch heute?

Burkard Porzelt würde wohl in beiden Fällen klar mit Nein antworten. Er ist Professor für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an der Fakultät für Katholische Theologie der Universität Regensburg. Mit dem vorliegenden Band hat er es sich zum Ziel gesetzt, Korrelation als theologisches, hermeneutisches und didaktisches Prinzip verständlich zu machen.

Das gelingt ihm zunächst durch einen ebenso anschaulichen wie kurzweiligen Gang durch die Geschichte des Religionsunterrichts in der Bundesrepublik Deutschland, beginnend in der Nachkriegszeit mit dem sogenannten „Grünen Katechismus“, über die Umbrüche Ende der 60er Jahre, die schließlich in den Synodenbeschluss von 1974 münden, und die Weiterentwicklungen der Folgezeit – bis hin zu den Anfragen im aktuellen fachwissenschaftlichen Diskurs. Diese Zeitreise ist deshalb so interessant, weil Porzelt sie mit konkreten Beispielen, wie etwa Schulbuchseiten aus den jeweiligen Epochen, illustriert. Dadurch werden die Entwicklungen sehr gut nachvollziehbar.

Im letzten Teil des Buches stellt Porzelt dann systematisch sein Verständnis von Korrelation dar und beschreibt die bleibende Relevanz für religiöse Bildungsprozesse. Es geht für ihn um eine kritische und zugleich produktive Konfrontation von Glaubens- und Lebenserfahrungen. Sie setzt voraus, dass beide Erfahrungswelten als eigenständige Größen ernst genommen und mittels authentischer Zeugnisse (Texte, Bilder, Statements, Musik etc.) gleichberechtigt miteinander ins Gespräch gebracht werden. Dann kann der Glaube zum Schlüssel werden, das Leben besser zu verstehen, und umgekehrt kann die Lebenserfahrung ein Schlüssel zum Verständnis der Glaubensüberlieferungen werden. Nach Porzelt ist dies immer dann möglich, wenn menschliche Grunderfahrungen angesprochen sind – sowohl in den Zeugnissen der christlichen Tradition als auch in den lebensweltlichen Zeugnissen von heute.

Korrelation kann nach Porzelt nicht hergestellt bzw. „gemacht“ werden. Sie entsteht im Prozess der Auseinandersetzung – sie kann scheitern oder schlicht ausbleiben. Es gilt deshalb aus didaktischer Perspektive, möglichst korrelationsförderliche Bedingungen zu schaffen. So kann Religionsunterricht in weltanschaulich zunehmend heterogenen Lerngruppen zu einem interessanten und vielstimmigen Erfahrungsdialog werden, der das Verständnis für religiöse Überlieferungen fördert und damit religiöse Lernprozesse ermöglicht. Auch andere Felder der Religionspädagogik, wie die Katechese oder die Predigt, könnten von einem solchen korrelativen Ansatz der Glaubenskommunikation profitieren.

Der vorliegende Band ist bestens geeignet, um in Studium, Ausbildung oder Beruf das eigene religionspädagogische Handeln zu reflektieren, professionelle Orientierung zu gewinnen und zu einem vertieften Verständnis zu gelangen.

Annäherungen an das religionspädagogische Korrelationsprinzip
utb 6128
Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. 2023
173 Seiten m. s-w Abb.
19,90 €
ISBN 978-3-8252-6128-3

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