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Christian Danz: Einführung in die Theologie Martin Luthers
Einführungen sind beliebt, aber sie zu schreiben, birgt ein gewisses Risiko in sich. Sie stehen in der Gefahr, dem Leser das Gefühl zu geben, er wüsste nun schon alles Wesentliche, obwohl er allenfalls einen ersten Überblick erhalten hat. Aber der Leser könnte auch im Gegenteil den frustrierenden Eindruck bekommen, er müsse noch Dutzende weitere Bücher lesen, um überhaupt im Thema ‚drin‘ zu sein.
Bei dem Thema Luther beide Gefahren zu umschiffen, ist dem Autor Christian Danz gut gelungen. Wer seine Einführung liest, bekommt einen kundigen Über- und Einblick in die wesentlichen Entscheidungen der Theologie Luthers. Ebenso werden die Quellen und weitere Literatur zum Lutherstudium genannt und angehenden Lutherforschern wichtige Informationen zusammengestellt, die ihnen den Einstieg in ihre Arbeit erleichtern.
Besonders in dem Kapitel „Der junge Luther und die Herausbildung der reformatorischen Entdeckung“ werden die jeweiligen Erkenntnisse Luthers in biographisch-kirchengeschichtliche Zusammenhänge eingebettet. Hier zeigt sich eine Schwierigkeit, die sich zwangsläufig einstellt, wenn man systematische und kirchengeschichtliche Aspekte zusammenzubinden versucht. Soll man die Theologie Luthers eher in ihrer systematischen Einheit herausarbeiten oder ihre Einsichten stärker historisieren? Danz schreibt in seinem Vorwort dazu, dass er auf eine systematische Zusammenschau der einzelnen Elemente von Luthers Theologie verzichtet habe, auch wenn Luthers frühe theologische Erkenntnisse kontinuierlich sein weiteres Leben und Werk durchziehen.
Angesichts der großen Kenntnis des Autors und seines im Buch an vielen Stellen sich durchsetzenden systematischen Blicks kann man es bedauern, dass er auf eine konsequentere Systematisierung verzichtet hat. Danz nennt als wesentliche Werke einer systematischen Zusammenschau von Luthers Denken neben dem auch historisch ausgerichteten Werk von Bernhard Lohse zu Luthers Theologie von 1995 nur Hans-Martin Barths „Theologie Martin Luthers. Eine kritische Würdigung“ von 2009 und den alten Klassiker „Die Theologie Martin Luthers“ von Paul Althaus (2. Auflage 1963). Hier wären neuere, gut lesbare Systematiken der Theologie Luthers willkommen. Wenn man bedenkt, welch große Wirkung das systematisch orientierte Büchlein „Luther. Einführung in sein Denken“ (1. Auflage 1964) von Gerhard Ebeling für viele Studierenden damals hatte, scheint die mit Blick auf die Gegenwart versuchte Systematisierung der Theologie Luthers ein sehr nützliches und sinnvolles Publikationsvorhaben zu sein. Dietrich Korsch hat in seinem in zweiter Auflage 2007 erschienenen kleinen Buch „Martin Luther. Eine Einführung“ in ähnlicher Weise eine empfehlenswerte Orientierung vorgelegt. Doch über Einführungen hinausgehende systematische Gesamtdarstellungen der Theologie Luthers bleiben ein Desiderat.
Während es vor Jahrzehnten eher darum ging, sich im ‚Irrgarten‘ der Zwei-Reiche-Lehre Luthers zurechtzufinden oder sich über das kontroverse Lutherbild im ökumenischen Dialog zu verständigen, ist es heute vielmehr notwendig, die Relevanz von Luthers Theologie für Menschen des 21. Jahrhunderts aufzuzeigen. Es stimmt nachdenklich und ist wohl typisch, dass – wie Danz zu Recht schreibt – die neue Forschung zu Luther sein Werk stärker in seinen geistes-, mentalitäts- und sozialgeschichtlichen Horizont rückt. Manchmal fragt man sich, ob der Rückgang der Kirche auch mit einer stärkeren Historisierung ihrer Theologie einhergeht.
Dennoch findet die für – nicht nur! – evangelische Christen wichtige Frage, ob oder in welcher Weise ihnen Luther heute Orientierung in ihrem Nachdenken über ihren Glauben geben kann, auch in dem vorliegenden Werk gute Hinweise und Einsichten. Wer eine durchaus komprimierte, gut verständliche Einführung in Luthers Theologie sucht, wird hier fündig werden.
2. durchgesehene Auflage
utb
Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag. 2025
243 Seiten
22,90 €
ISBN 978-3-8252-6407-9
