Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Christian Krijnen: Das Absolute. Ein Essay über die Einheit

Das Absolute, so Christian Krijnen in seinem Essay, ist ein fundamentaler Begriff der Philosophie, auch wenn er in der Gegenwartsphilosophie kaum thematisiert wird. Diesen Begriff in seiner Bedeutung für die Philosophie zu entfalten, ist das Vorhaben des Autors. Er bezieht sich hierbei vor allem auf den spekulativen Idealismus Hegels. Dem Absoluten als „das Eine“, so der Ausgangspunkt, kann nicht ein „Anderes“ entgegengesetzt werden, das nicht in dem Absoluten selbst noch einmal vermittelt wäre. Dies führt zur Zurückweisung eines universal formulierten Relativismus. Dieser wird nämlich ohne die Voraussetzung des Absoluten widersprüchlich, da zu dem Begriff des Denkbaren ein diesen relativierender, undenkbarer Begriff gedacht werden müsste.

Der gedankliche Weg, den Krijnen hier geht, nimmt seinen Ausgangspunkt bei dem, was Philosophie ist: dem Nachdenken über das Denken. Damit wird gegenüber dem Denken immer ein Anderes (Negation) gesetzt, von dem aus Denken zum Gegenstand wird. Die Vermittlung des Denkens und des Darübernachdenkens führt zu einer neuen Stufe, die selbst wieder Gegenstand des Nachdenkens wird. So ist zunächst der Begriff von „Sein“ genauso leer wie der von „Nichts“, die Vermittlung führt über den Begriff des Werdens zur Relationalität des Absoluten als „Wesen“. Im weiteren Verlauf gelingt es Krijnen, in der Reflexion auf das zuvor Gedachte, Begriffe wie etwa Wirklichkeit und Freiheit einzuordnen. Die Selbstbezüglichkeit des Denkens ist dann auch als Selbstbestimmung zu denken, was zu dem Absoluten als „Begriff“ führt. Das Objekt, in dem sich der Begriff realisiert, ist, als im Denken Verankertes, immer auch Ergebnis der Selbstbestimmung des Denkens. Objektivität setzt deshalb Subjektivität voraus. Die Einheit von Subjektivität und Objektivität, von Begriff und Realität ist die „Idee“. Das Denken der Realität als nicht nur vom Denken hervorgebracht ist die „Natur“, die Reflexion darauf, also der denkende Bezug auf die Natur, wird im hegelschen Sinne als „Geist“ bezeichnet. Der Begriff des Absoluten enthält auf jeder gedanklichen Stufe die Einheit des Absoluten mit dem von ihm Hervorgebrachten, als das Andere seiner selbst. So sind Natur und Geist auch Idee. Die Selbsterkenntnis des Geistes erfolgt in drei Stufen: der anschauenden, vorstellenden und begrifflichen Weise. Diese Stufen werden vollzogen in Kunst, Religion und Philosophie.

Die von Krijnen im Vorwort geäußerte Ansicht, man könne den Gedankengang auch ohne genauere Kenntnisse der Hegel‘schen Philosophie verstehen, kann man vorsichtig bestätigen, muss aber festhalten, dass dies sehr mühsam ist. Nicht jeder Gedanke erschließt sich beim ersten Lesen. Die Mühe, so meine ich, lohnt sich jedoch. Die gedanklichen Schritte werden von Krijnen äußerst konsequent ein- und durchgeführt. Sie können sich allerdings nur dann erschließen, wenn man sich immer bewusst macht, dass über nichts gesprochen wird, das nicht innerhalb eines Denkens verortet wäre, das sich auf sich selbst bezieht.

Mir erscheint dieses Buch vor allem deshalb als ein wichtiger philosophischer Beitrag in unserer Zeit, weil es das Denken als „Prinzip von Objektivität“ in den Mittelpunkt stellt. Krijnen zeigt damit das „Wissen“ als etwas auf, was das Subjekt (auch als wollendes Subjekt) über etwas als „Sache“ Gedachtes denkt. Gegenstand unseres Denkens ist also keine von der Freiheit des Denkenden unabhängige Sache.

Was die Einordnung von Religion angeht, so ist gegenüber Krijnen kritisch anzumerken, dass sie nur dann zutreffen würde, wenn die Religion in sich keine Instanz der kritischen Selbstreflexion hätte, ihr eine auf das Grundsätzliche gerichtete Theologie äußerlich wäre. Als solche ist die Theologie allerdings der Religion immanent, auch wenn das dem Bewusstsein mancher religiöser Menschen entschwunden zu sein scheint.

Hamburg: Meiner Verlag. 2023
113 Seiten
19,99 €
ISBN 978-3-7873-4421-5

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