Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Christoph Heil / Rudolf Hoppe (Hg.): Menschenbilder – Gottesbilder

Die Gleichnisse Jesu verstehen

Bei drei Jahrestagungen des Collegium Biblicum München erarbeiteten katholische Exegeten den vorliegenden Sammelband zu einer Reihe von Gleichnissen. Schon im Jahr 2007 gab Ruben Zimmermann, Professor für Exegese des Neuen Testaments und Ethik an der Evangelischen Fakultät der Universität Mainz, ein umfangreiches „Kompendium“ zu allen in den vier kanonischen Evangelien und im Thomasevangelium zu findenden Parabeln bzw. Gleichnissen heraus. Derzeit ist das Auslegen der Gleichnisse als narrative Lehrreden im Geiste Jesu bei den deutschsprachigen Neutestamentler/innen „in“.

Nach einem kurzen Vorwort der beiden Herausgeber folgt zunächst eine „Hinführung“ zur Thematik „Gleichnisse und Gleichnisauslegung“ von Stephan Witetschek und zu den „synoptischen Bildworten“ von Rudolf Hoppe. Unter dem Aspekt „Gottesbilder in den Gleichnissen Jesu“ werden dann die Gleichnisse Mk 4,3–9.26–29.30–32; Mt 13,44–46; 20,1–16; 25,1–13, 31–46; Lk 14,15/16–24; 15,1–32; 18,9–14 von Heinz Giesen, Gerd Häfner, Rudolf Hoppe, Gerhard Hotze, Claus-Peter März, Lorenz Oberlinner, Hanneliese Steichele und Lothar Wehr in diachroner Art – und mitunter auf spekulative Weise – historisch-kritisch ausgelegt. Auf gleiche Weise legen Christoph Heil, Markus Lau, Hanna-Maria Mehring und Sebastian Schneider das Hauptaugenmerk auf die „Menschenbilder“ am Beispiel der vier Gleichnisse Mt 18,23–35; Lk 10,25–3; 16,1–13.19–31. Darüber hinaus deutet Georg Rubel die johanneische Bildrede vom „Bleiben und Frucht bringen“ (Joh 15,1–8). Diese durch die bevorzugt verwendeten diachronen Methoden verkürzenden Auslegungen der einzelnen Gleichnisse, Parabeln, Beispielerzählungen, Metaphern und Allegorien erfolgen mehr oder weniger in derselben Abfolge der Beantwortung(sversuche) des Kontextes, der sprachlich-narrativen und sozialgeschichtlichen Analysen, der Klärung der Gattung sowie der Überlieferungsgeschichte einschließlich historischer Rückfragen (nach Jesus). Warum werden immer noch – vgl. nur die Schrift der Päpstlichen Bibelkommission „Die Interpretation der Bibel in der Kirche“ von 1993 – etliche Seiten der Textentstehung gewidmet („aut-aut“)? So verlieren die Verfasser/Autoren die theologische, spirituelle, ethische u.a. Aussageabsicht/Intention der biblischen Texte aus dem Fokus. Gerade eine synchrone Endtextbetrachtung im Wissen um das Sichentwickeln biblischer Texte („et-et“) kann im idealen Fall eine „Horizontverschmelzung“ im Sinne Gadamers zwischen dem antiken „Sender“ und dem heutigen „Empfänger“ bzw. Bibelleser/in ermöglichen. 

Georg Bubolz und Bernd Lutz stellen lesenswerte, konkretisierte religionspädagogische und pastoraltheologische Überlegungen besonders zum Gleichnis vom (barmherzigen, liebenden, entgegenlaufenden) Vater und seinen beiden (verlorenen und wiedergefundenen!?) Söhnen in Lk 15,11–32 in Anspielung auf die beiden Personengruppen – „alle Zöllner und Sünder“ in Lk 15,1a und „die Pharisäer und die Schriftgelehrten“ in Vers 2a als „TEXT“ (vgl. Lk 15,11–32) „im KonTEXT“ (vgl. Verse 1–2) – an. Ein 21-seitiges Literaturverzeichnis und eine Kurzbiografie der Autorinnen und Autoren runden den Sammelband ab.

Die Aufsatzsammlung zu einzelnen Gleichnissen Jesu kann als Anregung zu Vorbereitungen von Unterrichtsstunden aller Jahrgangsstufen, Predigten und Katechesen sowie von Workshops im Sinne einer „Lectio divina“ für den christlichen Lebensstil „für sich und/oder mit anderen“ (335) im Unterschied zum oftmals nur theoretisch angelegten „Bibel-Teilen“ ohne Lebensvollzug methodisch und inhaltlich hilfreich sein. „In jedem (sic!) Fall soll zum Um- und Neudenken und -handeln bewegt werden, denn Gleichnisse sind Metánoia-Erzählungen“ (334), sagt zu Recht Bernd Lutz. Hilfen dazu bietet auch die Webseite www.perikopen.de, die in gebotener Kürze Hilfen anbietet, Gleichnisse besser im Hier und Heute zu verstehen und ins gelebte Leben als Christ umzusetzen – und das noch gratis.

Ostfildern: Patmos Verlag. 2016
367 Seiten m. s-w Abb.
28,00 €
ISBN 978-3-8436-0605-9

 

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