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Franziska Greiner-Döchert / Friederike Carlotta Grabowski: Schulangst. Verstehen und pädagogisch begleiten
Angststörungen gehören neben Depressionen zu den häufigsten psychischen Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen. Die Betroffenen fallen nicht immer sofort auf. Oft verhalten sie sich eher ruhig und angepasst. Dadurch werden sie leicht übersehen. Erst im Zusammenhang mit vermehrten Fehlzeiten werden Lehrkräfte aufmerksam. Mitunter kommen sie dann vorschnell zur Diagnose „kein Bock“ und übersehen die zugrundeliegende Angstthematik – zumal Betroffene selbst in der Regel nicht gerne offen über ihre Ängste sprechen.
Mit dem vorliegenden Band aus der Reclam-Reihe „Bildung und Unterricht” greifen Franziska Greiner-Döchert und Friederike Carlotta Grabowski dieses wichtige Thema auf. Sie geben einen komprimierten und gut verständlichen Überblick zu schulbezogenen Ängsten. Zugleich stellen sie klar, dass Lehrkräfte nicht die Aufgabe haben, Angststörungen therapeutisch zu bearbeiten. Lehrkräfte sind wichtig als Ansprechpersonen, die entsprechende Symptome erkennen und Lernende sowie ihre Eltern an unterstützende Einrichtungen wie den schulpsychologischen Dienst oder Beratungsstellen vermitteln können.
Nach einer allgemeinen Einführung zu psychischen Belastungen im Schulalter stellen die Autorinnen unterschiedliche Formen von schulbezogenen Ängsten dar. Sie machen deutlich, dass nicht die Schule selbst die Ängste auslöst. Es ist entweder die Trennung von engen Bezugspersonen, die Konfrontation mit sozialen Beziehungen, die als belastend erlebt werden, oder aber die Angst vor dem Versagen im Kontext von Leistungsanforderungen. Diese drei Formen schulbezogener Ängste – Trennungsangst, soziale Angst, Leistungsangst – werden jeweils mit ihren Symptomen, ihrem Verlauf und ihren Entstehungsbedingungen beschrieben. Hinzu kommen Fallbeispiele zur Veranschaulichung.
Im anschließenden Kapitel geht es um den pädagogischen Umgang mit schulbezogenen Ängsten. Hier geben die Autorinnen zahlreiche praktische Empfehlungen etwa für Gespräche mit ängstlichen Schülerinnen und Schülern bzw. deren Eltern, aber auch zur Gestaltung einer möglichst angstfreien Lern- und Prüfungsumgebung und zur pädagogischen Prävention durch Förderung von Resilienz.
Die Hinweise und Tipps sind konkret auf den Schulalltag bezogen mit einer Reihe von Anregungen für die Praxis. Dem Reclam-Format entspricht eine schlichte grafische Darstellung mit Info-Kästchen, die eher den Charakter eines Handbuches als einer pädagogischen Arbeitshilfe hat. An der einen oder anderen Stelle wären weitergehende Hilfsmittel wie z.B. ein Gesprächsleitfaden, eine Checkliste für pädagogische Interventionen o.Ä. nützlich.
Auf jeden Fall greift das Buch ein wichtiges Thema der pädagogischen Arbeit in der Schule auf und bietet dazu eine hilfreiche und gut zu lesende Einführung. Neben Lehrkräften kann die Lektüre auch für Personen in der Schulsozialarbeit sowie in der Schulseelsorge gewinnbringend sein, da sie oftmals Anlaufstellen für psychisch belastete Schülerinnen und Schüler sind. Durch seine klar strukturierte Darstellung ist der vorliegende Band eine wertvolle Orientierungshilfe für alle, die in der Schule professionell mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.
Bildung und Unterricht
Stuttgart: Reclam Verlag. 2025
110 Seiten
8,00 €
ISBN 978-3-15-014670-5
