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Hans Georg Wehrens: Die Kreuzigungsdarstellungen im ersten Jahrtausend mit einer Ikonografie der Kreuzsymbole
Der pensionierte Freiburger Jurist Hans Georg Wehrens begibt sich erneut auf das spannende Feld der christlichen Ikonografie und Kunstgeschichte – diesmal mit einem Buch über Kreuzigungsdarstellungen im ersten Jahrtausend. Als Autodidakt hat er sich bereits intensiv mit der Geschichte seiner alemannischen Heimat und der frühchristlichen Baukunst Italiens, insbesondere Roms, beschäftigt.
Das neue Werk knüpft an diese bisherigen Forschungsfelder an und widmet sich einem zentralen Thema der frühen christlichen Kunst: der Kreuzigung. Wehrens stellt die ausgewählten Objekte in einem streng chronologischen, gattungsübergreifenden Katalog vor. Das Inhaltsverzeichnis teilt das Buch grob in Spätantike und Frühmittelalter. Auffällig ist, dass sich ikonografisch kein harter Bruch zwischen den Epochen zeigt; vielmehr überwiegen regionale Stilunterschiede innerhalb Europas.
Viele der Objekte befinden sich heute nicht mehr an ihrem Ursprungsort. Wehrens gibt in diesen Fällen die aktuellen Standorte der Werke an. Abgesehen von wenigen in situ erhaltenen Darstellungen sind die meisten Kreuzigungen in großen Bibliotheken und Museen Europas und Nordamerikas zu finden. Das Buch bietet so einen wertvollen Überblick über die Entstehung und Entwicklung einer Bildtradition, die die christlich geprägte Welt bis weit ins zweite Jahrtausend beeinflusste. Für alle, die nicht reisen können, ersetzt die Publikation fast schon eine Ausstellung, die sich sonst vieler Reproduktionen bedienen müsste.
Die Abbildungen sind nicht immer von höchster Qualität, erfüllen aber ihren Zweck, die Textinhalte zu illustrieren. Zahlreiche Fußnoten und Hinweise auf weiterführende Literatur am Ende ermöglichen es, einzelne Aspekte oder Werke gezielt zu vertiefen.
Ein kleiner Wermutstropfen: Hochmittelalterliche Kreuzesdarstellungen aus Monumentalskulptur und Schatzkunst fehlen. Werke wie das Enghausener Kreuz, das Mirakelkreuz aus Espe oder das berühmte Gerokreuz im Kölner Dom hätten die Darstellungspalette ergänzt und den Schwerpunkt auf Buchmalerei und Kunsthandwerk relativiert. Auch bedeutende ottonische Schätze wie das Servatiuskreuz aus Maastricht oder das Otto-Mathilden-Kreuz aus Essen hätten die Übersicht sinnvoll erweitert. Besonders Kruzifixe, deren Datierung vor oder nach dem ersten Jahrtausend in der Forschung umstritten ist, hätten hier einen guten Platz gefunden. Dies gerade vor dem Hintergrund, dass das letzte im Buch gelistete Beispiel auf 1070 datiert.
Ein anschauliches Glossar am Ende erklärt fachspezifische Begriffe, ohne den Leser zu überfordern. Zu Beginn des Buches findet sich zudem eine Übersicht über die verschiedenen Kreuzsymbole, die das Verständnis erleichtert. Abgeschlossen wird die Publikation durch eine ausführliche Liste weiterführender Literatur. So ist das Buch sowohl für Fachleute als auch für interessierte Laien gut lesbar: übersichtlich, informativ und durch den lexikalischen Teil besonders zugänglich.
Petersberg: Michael Imhof Verlag. 2024
157 Seiten mit farbigen Abbildungen
24,95 €
ISBN 978-3-7319-1365-8
