Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Heinz Scheible: Melanchthon

Vermittler der Reformation 
Eine Biographie



Sein Leben lang hat sich der Leiter der Melanchthon-Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften mit dem langjährigen Weggefährten Martin Luthers beschäftigt. Die überarbeitete Neuauflage seiner 1997 erschienenen Biographie zieht die Summe seines Lebenswerks.

Philipp Melanchthon, geboren 1497 im nordbadischen Bretten, schloss seine Studien in Pforzheim, Heidelberg und Tübingen als Siebzehnjähriger mit dem Magister-Titel ab. 1518 wurde er Griechisch-Professor an der Universität Wittenberg, der er bis zu seinem Tod treu blieb. Sein Lehrgebiet erweiterte sich bald um Philosophie und biblische Vorlesungen. Melanchthon war Reformer der Universität Wittenberg und anderer Hochschulen, Berater für Städte, in denen die lutherische Lehre zur Grundlage der Bildung gemacht werden sollte, beteiligt an vielen Schulgründungen.

In Wittenberg stand Melanchthon im Zentrum der lutherischen Reformation. Er war einer der engsten Vertrauten Luthers, der in den bis zu seinem Tod immer wieder erweiterten „Loci communes“ die evangelische Lehre systematisierte. Weit mehr als Luther war Melanchthon Politiker. So war er Verfasser der evangelischen Bekenntnisschriften – über die „Confessio Augustana“ und die Religionsgespräche bis zu den theologischen Auseinandersetzungen nach dem Tod Luthers.

Die Beziehung zu seinem Mentor Luther, der ihn bereits 1520 zu einer Ehe drängte, begann mit „Verliebtheit“ (177) und Faszination. Sie vollzog sich in symbiotischer Kooperation mit einer Krise um die Zeit des Augsburger Reichstags (1530) bis zu Luthers Tod.

Scheible arbeitet sehr klar heraus, wie nach 1530 Martin Luther in den Hintergrund tritt. Nun ist es Melanchthon, der die Zurückdrängung der Reformation im Gefolge des Schmalkaldischen Kriegs theologisch und publizistisch auszugleichen hatte. Er lehnte den Kompromiss des Interims von 1549 ab. Eine Reise zum Konzil von Trient scheiterte. Melanchthon blieb in Wittenberg, aufgrund der kriegerischen Wirren des Öfteren an anderen Orten Mitteldeutschlands.

In den 1550er Jahren profilierte Melanchthon die lutherische Lehre in der Auseinandersetzung mit seinen eigenen Schülern. Mit Matthias Flacius Illyricus ging der Streit um die so genannten „Adiaphora“, mit dem Nürnberger Reformator Andreas Osiander um die Rechtfertigungslehre, mit Georg Maior um das Verständnis der guten Werke. Die letzte Zusammenfassung seiner Theologie in einer Antwort an die bayerische Inquisition wird von Scheible ausführlich kommentiert.

Im Alter von 63 Jahren starb Philipp Melanchthon und wurde wie Luther in der Wittenberger Schlosskirche beerdigt. Scheibles Biographie ist nicht in erster Linie eine Darstellung der theologischen Entwicklung der lutherischen Lehre. Sie bringt vielmehr das Netzwerk eines Universitätslehrers und Organisators zum Leuchten. Melanchthon mag sich manchmal ein ruhigeres Leben gewünscht haben, aber die Zeiten waren nicht so. Die Herausforderungen einer Zeitepoche formen einen Menschen – Scheible zeigt das am Beispiel Melanchthons. 

München: C.H. Beck Verlag. 2016
445 Seiten m. s-w Abb.
28,00 €
ISBN 978-3-406-68673-3

 

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