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Jean-Marc Aveline: Christsein als Heilsdialog
Mit dem Essay „Christsein als Heilsdialog. Gottes Mission für die Menschen“ gewährt der Autor, Kardinal Jean-Marc Aveline, Erzbischof von Marseille, einen Einblick in sein Glaubens-, Kirchen- und Amtsverständnis. Aveline ist Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz. Sein deutscher Amtskollege Bischof Georg Bätzing ist Verfasser des Geleitwortes, worin er Avelines Beitrag würdigt, eine dialogische Kirche des dritten Jahrtausends zu denken.
Herausgeber des Bandes ist der Freiburger Fundamentaltheologe Michael Quisinsky. Er bietet den Lesenden zu Beginn einen informativen „Crash-Kurs“ als Grundlage, indem er die Historie der Französischen Kirche im Hinblick auf ihre Missionsgeschichte sowie das theologische Denken Avelines einordnet, bevor dieser selbst zu Wort kommt.
Der Kardinal gewährt den Lesenden zunächst einen ausführlichen Einblick in seine Biografie. Dabei blickt er vor allem auf wichtige Momente seines geistlichen Wachstums zurück. Äußerer Anlass der Abfassung des Essays war seine Berufung zum Erzbischof von Marseille im Jahr 2019. Aveline offenbart vier Jahre nach diesem entscheidenden Datum seinen inneren Weg und reflektiert sein Missionsverständnis in Verbindung mit seinem Amt. Er „möchte im Lichte [s]einer Erfahrungen im Dienst des interreligiösen Dialogs die Natur und die Modalitäten dieses missionarischen Einsatzes meditieren“ (78). Themen wie jüdisch-christlicher Dialog, das Verhältnis von Offenbarung und Mission sowie die Bedeutung der Katholizität in der gegenwärtigen Gesellschaft bedenkt er ausführlich.
Es wird rasch spürbar, dass Aveline die Menschen, ihre Lebenswelten sowie die Frage, wie sie in Kontakt mit dem Evangelium kommen können, am Herzen liegen. Der Titel des Buches ist demnach berechtigt: Christsein versteht er dialogisch – heilsdialogisch.
Insgesamt ist die Lektüre des Essays zwar etwas langatmig, jedoch dahingehend berührend, als dass man in Zeiten eher kühler, professioneller Selbstdarstellung das Ringen eines kirchlichen Amtsträgers um die Erfüllung seines Auftrags unmittelbar mitvollziehen kann. Avelines Gedanken wirken jedoch etwas ad hoc zusammengestellt, ähnlich einem inneren Monolog.
Die Lektüre des Buches halte ich für all jene empfehlenswert, die, nicht zuletzt dank der wissenschaftlichen Einführung Quisinskys, in die Welt französisch geprägter Kirche eintauchen möchten. Wer sich hingegen eine kritische, theologische Reflexion erhofft, sollte besser zu einem anderen Buch greifen.
Gottes Mission für die Menschen
Aus dem Französischen übersetzt und mit Erläuterungen versehen von Michael Quisinsky
Mit einem Geleitwort von Bischof Dr. Georg Bätzing
Ostfildern: Matthias Grünewald Verlag. 2025
143 Seiten
22,00 €
ISBN 978-3-7867-3388-1
