Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Klaus von Stosch: Trinitätstheologie. Grundlegung und interreligiöse Perspektivierung

Johann Baptist Metz spottete einmal über den trinitätstheologischen Entwurf seines Kollegen Jürgen Moltmann, dieser kenne das Innenleben Gottes besser als das seiner Frau. Auf ähnliche Weise konnte sich Karl Rahner über trinitätstheologische Konzepte echauffieren, die ihm zur göttlichen Eingeweideschau gerieten. Gelte es doch, Gott als Geheimnis zu denken.

Nun darf die Beschwörung der Geheimnishaftigkeit Gottes nicht dazu führen, das Denken abzustellen, und das wollte zweifellos keiner der beiden Theologen sagen. Umso mehr stellt sich die Frage, bis zu welchem Punkt das Denken sich durch den Glauben an den dreifaltigen Gott herausfordern lässt. Dieser Frage nachzugehen ist in besonderer Weise Klaus von Stosch qualifiziert. Als Vertreter einer komparativen Theologe weiß er nicht nur um die Anfragen, die andere Religionen an den trinitarischen Glauben stellen, sondern genauso auch um die Verstehenshilfen, die diesem Glauben aus der externen Perspektive zuwachsen.

Seit je her sieht sich das Christentum in dieser Hinsicht dem Vorwurf des Tritheismus und damit eines Rückfalls in den Polytheismus ausgesetzt. Und es liefert sich diesem Vorwurf dadurch aus, dass es Jesus als denjenigen bekennt, der sich von Gott als seinem himmlischen Vater unterscheidet und sogar zu ihm betet, wobei er zugleich aber sagt „Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh 14,9). Das Problem verschärft sich noch dadurch, dass es nicht bei diesem binitarischen Glauben bleibt, sondern das christliche Glaubensbekenntnis auch noch den Heiligen Geist zur dritten personalen Instanz in der göttlichen Beziehungswirklichkeit erklärt. Der komparative Ansatz von Stoschs bringt es nun mit sich, dass er uns das Judentum und den Islam als Schwesterreligionen vorstellt, die uns trotz aller Kritik auch einen Weg zum Verständnis dieser augenscheinlichen Paradoxie bahnen. Habe doch die Trennung von Judentum und Christentum weniger theologische als soziologische Gründe, und auch die jüdische Vorstellung der Schechina – der Einwohnung Gottes im Menschen – komme dem trinitarischen Glauben entgegen, zumal diese Einwohnung eine Scheidung in Gott selbst bedeute. Genauso erkenne der Koran Jesus als das Wort Gottes an.

Besonders beeindruckend werden die Überlegungen des Autors dort, wo er nicht nur Verstehenszugänge wie die genannten referiert, sondern sie eigenständig aufgreift und mitunter sogar auf sehr persönliche und authentische Weise auf die Beziehungskomplexe bezieht, in denen wir Menschen leben. Dies ist etwa dort der Fall, wo er monologische Ansätze der Trinitätstheologie aufgreift und auf die Struktur des menschlichen Selbstbewusstseins bezieht. Im Akt des Selbstbewusstseins zerteile ich mich nämlich in ein denkendes und ein gedachtes Ich. Jeder Versuch, Ersteres zu objektivieren, schlägt es jedoch Letzterem zu, so dass sich die Spur des denkenden Ich letztlich im Unendlichen unverfügbar verliert. Und doch bezeugt es seine Wirklichkeit in der Befähigung, mich denkend und handelnd auf mein empirisches Ich zu beziehen und sich denjenigen Herausforderungen zu stellen, die aus ihm erwachsen. Wo dies geschieht, ist dies nur möglich in der Kraft desjenigen Geistes, der beide Instanzen verbindet. Sofern diese immanent-trinitarische Struktur meines Selbstbewusstseins sich in Handlung umsetzt, geht es „ökonomisch“ in die sozialen Beziehungen ein, in denen ich lebe. Dies berührt sich wiederum mit dem biblischen Zeugnis vom Pfingstgeschehen, die eine Antigeschichte zur babylonischen Sprachverwirrung bezeugt, weil hier der Geist Gottes die anwesende Gemeinde kommunikativ über sich hinauswachsen lässt.

Mit Überlegungen wie diesen sind die Fragen, die der trinitarische Glaube an Jesus Christus als den menschgewordenen göttlichen Logos aufwirft, beileibe nicht gelöst. Das macht der Autor immer wieder mit eigenen Einwänden deutlich, so dass er auch im Abschlusskapitel nicht „die“ Lösung präsentiert. Die referierten Gedanken zeigen aber, dass der trinitarische Glaube im besten Sinne des Wortes zu denken gibt und dass Trinität nicht nur ein Problem der danach benannten Theologie darstellt.

Nur in einer Hinsicht ist gegenüber diesem großen Werk des Autors ein Vorbehalt anzumerken. Das einleitend genannte Vorhaben, in einfacher Sprache die Themenstellung zu behandeln, wird nicht durchgehalten und ist wohl auch nicht durchzuhalten. Wer aber für Religionsunterricht, Katechese oder Predigt Anregungen zur Behandlung des Themas sucht, wird auf vielfache Weise gewiss fündig und kann auch einzelne Kapitel für sich studieren.

Freiburg: Herder Verlag. 2025
431 Seiten
35,00 €
ISBN 978-3-451-02524-2

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