Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Marc Wischnowsky / Michaela Veit-Engelmann: Judit. Mit Kopf, Herz und Hand

Die von der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig herausgegebene Reihe „Biblische Gestalten“ ist mittlerweile auf stolze 35 Bände angewachsen. Im aktuellen Band widmet sich das Autorenpaar Marc Wischnowsky und Michaela Veit-Engelmann – beide arbeiten in religionspädagogischen und gemeindepraktischen Kontexten – der Gestalt der Judit und dem nach ihr benannten Buch.

Beide laden ein, sich auf eine Entdeckungsreise zu machen: „Zu entdecken, was in der Bibel von ihr (Judit, d. Verf.) erzählt wird, welche Zeitfragen sich in dieser Geschichte spiegeln und woran sich die unterschiedlichen Bilder dieser faszinierenden Frauengestalt festmachen.“ (14) Dazu führt das Autorenduo die Leserinnen und Leser fundiert und breit, aber keineswegs zu ausladend an die Gestalt der Judit und an das gleichnamige Buch heran. Dies ist mehr als notwendig, da, wer sich mit dem Buch Judit auseinandersetzt, sich mit der Entstehung des Kanons der biblischen Schriften und mit den konfessionellen Unterschieden des biblischen Kanons zu beschäftigen hat. Das macht die Einführung (13-58) hilfreich und wertvoll! Die Autoren nehmen dabei sowohl die biblische Zeitgeschichte, die Kanongeschichte sowie die Art und Weise in den Blick, wie das Buch Judit Geschichte theologisch deutet.

Auf dem zweiten Abschnitt des Buches unter der Überschrift „Darstellung“ liegt der Schwerpunkt: Zum einen gehen die Autoren kursorisch durch die sechzehn Kapitel des Buches Judit (59-134), zum anderen tippen sie in der gebotenen Kürze, die zum Weiterdenken anregt, theologische Themen innerhalb des Buches Judit an (134-193).

Das Judit-Buch verstehen Wischnowsky und Veit-Engelmann als Drama in drei Akten: Denn Judit und die mit ihr zusammenhängende Erzählung brauchen eine komplette Bühne, damit sich das weltgeschichtliche Panorama voll entfalten kann. Diesen weiten und umfassenden Ausblick bietet das Autorenduo, wenn es die drei Akte – unterteilt in zwölf Szenen und ein Schlussbild – darstellt. Damit zeichnet es ein Bild, das die Bedeutung Judits unterstreicht, nämlich „sie als Teil des Kanons zu lesen und sich immer wieder neu zum Nachdenken über eigene Lebens- und Glaubensfragen anregen zu lassen.“ (58) Damit ist, wie bei anderen Dramen auch, der Vorhang zwar geschlossen, aber viele Fragen bleiben offen. Und an eben diese möglichen Fragen knüpfen Marc Wischnowsky und Michaela Veit-Engelmann in der zweiten Hälfte des zweiten Abschnitts an und gehen auf unterschiedliche Aspekte ein, nämlich: auf sozialgeschichtliche Aspekte, auf die Frage nach Frauen- und Männerbildern, auf die Spannung von gesellschaftlicher Schwachheit und Stärke bzw. von Gewalt und Moral und auf die Frage, wie sich die Souveränität Gottes und der Lauf der Geschichte zueinander verhalten. Das lässt deutlich werden, dass die Beschäftigung mit der Gestalt Judits äußerst intensiv und spannend werden kann, weil diese Frau und ihre Geschichte ein sehr facettenreiches Panorama darstellen.

Im dritten Abschnitt ihres Buches schließlich stellen Marc Wischnowsky und Michaela Veit-Engelmann einige Akzente der breiten Wirkungsgeschichte des Judit-Buches vor (194-245), nämlich die Deutung Judits in der Vulgata und in mittelalterlichen Midraschim, in der darstellenden Kunst, der Musik und der Literatur. Und hier wird deutlich: Es kann nur ein Antippen, ein – bildlich gesprochen – Appetitanreger sein, das Lust auf mehr machen soll – ganz so, wie es die Autoren selbst formulieren. „Es zeugt von der literarischen Begabung des Verfassers, dass diese Geschichte dennoch nicht platt daherkommt, sondern im Gegenteil vielschichtige Deutungen zulässt, Bezüge zu anderen biblischen Geschichten herstellt und Verbindungen andeutet, die aus dem Buch Judit nicht weniger machen als eine Interpretation der (Heils-)Geschichte Israels unter neuem Vorzeichen. In Judit, der Judäerin schlechthin, verdichten sich die Erfahrungen eines ganzen Volkes mit seinem Gott und seiner Geschichte.“ (238) Facetten dieser Erfahrungen zu entdecken – auch für das eigene Leben und für die eigene Zeit: dazu regt die Gestalt der Judit an – und die Ausführungen und Gedanken der beiden Autoren bieten eine gute Hilfestellung an. – Der vierte Abschnitt mit dem Verzeichnis grundlegender Literatur zum Buch Judit und dem der insgesamt 12 Abbildungen (246-254) rundet das Buch ab.

Dass Marc Wischnowsky und Michaela Veit-Engelmann, wie eingangs erwähnt, in religionspädagogischen und gemeindepraktischen Kontexten tätig sind, macht das vorgelegte Buch so interessant und charmant. Es handelt sich hier nämlich um ein empfehlenswertes Beispiel von Wissenskommunikation für eine breite Öffentlichkeit. Genau das, was dem Rezensenten notwendig erscheint für die Arbeit in Schule, Gemeinde und Erwachsenenbildung oder für eine Erstbegegnung mit dem Buch Judit.

Biblische Gestalten
Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt. 2025
255 Seiten m. s-w u. farb. Abb.
25,00 €
ISBN 978-3-374-07785-4

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