Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Marco Benini: Brannte nicht unser Herz? Die Messe verstehen – Eucharistisch leben

Wir feiern Eucharistie, das heißt auch: Wenn wir eucharistisch leben möchten – so wie Marco Benini empfiehlt –, so leben wir aus der Danksagung. Mystagogische Wege zum Geheimnis des Glaubens zeigt der Trierer Liturgiewissenschaftler auf, der Romano Guardinis gedankenreiche, von existentiellem Ernst kündende Reflexionen aus der Zeit der Liturgischen Bewegung aufnimmt und neu fruchtbar macht für die Gegenwart.

Wissen Gläubige wirklich, wozu sie in der Eucharistie eingeladen und bestellt sind? Erfahren katholische Christenmenschen in der heiligen Messe wahrhaft die Freude am Glauben? Benini spürt den Zeichen der Liturgie nach, erläutert den Römischen Ritus und plädiert für eine hohe Einfachheit der Feier, ohne äußerlich fromm gemeinte Schnörkel und ohne priesterlichen Eigensinn. Unter Berufung auf den verstorbenen Papst Franziskus wirbt der Autor für liturgische Bildung, die die Sensibilität für die Schönheit der Messfeier neu- oder wiederentdeckt. Staunend dürfen Gläubige das Wort Gottes vernehmen, sich von der Homilie inwendig berühren lassen und an der Feier partizipieren, durch Gesten, durch Gesang, durch ein bewusstes Mitgehen und Mitbeten.

Die Eucharistie beginne mit der „persönlichen Einladung an Christus“: „Wollen wir, dass er in die Kammern unseres Inneren frei eintreten und alles sehen kann?“ Benini erinnert an die Begegnung der Jünger auf dem Weg nach Emmaus, die er eucharistisch deutet: „Der Gast wird auf einmal zum Gastgeber. Er ist in der Mitte, auf ihn ist alles orientiert. Der, den sie einladen, gibt ihnen geistliche Nahrung. Christus ist der „Hauptzelebrant“. Je mehr wir Christus einladen, desto mehr verbindet sich Christus mit unserem eigenen Leben. Dann gehen Christus und unser Leben in eins.“ Christus wolle uns so „wandeln wie die Jünger von Emmaus“. So könne die Eucharistie „Stärkung“ sein auf dem Weg unseres Lebens, die niemand für sich selbst feiere, sondern in Gemeinschaft mit anderen gefeiert werde und mit der Sendung in die Welt ende. Benini deutet die Eucharistie als „Weg der Freude“, die durch das brennende Herz symbolisiert wird.

Die Liebe Gottes wird in der Feier der Eucharistie sichtbar, auch in der Bitte um Vergebung, die uns die Barmherzigkeit Gottes zeigt, wie wir sie im Bußsakrament, das „besser“ als sein Ruf sei, erfahren können. Benini spricht von der „Umarmung des barmherzigen Vaters“, die in der Eucharistiefeier als „sündenvergebende Kraft“ gegenwärtig erfahr- und erlebbar werde.

In seinen Darlegungen übt der Verfasser – und dies vollkommen zu Recht – auch Kritik an konkreten Gestaltungen der Feier der heiligen Messe. Mancherorts wird das Mysterium des Glaubens, gewiss in bester Absicht, allzu sehr der Lebenswelt angepasst. Die Eucharistie ist mitnichten ein säkularer Erlebnisraum, geweckt werden soll und darf der Sinn für Gott, die Freude über die Teilhabe an der Gemeinschaft mit Christus. Wer einen Gottesdienst bloß äußerlich gestaltet und vielleicht pädagogische Absichten hegt, der rückt möglicherweise die Feiernden in den Mittelpunkt, lässt aber Gott außen vor. Zugleich wendet sich Benini den oft zeitgeistlich formulierten Fürbitten zu. Diese seien „kein Ort für Kirchenkritik“ oder „parteipolitische Statements“: „Wenn das Bemühen um Aktualität sie zu einer zweiten Tagesschau macht, ist der Bogen meist überspannt und Überlänge droht.“ Fürbitten sollen die „Not der Menschen zu Gott tragen“ und „echte Anliegen“ ausdrücken.

Marco Benini hat ein wichtiges und wertvolles Buch zur Feier der Liturgie vorgelegt, ohne moralische Ermahnungen, an die Schönheit des Ritus und die Wahrheit des Glaubens erinnernd. Gläubigen und Priestern sei anzumerken, „ob sie wirklich vor Gott stehen“, wenn sie Gottesdienst feiern. Wer die würdig gefeierte heilige Messe verlässt, begibt sich hinein in die Sendung, bestärkt vom „Geist der Anbetung“ und dem Empfang der Kommunion. Sehr schön schreibt Benini über die „stille Zeit des Einsseins mit Jesus“: „Während die Liturgie vieles regelt, ist die intimste Begegnung mit Christus ganz individuell: mit oder ohne Worte danken, bitten, loben, klagen, einfach da sein, Augen schließen, Erlebnisse und künftige Aufgaben mit Jesus durchgehen, auf der Zunge zergehen lassen, genießen, sich freuen …“ Dieses schmale Buch weckt Freude an der gläubigen Mitfeier der Eucharistie.

Freiburg: Herder Verlag. 2024
143 Seiten
18,00 €
ISBN 978-3-451-41043-7

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