Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Martin Luther: Von der Freiheit eines Christenmenschen

Herausgegeben und kommentiert von Dietrich Korsch
Große Texte der Christenheit Bd. 1



Eine der drei großen theologischen Programmschriften Martin Luthers aus dem Jahr 1520 handelt vom Menschen in seiner Gottesbeziehung. Die programmatischen ersten Sätze sind in ihrer Dialektik und Einfachheit entwaffnend: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ 

Pünktlich zum Reformationsjahr legt nun der emeritierte Marburger Systematische Theologe Dietrich Korsch eine Neuausgabe von Luthers Freiheitsschrift vor. In der von ihm und Johannes Schilling verantworteten Reihe „Große Texte der Christenheit“ ist das die Nummer 1 – auch das eine programmatische Entscheidung.

Geboten wird der deutsche Text der Schrift, von der es auch eine lateinische Ausgabe gibt. Dieser Text steht auf der linken Seite in der originalen Luther‘schen Sprachfassung, auf der rechten Seite in einer Übertragung in heutiges Deutsch. Dadurch sind Vergleiche möglich, die sowohl die Sprachkraft Luthers als auch die inhaltlichen Veränderungen einzelner Termini verdeutlichen. Korsch weist selbst etwa auf die unterschiedliche Bedeutung des Wortes „fromm“ hin, das heute wohl eher mit „tüchtig, recht“ oder ähnlich zu übersetzen wäre.

Der zweite Teil der Edition ist ein ausführlicher Kommentar Korschs zum lutherischen Text. Grundlage ist die von Korsch vorgeschlagene Gliederung der Schrift. In der Eröffnung geht es um die These: „Christsein ist Freisein durch Christus.“ Danach entfaltet Luther zunächst den „inneren Menschen“. Im Glauben wird der Mensch frei. Der Glaube ist Verheißung und Zusage der Freiheit. Das ist nicht menschliches „Werk“, sondern basiert auf dem Grundgebot der Gottesliebe. In der Einheit mit Christus wird die Sünde unschädlich gemacht. Luther entfaltet seine Lehre vom allgemeinen Priestertum und Königtum des Christenmenschen. Das muss auch gepredigt werden: „Die äußere Geschichte Jesu Christi wird zur Bestimmungsgröße unserer eigenen inneren Lebensgeschichte.“ (136) So kann Korsch auch – deutlich kürzer – den äußeren Menschen in den Blick nehmen. Nicht leicht fällt dabei, das Tun des Menschen, seine „Werke“, nicht nur gering zu schätzen, sondern als Resultat der Gerechtsprechung durch Gott zu betrachten.

Korsch greift die lutherische Methode, seine Argumente aus der Heiligen Schrift zu gewinnen, auf und entwickelt daraus in seinem Kommentar die theologische Anthropologie der Freiheitsschrift. Im Ganzen der Werke Martin Luthers handelt es sich dabei um einen zentralen Text, der jedoch in seiner Situationsgebundenheit auch der Ergänzung durch weitere Schriften bedarf. Insofern hätte vielleicht ein nicht ausschließlich auf eine Schrift bezogener Kommentar der Einordnung in das Gesamt der nicht leicht verständlichen lutherischen Theologie gutgetan.

Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt. 2016
170 Seiten
9,90 €
ISBN 978-3-374-04259-3

 

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