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Matthias Struth: Letzte Fragen. Was Sterbende wissen wollen
Matthias Struth ist ein katholischer Pfarrer und seit mehr als zehn Jahren Seelsorger am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main. Während einer Auszeit auf dem Jakobsweg entlang der spanischen Atlantikküste machte er sich Gedanken über die letzten Fragen, die Menschen im Sterben bewegen. Sein Buch gibt einen Einblick in die Erfahrungen und Erlebnisse der vielen Seelsorgerinnen und Seelsorger, die Menschen auf ihrem Weg durch schwere Lebenssituationen und angesichts des nahenden Todes begleiten. Struth sieht diese Menschen als Einheit von Leib, Seele und Geist, mit ihren geistigen und körperlichen Bedürfnissen. Auch wenn der Autor am Anfang der Seelsorge den Auftrag von Jesus sieht, zu den Menschen zu gehen, bei ihnen zu sein, sich um sie zu sorgen und sie zu heilen, geht er über ein religiöses Bekenntnis hinaus.
Krankheiten und ihre Behandlung finden heutzutage vor allem Dingen in abgeschiedenen Bereichen statt. Krankenhäuser spielen im Alltag der meisten gesunden Menschen keine Rolle. Auch deshalb ist es dem Seelsorger wichtig, in seinem Buch den Kranken wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu stellen. Dabei versteht er sein Amt darin, in gleicher Art und Weise für alle Menschen da zu sein, unabhängig von ihrer kirchlichen Bindung. Der Seelsorger macht ein Angebot, er ist da, wenn er gebraucht wird, verfolgt aber keine eigenen Interessen. Struth will nicht Missionar sein, sondern die Menschen begleiten und sei es, mit dem Patienten gemeinsam in die Raucherecke zu gehen, „weil er das gerade für seine Seele braucht“.
Es geht um konkrete Hilfestellung und Kontaktvermittlung oder auch nur darum, zuzuhören, wenn Menschen aus ihrem Leben erzählen wollen. Struth belegt seine Erfahrungen im Krankenhaus mit Aufzeichnungen von Gesprächen und Äußerungen seiner Patienten. Die Erfahrungen in der Corona-Zeit fließen ebenso ein wie die enge Zusammenarbeit mit den Ärzten. Er zeigt, wie er zum Mittler wird, zum Verständnis zwischen Patienten, Ärzten und Angehörigen beiträgt. Der Geistliche weicht der Frage nach der Gottverlassenheit nicht aus, die Menschen oft stellen, wenn das Sterben auf sie zukommt. Er beschäftigt sich mit Glaube und Zweifel im Angesicht des Todes, ebenso wie mit Schuldgefühlen, die die Angehörigen oft haben.
Wie geht der Pfarrer selbst mit all den schweren Momenten um, mit denen er konfrontiert wird? Eine Frage, die nicht nur für seine Berufsgruppe zutrifft. Für Struth sind es der Glaube und die Begegnung mit Gott, die ihm hilft, aber genauso wichtig ist es für ihn, in einem Team gemeinsam mit evangelischen und katholischen Seelsorgern zu arbeiten und seine Gedanken, Gefühle und Unsicherheiten teilen zu können.
Was kommt nach dem Tod, das ist eine der Fragen, die ihm immer wieder gestellt wird. Wie geht das Sterben, was kommt danach? Seine Aufzeichnungen von Gesprächen zeigen, welche Gedanken die Menschen bewegen, wie sie den Nahtod wahrnehmen.
Am Ende des Lebens stehen oft nicht die großen philosophischen Fragen. Es sind auch die kleinen alltäglichen Dinge, der Umgang mit dem Schmerz, der Krankheit, die Sorgen um die Angehörigen. Manche Menschen haben keine letzten Fragen, sondern letzte Antworten. Es dreht sich nicht alles um Gott, sondern darum, was in ihrem Leben schön war, in der Familie, in der Arbeit, in den Freundschaften. Und so endet das Buch mit der Erkenntnis: Am Ende geht es immer um das Leben.
Frankfurt: Westend Verlag. 2024
128 Seiten
18,00 €
ISBN 978-3-86489-448-0
Freundliche Übernahme aus: Märkische Allgemeine Zeitung vom 16./17. 11.2024
