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Papst Leo XIV: Frieden! Erste wegweisende Botschaften des neuen Papstes
Die bislang während Leos Pontifikat erschienene apostolische Ermahnung (Exhortatio) „Über die Liebe zu den Armen“ ist eher das Vermächtnis des verstorbenen Papstes als ein eigenes Werk, das unter dem Titel „Großartige Menschheit (Magnifica Humanitas)“ angekündigte erste eigenständige Lehrschreiben lässt noch auf sich warten. In diese Lücke stößt das zu rezensierende Buch, das eine Auswahl von 28 Ansprachen Leos zusammenfasst, angefangen mit seiner Antrittspredigt unmittelbar nach der Papstwahl am 8. Mai 2025 bis zur Predigt vor neuernannten Metropolitanbischöfen am Fest Peter und Paul.
Wer das Buch durchliest, geht einen Weg mit, auf dem der frischgekürte Papst viele Dinge zum ersten Mal macht: Er nimmt seine neue Rolle im Kreis der Kardinäle ein, begegnet erstmals den Medienvertretern, den Vertretern anderer Konfessionen, den Mitarbeitern des Vatikans, dem diplomatischen Corps, den Gesandten des Heiligen Stuhls, Sportfunktionären; er feiert eine Messe mit seiner Diözese Rom, besteigt die Kathedra Petri in der Lateranbasilika, nimmt Priesterweihen vor und noch vieles andere.
Dabei zeigt der Papst eine große Zugewandtheit zu den vielen unterschiedlichen Gruppen, vor denen er spricht. Zum Beispiel sagt er den Sportfunktionären, dass sie ein wertvolles Mittel der menschlichen und christlichen Bildung in der Hand haben, weil sie erstens den Wert der Zusammenarbeit und Begegnung schätzen lehren, zweitens der digitalisierten Kommunikation den Wert der konkreten körperlichen Begegnung entgegensetzen und drittens sich in die Kunst der Niederlage einüben. Es ist also ein katechetischer Stil, in dem der Papst seine Ansprachen gestaltet.
Lässt sich trotz der Verschiedenheit der Anlässe ein roter Faden in dieser Sammlung von Reden finden? Der Titel nennt schon ein wichtiges Anliegen: Der Papst sieht sich als Boten des Friedens, der für ihn mit Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit untrennbar verknüpft ist, in einer unfriedlichen Welt. Dafür möchte er durch seine Appelle an Diplomaten und Medienvertreter Verbündete gewinnen. Darauf verpflichtet er seine Mitarbeiter. Wie Papst Franziskus vergisst auch Papst Leo in keiner seiner Ansprachen die Schwachen und Ausgegrenzten, die der christlichen Ermutigung am meisten bedürfen. Den Dienern der Kirche schärft er ein, dass die Heiligen Geheimnisse nicht zum Besitz, sondern zur Befreiung bestimmt sind. Schließlich zieht sich das Thema „Einheit“ als roter Faden durch seine Ausführungen, die Einheit der Vielen in Christus, die mit Uniformität nichts zu tun hat, und die auch der Wahlspruch des Papstes ausdrückt: IN ILLO UNO UNUM.
Einige der Ansprachen hatte ich mir aus Interesse schon von der Webpräsenz des Heiligen Stuhles heruntergeladen. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen, denn es lädt ein zum kontinuierlichen Mitgehen, wo die Online-Angebote punktuelles Interesse befriedigen. Unterrichtende können sehr praktisch profitieren, weil die Texte gut verständlich sind und sich als Informations- oder selbst Prüfungstexte eignen.
München: Kösel Verlag. 2025
192 Seiten
20,00 €
ISBN 978-3-466-37371-0
