
Bestellen
auf Buch7.de - sozialer Buchhandel
Stephan Mokry: Kardinal Julius Döpfner und das Zweite Vatikanum
Der Münchener Kardinal Julius Döpfner (1913-1976) gehörte zu den großen Gestaltern des Zweiten Vatikanischen Konzils. Nach der Lebensbeschreibung aus der Feder des verstorbenen Kirchenhistorikers Klaus Wittstadt war es an der Zeit, eine aus den seit einigen Jahren zugänglichen Akten, besonders zum Konzil, gearbeitete Biographie vorzulegen. Stephan Mokry hat das mit seiner Dissertation meisterhaft geleistet.
Julius Döpfners Sozialisation geschah im kirchlichen Kontext, im Knabenseminar und Priesterseminar in Würzburg sowie vor allem im römischen Germanikum. Später wichtig gewordene Themen wie das allgemeine Priestertum und eine neue Bewertung der Laien als zentralen Teil des „mystischen Leibes“ der Kirche reflektierte er anfanghaft. In John Henry Newman, über den er seine Dissertation verfasste, fand er ein theologisches Vorbild. Seine eigene spirituelle Heimat fand er nach der Rückkehr nach Franken in der Unio Apostolica, einer Gemeinschaft von Weltpriestern. Mit nur 35 Jahren wurde der Subregens des Priesterseminars zum Bischof von Würzburg ernannt. Mokry charakterisiert diese Jahre mit „vom Werden eines Bischofs“. Besonders in der Ökumene musste Döpfner noch schmerzliche Lernprozesse durchmachen. In der Frontstadt Berlin musste er eine neue Rolle gegenüber einem antichristlichen Staatswesen finden. Mokry schreibt vom „Döpfner-Dilemma“.
In Berlin begannen die Vorbereitungen auf das Konzil. Mokry analysiert im Detail, wie die theologische Lektüre des Bischofs in die Gutachten einfloss, die er in enger Zusammenarbeit mit Beratern erarbeitete. Döpfner schickte sowohl ein eigenes Votum nach Rom, war aber auch wesentlich am gemeinsamen Votum der deutschen Bischöfe beteiligt. In diese Phase fiel seine Ernennung zum Erzbischof von München und Freising.
Die ersten Schritte auf dem Konzilsparkett unternahm Döpfner als Mitglied der zentralen Vorbereitungskommission. Mit Gerhard Gruber als Sekretär und theologischem Berater baute er in den folgenden Jahren ein Netzwerk theologischer Berater auf, das sich zum Teil auf Professoren der Münchener Theologischen Fakultät stützte. Offenbarung, Kirche und Liturgie waren die Hauptthemen, die Döpfner in der Vorbereitungsphase begleitete. Ein Plädoyer für die Erneuerung des Diakonats gehörte dazu.
Auf dem Konzil hinterließ Döpfner eine klare „theologische Signatur“. Zu allen wichtigen Themen meldete er sich zu Wort. Nach dem Ende der ersten Konzilssessio wurde er zum Mitglied der Koordinierungskommission ernannt. Sein Anliegen: Konzentration der Themen. Dafür sorgte er ab Herbst 1963 als einer der vier Moderatoren. Dennoch blieb Döpfner ein eifriger Redner, der sich einmischte, etwa zur Wiedereinführung des ständigen Diakonats, zu den evangelischen Räten und den Orden, zu einem eigenen Marienkapitel in der Kirchenkonstitution, zur Offenbarung, zum Dialog der Kirche mit der Welt, zu Ausbildung und Lebensform der Priester und zur christlichen Ehe. Mokry vergleicht akribisch die vorgetragenen Reden mit den Entwürfen und kann an vielen Stellen einen Lernprozess Döpfners feststellen.
Damit ist ein zentrales Ergebnis der Studie benannt: Döpfner war einer der großen Theologen des Konzils. Er war nicht einer der vier Moderatoren des Diskussionsverlaufs, sondern griff selbst in die Diskussionen ein. Die organisatorische und theologische Reifung durch die Jahre des Konzils waren die beste Vorbereitung für die ihm danach anvertraute Leitung der Würzburger Synode. Sie rieben ihn aber auch gesundheitlich auf.
Mokrys Studie ist ein wichtiger Beitrag zur Erforschung des Zweiten Vatikanischen Konzils. In teils mikroskopischer Sicht auf einen der Protagonisten entwickelt er eine spannende Geschichte des Konzils, bei dem nicht nur die Vollversammlungen, sondern auch die Dynamiken im Hintergrund ausführlich zu Wort kommen. Das Konzil war ein wirkliches Ereignis für alle Beteiligten.
Stuttgart: W. Kohlhammer Verlag. 2016
544 Seiten
80,00 €
ISBN 978-3-17-026704-6
