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Theo Sundermeier: Hoffnung für Leidende. Die Botschaft des Isenheimer Altars
Ein Forschungsschwerpunkt des emeritierten evangelischen Professors für Theologie der Religionen sind Kulte und Riten zu Heil und Heilung des Menschen. In sieben kleinen Kapiteln stellt er dem Leser, neben dem Maler, Matthias Grünewald, den Auftraggeber des Isenheimer Altars und den Zweck der Altarstiftung vor, nämlich den – durch von Getreide kaum zu unterscheidenden Mutterkorn vergifteten –Sterbenskranken mit ihren pestartig gezeichneten Körpern den menschgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus zu zeigen, der ihre Krankheiten getragen hat und sie in ihren Leiden tragen wird.
Dazu präsentiert Theo Sundermeier in großformatigen Tafeln den jeweils zu besprechenden Teil des Altars und führt den Leser konzentriert durch die Gesamtkomposition, um dann im Text durch kleine Bilder Details hervorzuheben, die den Leser staunen lassen, wie ihm im Bild das Evangelium mit seinen alttestamentlichen Bezügen sinnlich und emotional verkündet wird. Sundermeier gibt im Vorwort an, dass ihn die Farbenpracht des restaurierten Altars zu diesem kleinen Band inspiriert habe. Umso verwunderlich ist es, dass der Verlag ein Bildmaterial verwendet, das wie von einer beigen Patina überzogen ist; die kleinen in den Text eingestreuten Bildausschnitte weisen stellenweise eine Unschärfe aus. Der Leser muss im Internet anderes Bildmaterial aufrufen, um an dem Seheindruck teilzuhaben, von dem der Autor so gefesselt war.
Schlüssel des theologischen Verständnisses des Altarretabels ist Sundermeier die Kreuzestheologie Martin Luthers als Essenz des christlichen Glaubens. Dem mit seinem Glauben vertrauten Christen ist dieser Band eine wertvolle Hilfe, das Bild, im wahrsten Sinne des Wortes, zu lesen und die ohne Sehhilfe übergangenen Subtexte zu erkennen. Interessant wäre es auch gewesen, wenn Sundermeier als Professor, der mit vielen Religionen und deren Bildwelten sich beschäftigt, einen dem christlichen Glauben fremden Leser in den Blick genommen hätte. Unter Umständen wäre das Anstößige, in einem Gekreuzigten Heil zu suchen und von ihm Heilung zu erflehen, noch anstößiger geraten, und damit näher beim Bild gewesen.
Stuttgart: Radius Verlag. 2024
59 Seiten m. farb. Abb.
20,00 €
ISBN 978-3-87173-602-5
