Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Vincent Knopp u.a.: Rechtsextreme Meme

In einer Stellungnahme vom Juni 2025 verwehrte sich die Hamburger CARLSEN Verlag GmbH gegen eine häufige Urheberrechtsverletzung bei der bekannten Kinderbuchfigur „Conni“, das Mädchen mit dem Ringelshirt und der roten Schleife im Haar: „Dass Conni so beliebt ist und ihre Geschichten weit verbreitet sind, findet aktuell vermehrt Ausdruck in zahlreichen, größtenteils KI-generierten Memes in sozialen Netzwerken.“ Der Journalist Titus Blome erklärt dazu in seinem Beitrag „Conni knackt das Urheberrecht“ in DIE ZEIT vom 11. Juli 2025: „Besonders während der Coronapandemie waren Conni-Memes ein kollektiver Zeitvertreib für Menschen, die sich etwas zu eingesperrt fühlten und etwas zu sehr online waren. Das Browserfenster zum Hof war oft die einzige Ablenkung und Memes waren der Kitt, der die neue Onlinegemeinschaft zusammenhielt. Memes sind etwas Gemeinschaftliches, Running Gags und Insiderjokes, die mit Referenzen und Überbietung spielen. Manchmal müssen die Referenzen daher obskur sein, wenn sich Nutzerinnen und Nutzer in den algorithmisch überbordenden Feeds von heute Exklusivität verschaffen möchten. Doch für breite Anschlussfähigkeit braucht es etwas Bekanntes, etwas, das jeder kennt und im Idealfall liebt.“ (Conni-Memes: Conni knackt das Urheberrecht | DIE ZEIT)

Das also sind Meme. Was aber passiert, wenn Meme zu menschenverachtenden, rassistischen oder gewaltverherrlichenden Verwendungen eingesetzt werden und dadurch als Kitt rechtsextremer Onlinegemeinschaften funktionieren? Wie sind solche Meme für Außenstehende überhaupt erkennbar und welche Möglichkeiten gibt es, in pädagogischen Kontexten, in der Sozialen Arbeit oder auch im Bereich der Polizeiarbeit den Strategien extrem rechter Internet-Kommunikation entgegenzuwirken?

Diese Fragen versucht der hier besprochene Band zu beantworten. Er stellt dazu den Forschungsgegenstand Rechtsextremismus in zwei Kapiteln übersichtlich dar (Kapitel 2 und 3 – Was ist die „Neue Rechte“?) und gibt im Anschluss (in Kapitel 4) eine Einführung in Ideologien und Strategien dieser Szene. Weiterhin werden die Mechanismen und Narrative von Meme und ihr Bild-Sprach-Zusammenhang im Internet an zahlreichen Beispielen erläutert (Kapitel 4 und 5). Anschließend wird der Bezug zum demokratischen Lernen in einzelnen Fachbereichen (Sozial- und Politikwissenschaften, Psychologie, Kriminalistik etc.) und speziell zur polizeilichen Arbeit geklärt (Kapitel 6 und 7). Positiv fällt in diesen Kapiteln 2 bis 7 auf, dass die Ankündigung einer „praxisorientierten Einführung“ tatsächlich eingelöst wird. Die einzelnen Kapitel sind nicht als wissenschaftliche Fachartikel, sondern als wissenschaftlich basierte Lerneinheiten gestaltet und eignen sich daher sehr gut zum Selbststudium.

Die folgenden Kapitel 8 bis 13 bieten einen reichhaltigen Methodenkoffer mit sechs Lerneinheiten, die als eigenständige Module in Fortbildungen oder Bildungsveranstaltungen eingesetzt werden können. Hier findet sich ein guter Mix von interaktiven Modulen über Mem-omri-Spiele bis hin zum Lernvideo, so dass sich diese Module für unterschiedliche Kreise von Adressaten anwenden lassen. Dabei werden auch Querbezüge extrem rechter Narrative zu Verschwörungserzählungen (am Beispiel Q-Anon) behandelt.

Über einen QR-Code stehen alle wichtigen Inhalte und Materialien zum Download bereit, was die Vorbereitung einer Veranstaltung und den Einsatz der Materialien sehr erleichtert. Dabei steht auch eine reichhaltige kommentierte Sammlung extrem rechter Meme online zur Verfügung. Im Download-Bereich ist weiterhin die Zweitveröffentlichung eines Artikels von Nils Wegner „Meme: kognitive Biowaffen im Informationskrieg?“ hervorzuheben, der für die inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Phänomenbereich sehr hilfreich ist.

Der Rezensent hat diese Materialien bereits bei einer Veranstaltung mit Studierenden der Sozialen Arbeit mit gutem Erfolg eingesetzt. Es war dadurch möglich, eine solide Einführung und einen breiten Überblick über diese Art der Internet-Kommunikation und ihre Bedeutung in der extrem rechten Szene zu vermitteln. Die relevanten Meme konnten nach den Übungen von den Teilnehmenden sicher identifiziert und decodiert werden, und das ist auch mit Blick auf Lehrerinnen und Lehrer ein wichtiger Kompetenzgewinn. Die Studierenden wurden über die Materialien und Übungen zudem befähigt, bei der Abwehr extrem rechter Narrative (counter-speech) sachlich und fachlich angemessen zu reagieren.

Eine weitere Erkenntnis aus der Lektüre des Buches: „Conni-Meme“ spielen in der extrem rechten Szene aktuell wohl keine Rolle, sehr wohl aber Meme der 2005 von Matt Furie kreierten und ebenfalls recht bekannten Comic-Figur „Pepe, der Frosch“.

Vincent Knopp / Georgios Terizakis / Kai Denker / Eva Groß / Joachim Häfele / Daniela Pollich
Eine praxisorientierte Einführung für die Ausbildung in Polizei und Sozialwissenschaften
utb
Bielefeld: transcript Verlag. 2025
324 Seiten m. Abb.
32,00 €

ISBN: 978-3-8252-6327-0

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