Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Josef Imbach: Die geheimnisvolle Welt der Klöster

Kaum etwas weckt so viel Interesse und ist mit so vielen Vorurteilen belegt wie die Begriffe „Klosterleben“ und „Weltflucht“. Wer sie in einem Atemzug nennt und fragt, was Menschen dazu bewog, sich aus der Welt „zurückzuziehen“ und sich hinter Klostermauern „zu verschanzen“, offenbart damit nicht selten eine vorgefasste Meinung. Auch das vorliegende Buch hat etwas von dieser Vorhersehbarkeit in der Gedankenführung. In elf Kapiteln zeichnet Josef Imbach, der selbst kein Ordenschrist ist, vor allem das frühe und mittelalterliche Mönchtum nach und skizziert geschichtliche Entwicklungslinien anhand ausgewählter Fallbeispiele: Wüstenväter, Entstehung des Mönchtums im Westen, Reformbewegungen, Kreuzzüge, Bettelorden, Gründung der Societas Jesu, Säkularisation.

„Was Klosterküchen nicht...

Jürgen Bärsch: Kleine Geschichte des christlichen Gottesdienstes

Jürgen Bärsch gelingt das Meisterstück, in einem kleinen Band die Entwicklung der Liturgie in ihren verzweigten Ritenfamilien von den Anfängen bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil so spannend zu erzählen, dass im Leser von einem Kapitel zum nächsten das Gespür für die historische Dimension kirchlichen Gottesdienstfeierns wächst. Umbrüche, Krisen und sich wandelnde Mentalitäten erfordern Positionsbestimmungen, was es in dieser und jener Zeit heißt, Christ zu sein, und wie die Kirche ihr Selbstverständnis in ihren Liturgien feiern will. Menschliche Bedürfnisse prägen Form und Inhalt des Gottesdienstes. Liturgien wecken Bedürfnisse und wirken in das alltägliche Leben hinein. Das Sakrale durchdringt das Profane oder bietet ihm Widerstand; das Profane wirkt ein auf das heilige Spiel der...

Bernward Schmidt (Hg.): Kontinuitäten und Brüche

50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil rückt auch das Konzil von Trient, das vor 470 Jahren zu Ende ging, in den Fokus des Interesses. Eine Vortragsreihe und ein Studientag aus Aachen dokumentieren Beiträge, die „Kontinuitäten und Brüche“ in den beiden Konzilien und zwischen ihnen behandeln.

Der einleitende Aufsatz des Aachener Juniorprofessors Bernward Schmidt zeigt auf, dass beide Konzilien nicht nur in sich gesehen werden dürfen, sondern als Teil einer größeren geschichtlichen Entwicklung. Unter historischer Perspektive vertiefen die folgenden Beiträge diese These. Für Patrick Becker ist das Zweite Vatikanum der Aufbruch in die Postmoderne, auch wenn er in nachkonziliaren Verlautbarungen wie „Fides et ratio“ einen Rückschritt sieht. Bernward Schmidt geht dem Kirchenverständnis...

Andreas Holzem: Christentum in Deutschland 1550-1850

Ein wahrhaft monumentales Werk über die Geschichte des Christentums in Deutschland hat Andreas Holzem vorgelegt. Auf 1200 Seiten Text, 150 Seiten Literaturverzeichnis und einem ausführlichen Register behandelt er die Geschichte der christlichen Konfessionen zwischen Reformation und Industrialisierung. Die zehn umfangreichen Kapitel lassen sich den drei Stichworten des Untertitels zuordnen.

Konfessionalisierung ist für den Tübinger Kirchenhistoriker nach wie vor das zentrale Stichwort, unter dem sich die Christentumsgeschichte bis zur Aufklärung theoretisch fassen lässt. Es ist eine politische Kategorie, die zur Bildung von Bekenntnissen und Kirchenverfassungen führte. Die Verchristlichung der Lebenswelten wurde durchgesetzt, notfalls mit Gewalt, wie der Dreißigjährige Krieg und die...

Rolf Decot: Geschichte der Reformation in Deutschland

Klar gegliedert, aus profunder Kenntnis der Quellen und Sekundärliteratur schöpfend und leicht lesbar geschrieben ist das Buch des Mainzer Kirchenhistorikers Rolf Decot über das Reformationszeitalter. In der kaum mehr überschaubaren Vielzahl der Veröffentlichungen im Vorfeld des 500. Jahrestags von Martin Luthers Thesen ist es ein solider Begleiter durch die Themen und Fragestellungen. In zehn Kapiteln entwickelt Decot seine Geschichte.

Zunächst wird die deutsche Reformation in den Kontext der Reformen des späten Mittelalters im kirchlichen und weltlichen Bereich gestellt. Dass er die Frömmigkeit eher unter dem Aspekt der Veräußerlichung darstellt, entspricht einer Forschungsrichtung, die gegenwärtig durch eine positive Wertung der Jahrzehnte um die Wende zur Frühen Neuzeit ergänzt wird.

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Holger Zaborowski: Andächtig leben

Mit den „Denkanstößen für den Alltag“ von Holger Zaborowski liegt eine in Hardcover gebundene Sammlung von 73 ein- bis eineinhalb Seiten langen Texten vor, der ein knappes Vorwort vorangestellt ist. Überschrieben sind die kurzen Texte mit jeweils einem nominalisierten Verb, das vom „Anfangen“ bis hin zum „Zweifeln“ verschiedensten Aspekten unseres Lebens, „dem vielfältigen Handeln des Menschen“, gewidmet ist. Hierbei werden jeweils vier bis zwölf solcher Denkanstöße unter den Rubriken „Freude und Glück“, „Glauben und Wissen“, „Ruhe und Bewegung“, „Leib und Leben“, „Zeit und Geschichte“, „Sprache und Schweigen“, „Leid und Tod“, „Gott und Mensch“ sowie „Gelassenheit und Besinnung“ zu Blöcken zusammengefasst. Auf diese größeren Abschnitte stimmt jeweils ein ganzseitiges Schwarzweißfoto – ein...

Andreas Wollbold: Pastoral mit wiederverheirateten Geschiedenen

Sie verstehen den Untertitel „Gordischer Knoten oder ungeahnte Möglichkeiten?“ nicht? Keine Sorge, beim Lesen erweist er sich als unbedeutend. Der Autor hat von Anfang an bis zum Ende seine fraglose Überzeugung: Wiederverheiratete Geschiedene sind schwere Sünder. Man strafe sie. Da kann man nichts anderes machen. All seine Gewährsleute sagen das auch. Und wer das nicht so sagt, irrt heftig. Es geht um die Bestrafung wiederverheirateter Geschiedener, nicht um Pastoral mit ihnen – dazu müsste man sie wahrnehmen –, sondern um Durchsetzung von Monogamie mit dem heute bisslosen Zwangsmittel der Josefsehe.

Warum? Wozu? Da wirkt die Kraft des als Faktum forsch Behaupteten. Vom Kardinal bis zum letzten theologischen Lehrbuben lässt sich festhalten: Die meisten verstehen moralische...

Monika Fink-Lang: Joseph Görres

Weshalb sollte man Joseph Görres (1776-1848) kennen? Welche Bedeutung hat eine Gestalt, in deren Geburtsjahr die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit proklamierten und der noch den Auftakt zu einer neuen Revolution erlebte? Und wie lässt sich seine Lebensgeschichte heute lesen?

In zehn Kapiteln, angefangen bei Görres‘ „Kindheit in Koblenz“ bis zu den „Späten Münchner Jahren“, erzählt Monika Fink-Lang klug und quellengestützt die Lebensgeschichte ihres Protagonisten, von dem Jean Paul einst meinte, dieser sei „ein Mann aus Männern“. Seiner Biografin gelingt es dabei, den Revolutionär, Abendländer, Mystiker und liberalen Traditionalisten als wahrhaftigen Zeitgenossen im Widerspruch zum Zeitgeist zu porträtieren.

Er gehörte zu den Revolutionsbegeisterten am Rhein: der junge Görres....