Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Holger Zaborowski: Andächtig leben

Mit den „Denkanstößen für den Alltag“ von Holger Zaborowski liegt eine in Hardcover gebundene Sammlung von 73 ein- bis eineinhalb Seiten langen Texten vor, der ein knappes Vorwort vorangestellt ist. Überschrieben sind die kurzen Texte mit jeweils einem nominalisierten Verb, das vom „Anfangen“ bis hin zum „Zweifeln“ verschiedensten Aspekten unseres Lebens, „dem vielfältigen Handeln des Menschen“, gewidmet ist. Hierbei werden jeweils vier bis zwölf solcher Denkanstöße unter den Rubriken „Freude und Glück“, „Glauben und Wissen“, „Ruhe und Bewegung“, „Leib und Leben“, „Zeit und Geschichte“, „Sprache und Schweigen“, „Leid und Tod“, „Gott und Mensch“ sowie „Gelassenheit und Besinnung“ zu Blöcken zusammengefasst. Auf diese größeren Abschnitte stimmt jeweils ein ganzseitiges Schwarzweißfoto – ein...

Andreas Wollbold: Pastoral mit wiederverheirateten Geschiedenen

Sie verstehen den Untertitel „Gordischer Knoten oder ungeahnte Möglichkeiten?“ nicht? Keine Sorge, beim Lesen erweist er sich als unbedeutend. Der Autor hat von Anfang an bis zum Ende seine fraglose Überzeugung: Wiederverheiratete Geschiedene sind schwere Sünder. Man strafe sie. Da kann man nichts anderes machen. All seine Gewährsleute sagen das auch. Und wer das nicht so sagt, irrt heftig. Es geht um die Bestrafung wiederverheirateter Geschiedener, nicht um Pastoral mit ihnen – dazu müsste man sie wahrnehmen –, sondern um Durchsetzung von Monogamie mit dem heute bisslosen Zwangsmittel der Josefsehe.

Warum? Wozu? Da wirkt die Kraft des als Faktum forsch Behaupteten. Vom Kardinal bis zum letzten theologischen Lehrbuben lässt sich festhalten: Die meisten verstehen moralische...

Monika Fink-Lang: Joseph Görres

Weshalb sollte man Joseph Görres (1776-1848) kennen? Welche Bedeutung hat eine Gestalt, in deren Geburtsjahr die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit proklamierten und der noch den Auftakt zu einer neuen Revolution erlebte? Und wie lässt sich seine Lebensgeschichte heute lesen?

In zehn Kapiteln, angefangen bei Görres‘ „Kindheit in Koblenz“ bis zu den „Späten Münchner Jahren“, erzählt Monika Fink-Lang klug und quellengestützt die Lebensgeschichte ihres Protagonisten, von dem Jean Paul einst meinte, dieser sei „ein Mann aus Männern“. Seiner Biografin gelingt es dabei, den Revolutionär, Abendländer, Mystiker und liberalen Traditionalisten als wahrhaftigen Zeitgenossen im Widerspruch zum Zeitgeist zu porträtieren.

Er gehörte zu den Revolutionsbegeisterten am Rhein: der junge Görres....

Gabriele Ziegler: Die Wüstenmütter

Weise Frauen des frühen Christentums
Mit einem Vorwort von Anselm Grün

Unter dem Titel „Die Wüstenmütter“ holt die Theologin Gabriele Ziegler weise Frauen des frühen Christentums aus der Vergessenheit heraus und übersetzt deren Botschaft in unsere Zeit hinein. Sie lehren uns die Fähigkeit, sich mit dem ganzen Leben Gott zu überlassen, um so dem Geheimnis des Menschen und seiner Selbstwerdung immer tiefer auf die Spur zu kommen.

Nach einem Eintauchen in die spätantike Welt werden die „Wüstenmütter“ gewürdigt und kommen selbst zu Wort – so Theodora, Sartha, Synkletika und Melania sowie die Ägyptische Maria und die Amme Benedikts. Beispielhaft wird „Melania die Ältere“ (342-410) vorgestellt: Die adelige Witwe bricht nach Tod ihres Mannes und Vollreife ihres Sohnes besitzlos auf, über die...

Ulrich L. Lehner: Mönche und Nonnen im Klosterkerker

Ein verdrängtes Kapitel Kirchengeschichte

Einer dunklen Seite der Kirchen- und Ordensgeschichte spürt der in Milwaukee lehrende Kirchenhistoriker Ulrich Lehner nach. Seine detektivische Suche nach Quellen führte ihn in 19 staatliche und kirchliche Archive in Österreich, Deutschland und Polen. Anfangs wollte er selbst nicht glauben, dass in der Frühen Neuzeit in Männer- und Frauenorden eine parallele Justiz herrschte, die Mitglieder zu jahre-, ja jahrzehntelanger Kerkerhaft, zu regelmäßigen Auspeitschungen, zu Fasten bei Wasser und Brot, zu Vernachlässigung gesundheitlicher Versorgung verurteilte. Doch die Funde in den Archiven belehrten ihn eines Besseren. Zwar wurden in vielen Akten in den Klosterarchiven Vorgänge entnommen, doch existiert eine wenig beachtete Literatur zu...

Katja Boehme: Madeleine Delbrêl

Poetin, Sozialarbeiterin, Missionarin und Prophetin – diese Attribute versuchen das Leben und Schaffen Madeleine Delbrêls zu umschreiben. Anlässlich ihres 50. Todestags am 13.10.2014 wurde das Gedenken an sie wieder stärker. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit dieser ungewöhnlichen Frau, die als Pionierin einer missionarischen Pastoral bzw. eines profilierten Laienapostolates gelten kann, wie es erst im 2. Vatikanischen Konzil anerkannt und rezipiert wurde. Auch das Denken und Handeln Papst Franziskus‘ trägt zu einer erneuten Beschäftigung mit ihr bei, da er durchaus ähnliche Handlungsmotive und den missionarischen Einsatz für die Armen fordert. Madeleine Delbrêl hat sich ganz der Sorge um die Armen, in ihrem Fall der Arbeiterschaft in Ivry, verschrieben.

Zu ihrem Gedenken...

Annette Schleinzer: Die Liebe ist unsere einzige Aufgabe

Das Lebenszeugnis der Madeleine Delbrêl

Poetin, Sozialarbeiterin, Missionarin und Prophetin – diese Attribute versuchen das Leben und Schaffen Madeleine Delbrêls zu umschreiben. Anlässlich ihres 50. Todestags am 13.10.2014 wurde das Gedenken an sie wieder stärker. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit dieser ungewöhnlichen Frau, die als Pionierin einer missionarischen Pastoral bzw. eines profilierten Laienapostolates gelten kann, wie es erst im 2. Vatikanischen Konzil anerkannt und rezipiert wurde. Auch das Denken und Handeln Papst Franziskus‘ trägt zu einer erneuten Beschäftigung mit ihr bei, da er durchaus ähnliche Handlungsmotive und den missionarischen Einsatz für die Armen fordert. Madeleine Delbrêl hat sich ganz der Sorge um die Armen, in ihrem Fall der Arbeiterschaft in Ivry,...

Matthias Kopp: Franziskus im Heiligen Land

Päpste als Botschafter des Friedens: Paul VI – Johannes Paul II – Benedikt XVI – Franziskus

Die vier Papstreisen der modernen Päpste bilden ein faszinierendes Einzelthema. Matthias Kopp stellt es ohne Parteinahme dar, wenn er nur die Geschichte der päpstlichen Fahrten erzählt und die Geschichte Palästinas ausspart; diese Beschränkung ist bei solch kontroverser Thematik sinnvoll. So wird aus 50 Jahren einer sehr speziellen Geschichte das dargestellt, was die beteiligten vier Päpste gemacht und gesagt haben. Am Ende steht die Episode Franziskus 2014. Ein road movie der Diplomatie-Faction.

Das Webmuster heißt wachsende Nähe. Entstanden ist das Buch in mühsamer Sammlerarbeit, zusammengetragen nach ungesagten Kriterien. Die Quellen sind offensichtlich Reisepläne, Bulletins und vatikanische...