Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Stefan Moster: Vom Glück, im Chor zu singen

Kennen Sie Karl Gottlieb Lappe? 1818 erschien sein Gedicht „Im Abendroth“ in der „Zeitung für die elegante Welt“ (Leipzig). Sieben Jahre später entstand die Vertonung Franz Schuberts für Stimme und Klavier, deren Männerchorversion von Jakob Christ zu Beginn des 20. Jh. viral ging. Es erklingt gedämpftes B-Dur, die Stimmung ist weihevoll. Dies alles geschieht, so Stefan Moster, im Garten des Großvaters. Andächtige Stille und tiefe Rührung ergreift alle Anwesenden, eine Rückkehr ins Diesseits gelingt erst 200 Mettbrötchen und 50 Flaschen Weißwein später. Darum geht es in diesem Buch: Chorsingen ist eine eigene Welt, in der (auch) tiefes Glück zu Hause ist.

Moster beschreibt die Welt aus 53 verschiedenen Blickwinkeln, streift Forschungsergebnisse, Alltags- und Nischenthemen. Chorsingen ist...

Hans Georg Wehrens: Die Kreuzigungsdarstellungen im ersten Jahrtausend mit einer Ikonografie der Kreuzsymbole

Der pensionierte Freiburger Jurist Hans Georg Wehrens begibt sich erneut auf das spannende Feld der christlichen Ikonografie und Kunstgeschichte – diesmal mit einem Buch über Kreuzigungsdarstellungen im ersten Jahrtausend. Als Autodidakt hat er sich bereits intensiv mit der Geschichte seiner alemannischen Heimat und der frühchristlichen Baukunst Italiens, insbesondere Roms, beschäftigt.

Das neue Werk knüpft an diese bisherigen Forschungsfelder an und widmet sich einem zentralen Thema der frühen christlichen Kunst: der Kreuzigung. Wehrens stellt die ausgewählten Objekte in einem streng chronologischen, gattungsübergreifenden Katalog vor. Das Inhaltsverzeichnis teilt das Buch grob in Spätantike und Frühmittelalter. Auffällig ist, dass sich ikonografisch kein harter Bruch zwischen den...

Theo Sundermeier: Hoffnung für Leidende. Die Botschaft des Isenheimer Altars

Ein Forschungsschwerpunkt des emeritierten evangelischen Professors für Theologie der Religionen sind Kulte und Riten zu Heil und Heilung des Menschen. In sieben kleinen Kapiteln stellt er dem Leser, neben dem Maler, Matthias Grünewald, den Auftraggeber des Isenheimer Altars und den Zweck der Altarstiftung vor, nämlich den – durch von Getreide kaum zu unterscheidenden Mutterkorn vergifteten –Sterbenskranken mit ihren pestartig gezeichneten Körpern den menschgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus zu zeigen, der ihre Krankheiten getragen hat und sie in ihren Leiden tragen wird.

Dazu präsentiert Theo Sundermeier in großformatigen Tafeln den jeweils zu besprechenden Teil des Altars und führt den Leser konzentriert durch die Gesamtkomposition, um dann im Text durch kleine...

Gregor Maria Hoff: Widersprüchliche Hinterlassenschaft. Das Zweite Vatikanische Konzil und seine ungelösten Probleme

Ist das Zweite Vatikanische Konzil an allem schuld? Das mag man sich bei der Lektüre des vorliegenden Buches und mit Blick auf die Spannungen im gegenwärtigen Katholizismus bisweilen fragen. Etwas differenzierter, aber doch ähnlich gelagert ist die Ausgangsthese von Gregor Maria Hoff, Professor für Fundamentaltheologie in Salzburg: Bereits im Konzil wurden Meinungsverschiedenheiten zwischen seinen „Parteien“ und Spannungen zwischen seinen Konstitutionen, Dekreten und Erklärungen sichtbar, die sich in den Jahrzehnten danach bemerkbar machten und bis in die Gegenwart auswirken.

Hoff geht dieser These in 17 knappen Kapiteln nach, die jeweils von einem eigenen Problem ausgehen und dabei ein breites Spektrum an Themen und Konzilsdokumenten abschreiten. Unter anderem geht es um die Entwicklung...

Ulrich Dobhan OCD / Elisabeth Peeters OCD: Johannes vom Kreuz – Leben und Mystik

Überaus kenntnisreich führen die beiden Autoren das wechselvolle Leben, das innovative Denken und die mystische Frömmigkeit des Heiligen Johannes vom Kreuz im historischen Kontext vor Augen. Darüber hinaus kennzeichnen sie Johannes‘ Einfluss auf die geistliche und die säkulare Dichtung. Einer Zeittafel als Überblick über das Leben und Wirken des 1542 in der Provinz Avila als jüngster Sohn in eine bitterarme Familie geborenen Juan de Ypes folgt in Abgrenzung zur Hagiografie die detaillierte erzählende Darstellung seiner Biografie.

Der neue Blick auf den Lebensweg von Juan de la Cruz mit seinen Höhen und Tiefen wirkt besonders plastisch: Die Autoren verknüpfen nämlich die markanten Stationen im konfliktreichen Leben des Karmeliters bis zu seinem Tod 1591, darunter die prägende Begegnung mit...

Michael Hochschild: Geometrie des Sinns. Offenheit und Methode

Michael Hochschild legt mit „Geometrie des Sinns. Offenheit und Methode“ einen Versuch vor, die Humanwissenschaften (z. B. Kulturwissenschaften, Soziologie, Philosophie) hinsichtlich ihrer Zeitdiagnostik neu zu denken. Sein zentraler Vorschlag ist, dass nicht eine statische („ruhende“) Beobachtung genügt, sondern eine „bewegte Beobachtung“ notwendig sei. Das meint eine Beobachtung, die sensibel bleibt gegenüber Wandel, Unsicherheit, dem Unbekannten. Die variable „Geometrie des Sinns“ ist ein Bild dafür, dass Sinn-Stiftungen, Bedeutungen, Wahrnehmungen und Deutungen nicht feststehend, sondern in Bewegung, fluide, kontextabhängig sind.

Der Autor plädiert für Offenheit und Methode als miteinander verwobene Prinzipien. Offenheit gegenüber dem Unerwarteten, der Unschärfe, dem Nicht-Wissen;...

Ulrich Steinvorth: Was Philosophie war, ist und sein kann. Eine kurze historische Einführung

Ulrich Steinvorth (*1941) war bis zu seiner Emeritierung Professor für praktische Philosophie an der Universität Hamburg und anderen Bildungsstätten im In- und Ausland. Die Hauptthesen des Buches kann man so zusammenfassen: Philosophie hat seit ihren Anfängen mit zwei Aufgaben zu tun: Die Seinsfrage dient der Klärung der Wahrheit. Unentschieden ist, ob das entscheidende Wahrheitskriterium als Übereinstimmung mit der Wirklichkeit oder als Kohärenz einer Theorie verstanden werden kann. Doch braucht die Philosophie diese Debatte nicht mehr umzutreiben, weil sie die Beurteilung der Seinsfrage an die Wissenschaft abgetreten hat. Demzufolge ist die zweite Aufgabe der klassischen Philosophie die Sinnfrage, seit der Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaft die einzige Problemstellung – deren...

Ruben Zimmermann: Warum weniger gut sein kann. Eine Ethik des Verzichts

Der Begriff Askese verfügt über eine lange philosophische Geschichte. Abstinenz von Genüssen empfahlen stoische Denker wie Seneca inmitten der Dekadenz der römischen Kaiserzeit. Ruben Zimmermann greift in seinem knappen Buch über eine zeitgemäße Ethik des Verzichts auf philosophische Klassiker zurück. Die Besinnung auf Aristoteles zeigt der Leserschaft an, dass Menschen seit jeher sich zügellosen Leidenschaften ergaben, ausschweifend lebten oder einfach im Handeln unausgeglichen waren. Zu der von Aristoteles empfohlenen, vernunftbestimmten „Mesotes“, die das richtige Maß bezeichnet, rät auf gewisse Weise auch der Philosoph Zimmermann, veranschaulicht mit zahlreichen, oft etwas künstlich wirkenden Beispielen, die alltagstauglich gemeint sind. Der Gang der Argumentation wird aber durch die...