Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Georg Röwekamp: Christen in der Region Gaza. Eine vergessene Geschichte

Gaza hat eine lange und bewegte christliche Geschichte, darauf macht Georg Röwekamp in seiner kurzweiligen und informativen Monographie „Christen in der Region Gaza: Eine vergessene Geschichte“ eindrücklich aufmerksam. Er hat eine allgemein verständliche und dennoch ausgesprochen akademische Einführung im rechten Augenblick vorgelegt, die über die vielen historischen, kunstgeschichtlichen, religionswissenschaftlichen und theologischen Details hinaus eine Hilfe zum Verständnis des Gaza-Konflikts und des Krieges gibt.

Die dazu erforderliche Expertise bringt der Autor reichlich mit: Er war Geschäftsführer und theologischer Leiter der Biblische Reisen GmbH, Repräsentant des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL) in Jerusalem und Leiter des Pilgerhauses des DVHL in Tabgha am See...

Frank Griffel: Den Islam denken. Versuch, eine Religion zu verstehen

 

Ein bekanntes Vorurteil, das immer wieder vor allem in den Medien begegnet, ist die Aussage, dass der Islam weder eine Reformation noch eine Aufklärung durchgestanden hätte wie das Christentum. Daraus folge, dass der Islam immer noch im Mittelalter stecken geblieben sei, was vor allem die Anwendung der Scharia in Saudi-Arabien mit ihren ausgesprochen gewalttätigen Körpersprachen sowie der terroristische Dschihadismus zeigen. Ebenso sei der sogenannte Politische Islam eine folgerichtige Erscheinung im Westen, der sich gegen die emanzipatorischen Potenziale der (Spät-)Moderne richte und dagegen die Herrschaftsform des Kalifats setzte, das weltlich-staatliche und zugleich sakrale Macht beinhaltet. Der Islam, so der durchgängige Tenor, sei ein Modernitätsverlierer, der aber diese pejorative...

Jörg Ernesti: Der Vatikan. Geschichte, Verfassung, Politik

Im Frühjahr 2025 war es wieder zu erleben: Der Tod eines Papstes und die Wahl seines Nachfolgers sind globale Ereignisse. Sie bremsen die Tagespolitik, bringen Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen und entflammen ein hohes Interesse an den Abläufen im Vatikan, an ihrer Symbolik und an ihrer Deutung. Hat der Papst auch nur wenig politische Macht, gilt er doch weit über den binnenkirchlich-katholischen Raum hinaus als Autorität. Der vorliegende Band hätte also zu keinem günstigeren Zeitpunkt erscheinen können – beabsichtigt oder nicht, das Timing von Autor und Verlag war perfekt.

Der Augsburger Kirchenhistoriker Jörg Ernesti beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Papsttums und der päpstlichen Diplomatie, vorwiegend im 20. Jahrhundert, und hat in der letzten Zeit...

Martin Kaufhold: Die abendländische Christenheit im Mittelalter

Auf der Suche nach historischen Einführungs- oder Überblickswerken zu einer bestimmten kirchengeschichtlichen Epoche stößt man noch allzu häufig auf Bücher, die altbekannte Themen mit nur wenigen neuen Einsichten präsentieren. Dazu gehören im Hinblick auf das Mittelalter vor allem die sogenannte Germanenmission, das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht, Entwicklungen in der Ordensgeschichte, Kreuzzüge und Verfolgung von „Häretikern“ sowie das Verhältnis zu Judentum und Islam. Mit einer gewissen Geschlechtersensibilität wird normalerweise auch die Frauenmystik beleuchtet. Umso mehr überrascht das neue Buch „Die abendländische Christenheit im Mittelalter“ von Martin Kaufhold, das sich in vielerlei Hinsicht wohltuend von der Masse vergleichbarer Darstellungen abhebt. Es erhebt den...

Jan-Heiner Tück, Uta Heil (Hg.): Nizäa – Das erste Konzil

Zunächst einmal ist bei diesem (Jubiläumsjahr-)Sammelband der Hinweis wichtig, dass das Glaubensbekenntnis von Nizäa die wesentliche Grundlage für das Konzil von Chalkedon liefert, dessen Glaubensbekenntnis das „einzige Glaubensbekenntnis ist, das von der römisch-katholischen, evangelischen und orthodoxen Christenheit gemeinsam geteilt wird“ (9).

Es gibt allerdings auch einen anderen wesentlichen Grund. Die mit dem Konzil von Nizäa erstmals explizit kirchlich-gemeinschaftlich formulierte Lehre, dass Jesus von Nazareth als der Christus wahrer Gott und wahrer Mensch sei, ist eine geistesgeschichtliche Zäsur. Auf der einen Seite wird die (auf den Mittelmeerraum bezogene) antike ontotheologische Selbstverständlichkeit, dass Gott leidensfrei sei, aufgehoben. Auf der anderen Seite trennt sich...

Justus Geilhufe: Gott und die Schönheit. Entdeckungen in der atheistischen Gesellschaft

Es sticht ins Auge, das Büchlein in leuchtendem Pink, mit dem Neugierde weckenden Titel „Gott und die Schönheit“. Und auch der Untertitel macht Lust, hineinzulesen: „Entdeckungen in der atheistischen Gesellschaft“. Justus Geilhufe, promovierter evangelisch-lutherischer Theologe und Pfarrer in Sachsen, macht sich in seinem Essay auf die Suche: nach Gott, dem Glauben, der Schönheit. Sie führt ihn durch denkbar unterschiedliche Gegenden und Milieus, irgendwo zwischen Technoclub und Kloster. Was auf den ersten Blick diametral entgegengesetzt steht, ist die Basis für einen Roadtrip, der in der Taufe seines Freundes Matej mündet.

Kennengelernt haben sich der Journalist und der Theologe bei einer Recherche für einen Artikel über die Zeit der Wende, Ostdeutschland und wie Christen diese Zeit...

Bernd Stegemann: Was vom Glauben bleibt. Wege aus der atheistischen Apokalypse

Die Zahl philosophischer, soziologischer und kulturwissenschaftlicher Analysen zu Religion und Glaube wächst stetig. Trotz einer säkularen Fokussierung geht es oft nicht mehr um eine religionskritische Abrechnung mit dem Christentum zugunsten eines humanistischen Fortschritts, sondern um den möglichen positiven Beitrag von Religion für Individuum und Gesellschaft. In diese Linie reiht sich auch das vorliegende Buch von Bernd Stegemann ein, der als Professor für Dramaturgie und Kultursoziologie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin tätig ist. Insbesondere der Untertitel lässt aufhorchen. Denn mit „atheistischer Apokalypse“ wird gerade das seit der Aufklärung sich ausbreitende säkulare Zeitalter etikettiert. Stegemann schreibt als katholisch geprägter „Ungläubiger über...

Ralf Frisch: Gott. Ein wenig Theologie für das Anthropozän

Die „Selbstverwandlung der Theologie in eine Art archäologische Wissenschaft des einstmals Geglaubten“ (50), weil „Gott vielen Theologinnen und Theologen schlicht nicht geheuer“ ist (56), setzt „die Zukunft der Theologie und die Zukunft der evangelischen Kirche“ aufs Spiel (53). Dieses Buch eines protestantischen Theologieprofessors – das der katholische Rezensent durchaus als ökumenisch empfindet – ist ein Einspruch gegen einen „theologisch-moralischen Streichelzoo“ (97), welcher Gottes ungeheuerliche Herrlichkeit aus dem Gottesbild verbannt und ihn damit menschengerecht depotenziert. Unter diesen Vorzeichen sucht das vorliegende Buch, die (evangelische) Theologie von Karl Barth her gegen ihre Selbstrelativierungen – als Anthropologie, als Moral, als Sentimentalität – im Anthropozän in...