Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Paul Petzel / Norbert Reck (Hg.): Von Abba bis Zorn Gottes

im Auftrag des Gesprächskreises Juden und Christen beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken
Irrtümer aufklären – das Judentum verstehen

Das Buch „Von Abba bis Zorn Gottes“ ist ein wahres Desideratum und stellt eine hervorragende Grundlage für den Dialog dar. Verfasst von 33 jüdischen und christlichen Wissenschaftlern, werden hier 57 wichtige Begriffe – Juden- und Christentum betreffend – von A bis Z erläutert. Auf problematische Aussagen über das Judentum folgen jeweils Diskussionen und Perspektiven mit weiterführender Literatur. Das Ziel der Autoren ist es, Irrtümer aufzuklären, die das Verhältnis zwischen Juden und Christen seit 2000 Jahren schwer belasten. Von wissenschaftlicher Seite her gibt es diesbezüglich zwar seit dem 2. Vatikanischen Konzil mehrere Arbeiten, die Ergebnisse...

Walter Homolka: Übergänge

Beobachtungen eines Rabbiners
Mit einem Vorwort von Margot Käßmann

Dieses Buch lässt uns Einblick haben in die jüdische Zeitgeschichte, die hier mit den Augen eines Rabbiners betrachtet wird. An dieser Geschichte der jüngeren Gegenwart hat Walter Homolka großen Anteil, denn er ist ein Visionär, der seinen großen Gedanken auch Taten folgen lässt. Neben vielen Ämtern ist er der Mitbegründer und Rektor des 1999 errichteten Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam. Diese Einrichtung war für die liberale jüdische Welt ein Markenstein, denn nun konnten – erstmals nach dem Holocaust – in Deutschland wieder Rabbiner ausgebildet werden. Mit deren Hilfe konnte nun in Deutschland wieder jüdisches Leben neu entstehen. Eine weitere große Errungenschaft, die auch nur durch sein Engagement...

Nicolai Sinai: Der Koran

Eine Einführung

Der Koran (Rezitation) gilt dem gläubigen Muslim als das unmittelbare Wort Gottes. Er ist das Zentrum der islamischen Religion und Quelle ihrer Spiritualität. Nach islamischer Tradition vollendete der Kalif `Uthmān (644-656), der dritte Nachfolger des Propheten Muhammad, die Sammlung der Aufzeichnung aller Offenbarungstexte. Die frühe Redaktion des Korans hat zu einer weitgehend einheitlichen Überlieferung des Textes geführt. Die Anordnung der einzelnen Verse (arabisch Suren) erfolgte weder nach der chronischen Reihenfolge ihrer Offenbarung, noch ergibt sie einen fortlaufenden, zusammenhängenden Text. Die Grobeinteilung der Offenbarungstexte unterscheidet zwischen mekkanischen Suren, die vor der Hiğra, und medinensischen Suren, die nach der Hiğra, also zwischen 622 und 632...

Willi Steul (Hg.): Koran erklärt

unter Mitwirkung von Sebastian Engelbrecht und Thorsten Gerald Schneiders
Ein Beitrag zur Aufklärung

Vielfalt und Auflagenhöhe der Publikationen zum Thema Islam sprechen eine deutliche Sprache: Es herrscht ein hoher Informationsbedarf in Sachen Religion. Nicht selten bedienen die gewählten Titel dabei jedoch islamophobe Klischees und Totalitarismen – sei es in den Printmedien oder in den Programmen der privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Sie bilden ex- und implizit die Grundlage für Meinungsbildung und prägen das Bild des Islams, besonders in seiner politisierten und virtuellen Form. 

Eine dagegen innovative Präsentation islamischer Glaubensinhalte stellt die seit dem 6. März 2015 freitags um 9:55 Uhr gesendete Deutschlandfunk-Reihe „Koran erklärt“ dar. Die Autorinnen...

Lutz Berger: Die Entstehung des Islam

Gegenwärtig ist der Islam zu einem Diskursfeld (Werner Schiffauer) geworden, auf dem wahre Schlachten stattfinden. Inner- und auch außerislamisch herrscht ein Kampf um die (theologische) Deutungshoheit des „Wesens“ des Islam und seinen (politischen) (Allein-)Vertretungsanspruch in der Gesellschaft. Für viele Akteure wird dabei vor allem die Entstehungsgeschichte dieser Religion zu einer Projektionsfläche, in der man – je nach Perspektive – schon ihre Defizite (Gewaltaffinität, Unterdrückung der Frau, Demokratiefeindlichkeit usw.) oder ihre Errungenschaften (Frieden, Dialog der abrahamitischen Religionen, Humanisierung der Gesellschaft usw.) zu finden meint.
 
Lutz Bergers Buch ist dagegen von wohltuender Nüchternheit und Sachlichkeit. Direkt in seinem Vorwort erteilt der Kieler...

Gerhard Mayer / Michael Schetsche / Ina Schmied-Knittel / Dieter Vaitl (Hg.): An den Grenzen der Erkenntnis

Handbuch der wissenschaftlichen Anomalistik

Das Buch versucht eine Pionieraufgabe zu übernehmen – nämlich in einem Bereich, der von seinem Image her „esoterisch verseucht“ gilt, Klarheit über das zu schaffen, was im weitesten Sinne empirisch als gesichert gelten kann. Die Fülle der Artikel dieses Handbuches aufzuzählen würde den Umfang sprengen. Deshalb beschränke ich mich auf einige grundsätzliche Betrachtungen und nehme auf die verschiedenen Phänomenbereiche nur exemplarisch Bezug.

Wie schon das Wort Anomalistik sagt, handelt es sich hier um einen Bereich, in dem wiederholbare Experimente naturgemäß nur eine geringe Rolle spielen können (99). Es ist darauf hinzuweisen, dass Anomalien in den anerkannten Wissenschaften vorkommen, dort zunächst stören, aber andererseits einen...

Klaus von Stosch: Herausforderung Islam

Christliche Annäherungen

Zugegeben: Von einem „Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften (ZeKK)“ habe ich erstmals im Sommer 2016 gehört, als nämlich die Veröffentlichung des hier zu besprechenden Buchs bevorstand. Sein Autor, Dr. Klaus von Stosch, Professor für Kath. Theologie und ihre Didaktik, Jahrgang 1971, leitet dieses Institut an der Universität Paderborn bereits seit 2009. Er hat es initiiert und wesentlich geprägt. Namhafte muslimische und jüdische Theologinnen und Theologen arbeiten an diesem interreligiösen Projekt mit und veranstalten Begegnungen von Studierenden vor Ort: in Deutschland, im Iran, in Ägypten und anderswo.

Es geht nicht um vergleichende Religionswissenschaft, obwohl deren Ergebnisse aufmerksam zur Kenntnis genommen werden. Es geht vielmehr um...

Klaus von Stosch / Mouhanad Khorchide (Hg.): Streit um Jesus

Muslimische und christliche Annäherungen

Der Topos „Streit um Jesus“, der als Titel des Sammelbandes gewählt wurde, ist eigentlich ein genuin christlicher, verweist er doch darauf, dass spätestens seit dem 2. Jahrhundert in der frühen Kirche die theologischen Debatten über die Frage nach dem Mensch- und Gottsein Jesu Christi an Zahl und Vehemenz stark zugenommen haben. Die christologischen Dogmen sowie die Ausformulierungen der Trinitätstheologie sind die Frucht dieser innerkirchlichen Auseinandersetzung, die sich über mehrere Jahrhunderte hinzog.

Die Übernahme dieses Topos in den christlich-islamischen Dialog hinein ist dahingehend nachvollziehbar, dass der Islam eine eigene Jesus-Tradition entwickelt hat, die die christlichen Theologien bis heute irritiert und – beginnend bei Johannes...