Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Celalettin Kartal: Deutsche Yeziden

Die brutale Verfolgung der Yesiden durch das islamistische Terrorregime IS in Syrien und Irak hat diese religiöse Gemeinschaft einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland etwas bekannt gemacht. Doch wer sind die „Yesiden“?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Im Deutschen gibt es zunächst keine einheitliche Schreibweise: Jesiden oder Yeziden oder Ezidi oder Yesiden oder Yezidi. Der Forschungsstand zu dieser „Religionsgemeinschaft“, „Religionskultur“, „Volk“, „Ethnie“, „Religion“ ist uneinheitlich und divers.

Das renommierte Oxford-Lexikon der Weltreligionen erläutert unter dem Stichwort „Yezidis“: „eine religiöse Gemeinschaft, die unter den Kurden des Irak, der Türkei, Syriens, Deutschlands, Armeniens und Georgiens verbreitet ist. Ihren Kern bildete eine muslimische...

Hermann-Josef Frisch: Der Koran für Christen

Die Quelle und gleichsam das Fundament des Islam ist der Koran. Als die Urkunde der Offenbarung Gottes ist der Koran, dem Propheten Muhammad durch den Engel Dschibrîl (Gabriel) Wort für Wort vermittelt, für die Muslime das ungeschaffene Wort Gottes, die Mitte und das Zentrum des Islam. Der Koran ist für die Muslime in Leben, Lehre und Kult eine allumfassende Glaubens- und Lebensordnung. Als Heilige Schrift gehört der Koran den Muslimen, weil er aber als Schrift jüdisches und christliches Erinnerungsgut in sich birgt, kann der Koran Nichtmuslimen nicht gleichgültig sein. Unter Beachtung dieses Kontextes weist die aktuelle Koranforschung nach, dass der Korantext mehr denn je als ein wichtiges Vermächtnis der Spätantike an Europa geachtet werden muss.

Wer die Muslime und den Islam verstehen...

Hubert Frankemölle: Vater im Glauben?

Für die drei Buchreligionen Judentum, Christentum und Islam ist die Gestalt Abrahams von grundlegender und besonderer Bedeutung. Die Berufung auf Abraham als den „Vater des Glaubens“ wird in den Dokumenten zum interreligiösen Dialog und in der interreligiösen Begegnung immer wieder benannt und besonders hervorgehoben. Aber ist Abraham für Juden, Christen und Muslime wirklich der gemeinsame Vater im Glauben?

Diese Frage treibt den im christlich-jüdischen Dialog wie im Trialog (Judentum, Christentum und Islam) hoch- und wertgeschätzten Neutestamentler Hubert Frankemölle in seiner neuesten Publikation um. Nach einem Vorwort lotet der Verfasser zunächst den Raum des umfassenden Themas aus und benennt sodann die methodologische Verortung wie die methodologischen Grunddaten seines Vorhabens,...

Lorenz Just: Mohammed

Der Autor der vorliegenden Biografie des Propheten des Islams ist ein studierter Islamwissenschaftler und findet – soweit das Internet dafür auskunftsfähige Indizien liefern kann – seine Berufung in der Literatur. Die Freude am Erzählen, sogar am Erdichten, merkt man dieser Mischung aus Quellenzitaten, erzählten Filmsequenzen, Dichtung und islamwissenschaftlichem Grundlagenreferat an.

Lorenz Just nähert sich dem Thema mit wohlwollendem Interesse, ohne persönlich voreingenommen zu sein, und im besten Sinne naiv. Er beschreibt, was aus heutiger Perspektive der Rechtfertigung, der Begründung aus den historischen Umständen oder der kritischen Deutung bedürfte – wie Muhammads Kriegsführung oder sein Umgang mit den Angehörigen anderer Religionen. Er blendet die gesamte Debatte um die...

Mouhanad Khorchide: Gott glaubt an den Menschen

Das Buch des Münsteraner islamischen Religionspädagogen Mouhanad Khorchide versteht sich als ein engagierter Alternativentwurf des Islam. Und dies gilt in beide Richtungen: Es ist ein kritischer Alternativentwurf des Islam gegenüber anderen Lesarten des Islam, die die Entfaltung des humanistischen Potentials behindern, und ebenso ein islamisch inspirierter gesellschaftlicher Gegenentwurf zu nicht weniger als der generellen Situation der Menschheit, die der Autor in der Gefahr des Antihumanismus sieht. Khorchide denkt nicht zu klein, und so muss man sein Buch als ein Manifest lesen, das der lebendigen Diskussion und den zum Teil heftigen Angriffen auf seine Person entwachsen ist.

Der Charakter des Buches ist jedoch auch noch einmal tiefer in seiner Auffassung des Islam gegründet, in der...

Klaus von Stosch / Aaron Langenfeld (Hg.): Streitfall Erlösung

Gerade im Gottesverständnis von Christen und Muslime bestehen Unterschiede und Differenzen, die sich vor allem darin zeigen, dass Muslime das trinitarische Gottesverständnis, die Menschwerdung des Sohnes Gottes in Jesus von Nazareth sowie die Erlösung der Menschen durch Jesu Christi Tod und Auferweckung bestreiten und entschieden ablehnen. Der Mensch im Gegenüber zu Gott braucht seitens des Islams nicht den Glauben an eine Erlösung – zumal an eine Erlösung vermittelt durch den Kreuzestod einer in der Geschichte lebenden und handelnden Person. Mit diesen Aussageweisen sind die unverwechselbaren Grunddaten christlicher und koranischer Offenbarung wie auch die Koordinaten des Streitfalls Erlösung im christlich-islamischen Gespräch benannt.

Diese Koordinaten waren Anlass und Grund genug, im...

Michael Landgraf: Fernöstliche Religionen

Holi – das ist ein unter jungen Menschen beliebtes „Farbgefühle Festival“, ein buntes Partyspektakel. Aber nicht doch: „Holi – das ist einer der wichtigsten Feiertage im Hinduismus.“ Das indische Fest zur Ehrung von Gottheiten und zur Begrüßung des Frühlings ist als Kulturfest der Farben nach Deutschland geschwappt. Michael Landgraf greift diese und andere Anverwandlungen und Umdeutungen fernöstlicher Traditionen in unserer Gegenwartskultur auf und nimmt sie zum Ausgangspunkt für eine umfassende und differenzierte Auseinandersetzung mit den Traditionen der fernöstlichen Religionen. Nach dem Motto „Fernost ganz nah“ fordert er Schüler/innen auf, nach Spuren der fernöstlichen Religionen in ihrem Umfeld zu suchen, sie in ihren originären Bedeutungen aufzuspüren und die Verwendung und...

Tilmann Seidensticker: Islamismus

Geschichte, Vordenker, Organisationen

Der Begriff Islamismus begegnet uns nahezu täglich in den Massenmedien. Doch was heißt eigentlich Islamismus? Und welches Phänomen beschreibt er? Eine Begriffsklärung gibt Tilman Seidensticker, Professor für Islamwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena in seinem Buch „Islamismus“ aus der Reihe Beck Wissen.

Um die Ursachen und das Wesen des Islamismus zu verstehen, nennt Seidensticker seine wichtigsten Vordenker und ordnet sie historisch ein. Er beschreibt Herkunft und Kernanliegen von Al-Afghani und Rashid Rida sowie Hasan al-Banna, dem Gründer der Muslimbrüderschaft. Ebenso erwähnt werden Sayyid Qutb, Ideologe des radikalisierten Islamismus, Ruhollah Khomeini, Gründer der Islamischen Republik Iran, Hasan at-Turabi, Pate des...