Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Willibald Bösen: Für uns gekreuzigt?

 

In seinen Werken „Der letzte Tag des Jesus von Nazaret. Was wirklich geschah" (1994) und „Auferweckt gemäß der Schrift. Das biblische Fundament des Osterglaubens" (2006) hat sich der Verfasser bereits mit der Thematik seines neuesten Buches „Für uns gekreuzigt? Der Tod Jesu im Neuen Testament" befasst – und sich mit seinen didaktisch gut präparierten Abbildungen in der exegetischen Fachwelt einen guten Ruf erworben.

Die Thematik des irdischen, historischen, verkündenden Jesus und die Auferweckung/Auferstehung des geglaubten, verkündigten Jesus Christus „für uns" (lateinisch: pro nobis) wird im hessischen „Kerncurriculum gymnasiale Oberstufe. Katholische Religion“ in der Qualifikationsphase im Themenfeld Q1.2 „Die Auferstehung Jesu: Hoffnung über den Tod hinaus" bibeltheologisch...

Mariano Delgado: Das zarte Pfeifen des Hirten

Sie wird ein „geistiges Weltkulturerbe“ genannt und zu jenen Gestalten der Kirchengeschichte gezählt, die eine besondere „Ehre für das Menschengeschlecht“ darstellen: Teresa von Ávila (1515-1582). Mariano Delgado, Professor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Fribourg (Schweiz) und exzellenter Kenner der spanischen Mystik, hat nun ein beachtenswertes Buch über die große Heilige und erste der bislang vier Kirchenlehrerinnen vorgelegt.

Seit nunmehr 500 Jahren fasziniert und inspiriert Teresa von Ávila Menschen in- und außerhalb des christlichen Glaubens. Vor allem das ihr zugeschrieben Gebet „Nada te turbe“ (Nichts soll dich ängstigen) ist zu einem weltumfassenden Trost- und Herzensgebet geworden. Doch nicht nur das. Für Delgado ist es der Schlüssel, um Teresa und...

Michael Klein: Bankier der Barmherzigkeit: Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Im März dieses Jahres jährte sich der Geburtstag des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen zum 200. Mal. Das schmale Buch von Michael Klein malt das Bild eines völlig selbstlosen Wohltäters, der immer wieder mit allen möglichen Widerständen zu kämpfen hatte. Getrieben war er dabei von seinem Glauben; bei einer Versammlung des Wohltätigkeitsvereins sprach er von Gott als „unserem obersten Direktor“. Das Buch gibt Einblicke in Raiffeisens Beweggründe für sein Engagement, es zeigt die Wurzeln seiner Aktivitäten – auch während seiner Bürgermeisterämter –, bringt seinen unerschütterlichen Glauben, seine praktizierte Nächstenliebe auf den Punkt und ordnet diese richtigerweise in seine familiären Wurzeln ein. Es ist interessant, hierzu immer wieder Originalschriftstücke im Text zu finden.

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Huub Oosterhuis: Sei hier zugegen

Lehrgedichte haben im Jesuitenorden eine lange Tradition. Seit dem 16. Jahrhundert gibt es sie über Musikinstrumente, Schießpulver, Schokolade, Kaffeebohnen, Fischerei, Seefahrt und vieles andere. Lerninhalte sollten, so das didaktisch-pädagogische Interesse, anders als trocken-wissenschaftliche Abhandlungen auf feinsinnige, durchaus kunstvolle, aber verständliche und kreative Art und Weise „volksnah“ vermittelt werden. Neben über 400 liturgischen Liedtexten, zahlreichen Essays, Gebeten und Gedichten weist die Bibliographie von Huub Oosterhuis, dem ehemaligen Jesuiten aus Amsterdam, immer wieder Lehrgedichte auf. Sie sind eigentlich für den Gebrauch außerhalb des kirchlichen Raums bestimmt wie „Het Lied van de Aarde “ (Lied von der Erde, 1998)“, „Het Lied van de Eeuw“ (Lied von dem...

Mirjam Schambeck / Sabine Pemsel-Maier (Hg.): Welche Werte braucht die Welt?

Die Herausgeberinnen reagieren auf das gewachsene Bewusstsein, dass sich die Gesellschaft und Kultur, angeregt durch Migrationsbewegungen und Integrationsanforderungen, zunehmend wandelt. Wie sind Werte auch unter Maßgabe des Christlichen neu auszuhandeln, welche dürfen, welche müssen sich transformieren? Es kommt nicht von ungefähr, dass Wertebildung „ein zentrales Thema innerhalb der Religionspädagogik und -didaktik der letzten Jahre“ (7) ist.

Der Sammelband beinhaltet 12 Beiträge in drei Kapiteln zu „Wertefragen in religionspluraler Gesellschaft – religionssoziologische und religionspädagogische Erkundungen“, „Christliche Wertebildung angesichts religiöser Pluralität – religionspädagogische Zuspitzungen“ und „Islamische Wertebildung angesichts religiöser Pluralität – muslimische...

Eva Willebrand: Literarische Texte in Religionsbüchern

 

„Misstraut gelegentlich euren Schulbüchern! Sie sind nicht auf dem Berg Sinai entstanden, meistens nicht einmal auf verständige Art und Weise, sondern aus alten Schulbüchern, die aus alten Schulbüchern entstanden sind, die aus alten Schulbüchern entstanden sind. Man nennt das Tradition. Aber es ist etwas ganz anderes.“ Pointiert fordert Erich Kästner in seiner „Ansprache zum Schulbeginn“ einen kritischen und mündigen Umgang mit Schulbüchern. Eva Willebrand, Theologin und Germanistin, hat in einer umfangreichen und quellenkundigen Studie einen ebensolchen Umgang mit Religionsbüchern im Sinne Kästners gewagt. Dabei gilt das Forschungsinteresse ihrer von Georg Langenhorst betreuten Dissertation der Verwendung von literarischen Texten in Religionsbüchern. Die Autorin zeichnet in historischer...

Konstantin Lindner / Mirjam Schambeck / Henrik Simojoki / Elisabeth Naurath (Hg.): Zukunftsfähiger Religionsunterricht

Dass der Religionsunterricht zukünftig konfessionell-kooperativ erteilt wird, ist ein breiter Konsens, der nicht nur von Religionspädagogen beider Konfessionen an den Hochschulen und von einem Großteil der Religionslehrer getragen wird, sondern auch von den deutschen Bischöfen. Ihre jüngste Erklärung „Die Zukunft des konfessionellen Religionsunterrichts“ (2016) nennt der evangelische Religionspädagoge Henrik Simojoki „eine in ihrem ökumenischen und didaktischen Potenzial bahnbrechende Veröffentlichung“. Das Lob ist nicht übertrieben, denn in der Erklärung wird der Fokus der Debatte um die Kooperation von katholischem und evangelischem Religionsunterricht verschoben, weg von den schulorganisatorischen Problemen und hin zu den theologischen und didaktischen Fragen der Kooperation.

Wie soll...

Hans Goller: Das Rätsel Seele

Hans Goller beginnt, eine Stärke seines Buches, mit einem Kapitel über die Seele in unserer Alltagssprache, das in der Feststellung kulminiert: Über die Seele sprechen wir in Metaphern. Wäre diese Einsicht doch nur mehr berücksichtigt worden!

Der Verfasser fährt in seinen beiden folgenden Kapiteln fort mit Referaten aus der Geschichte der Psychologie – namentlich Freud, Skinner, Pawlow und Rogers – und der Neurowissenschaften: Er referiert ältere und neuere Untersuchungen an Menschen mit geteiltem Hirn, was durch Zerschneiden der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften oder zwischen Stirnhirn und Stammhirn zustande kam. Die Untersuchungen werden nicht kritisiert oder auf ihre Aussagefähigkeit in der Frage nach der Seele kritisch überprüft.

Wenn Goller in den Folgekapiteln die...