Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Walter Homolka / Juni Hoppe / Daniel Krochmalnik: Der Messias kommt nicht

Der Titel dieses Buches klingt zunächst sehr provokativ, ist doch die Messiaserwartung wesentlicher Bestandteil der jüdischen Religion, denn sein Kommen wird von vielen Propheten in der Bibel angekündigt. Einer der bedeutendsten jüdischen Religionsphilosophen, Maimonides (1135-1204), schreibt im 12. seiner berühmten 13 Glaubenssätze: „Ich glaube mit voller Überzeugung an das Kommen des Messias, und obgleich er noch säumt, will ich trotzdem jeglichen Tag harren, dass er kommen werde.“ Und auch im Achtzehnbittengebet (Amida) beinhaltet die 14. Bitte die Wiederherstellung Jerusalems und des Davidthrones.

Das Buch umfasst, sieht man von Vorwort und Nachwort ab, drei Beiträge von drei Wissenschaftlern, die unterschiedliche Zeiträume bearbeiten. Juni Hoppe, die die „Messiasvorstellungen im...

Lars Allolio-Näcke: Anthropologie und Kulturpsychologie der religiösen Entwicklung

Lars Allolio-Näcke legt in seinem Band, der zugleich seine 2014 abgeschlossene Habilitationsschrift darstellt, den Entwurf einer „kulturpsychologischen Theorie der religiösen Entwicklung“ vor. Mit einem vorangestellten Zitat Ernst E. Boeschs und in seinem Vorwort macht der Autor klar, dass er Ansätze der akademischen Psychologie zur Religionspsychologie für nicht weiterführend hält und in einer an Boesch orientierten Kulturpsychologie die Lösung sieht.

So beginnt die Gliederung der Arbeit zunächst auch mit einer Betrachtung des Verhältnisses von Theologie und Psychologie, die der Autor in einem großen historischen Bogen mit der Säkularisierung der Universitäten beginnt (Kap. 1). Die Theologie kommt fast ausschließlich als protestantische Theologie zur Sprache. Differenziert ist seine...

Rainer Oberthür: Jesus. Die Geschichte eines Mannes, der fragt

Noch ein Jesus-Buch!? Ist nicht schon alles gesagt, erzählt, analysiert, gedeutet, spekuliert, verklärt, diskutiert? – In der Tat: „Neue“ Geschichten liefert das Buch natürlich nicht. Es stellt die bekannten, die gemochten, die schönen Erzählungen dar, wobei der Blick auf Leid und Kreuz nicht vergessen wird und der Auferstehungsgedanke in vielen Kapiteln thematisiert wird.

Für manchen mag es der Wiedererkennungseffekt sein, der zufriedenstellend durch das Buch begleitet: die aus der Kindheit oder aus anderen Zusammenhängen bekannten Jesusgeschichten, die Gleichnisse, die Wundererzählungen, die Heilungsgeschichten, die Orientierung für das alltägliche Handeln und Hoffnung in einer fragwürdigen Welt anbieten. Ob die Emmausgeschichte, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das Wunder von...

Valentin Dessoy / Ursula Hahmann / Gundo Lames (Hg.): Macht und Kirche

Vom 4. Bis 5. Dezember 2019 fand in der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg der 6. Strategiekongress zu dem Thema „Macht und Kirche“ statt, an dem auch der Rezensent teilgenommen hat und der von einem sehr lebendigen und fruchtbaren Austausch geprägt war. Von daher ist die Publikation von dem Kongress schon mit Spannung erwartet worden. Das Buch beginnt, und das war etwas überraschend, mit einem Nachruf. Einer der Gründerväter der Strategiekongresse, Gundo Lames, ist zu Beginn des Frühjahrs 2020 verstorben. Er hat mit seiner Person und seinem Wissen maßgeblich zum Gelingen dieses Formats beigetragen und hat es mitgeprägt.

Es folgen sieben Kapitel, die jeweils die thematischen Schwerpunkte des Kongresses widerspiegeln: in einer Grundlegung werden die durchgehenden Themen des Kongresses...

Hans Joas: Warum Kirche?

Der an der Berliner Humboldt-Universität lehrende Soziologe Hans Joas hat unter dem etwas irreführenden Titel „Warum Kirche? Selbstoptimierung oder Glaubensgemeinschaft“ eine Aufsatzsammlung vorgelegt, die einen guten Einblick in das Denken dieses über die Grenzen seines Fachbereichs hinaus bekannten Intellektuellen gibt. Das Buch wendet sich an einen breiten Leserkreis, ist ohne umfassende Kenntnisse soziologischer Theoreme verständlich und hat sich zum Ziel gesetzt, grundlegende Orientierung in der unübersichtlichen religiösen bzw. kirchenpolitischen Lage der Gegenwart zu bieten. Behandelt werden zum einen klassische religionssoziologische Fragestellungen. Joas zerlegt noch einmal geduldig die mit der klassischen Säkularisierungsthese einhergehenden Anschauungen in seine...

Jörg Lauster: Das Christentum

Die Kulturgeschichte des Christentums skizziert Jörg Lauster, evangelischer Professor für Systematische Theologie in München, komprimiert auf 128 Seiten. Das ist eine hohe Kunst, denn seine Ausführungen zeugen von einem profunden Wissen zu Personen, theologischen Positionen sowie Dogmen- und Kirchengeschichte und weisen vielschichtige Analysen und hilfreiche Systematiken auf, um auch aktuelle Zusammenhänge und Fragestellungen des Christentums und der Kirchen besser verstehen zu können. Dies alles in einer solchen Kürze und in verständlicher Sprache aufzuarbeiten, verdient Respekt. Das Format einer kurzen Einführung in der Reihe Beck Wissen bringt es mit sich, dass vieles nur angedeutet werden kann.

In den vier Kapiteln geht der Autor zunächst auf gut 50 Seiten auf die 2000-jährige...

Stefan Kiechle: Gott die Ehre

Der Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola (1491-1556), verfasste als Frucht seiner persönlichen Erfahrungen eine Sammlung geistlicher Übungen (im spanischen Original mit dem Titel „ejercicios espirituales“), die als Klassiker in die Spiritualitätsgeschichte des Christentums eingegangen sind. Das lateinische Wort „exercitium“ bedeutet „Übung“. Wie ein Sportler trainieren muss, um seine Fertigkeiten zu entwickeln, so ist es auch im geistlichen Leben. Wer Exerzitien macht, übt sich darin, das eigene Leben zu ordnen, neu auszurichten und aufmerksam zu werden für das, was sich an inneren Regungen zeigt. Geistliche Exerzitien kennen keinen Leistungsdruck, sie sind eine Zeit der Unterbrechung des Gewohnten, sie weiten den Blick für Ungeahntes, sie leben vom Loslassen und Sich-Einlassen,...

Jürgen Werbick: Theologie anthropologisch gedacht

In seiner viel beachteten Abhandlung „Der Nachmittag des Christentums. Eine Zeitansage“ entwirft der tschechische Theologe und Soziologe Thomás Halík einen methodologischen Zugang, der das Verhältnis von Glaube und Kultur zu fassen versucht, und nennt diesen Kairologie. Diese theologische Hermeneutik, so Halik, ermögliche den christlichen Anspruch, die Zeichen der Zeit wahrnehmen, deuten und entsprechende Konsequenzen aus ihnen ziehen zu können. Notwendigerweise bedarf eine solche theologische Konzeption einer interdisziplinären akademischen Zusammenarbeit: „Die Theologie ist der Dienst am Glaube; der christliche Glaube hat jedoch in der Kultur und Gesellschaft Gestalt angekommen, und wenn wir ihn verstehen und ihm dienen wollen, müssen wir ihn in seinem Kontext wahrnehmen und auch diesen...