Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Neil MacGregor: Leben mit den Göttern

Neil MacGregor war von 2003 bis 2015 Direktor des britischen Museums und ist seit 2015 Gründungsintendant des Humboldt-Forums in Berlin. Im vorliegenden Buch erzählt er die Religions- und Kulturgeschichte der Menschheit, indem er ausgewählte Exponate „seines“ Museums beschreibt und einordnet. Die Gliederung legt drei Spuren in einem Durchgang: Von den Anfängen Richtung heute, vom Einvernehmlichen zum Strittigen, von der Registrierung der Vielfältigkeit hin zu einer klaren Pointe. Als Hintergrundthema bleibt im ganzen Buch die Frage virulent, wie sich Kultur und Religion zur Macht verhalten.

Das Buch dokumentiert im ersten Teil Objekte, durch die der Mensch seinen Platz unter den Geschöpfen reflektiert, den Löwenmann aus dem Lonetal (den das britische Museum nicht besitzt), den Vestakult...

Sigmund Bonk (Hg.): Zwischen Rationalität und Religion

Sowohl im Bereich der katholischen Theologie im Allgemeinen als auch unter Religionslehrern im Besonderen ist seit Jahrzehnten für viele der Name Josef Ratzinger / Benedikt XVI. mit der Aura des Inquisitorischen versehen. Nur wenige nehmen eine Überzeugung zur Kenntnis, die für seine Theologie schon seit langer Zeit leitend geworden ist: dass christlicher Glaube und Vernunft, Offenbarung und Aufklärung keine Feinde sind, sondern füreinander eine wechselseitige Herausforderung darstellen, von der beide Seiten nur profitieren können.

Dieser Überzeugung weiß sich auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer verpflichtet, der im Jahr 2014 in seinem Bistum das „Forum Albertus Magnus“ eröffnet hat, dessen Vorträge aus den darauf folgenden Jahren im vorliegenden Sammelband veröffentlicht...

Monika und Udo Tworuschka: Der Islam: Feind oder Freund?

„Dieses Buch ist kein islamkritisches Buch, sondern ein kritisches Islambuch. Das ist nicht dasselbe. […] Wir wollen in unserem Buch nicht die Fratze des Islam zeigen, sondern das Gesicht einer bedeutenden Religions- und Kulturtradition – selbstverständlich ohne Burka.“ Mit diesen programmatischen Worten erklärt das Autoren-Ehepaar Monika und Udo Tworuschka, beide ausgewiesene Religionswissenschaftler mit ausgezeichneten Publikationen im Bereich interreligiöser Dialog, die Zielrichtung des vorgelegten Sachbuches zum Thema Islam. Einer durch Populisten aufgeheizten Stimmungsmache stellen die Autoren 38 ausführliche Thesen entgegen, die Zerrbilder – zwischen Ängsten, Islamophobie und Rassismus – korrigieren und zu einer differenzierten Wahrnehmung und Diskussion anregen. Hierzu wählen die...

Bernward Schmidt: Kleine Geschichte des Ersten Vatikanischen Konzils

Die gegenwärtigen Diskussionen um Macht und Machtentflechtung in der Kirche sind ohne die Geschichte des 19. Jahrhunderts und besonders des Ersten Vatikanischen Konzils nicht zu verstehen. Es ist eine Geschichte der beständigen Erweiterung der dogmatischen und rechtlichen Position von Papst und Kurie, gipfelnd in den Dogmen von der päpstlichen Unfehlbarkeit und dem Jurisdiktionsprimat des Bischofs von Rom.

Bernward Schmidt, seit kurzem Lehrstuhlinhaber für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt, stellt das Konzil in den Kontext der theologischen Fragen des 19. Jahrhunderts im Streit zwischen verschiedenen „Schulen“. Die ultramontane Richtung setzte sich ab der Jahrhundertmitte durch. Dem durch die italienische Einigung bedrängten Kirchenstaat wurde...

Michael Braun: Probebohrungen im Himmel

Hannah Arendt entwarf in ihrem Umgang mit der abendländischen Ideengeschichte das von ihrem Freund Walter Benjamin inspirierte Bild des Perlentauchens. Arendt beschreibt damit einen Modus, sich die Perlen bisherigen fortschrittlichen Denkens für den eigenen Blick auf die Welt nutzbar zu machen und damit Denkmöglichkeiten und Sprachbilder zu entfalten, die ein neues Licht auf unsere heutigen Erfahrungen werfen können. Geleitet war Arendt dabei von dem Gedanken, nicht durch einen brachialen Bruch mit der Ideengeschichte, sehr wohl aber durch einen kritischen Umgang mit der überkommenen Autorität der Überlieferung im Tauchen nach Perlen gegenwärtige Entwicklungen aufmerksam wahrzunehmen, kundig einzuordnen und letztlich den Versuch zu wagen, diese zu verstehen.

Mit seinem umfangreichen Band...

Rainer Schwindt: Der Gesang der Engel

Der Koblenzer Bibelwissenschaftler Rainer Schwindt wehrt sich in seinem neuesten Werk wortgewaltig und mit großer Gedankenschärfe gegen ein weitgehend unbemerktes Artensterben. Genannt seien nur einige vom Aussterben betroffene „Populationen“, die Cherubim, die Seraphim, Throne, Mächte und Gewalten. Das Buch ist aus einem liturgischen Impuls heraus geschrieben worden. Wer es aufschlägt und liest, dem eröffnet sich ein wahrer Kosmos im ursprünglichen Sinn, eine Raum- und Zeitentiefe, wie sie selten in einem Buch dargeboten wird und erfüllt von irdischen und himmlischen Klängen ist. Liturgie hat in der menschlichen Kulturgeschichte als Gotteslob begonnen; die Menschen sind bloß Mitfeiernde, nicht die Adressaten der Feier, und Liturgie will durch die Zeiten und Kulturen hindurch auch so...

Isaac Kalimi: Untersuchungen zur Jüdischen Schriftauslegung und Theologie

Das 380-seitige Opus von Isaac Kalimi, Forschungsprofessor der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, ist für den Unterricht in der gymnasialen Oberstufe (vgl. Kerncurriculum gymnasiale Oberstufe: E2 „Gotteswort als Menschwort" und Q2 „Gott – verborgen und offenbar") und prinzipiell für den Verkündigungsauftrag der Kirchen im Hinblick auf das jüdische Schriftverständnis der Hebräischen Bibel im Rahmen des christlich-jüdischen Dialogs im Sinne der interkulturellen bzw. interreligiösen Begegnung sehr lesenswert.

Seit Ende des 2. Jahrhunderts bezeichnen wir Christen – die ersten Christen waren allesamt Juden – in Anlehnung an 2 Kor 3,14 den „TaNaK" fälschlicherweise als „Altes Testament". In den ersten sechs Kapiteln legt der Verfasser die Bindung bzw. Opferung Isaaks im Zusammenhang mit der...

Jens Balzer: Pop und Populismus

Der Titel des Buches des Journalisten Kolumnisten Jens Balzer verspricht mehr, als das Werk letztlich halten kann, nämlich eine Auseinandersetzung mit dem Modethema „Populismus“, worunter er die Polarisierung unserer gegenwärtigen Gesellschaft fasst (12). Stattdessen haben wir es mit einem Großessay zu tun, der gelegentlich so wirkt, als seien verschiedene Kolumnen zu einem Buch zusammengefügt worden. Ihr verbindendes Thema: Popmusik, hier nicht verstanden im Sinne eines Genres, sondern schlicht im Sinne populärer, aktueller Musik. Das heißt, es dreht sich einmal um deutschen Hip-Hop und die Echoverleihung, um Heimatrocker wie Andreas Gabalier oder Frei.Wild und auch um die britische Band Planningtorock, bei der man sich wird fragen dürfen, ob sie zum beschriebenen Genre gehört. Inhaltlich...