Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Dirk Ansorge: Kleine Geschichte der christlichen Theologie

Christliche Theologie steht von ihrem Ursprung her vor einer doppelten Herausforderung. Auf der einen Seite ist sie von der Überzeugung geprägt, dass „Gottes unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen“ wird (Röm 1,20). Auf der anderen Seite gilt sie dem, „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist“ (1 Kor 2,9). Daraus ergibt sich eine wechselseitige Herausforderung von menschlicher Vernunft und christlichem Offenbarungsanspruch, deren wechselvolle Geschichte im vorliegenden Band nachgezeichnet wird. So beginnt die Darstellung mit der frühen Kirche und endet mit der Vorstellung gegenwärtiger theologischer Ansätze wie z.B. des Freiheitsdenkens bei Thomas Pröpper und seiner Schule, der „Dramatischen...

Dieter Berg: Franziskus von Assisi

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieter Berg legt mit seinem neuen Buch eine höchst lesenswerte Biographie des populärsten Heiligen der Christentumsgeschichte vor! Dabei handelt es sich angesichts der Überfülle an Quellen wie an relevanten Studien zum historischen Kontext der Person des Franziskus, nicht zuletzt ebenso an älteren biographischen Entwürfen, um eine ausgewogene, die geschichtlichen Umstände behutsam würdigende Darstellung eines Menschenlebens.

Der Band weist folgende in neun Kapiteln sich entfaltende Organisation auf: Kapitel 1 ist überschrieben mit: „Franziskus – eine biographische Skizze”. Diesem Einstand folgen drei Kapitel, die sich mit den italienischen Verhältnissen des 12. und 13. Jahrhunderts befassen: Kapitel 2 handelt von der „Kirche und religiöse[n]...

Erich Garhammer: Und er bewegt sie doch

Wie Papst Franziskus Kirche und Welt verändert

Erich Garhammer legt keine Biografie des amtierenden Papstes vor, sondern versucht, die Veränderung von Kirche und Welt durch Franziskus an Beispielen aufzuzeigen. Er mutmaßt, warum Benedikt XVI. zurückgetreten ist, und schildert dann den Auftritt des neuen Papstes. Länger wird zitiert, wie der neue Papst sich in kurzen Antworten auf kurze Fragen charakterisiert. Auf einige Motive aus dem Interview geht Garhammer näher ein: Die Großmutter Jorge Bergoglios, die Liedform der Milonga, die Rede im Vorkonklave, in der es um die Deutung des II. Vatikanischen Konzils geht, und die Erinnerung an Papst Johannes XXIII. Mehr in die Tiefe gehen Erörterungen über das Verhältnis Jorge Bergoglios zum Jesuitenorden, zur ignatianischen Spiritualität, zum...

Michael Kühnlein: Wer hat Angst vor Gott?

Über Religion und Politik im postfaktischen Zeitalter

Michael Kühnlein, Dozent am Institut für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt a.M., sieht im Blick auf das Projekt der Moderne zwei vielen Einzelaussagen vorausgehenden Hintergrundüberzeugungen am Werk: auf der einen Seite eine emanzipatorische Weltsicht ohne Gott mit Bildern von Immanenz, Befreiung und Selbstermächtigung, auf der anderen Seite eine tradierte religiöse Weltsicht mit Bildern von Transzendenz, demütigem Glaubensgehorsam und Selbstbegrenzung. Unheilvoll ist dieser Konkurrenzkampf für die Moderne dadurch, dass jede Partei für sich eine Existenzberechtigung nur darin zu sehen vermag, die andere triumphalistisch niederzuringen, anstatt komplementäre Lernprozesse einzugehen – ein selbstzerstörerisches Desiderat,...

Annette Schleinzer: Madeleine Delbrêl

Prophetin einer Kirche im Aufbruch
Impulse für Realisten

Aus unterschiedlichen Perspektiven beschreibt Annette Schleinzer zunächst die aktuelle „Realsituation“ von Kirche und Glaube, um darauf mit Madeleine Delbrêls (1904-1964) „Realismus“– unter dem Motto: Optimismus trifft Pessimismus – zu antworten. Zu Recht verweist die Verfasserin auf die Bedeutung des Blickwinkels und der Einstellung, wenn sie der „Großwetterlage“ von Kirche und Glaube die erfrischende, elanvolle Sicht der „Nachkonzilsprophetin“ entgegensetzt. Das „Gefühl der Niederlage, das uns in unzufriedene und ernüchterte Pessimisten mit düsterem Gesicht verwandelt“ (Papst Franziskus), löst sich auf, wenn man mit Madeleine Delbrêl, der immer bekannter werdenden französischen Mystikerin, Sozialarbeiterin und Schriftstellerin,...

Clemens Sedmak: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Zur Anwendung der Katholischen Soziallehre

Als Ziel des Buches nennt der österreichische Theologe Clemens Sedmak, der sowohl für Philosophie als auch für Fundamentaltheologie habilitiert wurde und inzwischen am King’s College in London lehrt, die Sondierung von Anwendungs- und Umsetzungsproblemen der Katholischen Soziallehre. Er beginnt seine Ausführungen ganz grundlegend mit dem Prinzip der Menschenwürde und macht dabei die These stark, dass weniger stichhaltige Argumente als vielmehr eine exemplarische „tiefe Praxis“ der Menschenwürde entscheidend sei, weil sie unter erschwerten, besonders herausfordernden Bedingungen den persönlichen Einsatz deutlich mache, der Menschen motiviere und dadurch andere beeindrucken könne. Daran anschließend weist er der Soziallehre einen „therapeutischen...

Gerd Häfner: Anstößige Texte im Neuen Testament

Historisch-kritische Bibelexegese und gläubige Bibellektüre – geht das zusammen? Sowohl von Gläubigen als auch von Bibelkritikern wird dies immer wieder bestritten. Gerd Häfner beweist mit seinem Buch aber das Gegenteil. Eine historisch-kritische Betrachtung der Bibel verhindert keineswegs die gläubige Lektüre, sondern erweitert vielmehr die Perspektive und schärft den Blick. Häfners Aufhänger sind gerade die Texte, die vor allem von den „neuen Atheisten“ gerne als Argument gegen die Bibel und den biblischen Gott vorgebracht werden – die fragwürdigen, anstößigen und manchmal regelrecht skandalösen Texte des Neuen Testamentes.

Der Autor unterscheidet dabei vier typische Verständnisschwierigkeiten, die im Zusammenhang mit biblischen Texten auftreten können: 1. Verständnisschwierigkeiten auf...

Patrick Roth: Die Christus-Trilogie

Kommentierte Ausgabe

Als in den 1990er Jahren drei erzählende Bücher über Christus erschienen, geschrieben von einem deutschen Autor in Los Angeles, da wusste die Literaturkritik nichts Rechtes damit anzufangen. Von „Bibelkrimis" war die Rede und von „Überwältigungsprosa“, gar von „inbrünstigen Heilsgeschichtenerzählungen“. Seit der „religiös musikalischen“ Wende um 2001 ist das anders. Patrick Roths Christus-Trilogie, bestehend aus den Bänden „Riverside" (1991), „Johnny Shines oder Die Wiedererweckung der Toten" (1993) und „Corpus Christi" (1996), ist ein Masterplan für den „Botschaftsverkehr zwischen Oben und Unten" (Sibylle Lewitscharoff), der sich intensiver als zuvor in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur abspielt. Nun ist die Trilogie erstmals in einem Band gebündelt, versehen...