Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Michael Hochschild: Moralischer Anti-Terrorismus

Der Titel verblüfft in seiner Haupt- wie Unterzeile: Was mag mit dem moralischen Anti-Terrorismus gemeint sein? Doch nicht die x-te Auseinandersetzung mit der Plage des islamistischen und sonstigen Terrorismus? Und die „Postmoderne“ aus der Unterzeile: War das nicht jener „Es gibt keinen Logos, nur Perspektiven“-Hype aus den 1980-er Jahren, der heute eher abgestanden wirkt? Aber dann, im vierten der sieben kurzen Kapitel, erfährt der überraschte Leser, dass es Immanuel Kant war, der den Begriff des „moralischen Terrorismus“ ins Spiel brachte. Der Denker aus Königsberg bezeichnete damit in seiner Schrift „Streit der Fakultäten“ eine Haltung, die unsere Welt im kontinuierlichen Niedergang wähnt; ein Szenario, das zu den ältesten Stereotypen der Menschheitsgeschichte gehören dürfte. Nun also...

Otto Zsok: Anerkennung

Die unterschätzte Kraft für eine positive Lebensbewältigung 

In seinem neuesten Buch erschließt der Philosoph und Psychotherapeut Otto Zsok „die hohe Bedeutung der Anerkennung“ (27) – und zwar für alle von uns, seien wir nun arm oder reich, krank oder gesund, unauffällig oder berühmt, erfolglos oder erfolgreich, privat in uns verschlossen oder sozial und politisch engagiert. 

Ausgehend von der Beobachtung, dass es sich bei der Anerkennung um „die unterschätzte Kraft für eine positive Lebensbewältigung“ handelt, zeigt der langjährige Leiter des Süddeutschen Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse in 9 Kapiteln auf, wie das ganz Große in jedem Leben gelingen kann. Denn das Anerkennungsgeschehen ist eminent sinnstiftend und heilsam, sowohl für den, der die Anerkennung empfängt, als...

Lutz Berger: Die Entstehung des Islam

Gegenwärtig ist der Islam zu einem Diskursfeld (Werner Schiffauer) geworden, auf dem wahre Schlachten stattfinden. Inner- und auch außerislamisch herrscht ein Kampf um die (theologische) Deutungshoheit des „Wesens“ des Islam und seinen (politischen) (Allein-)Vertretungsanspruch in der Gesellschaft. Für viele Akteure wird dabei vor allem die Entstehungsgeschichte dieser Religion zu einer Projektionsfläche, in der man – je nach Perspektive – schon ihre Defizite (Gewaltaffinität, Unterdrückung der Frau, Demokratiefeindlichkeit usw.) oder ihre Errungenschaften (Frieden, Dialog der abrahamitischen Religionen, Humanisierung der Gesellschaft usw.) zu finden meint.
 
Lutz Bergers Buch ist dagegen von wohltuender Nüchternheit und Sachlichkeit. Direkt in seinem Vorwort erteilt der Kieler...

Josef Zemanek: Das Vater-Unser

Diese Untersuchung des christlichen Grundgebets gliedert sich in drei Teile: Der erste Teil behandelt die Textgrundlage: Hier werden verschiedene Überlieferungen (Matthäus, Lukas und gleichwertig die Redequelle Q) verglichen. Zemanek rekonstruiert daraus eine hebräische und eine aramäische Fassung. Ebenfalls analysiert er zwei lateinische Traditionen und die Textfassung der russisch-orthodoxen Liturgie. Er erarbeitet Grundvoraussetzungen eines für ihn wahrscheinlichen Ursprungstextes, analysiert die Struktur des Vater-Unsers und vergleicht die Ergebnisse mit drei zeitgleichen jüdischen Gebeten. Abschließend untersuchtder Autor die Textfassungen des Vater-Unsers in ihrem jeweiligen Kontext in der Redequelle Q, Matthäus und Lukas.
 
Auf dieser Grundlage analysiert der Heiligenkreuzer Dozent...

Thomas Hieke / Benedict Schöning: Methoden alttestamentlicher Exegese

unter Mitarbeit von Sonja Dussel und Franziska Rauh

Der Titel des vom Mainzer Alttestamentler Thomas Hieke und seinem Mitarbeiter Benedict Schöning herausgegebenen Buches verrät nicht die ganze Wahrheit über den Inhalt. Wer eine nüchterne Auflistung der exegetischen Methoden erwartet, aufgelockert von allfälligen Beispielen, wird enttäuscht werden. Das Buch verrät – und man ist geneigt zu sagen: Gott sei Dank! – durchgehende seine Wurzeln, nämlich die Lehr- und Lernerfahrungen der Autoren.

Damit bin ich gleich bei einem Punkt, der diesen von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft publizierten Band so sympathisch macht: die durchgängig zu erfahrende Praktikabilität des Buches. Die Modularisierung der Studiengänge hat insbesondere für Lehramtsstudierende dazu geführt, dass der Erwerb...

Jürgen Heidrich / Johannes Schilling: Martin Luther - Die Lieder

Hohe Anerkennung gebührt den – im besten Sinne humanistisch, musikalisch und theologisch gelehrten – Herausgebern für dieses feinsinnige Werk, in dem ein Stück musikalische Geistesgeschichte eingefangen wurde. Die geistlichen Lieder Martin Luthers, insgesamt 36, sind darin gesammelt, sorgfältig geordnet und kommentiert. Sie seien, heißt es im Nachwort, „gesungene Theologie“, zugleich auch „der konzentrierteste, dichteste, dauerhafteste und wirkmächtigste Ausdruck“ der Theologie Martin Luthers (192). Diese besondere Form der Verkündigung der Frohen Botschaft beginnt um den Jahreswechsel 1523/24 und erreicht 1529 einen vorläufigen Höhepunkt. Luther, mit gutem Beispiel vorangehend, lädt verschiedene Leute zur Mitarbeit ein (Georg Spalatin, Johann Dolzig), sie darum bittend, einen Psalm in ein...

Matthias Theodor Kloft: Dom und Domschatz in Limburg an der Lahn

Aufnahmen von Michael Benecke und Marcel Schawe

Der Limburger Dom, eines der schönsten Gotteshäuser des Landes und Wahrzeichen der Stadt, ist seit fast 200 Jahren immer wieder Objekt der monographischen Darstellung. So könnte leicht der Eindruck entstehen, es sei alles zu dieser Kirche gesagt. Dass dem keineswegs so ist, beweist die neue Publikation über Dom und Domschatz aus der Feder von Matthias Theodor Kloft, der damit eine erweiterte und aktualisierte Neubearbeitung der ersten Auflage von 2006 vorlegt. 

Der Verfasser präsentiert eingangs diverse Domabbildungen, die nicht nur einen Eindruck des Gotteshauses vermitteln, sondern auch viel über die Betrachtungsweise im Laufe der Jahrhunderte aussagen. Er erläutert die historischen Zusammenhänge der Stiftsgründung um 910 und die...

Johannes Heger / Thomas Jürgasch / Ahmad Milad Karimi (Hg.): Religion? Ay caramba!

Theologisches und Religiöses aus der Welt der Simpsons
Unter Mitarbeit von Fabian Freiseis und Florian Ruf

Gewichtig und schwer zu beantworten ist die Frage geworden, wie sich Theologie und Popkultur zueinander verhalten können. Dabei reicht das Verhältnis bisweilen von ignoranter Ablehnung bis zur billigen Anbiederung. Mit „Religion? Ay Caramba! Theologisches und Religiöses aus der Welt der Simpsons“ haben junge Theologinnen und Theologen einen fulminanten Band vorgelegt, der zeigt, wie die Beziehung von Theologie und Popkultur kritisch rezipiert werden kann und welch ergiebiges Potential durch eine solche Beschäftigung zu heben ist.

Seit über 25 Jahren hält die amerikanische Zeichentrickserie „Die Simpsons“ der westlichen Welt den humorvollen Spiegel der Zuspitzung, Übertreibung und...