Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Jan-Heiner Tück / Rudolf Langthaler (Hg.): „Es strebe von euch jeder um die Wette.“

Lessings Ringparabel – ein Paradigma für die Verständigung der Religionen heute?

Auf den ersten Blick scheint der vorliegende Sammelband nicht zu halten, was sein Untertitel verspricht. Denn nur ein Teil seiner Beiträge setzt sich mit der Aktualität der Ringparabel auseinander. Etliche Aufsätze leuchten ihre Vorgeschichte oder ihren geschichtlichen Kontext in Leben und Werk Lessings aus, und insbesondere zeigt in diesem Zusammenhang W.A. Euler, welche Ansätze zur Würdigung anderer Religionen schon die christliche Theologie des Mittelalters hervorgebracht hat. Auf diese Weise wird es freilich erst möglich, den spezifischen religionstheologischen Beitrag zu würdigen, den Lessing selber zur Konkurrenz religiöser Wahrheitsansprüche liefert. Dieser besteht zunächst einmal in der Forderung, in...

Bernhard Grom: Große Frauen und was sie bewegten

„Was lehren uns die Biografien bedeutender Frauen?“ Dieser Frage wendet sich der wissenschaftlich ausgewiesene Jesuitenpater Bernhard Grom SJ in seinem Buch „Große Frauen und was sie bewegten“ zu. In siebzehn Porträts stellt er prägende Frauengestalten vor und greift damit ein Thema im Kontext des Lernens an historischen wie aktuellen Biografien auf – was nicht nur für Frauen von Interesse ist.

Die exemplarisch ausgewählten Frauenbiografien werden nicht nur sozialgeschichtlich dargestellt, sondern auch auf der persönlichen Ebene beleuchtet; so kommt in den Blick, wie die Frauen ihre Fähigkeiten entwickelt haben. So hat die sich für Frauenrechte einsetzende Ordensfrau Ruth Pfau einst in Karatschi wegen eines Visumproblems einen Zwischenstopp einlegen müssen und ist dort geblieben: Die...

Achim Buckenmaier: Lehramt der Bischofskonferenzen?

Anregungen für eine Revision
 
Die Deutsche Bischofskonferenz ist ein uns wohl bekanntes Gremium. Sie fällt viele Entscheidungen, sie äußert sich zu vielen Fragen in Kirche und Gesellschaft. Doch ist von ihr in der vorliegenden Schrift nicht die Rede. Es geht vielmehr um die Bischofskonferenz als solche. Achim Buckenmaier reflektiert ihre Stellung im Gefüge der Kirche, er lotet die Spielräume aus, innerhalb derer sie angesichts neuer Herausforderungen neu ausgerichtet werden kann. Seine Erörterungen bewegen sich im Bereich der dogmatischen und kanonistischen Lehrzusammenhänge.
 
In seinem ersten Lehrschreiben, „Evangelii gaudium“, in dem es um die „Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute“ ging, hat Papst Franziskus alle Teilkirchen aufgefordert, im Blick auf die Verkündigung des...

Helga Kohler-Spiegel: Traumatisierte Kinder in der Schule

Die erfahrene Pädagogin Helga Kohler-Spiegel geht von der grundlegenden Bedeutung der Beziehung zwischen dem Kind und seinen Bezugspersonen aus. Diese drückt sich vor allem im wohlwollenden, einfühlsamen Blick der Mutter, aber auch jeder anderen Pflegeperson aus. Damit ruft die Autorin zu Recht eine für das pädagogische Denken und Handeln zentrale – momentan vielleicht vergessene – Einsicht der personalen, dialogischen Anthropologie jüdisch-christlicher Provenienz in Erinnerung: Alles wirkliche Leben ist als Beziehung zu verstehen (M. Buber). Zu sein bedeutet, angesehen zu werden: „Esse = percepi“ (B. Grom). Das bestätigen die Einsichten der humanistischen Psychologie R.D. Laings ebenso wie das aus der nicht-direktiven Gesprächstherapie von Carl Rogers bekannte „Spiegeln“.
 
Anschließend...

Sabine Pemsel-Maier: Gott und Jesus Christus

Orientierungswissen Christologie

Sabine Pemsel-Maier, Professorin für Katholische Theologie / Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Dogmatik und ihre Didaktik, hat Pionierarbeit geleistet und eine für den Kontext Schule bestimmte Christologie vorgelegt. Für diesen Zweck hat sie – geleitet vom didaktischen Prinzip der Elementarisierung – den komplexen theologischen Fachdiskurs auf elementare Argumentationsfiguren reduziert. Die vorliegende „elementare Christologie“ möchte Lehrkräfte von der Primar- bis zur Oberstufe befähigen, „eine adäquate Theologie bzw. Christologie für Kinder und Jugendliche bereit zu stellen“ (13). Hinter diesem begrüßenswerten Ziel steht die Beobachtung, dass im Religionsunterricht (RU) beider christlicher Konfessionen der Glaube nicht selten nur als Ethik und Jesus...

Gerhard Mayer / Michael Schetsche / Ina Schmied-Knittel / Dieter Vaitl (Hg.): An den Grenzen der Erkenntnis

Handbuch der wissenschaftlichen Anomalistik

Das Buch versucht eine Pionieraufgabe zu übernehmen – nämlich in einem Bereich, der von seinem Image her „esoterisch verseucht“ gilt, Klarheit über das zu schaffen, was im weitesten Sinne empirisch als gesichert gelten kann. Die Fülle der Artikel dieses Handbuches aufzuzählen würde den Umfang sprengen. Deshalb beschränke ich mich auf einige grundsätzliche Betrachtungen und nehme auf die verschiedenen Phänomenbereiche nur exemplarisch Bezug.

Wie schon das Wort Anomalistik sagt, handelt es sich hier um einen Bereich, in dem wiederholbare Experimente naturgemäß nur eine geringe Rolle spielen können (99). Es ist darauf hinzuweisen, dass Anomalien in den anerkannten Wissenschaften vorkommen, dort zunächst stören, aber andererseits einen...

Klaus von Stosch: Herausforderung Islam

Christliche Annäherungen

Zugegeben: Von einem „Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften (ZeKK)“ habe ich erstmals im Sommer 2016 gehört, als nämlich die Veröffentlichung des hier zu besprechenden Buchs bevorstand. Sein Autor, Dr. Klaus von Stosch, Professor für Kath. Theologie und ihre Didaktik, Jahrgang 1971, leitet dieses Institut an der Universität Paderborn bereits seit 2009. Er hat es initiiert und wesentlich geprägt. Namhafte muslimische und jüdische Theologinnen und Theologen arbeiten an diesem interreligiösen Projekt mit und veranstalten Begegnungen von Studierenden vor Ort: in Deutschland, im Iran, in Ägypten und anderswo.

Es geht nicht um vergleichende Religionswissenschaft, obwohl deren Ergebnisse aufmerksam zur Kenntnis genommen werden. Es geht vielmehr um...

Martin Ramb / Holger Zaborowski: Jenseits der Ironie

Dialoge der Barmherzigkeit

Wer das Buch in die Hand nimmt und die Beiträge liest, bedauert sicherlich, dass das Jahr der Barmherzigkeit schon zu Ende ist. Denn ausgerüstet mit dem Wissen, das die Beiträge auszeichnet, hätte man ganz anders das Jahr der Barmherzigkeit begehen können. Der Titel ist sicherlich erklärungsbedürftig. Einer der Herausgeber (Holger Zaborowski) beendet die „Dialoge“ mit einem Beitrag, der dem ganzen Buch den Titel gegeben hat. Angesichts der Flüchtlingskrise und anderen Herausforderungen sind distanzierende ironische Selbstverliebtheiten und Bespiegelungen fehl am Platz. Was so nach Ansicht des Autors als kennzeichnend für die Postmoderne angenommen werden kann, wirkt zynisch angesichts der menschlichen Nöte. Barmherzigkeit wäre die richtige Antwort auf die Nöte...