Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Burkard Porzelt: Glauben korrelativ kommunizieren

Korrelation (oft als „Wechselbeziehung“ zwischen Glaubensüberlieferung und Lebenswelt übersetzt) ist vermutlich einer der schillerndsten Begriffe in der Religionspädagogik. So groß das Einvernehmen darüber, dass Korrelation eine zentrale Kategorie für den modernen Religionsunterricht darstellt, so groß ist die Unsicherheit, was genau eigentlich mit dem Begriff bezeichnet wird – und was nicht. Ist es Korrelation, wenn am Anfang einer Unterrichtsstunde ein kurzes (mehr oder weniger konstruiertes) Alltagsbeispiel als „Aufhänger“ benutzt wird, um dann in die Erarbeitung einer kirchlichen Lehre einzusteigen? Oder wenn eine Bibelgeschichte ausführlich präsentiert wurde und dann am Ende noch schnell die Frage nachgeschoben wird: Gibt es so etwas auch heute?

Burkard Porzelt würde wohl in beiden...

Gunter Geiger / Marco Bonacker (Hg.): Zwischen Verantwortung und Kontroversität

Dem in diesem Jahr begangenen siebzigjährigen Bestehen der Katholischen Akademie Fulda ging ein zweijähriger interner Prozess voraus, in dem die Akademie Leitlinien für Ihre zukünftigen Ziele und Arbeitsweisen entwickelte und sie in einem „Mission Statement“ niederlegte. Der vorliegende Band versammelt sechzehn Beiträge aus Pädagogik, Philosophie und Soziologie, von Akademiemitarbeitern, Kooperationspartnern und aus dem Feld des interreligiösen Dialogs, um aus den jeweiligen Disziplinen und Arbeitsfeldern die Herausforderungen zu benennen, denen sich eine zukünftige Akademiearbeit vor dem Hintergrund ihrer Gründungsgeschichte zu stellen haben wird, um deren Konsequenzen für Struktur, Arbeitsweise und Themenfindung innerhalb einer katholischen Akademie zu erheben. In jedem der Beiträge sind...

Andreas G. Weiß: Kirche braucht Bildung. Ein Plädoyer

Der Satz, mit dem Andreas G. Weiß sein Buch über die Bedeutung kirchlicher Bildungsarbeit überschrieben hat, bleibt auf dem Cover ohne Satzzeichen. Was fehlt? Ein Punkt, ein Komma, ein Fragezeichen? Nun, am ehesten scheint der Satz ein Ausrufezeichen zu verlangen. Denn Weiß, Direktor des Katholischen Bildungswerks Salzburg, nennt sein Buch ein „Plädoyer“ und verrät, dass er über eine „persönliche Herzensangelegenheit“ schreibe (24). Die Entschiedenheit, mit der Weiß sich dafür stark macht, dass die Kirche Bildung als wesentlichen Bestandteil ihrer Existenz betrachten solle, ist seinem Buch überall anzumerken – und gereicht ihm nicht zum Nachteil.

Es wäre aber genauso möglich, den Titel mit einem Fragezeichen zu beschließen. Denn Bildungsarbeit ist in einzelnen Bistümern fragwürdig...

Georg Schwikart / Jochen Straub (Hg.): Ich bin traurig, du bist da. Trost-Gedanken und Lieder

Die Trauer um den Tod eines nahestehenden Menschen gehört in der Menschheitsgeschichte sowie in den verschiedenen Kulturen und Religionen zu einer der tiefsten existenziellen Herausforderungen. Es gibt dabei nicht nur eine Form der Trauer, geschweige denn eine richtige oder falsche. Jede und jeder muss sich dem Tod und der Trauer persönlich stellen und im eigenen Leben damit umgehen. Jeder Tod, jedes Sterben, jeder Verlust, jede Trauer ist unterschiedlich. Gemeinschaft und Begleitung können helfen, Kunst, Musik, Texte und ein Buch manchmal ebenso.

Eine solche Hilfe bietet das Buch „Ich bin traurig, du bist da“, das zugleich ein inklusives Kunstwerk ist und Trost schenken möchte. Es ist im Zusammenwirken mit Menschen mit Beeinträchtigungen in einer Schreib-, Mal- und Musikwerkstatt mit...

Jutta Kähler (Hg.): Ästhetik. Bilder wahrnehmen – lesen – verstehen

Ob wir es wollen oder nicht: Wir leben in einer Welt voller Bilder, weniger von Gemälden und Skulpturen als von analogen und zunehmend digitalen Fotos. Einmal auf Abstand zu gehen und über diese Situation nachzudenken, ist das Angebot, das Jutta Kähler mit der von ihr zusammengestellten „Ästhetik“ macht. Das 180 Seiten starke, für die Sekundarstufe II konzipierte Büchlein besteht aus 12 Kapiteln mit je 3 bis 7 Materialien und umfasst knapp 50 Textausschnitte und 5 Abbildungen. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen inhaltlichen Einführung mit knappen Angaben zu den Autorinnen und Autoren, den Materialien sind hilfreiche Arbeitsanregungen angefügt. Um die Lektüre zu erleichtern, erklärt die erfahrene Pädagogin und Didaktikerin in zahlreiche Fußnoten die verwendeten Fremdwörter. Dass dieses...

Jonathan Haidt: Generation Angst

Wer – wie der Rezensent – in den letzten Jahren die Hoffnung hegte, dass das großartige Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ von Neil Postman eine Fortsetzung finden würde, die das Aufkommen und die Nutzung sogenannter Sozialer Medien thematisiert, sieht seine Erwartungen vielleicht ansatzweise in dem New-York-Times- und Spiegel-Bestseller „Generation Angst“ erfüllt. Der Autor, Jonathan Haidt, ist im Unterschied zu Postman kein Medientheoretiker, sondern Professor für Sozialpsychologie. Ihm ist es gelungen, auf der Grundlage einer überwältigenden Menge an Datenmaterial nur schwerlich als zufällige Korrelationen einzuordnende Befunde in einen Erklärungszusammenhang zu bringen, der auf der Basis sorgfältiger Analysen des Forschers und seines Teams ein hohes Maß an Plausibilität bietet und den...

Klaus Mertes: Herzensbildung. Für eine Kultur der Menschlichkeit

Ein Buch mit „Herzensbildung“ zu betiteln, ist gewagt. Man könnte etwas „Softes“ vermuten, gar Esoterisches. Der Autorenname Klaus Mertes freilich lässt aufhorchen. Der Jesuitenpater und langjährige Rektor des Berliner Canisius-Kollegs sowie des internationalen Jesuitenkollegs in St. Blasien hat sich einen hervorragenden Ruf als Pädagoge erworben, er war zudem ein Vorreiter im schonungslosen Offenlegen des Versagens kirchlicher Institutionen im Umgang mit sexueller Gewalt. So lohnt ein genauerer Blick, und in der Tat ist die Lektüre eine bereichernde.

Am Anfang der barmherzige Samariter. Eine scheinbar bekannte Geschichte, die doch immer wieder Energien freisetzt und zum Denken anregt. Im Blick auf den Samariter spricht Klaus Mertes vom „ansprechbaren“ Herz, das nicht sogleich...

Wie kommt der Religionsunterricht zu seinen Inhalten?

Lange Zeit galten Lehrplanfragen im Religionsunterricht als vernachlässigenswert. In der Regel bestimmten Lehrkräfte weitgehend selbst, welche Inhalte mit Blick auf ihre Adressaten zu verhandeln waren. Erst im Gefolge von PISA wurde der regulierende Wert von Fachgruppen und schuleigenen Lehrplänen entdeckt. Allerdings blieb eine inhaltliche Neuorientierung des Faches aus, stand doch nun in erster Linie der Outcome im Fokus. In der Regel begnügten sich deshalb die Lehrplaner damit, den etablierten Mix aus christlichen Kerninhalten, aus lebensweltlichen und gesellschaftlichen Themen mit Operatoren zu versehen, was weder zu einer Konzentration des Fachlichen beitrug noch die Frage klärte, was in einer zunehmend sich entchristlichenden Gesellschaft eigentlich als religionsbezogene Bildung...