Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Uwe Birnstein: Forever Young, Bob Dylan

Entgegen dem dylanschen Lebensmotto „The Times They are a-Changin'” belässt es der Verlag bei der ideenlosen Umschlaggestaltung und einem für christliche Musikliteratur klischeehaft formulierten Untertitel, welche bereits in dieser Form die Veröffentlichung Uwe Birnsteins zu Leonard Cohens Lebenswerk zierten. Doch ebenfalls auf den zweiten Blick gleichen sich die Einschätzungen: Inhaltlich ist die vorliegende Veröffentlichung Birnsteins eine Lektüre wert.

Über einen autobiografischen Einstieg führt der Autor die Leserinnen und Leser durch die wechselhafte Biografie Bob Dylans. Birnstein verbindet Lebensphasen mit musikalischen Zeugnissen und bietet vertiefte Einblicke in theologische Fragestellungen und biblische Motive. Trotz des kompakten Formats gelingt dem Verfasser der Spagat, auf...

Carlo M. Martini: Die Flügel der Freiheit

Im Jahr 2008 leitete der schwer an Parkinson erkrankte Kardinal Carlo Maria Martini ein letztes Mal Exerzitien in Ariccia. Die Meditationen zum Brief des Apostels an die Gemeinde sind sensible Vertiefungen des Glaubens. Das letzte Buch des 2012 verstorbenen früheren Mailänder Erzbischofs wirkt wie das geistliche Vermächtnis eines liebevollen Seelsorgers, demütigen Priesters und weitherzigen Theologen. Martini begleitet sanft und geduldig die Hörerschaft und uns als Lesende heute mit Gedanken und Betrachtungen zum Römerbrief. Er bezeugt die Spuren des Evangeliums und lässt die Frohbotschaft hell aufleuchten. Mit einfachen Worten spricht Martini über die Schönheit des Glaubens. Er ermutigt dazu, sich Gott anzuvertrauen. Dazu erinnert er auch an die letzten Gespräche des heiligen Augustinus...

Bernhard Grümme / Gunda Werner (Hg.): Judith Butler und die Theologie

Die amerikanische Philosophin Judith Butler zählt zu den profiliertesten Denkerinnen poststrukturalistischer Theorien. In ihrem Denken fordert Butler heraus. Ihre Reflexionen über zentrale Begriffe wie Diskurs, Dekonstruktion, Performativität oder Körperlichkeit erfordern es, lieb gewonnene Denkgewohnheiten zu überprüfen und neue Möglichkeiten der Weltwahrnehmung zuzulassen. Ihr Band „Das Unbehagen der Geschlechter“ (1990) wurde zu einem Schlüsselwerk moderner feministischer Theorie, ihre Abhandlungen „Körper von Gewicht“ (1993) und „Hass spricht“ (1997) loten unter anderem in der Rezeption von Michel Foucault und John Austin unhintergehbar die Bedingungen und Möglichkeiten von Identitätskonstruktionen und Sprechakten aus. Das Werk von Judith Butler ist so wohltuend provozierend wie...

Michael N. Ebertz: Entmachtung. 4 Thesen zu Gegenwart und Zukunft der Kirche

Die Soziologie steht seit jeher im Verdacht, das Spiel um des Kaisers Kleider nicht mitzumachen, sondern die Dinge beim Namen zu nennen: Rolle, Beziehung, Macht, kulturelles Kapital, Eigeninteresse, Inklusion und Exklusion. Organisationen auf Interessen und Funktionsbeziehungen hin zu untersuchen kann symbolisch aufgeladene Systeme in die Krise stürzen – allerdings nur dann, wenn diese ihre Legitimation ohnehin schon eingebüßt haben, machtverschleiernde Metaphern des Commitments nur noch Kopfschütteln auslösen und Zynismus sowie Fluchttendenzen unübersehbar geworden sind.

Der katholische Theologe und Soziologe Michael Ebertz beschäftigt sich schon seit langem mit dem schwindenden Macht- und Drohpotenzial der Amtskirche sowie der schleichenden Erosion von Loyalitäten diesseits und jenseits...

Jürgen Manemann: Revolutionäres Christentum

Äußerlich ein schmales Bändchen nur, aber mit jener gewaltigen Portion Dynamit, die dem Evangelium entspricht, geht es doch in der ganzen Bibel um Befreiung aus falschen Verhältnissen – sei es aus „Ägypten“, sei es aus der Babylonischen Gefangenschaft, sei es aus dem Land „in Finsternis und Todesschatten“ wo immer. Kurzum und vorweg: Das konzentrierte Buch ist ein Muss für alle, denen an gerechte(re)n Verhältnissen liegt, zumal wenn sie christlich orientiert und zudem kirchlich beauftragt sind. Der Untertitel markiert genau den optionalen und programmatischen Charakter der Ausführungen: Wo stehen Christen und Kirche(n) in der Corona-, in der Klima-, in der Demokratiekrise – in jener förmlich selbstmörderischen Gesamtkrise menschheitlichen Ausmaßes? Was haben sie (womöglich) noch und wieder...

Martin Belz: Pfarreien im Wandel

Mit Blick auf die derzeit in Deutschland auf dem Synodalen Weg verhandelten Fragenkomplexe wird immer wieder auf die Konzilszeit und die auf sie folgenden Umbrüche in Kirche und Gesellschaft verwiesen. Es scheint, als seien die Jahre zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Würzburger Synode (1971-1975) bestens erforscht. Tatsächlich ist es so, dass hier erhebliche Forschungsdesiderate zu verzeichnen sind, kirchenhistorische Untersuchungen weithin fehlen. Dieser Leerstelle hat sich Martin Belz in seiner Promotionsschrift zugewandt und exemplarisch die Situation in Frankfurt anhand der Entwicklungen in vier repräsentativen Pfarreien untersucht (St. Bernhard und St. Michael im Nordend, St. Bonifatius in Sachsenhausen und St. Gallus im Gallusviertel). Er wertet dazu erstmals die...

Markus Friedrich: Die Jesuiten

Kein Orden der Kirchengeschichte wurde zugleich so glorifiziert und verteufelt wie die Jesuiten. Seit der Gründung war die Gesellschaft Jesu Vor- und Feindbild. Bis heute gibt es diese Polarisierung in Veröffentlichungen. Die Jesuiten sind nicht selten entweder heiligmäßige Streiter für die Kirche oder subversive Dunkelmänner. Da hilft ein nüchterner, historischer Blick. Markus Friedrich hat nach seinem 2016 erschienenen monumentalen Band über die Geschichte des Ordens mit einem Schwerpunkt auf der Frühen Neuzeit (Die Jesuiten. Aufstieg – Niedergang – Neubeginn, München: Pieper Verlag 2016) nun in der Reihe „Beck Wissen“ einen knappen Überblick im Taschenformat vorgelegt. Wie der Verfasser zu Beginn erläutert, soll es ohne Apologetik oder Polemik um die historischen Fakten gehen, die...

Andreas Stegmann: Die Kirchen in der DDR

Andreas Stegmann stellt in fünf chronologischen Kapiteln einen Überblick über die Geschichte der protestantischen und der katholischen Kirche in der DDR vor, die beide das Feld der etwa dreißig christlichen Religionsgemeinschaften auf dem Gebiet der DDR dominierten (8). Die die Diaspora als ihren Identitätsmarker verstehende katholische Kirche umfasste aufgrund der Fluchtbewegungen nach dem 2. Weltkrieg zunächst etwa ein Zehntel der Bevölkerung der Sowjetischen Besatzungszone / DDR, das rasch jedoch auf ein Zwanzigstel zusammenschmolz. Dem landeskirchlichen Protestantismus waren zunächst vier Fünftel der Bürgerinnen und Bürger der DDR zugehörig. Bis zum Jahr 1990 sank dieser Anteil auf ein Viertel. Unter den Freikirchen stellten mit etwa zehntausend Mitgliedern die Methodisten und...